Postfinance-Computer floppt mit Auslandzahlung

Staatsbank versagt in Kernkompetenz Zahlungsverkehr – Dutzende Aufträge bleiben liegen, Gebühren schiessen hoch.

Die Postfinance-Chefs um CEO Hansruedi Köng haben sich entschieden, wer ihre Probleme zahlen soll: die einfachen Mitarbeiter und die Kunden.

500 Angestellte verlieren den Job, Millionen von Kunden zahlen für ihr Konto neu einen Fünfliber – pro Monat. Der Wucher ist die Folge des Versagens ganz oben: Köng wollte Milliarden Neugelder, nun ertrinkt er darin.

Die massive Konto-Gebühr kontrastiert mit der Leistung. Die Postfinance und ihr Computer sind nicht mehr in der Lage, gewisse Auslandszahlungen auszuführen.

So blieben Überweisungen per normalem schriftlichen Zahlungsauftrag eines Schweizer Treuhänders einfach bei der Postfinance liegen – ohne Ausführung und auch ohne jegliche Mitteilung.

Auf Nachfrage des Treuhänders nach zwei Wochen, was los sei, meinte ein Postfinance-Mitarbeiter, man wisse es auch nicht. „Am besten einfach nochmals versuchen.“

Der Treuhänder schickte sodann einen zweiten Zahlungsauftrag. Der Empfänger, eine Firma in Neuseeland, wartete dringend auf das Geld.

Wieder passierte nichts. Wieder informierte die Postfinance nicht von sich aus. Als der Treuhänder erneut nachfragte, gab die Postfinance erstmals „technische Probleme“ zu.

Der Grund ist relativ simpel. In Neuseeland gibt es noch keine IBAN-Nummern. Das sind die internationalen vielstelligen Zahlreihen, die einen Geldempfänger eindeutig identifizieren.

Ein Sprecher der Postfinance bestätigte dies auf Anfrage. „Schriftliche Zahlungsaufträge (ZAG) ins Ausland ohne IBAN wurden aufgrund eines Fehlers teilweise durch das System annulliert“, sagte er letzte Woche. „Bei Zahlungen via E-Finance, am Postschalter etc. trat das Problem nicht auf.“

Alles halb so wild, so die Botschaft. Das Problem halte sich denn auch in überschaubaren Grenzen. Bis letzte Woche seien davon „54 Zahlungen“ betroffen gewesen, und zwar „ausschliesslich ZAG in Länder, die keine IBAN-Pflicht kennen“ würden, so der Sprecher.

Die Antworten stammen von Mitte letzter Woche. Damals bestand das Problem schon 3 Wochen, „seit dem 17. September 2018“ genau, wie der Sprecher ausführte.

„Das Problem sollte – erfolgreiches Testing vorausgesetzt – bis Ende Woche behoben sein“, meinte er damals.

Der betroffene Schweizer Treuhänder spürte nichts davon. Anfang dieser Woche habe er weiterhin kein Geld an seinen Geschäftspartner in Neuseeland schicken können.

Zudem habe ihn die Post nie proaktiv informiert. „Erst als ich auf die Barrikaden stieg, bekam ich eine Antwort – eine nichtssagende.“

Der Post-Sprecher dementierte dies. „Wird eine Zahlung annulliert, erhalten die Kunden entweder brieflich oder via E-Finance eine Meldung inklusive Belegbild, mit der sie über diesen Umstand informiert werden“, meinte er letzte Woche.

Wucher-Gebühren für die Privatkunden, Versagen bei Auslandzahlungen – willkommen bei der neuen Postfinance.

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11 Kommentare zu “Postfinance-Computer floppt mit Auslandzahlung

  1. Man wollte massiv Kunden und Kundengelder akquirieren. Und orientierte sich an Direktbanken im Ausland, in dem man alles gebührenfrei anbot. Leider können die Kosten für die Plattformen (Filiale, Call Center, Online Banking, App etc.), für die Kontoführung inkl aller gesetzlicher Regularien, die Kundenbetreuung etc. nicht mehr durch das Geschäft selbst oder andere gedeckt werden. Also verlangt man Gebühren. Gut, beim Festnetz-Anschluss ist’s die Bereitsstellungs- und monatl. Grundgebühr, beim Müll wird’s umgelegt über den Kauf der Kehrricht-Säcke, wenn ich einen Stempel auf dem Amt möchte oder eine Parkgenehmigung in meinem Quartier lege ich auch Geld auf den Tisch. Also zahlt man eigentlich seit jeher in der Schweiz bereits für die Leistungen, die man in Anspruch nimmt. Ob nun direkt, oder über die Marge im Verkaufspreis oder durch Beschallung mit Werbung & Preisgabe der eigenen Persönlichkeit.

    Sind die monatlichen (!) 5 CHF nun also wirklich „Wucher-Gebühren“? Nein – auch wenn sich jeder ärgert, wenn er für früher-gratis nun etwas zahlen soll.

    Und kommen „die einfachen Mitarbeiter und die Millionen von Kunden“ wirklich in die Verlegenheit von schriftlichen Zahlungsaufträgen in ein Land ohne IBAN? Ich als einer von ihnen – Nein.

  2. Überspitzte Kommentare Herr Hässig! Ein Gebührenvergleich lässt manch andere Bank noch älter aussehen. Wohl vergessen alle Arbeitskosten der Dienstleistung Banking zu Suchen?

  3. Ist das jetzt das so oft angepriesene Digitale Powerhouse, welches nicht einmal mehr eine Zahlung ins Ausland tätigen kann, notabene ohne proaktiv zu informieren.
    Auf der Mobile App kann ich nicht einmal mehr Buchungsdetail einsehen, das kostet wohl auch extra.
    Da kann man sich nur wundern, wie bei der einst zuverlässigen PF der Servicegedanke begraben wurde.

  4. Die guten Zeiten für Kunden der Postfinance scheinen vorbei zu sein. Allerdings werden auch andere Banken immer teurer, z.B. die ZKB. Die Postfinance fällt nicht aus dem Rahmen. Wenn sie endlich Hypotheken vergeben könnte, würde viel Druck von ihr weggenommen. Das will die Konkurrenz nicht und sagt, so gäbe es eine Hypothekenblase. Das ist Blödsinn, es gäbe nur mehr Konkurrenz. Damit es keine Blase gibt, müssen die kreditgeben ihr Geschäft ganz einfach seriös machen. Das scheint gelegentlich schwer zu fallen.

  5. Tja, vielleicht müssen da ein paar Millionenbeträge der PostFinance an das Schwesterunternehmen Postauto AG quersubventioniert werden, damit diese die unrechtmässig erhaltenen Staatssubventionen wieder zurückbezahlen kann. Es sind eben immer wir Schafe, die für alle Kosten und Schäden, direkt oder indirekt herangezogen werden; mir ist keine Ausnahme bekannt…

    Ich hatte vor längerer Zeit mal 2 Jahre lang das „Vergnügen“, für PostFinance zu arbeiten, und kenne somit diesen „Laden“ als MA wie auch als Kunde. Was mich – auch damals schon – am meisten nervt an diesem möchtegern dynamischen Finanzbetrieb, dem halt immer noch eine gewisse bundesbetriebliche Verstaubtheit anhaftet, ist die absolut mangelhafte, gleichgültige und unehrliche Kunden-Kommunikation. Das brachte mich auch als MA auf die Palme, da man angewiesen wurde, dem Kunden gegenüber Misstände zu verschweigen, zu schönen oder gar als Vorteil zu verpacken. Meine Interventionen haben damals – falls überhaupt – höchstens partiell gefruchtet, und offenbar hat sich bis zum heutigen Tag nichts grossartig an dieser unterirdischen Kundenkommunikation geändert. Einfach nur traurig und peinlich, wenn man dabei gleichzeitig pausenlos für irgendwelche Businessmöglichkeiten mit Hochglanzbroschüren angebaggert wird…

    • Ach wie ich diese Mitmenschen liebe. Jene, deren Heiligenschein die stolz geschwellte Brust und das vor Weissheit überschwelgende Haupt grell beleuchtet.

      Wirklich tragisch, dass ich als MA (kurz für Mitarbeiter) damals nicht als Reformer, als Visionär, oder nur schon als die Leuchte von meinem Arbeitsgeber erkannt wurde, die ich schon immer war. Also damals vor längerer Zeit, als ich mal 2 Jahre für diesen Arbeitgeber gearbeitet habe. Die Enttäuschung sitzt noch immer tief in mir, dass niemand von den Missständen hören wollte, niemand auf die Palme geachtet hat auf die man mich gebracht hat, niemand meine Interventionen sehen wollte.

      Um ein tiefgreifendes Zitat heranzuziehen: „Es sind eben immer wir Schafe.“ Amen.

  6. Man lese das Interwiew der NZZ am Sonntag vom 7.10.2019 mit Post-VR-Präsident Urs Schwaller. Der Postautoskandal, für den letzlich der VR-Präsident und die zuständige Bundsrätin geradestehen müssten, wird mit keinem Wort erwähnt. Der CVP-Filz funktioniert bestens; die Absolution nach der Beichte ist in solchen Fällen gegeben und der Skandal wird unter den Tepisch gekehrt.

  7. Seit es die Möglichkeit gibt, die Codierzeile auf dem Einzahlungsschein mit dem Smartphone einzuscannen, sind die Zahlungen schnell und komfortabel erledigt. Die Zahlung wird korrekt auf dem Konto belastet. Wenn aber beim Scanvorgang eine Zahlung – aus welchen Gründen auch immer – ein „falsches PostFinance-Konto“ generiert, so bleibt der Betrag dort liegen, ohne dass das System diesen zurückweist und den Kunden benachrichtigt. Nach der dritten Mahnung meines Lieferanten, erkundigte ich mich bei der PostFinance, die bestätigte, dass der Betrag immer noch auf einem „Abstellgleis-Konto“ bei ihnen liegt und weder weitergeleitet, resp. zurücküberwiesen oder abgewiesen wurde. Es brauchte die massive Intervention meiner Bank, bis sich die PostFinance bequemte, den seit über 3 Monaten dort liegenden Betrag auf das auftraggebende Konto zurückzuüberweisen. Auf eine kompetente Erklärung oder eine Entschuldigung für einen „indischen“ Fehler im System warte ich immer noch. Hauptsache der Bonus stimmt beim „Housi“.

  8. Na ja, ein Treuhänder, der immer noch schriftliche Aufträge gibt…mir scheint, es sind noch nicht alle im neuen Jahrtausend angekommen. Und gratis kann auch nicht alles sein. Es wird Zeit, dass sich einige Anwender mal mit Technologien auseinandersetzen, denn ihr Unwissen zahlt letztendlich der Kunden mit horrenden Gebühren.

    • …vielleicht kann man im E-Banking eine Zahlung ohne IBAN nicht erfassen und der Kunde hat den Auftrag schriftlich machen müssen…

  9. Wucher? Betrieb und Unterhalt einer IT-Plattform sind genauso wenig gratis, wie Buchungen, Output etc., lieber LH. Der Skandal ist nicht die Einführung von kaum kostendeckenden Gebühren, sondern die Tatsache, dass jahrelang Kunden mit Gratisdienstleistungen geködert wurden – zulasten von seriös kalkulierenden Anbietern und unter Inkaufnahme der Quersubvention. Dasselbe gilt auch für die lange marktfremde Verzinsung der Passivgelder. Das kann sich nur eine de facto staatliche Administration leisten. Glücklicherweise reguliert nun der Markt die Angelegenheit zumindest teilweise. Weitere Schritte sind aber unabdinglich. Es kann nicht sein, dass zulasten des Aktionärs, welcher schlussendlich der Steuerzahler ist, weiter Misswirtschaft betrieben wird.