UBS-Frau vor Richter war Raoul Weils Sekretärin

Prozess von heute geht um unglaubliche Selbstbedienung bei alter UBS – Auch hier mitten drin: Ex-Spitzenmann Weil.

Raoul Weil stand letzte Woche in Paris vor Gericht. Seine langjährige Ex-Sekretärin bei der UBS muss heute in der Schweiz vor den Richter. Er wegen Schwarzgeld, sie wegen Spesen.

Was war da los in der UBS vor 10 Jahren? Keiner schaute hin, jeder bediente sich?

Der Prozess von heute gegen D. dreht sich um fast nicht vorstellbare Zustände in den obersten Etagen eines der renommiertesten Geldhäuser der Welt.

Jahrelang nutzte die rechte Hand von Raoul Weil, dem damals weltweit zuständigen obersten Private-Banking-Chef des Finanzmultis, ihre UBS-Geschäfts-Kreditkarte für Privates.

Teuerste Hotels, Irrsinns-Kleider, Firstclass-Reisen, ja sogar Schönheitsoperationen – alles bezahlt von der UBS. Respektive von den Aktionären des Bankriesen.

Die schauen heute auf den Kurs ihrer Aktie und wünschten sich, nie in die Firma investiert zu haben.

Die Frau, die sich nach einem Freispruch in erster Instanz nun in einem Revisionsprozess verteidigen muss, machte mit gegen 900 Kartenzahlungen rund 1 Million Privatspesen.

In Artikeln wird sie jeweils als „Assistentin eines UBS-Topmanagers“ bezeichnet, so wie in einem kürzlichen Blick-Artikel. Laut diesem flog die Frau im Herbst vor 8 Jahren auf.

Im Erstprozess setzte sich die Angeklagte durch mit dem Argument, dass sie sich keiner Schuld bewusst gewesen sei.

Mit anderen Worten: So ging das damals bei der UBS. Die rechte Hand des Chefs leistete sich mit fast 900 Käufen eben Mal privaten Luxus und Köstlichkeiten im Wert von einer Million Franken.

Und sagt: Alle taten dies. Sie müsste es wissen, visierte sie doch die Spesenabrechnungen der Unterstellten im Bereich von Raoul Weil.

Und Raoul Weil war derjenige, der die Spesenabrechnungen der Frau für gut befand. Was für Spesen Weil selbst gemacht hatte?

Die Frage wirft ein Schlaglicht auf eine Selbstbedienungs-Kultur, die vieles in den Schatten stellt. Raoul Weil, einer der bis 2008 höchst respektierten Wirtschaftsführer des Bankenlandes Schweiz, liess offensichtlich vieles durchgehen.

Wohin schaute er bei Spesen für Fünfsterne-Hotel in Ascona, teuersten Schmuck von der Zürcher Bahnhofstrasse, Reisen nach Mallorca, Sylt, Vergnügen im Spa, aufgemotzten Körper?

Die heutige UBS-Führung könnte auf Raoul Weil zeigen und sagen, dass nach dessen Abgang alles besser wurde.

Doch dem scheint nicht so zu sein. Weil verliess die UBS Hals über Kopf im Herbst 2008, nachdem ihn die USA im Steuerdisput angeklagt hatten.

Ein Jahr später, also im 2009, machte seine Ex-Assistentin nochmals richtig Spesen. Über 300’000 Franken soll sie damals laut der Anklage der Ermittler illegal für sich bezogen haben. Ihr neuer Chef, Franco Morra, der später bei der HSBC Karriere machte, bemerkte offenbar ebenfalls nichts.

Erst sein Nachfolger Lukas Gähwiler machte dem Treiben den Garaus und sorgte dafür, dass gegen die Frau Ermittlungen aufgenommen wurden.

Everything goes, lautete viele Jahre lang das Motto in der UBS, die in jener Zeit, genau vor 10 Jahren, vom Schweizer Bürger und Steuerzahler mit einer Milliarden-Infusion vor dem Untergang gerettet worden war.

Ein Teil dieser Milliarden landete danach direkt in den Schönheitsoperationen und Luxusreisen der Chef-Sekretärin jenes Instituts, das von der hohen Politik als absolut zentral für das Land angeschaut wurde und deshalb niemals fallengelassen werden darf.

Kommentare

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  1. @Gassmann:
    Sie haben sich hier sage und schreibe 10x (ZEHN mal!!!) mit einem Kommentar gemeldet und dabei gerade mal 25 (also: fünfundzwanzig!!!) Daumen nach oben bekommen.
    Dafür: Herzlichsten Dank!!!

  2. Die UBS zu Zeiten von Ospel und Konsorten kommt einem wie ein Stall des Augias vor. Einfach ekelerregend. Und wie wir ja alle wissen, musste sich keiner der damaligen „Top“-Manager (das Top bezieht sich nur auf das Salär) je verantworten. Die verschwanden alle mit ihren Millionen und genossen das Leben. Hoffentlich kommt die Frau jetzt an die Kasse und ihr damaliger Chef R. Weill erscheint auch langsam aber sicher in einem bedenklichen Licht. Einmal mehr: Gut gibt es IP ! Kein anderes Medium würde über sowas berichten. Stattdessen seichte Berieselung mit Nebensächlichkeiten.

  3. Freispruch. Recht oder unrecht, nur das Gesetz hat entschieden. Da helfen auch keine falschen Behauptungen, noch kindische Worte.
    Die Seite ist einfach nur peinlich. Kein Wunder her der Schreiber so viele Anzeigen.

  4. Ob die UBS das Fehlverhalten bemerkt oder nicht hat gar nichts damit zu tun ob das was die Dame gemacht hat rechtens war oder nicht. Es braucht sehr wenig Verstand, um die richtigen Schlussfolgerungen zu treffen; unser Rechtssystem hier hat vollkommen versagt!

  5. Die Ausrede „Nie hat mir jemand gesagt, dass dies nicht geht“ ist definitiv falsch. Alle UBS Mitarbeiter die eine Kreditkarte besitzen müssen seit langer Zeit das Spesenreglement unterschreiben. Dort steht unter anderem auch drin, dass private Ausgaben nicht über die UBS Kreditkarte bezahlt werden dürfen. Sollte eine Person dies aus irgendeinem Grund machen müssen, so muss der Betrag mittels speziellem Formular umgehend zurück vergütet werden!

  6. Die Steuerverwaltung, die sich immer sehr akribisch mit meinen Fahrzeugspesen auseinandersetzt, soll sich hier mal bedienen.

  7. Ein sehr nahestehender Verwanter arbeitet bei der UBS. Er getraut sich nicht alle Spesen (zB Transport) für die Kundenbesuche abzurechnen! Er muss die Kunden zum Essen einladen und will darum die UBS nicht noch mit den 60 bis 120 km Fahrspesen belasten!

  8. Als Aussenstehender möchte ich mir kein Urteil erlauben, ob dies alles stimmt. Was ich jedoch bestätigen kann, ist, das für einfache Mitarbeiter das jährliche Personalgespräch immer mit dem Refrain losging „du weisst ja wir müssen sparen“. Wobei meine Vorgesetzten schon mal lamentierten, das der Arbeitgeber bald einen Einzahlungsschein anstelle der Bonusabfechnung beilegen würden.

  9. Eine halbe Million Total Comp pro Jahr und frei Reisen durch die Welt. Das war der Tarif für viele Schweizer ED’s damals.

  10. Ich war anfangs der 80er Jahre des letzten Jahrhunders Angestellter der seinerzeitigen SBG und verfügte über eine AMEX-Kreditkarte. Ich benutzte diese Karte überhaupt nur ein einziges Mal. Es war für ein Mittagessen im Betrag von knapp Fr. 100.00 für zwei Personen. Danach fragte mein Vorgesetzter ob dies notwendig gewesen sei 🙂

  11. Nichts gelernt und auch in Zukunft werden diese Leute nichts dazu lernen, offenbar sind die Leute nicht lernfähig! Das Schweizer-geschäft sollte dringend von der UBS abgetrennt, und alles Übrige nach USA ausgelagert werden!

  12. Wurde die Million als geldwerte Leistung versteuert ?

    In Spanien hat dieser Tage der ehemalige Vize Präsident des Weltwährungsfonds (IMF), ex Präsident der grössten Sparkasse (Bankia), ex Wirtschaftsminister und stv. Premierminister,
    namens Rodrigo Rato – eine langjährige Haftstrafe angetreten.

    Er hatte mit der Kreditkarte des Bankinstituts Bankia, welches er führte, Millionen ausgegeben und nicht als geldwerte Leistung versteuert.
    Ebenso sämtliche Verwaltungsräte der Bank, welche auch solche „Black Kreditkarten“ zur Verfügung hatten.

    Nur so, nebenbei.

  13. So ist es wahrscheinlich heute immer noch auf den obersten Etagen. Die Chefs verdienen sowieso viel zu viel für kaum Leistung und lassen der Sekretärin alles durch. Verantwortlich für diese Charakterlosigkeiten sind die wahrscheinlich hübsche, dumme Sekretärin (dass sie sich keiner Schuld bewusst gewesen sei 😉 ) und Weil. Die Aussage der Sekretärin gipfelt in der Rechtfertigung: „Alle taten dies. Sie müsste es wissen, visierte sie doch die Spesenabrechnungen der Unterstellten“.
    Es stellen sich sehr sehr viele Fragen:
    – wird nun untersucht wieviel Geld unterschlagen wurde von all den anderen die angeblich gleich charakterlos zugelangt haben? Was kommen da für Summen zusammen? Müssen die Chefs, die das visiert haben, nun den Schaden zurückzahlen?
    – wieso wird eine solche „Sekretärin“ in erster Instanz frei gesprochen
    – was haben die Richter geschluckt, als sie zu diesem Freispruch kamen? oder waren es Richterinnen, die sowas zulässig finden, ganz im übertragenen Sinne von #metoo.
    – Sind solche Bezüge und ganz generell die Saläre von Sekretärinnen auch mit einbezogen in die angeblichen Statistiken von „die Frauen verdienen weniger als Männer?“

  14. Die Tussi soll nicht behaupten: „alle taten dies“
    Das war nur auf den obersten Teppichetagen möglich.
    Die Arbeitsbienen in der Linie taten dies eben nicht.
    Diese wurden kurz gehalten und mit Geschäftsmodellen und Zielvorgaben grossen Risiken ausgesetzt.

    • Auf den obersten Teppichetagen grassiert die Selbstbedienung. Da sollte schon längst dagegen vorgegangen werden. Da wird vieles kaschiert. Die Dummen sind wie immer die MA, die ja keine Handhabe dagegen haben.

    • Tusi? Arbeiten Sie bei der UBS? Ich denke Sie sollten sich eine neue Arbeit suchen (ps: im kindergarten).

  15. Ist schon äusserst fragwürdig welche Kontrollmechanismen bei dieser Bank eine derartige Selbstbedienung überhaupt zugelassen haben. Vielleicht waren es ja die Waffen der Frau?
    Jetzt werden dann sicher wieder Kommentare kommen. Nur zu, Frauen wissen vielfach sehr genau was sie tun müssen. Aber dann sofort in die Opferrolle schlüpfen.

  16. Raoul Weil wusste nichts, oder man konnte ihm nichts beweisen, von den Machenschaften der UBS in den USA. Offensichtlich wusste er auch nichts von den Machenschaften seiner Sekretärin. Später durfte die Eidgenossenschaft die UBS retten. Die UBS macht nun weiter wie bisher.

    Raoul Weil ist nun erneut vor Gericht für die UBS, diesmal in Frankreich. Auch hier wusste er wahrscheinlich nichts von möglichen Machenschaften und es dürfte wieder einmal schwierig werden, diese Machenschaften zu beweisen.

    Das ganze wirft ein eigenartiges Licht auf Raoul Weil. Was machte dieser Mann? Was wusste diese Mann? Nichts?

  17. Sorry Herr Hässig
    Die Unternehmenspolitik hat nix mit dieser Dame zu tun. Raoul Weil zu unterstellen, er hätte Gleiches getan, unter aller Kanone. Er war vertrauensvoll – die Dame hatte bei früheren Vorgesetzten gleich gehandelt. SNB und Bund verdienten reichlich. Irgendwie ist ihnen Objektivität und Anstand abhanden gekommen. ‚Befangen‘

    • „SNB und Bund verdienten reichlich.“
      Das hat rein gar nicht mit der Sache zu tun. Weder rechtlich noch moralisch. Dieser Satz erfüllt nur einen Zweck: Er disqualifiziert den Autor desselben. Bis auf weiteres gilt der Rechtstaat und das Compliance Handbuch der betreffenden Organisation.

    • UND ARBEITNEHMER SOWIE PENSIONÄRE WURDEN UND WERDEN DURCH MAUSCHELEIEN UND MACHENSCHAFTEN GESCHÄDIGT! PRAKTISCH JEDER IST INDIREKT ÜBER AHV, PK ETC. ZWANGSLÄUFIG LEIDTRAGENDER DAVON. ES WIRD SPANNEND SEIN ZU BEOBACHTEN WAS DIE UBS IN FRANKREICH AM ENDE BEZAHLEN MUSS FÜR MACHENSCHAFTEN DIE WEIL & CO. WEDER ABSEGNETEN NOCH WUSSTEN WAS BEI BRIEFINGS VON MITARBEITERN ZU VORGEHENSWEISEN IM AUSLAND ABGING. DIE „SUPPORTER“ KAMEN NATÜRLICH OHNE ZUTUN UND WISSEN DER UBS-ORGANE ZU IHREN BERATERMANDATEN MIT DEN UBS-ANGESTELLTEN. ABER DAS MAN DAVOR DIE AUGEN VERSCHLIESST ZEIGEN FINMA UND POLITIK DIE WHISTLEBLOWER ALS DAS BÖSE FÜR DEN FINANZPLATZ SCHWEIZ DARSTELLEN. UBS & CO. DIE JETZT DAMIT BEGINNEN BESTEHENDE UND NEUKUNDEN IN DIE USA ZU LOTSEN SIND AUCH HEUTE NOCH DIE GUTEN, NATÜRLICH WEIL MAN BLAUÄUGIG GENUG IST UND DEN USA IM RAHMEN DES AIA EINENORDENTLICHEN DATENAUSTAUSCH ZUTRAUT.

    • Genau meine Meinung! Herr Hässig lebt keine saubere Arbeit (eine Schande für die seriose Presse).

    • @pipa; ich weiss nicht wad sie lesen. Diese seite mit den kommentaren ist nur peinlich, und ich hoffe keiner der schreiber ist in der branche tätig, oder wird diese verlassen. Dann würde es vielen besser gehen…

  18. Die damalige Führung mit Ospel, sein Vize Häringer, Wuffli, Rohner, Costas zockten die Bank skrupellos ab mit einem verfilzten System.
    Mussten zwar 70 Millionen zurückzahlen, in Anbetracht der
    70 Milliarden Verluste viel zu wenig.

  19. Herr Hässig, auch hier nehmen Sie alte Themen auf und führen rufmord an ihren Kollegen, welche gute Arbeit leisten.
    Was nichts kostet ist nichts wert.

    • „Was nichts kostet ist nichts wert“.

      Aufwand und Ertrag stimmt jedenfalls überhaupt nicht bei ihrer „Vorzeigebank“ UBS. siehe desolate Börsenkurs (seit bald ewig).

      Ein selbstkritisches Handeln seit geraumer Zeit hätte vieles erleichert in ihrem Betrieb………

    • @rory; die seite kostet nichts, und ist daher nichts wert. aber das verstehen sie vieleicht nicht.

  20. In der Zeit der

    „fast nicht vorstellbaren Zustände in den obersten Etagen eines der renommiertesten Geldhäuser der Welt“

    war ein gewisser Mark Branson der CFO der Business Division Wealth Management and Swiss Bank in Zürich. Aber Raymond Weil und dessen „Assistentin“ wird er wohl kaum gekannt haben.

    Zuvor sammelte er Erfahrungen als Präsident der Verbier-Stiftung (s.a. aktuelles „Paris-Problem“ der UBS) und Libor-Spezialist in Japan.

  21. Was Anderes erwartet, im Ernst? Die Grossbanken sind Selbsbedienungslaeden. Da aber die Manager der UBS-Grossaktionaere und die Verwaltungsraete noch die groesseren Raffgier-Leute sind, passiert bei Salaeren und Bezuegen und sonstigen Goodies nichts. An der GV wird alles durchgewunken.

    • @Gassmann: Wow, Sie haben auch einen Namen! Gut gemacht. – Und jetzt zurueck ins Zwangsjaeckchen schluepfen und brav die Medikamente nehmen, gell!

  22. Die Bosse oben leben es vor. Die Kleinen machen es nach.
    Es braucht Ermittlungen oben (zB Vincenz mit seinen Spesen) und unten.

    • Lieber „anstendiger Mensch“, warum geben Sie Ihren Namen nicht bekannt? Vieleicht weil Sie nur heisse Luft schreiben und sind?

    • @Dr. Mörgeli; von was sind Sie Dr.? Von Ihrer Blindheit? Schauen Sie in Ihren Spiegel. Was sehen Sie? Nichts…