GAM in Not kickt CEO, will eigenständig bleiben

Alex Friedman kassierte über 20 Millionen in 4 Jahren, trieb Firma Richtung Abgrund – Neuer Mann ist Profi, soll Existenz sichern.

GAM soll überleben. So die Botschaft des Verwaltungsrats von heute früh, ausgedrückt mit einem CEO-Wechsel. Alexander Friedman geht per sofort, ein Neuer namens David Jacob übernimmt.

Der Schritt kommt spät. Reicht er noch, damit GAM überlebt? Jacob kennt den Assetmanager seit anderthalb Jahren. Im Frühling 2017 wurde der Ex-UBS-Manager in den Verwaltungsrat der GAM gewählt.

David Jacob ist wie Friedman Amerikaner. Er hat noch einen UK-Zweitpass, war Chief Investment Officer, neben UBS auch bei Merrill Lynch und JP Morgan. Zuletzt arbeitete er für ein Allianz-Vehikel.

Jacob, 54, übernimmt das operative Steuer interimistisch. Er versucht gemäss Communique von heute früh, der demotivierten Truppe neuen Mut einzuimpfen.

„GAM ist ein erstklassiger Vermögensverwalter, der für seine talentierten Portfoliomanager bekannt ist. Trotz des Rückschlags, den das Unternehmen dieses Jahr erlitten hat, sind wir in der vorteilhaften Lage, einen Verwaltungsrat mit einer breiten und relevanten Erfahrung sowie ein starkes, von Alex zusammengestelltes Führungsteam zu haben.“

Daraus kann man ableiten, was der neue starke Mann vorhat. Er will die GAM eigenständig behalten; vor allem will er verhindern, dass sich die Konkurrenz die Filet-Stücke schnappt.

Das passiert in der Branche des Assetmanagements schnell. Wer den Stars von GAM ein erfolgversprechendes Umfeld offerieren kann, hat gute Chancen, diese zu sich zu holen.

Es ist wie im Fussball-Geschäft. Der Absteiger verliert schnell seine besten Stürmer und Regisseure an die Spitzenklubs, die um die Meisterschaft spielen.

GAM ist der Abstiegskandidat, Schroders und andere, welche die GAM-Stars ködern, investieren und kämpfen um den Pokal.

Der Verwaltungsrat der gebeutelten GAM versucht nun in einem Kraftakt, das Ausbluten bei den Kundenvermögen zu stoppen und dem fast schon kippenden Körper neues Leben einzuhauchen.

Der neue CEO muss dazu rasch die noch verbleibende Truppe um sich scharen und eine Stimmung verbreiten, die heisst: Wir schaffen das.

Warum erst jetzt? Und wie stehen die Chancen, dass GAM überlebt?

Der VR hat seit Sommer, als die Krise aus- und die Aktie einbrach, an CEO Friedman festgehalten. Wie wir heute wissen, waren die obersten Köpfe nicht in den Ferien, immerhin haben sie nun den Schnitt mit Friedman vollzogen.

Doch warum haben sie so lange gezögert, jenen Mann abzusetzen, der die GAM mit überteuerten Übernahmen und missratener Kommunikation in Schieflage gebracht hat?

Am Geld kann es nicht liegen. Friedman hat in seinen kurzen 4 Jahren weit über 20 Millionen von der GAM erhalten. Im Schnitt macht das über 5 Millionen pro Jahr – ein Wahnsinnssalär angesichts der existenziellen Krise des Unternehmens.

Das Zaudern von Juli über August, September und Oktober bis jetzt in den November hat Folgen. Die GAM erlebte einen Crash an der Börse und einen Vertrauensverlust bei den Kunden. Inzwischen dürften seit Anfang Juli über 20 Milliarden an Kundenvermögen abgeflossen sein.

Eine offene Wunde. Ein Blutverlust, der den Patienten umbringen kann.

Jetzt gibt der VR mit dem Führungswechsel zu: Ja, GAM liegt auf der Intensivstation. Ja, wir kämpfen ums Überleben. Ja, wir wissen nicht, ob wir die Krise in den Griff bekommen.

Die nächsten Tage und Woche werden entscheidend. Um neun Uhr heute morgen erfolgt der erste Härtetest. Steigt die GAM-Aktie spürbar an, dann zeigt das einen ersten kleinen Vertrauensbonus.

Danach müssen die Kundenabgänge gestoppt werden. Sprich, der neue CEO muss das Ausbluten von GAM verhindern.

Derweil sucht der VR einen definitive CEO-Lösung. Fürs Erste ist der Job aber durch den neuen Angelsachsen besetzt. Er muss nun zeigen, dass er eine Krise, die rasend schnell immer grösser geworden ist, bewältigen kann. Es geht um fast 1’000 Jobs.

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16 Kommentare zu “GAM in Not kickt CEO, will eigenständig bleiben

  1. Dass Friedman gefeuert wurde ist richtig. Er war seiner Aufgabe nie gewachsen und der Whistleblowing Vorfall hat dies leider schonungslos offengelegt. Dass der VR diesen Schritt nicht früher unternommen hat war ein grosser Fehler und ist wohl ein Indiz dass auch der VR versagt hat. Dass jetzt aber ein interim CEO nominiert worden ist, ist ein noch grösserer Fehler. Dadurch wurde GAM zu einem LAME DUCK und somit noch mehr destabilisiert. Es ist damit zu rechnen, dass jetzt noch mehr Kunden Gelder abziehen und dass die guten Investment Managers das Weite suchen werden. Hätte der VR rechtzeitig agiert, hätten sie heute schon einen definitiven CEO präsentieren können.

  2. Dieser Mister Friedman scheint auch einer jener typischen US-Manager zu sein, die zuallererst mal schön kassieren wollen und dadurch ihren Stellenwert demonstrieren. Ob es dann unter ihrer Leitung der Firma gut geht oder nicht, ist zweitrangig oder höchstens insofern wichtig wie man den schönen Lohn doch einige Jahre kassieren möchte. Also sollte es der Firma nicht allzu schlecht gehen, sonst wird man am Ende noch gespickt. Siehe Mr. Friedman. Wie es scheint, lernen Verwaltungsräte einfach nie dazu.

  3. „Die Ratte verlässt das sinkende Schiff normalerweise immer als Erste….“

    Nur wahre Kapitäne gehen als Letzte oder mit dem Schiff unter. Man erinnere sich an Käptn Schettino („va a bordo c…..“)

  4. Der ganze VR müsste ebenfalls ausgewechselt werden – die haben mitangeschaut, wie der ganze Laden an die Wand gefahren wurde und zusätzlich noch den Friedman vergoldet.

    Inkompetenz und Absahnerei pur in der Teppichetage. As usual.

    Man krazt sich jedoch kein Auge aus, unter Krähen.

    • @Energieberatin: Absolut einverstanden. Die Geschädigten (Aktionäre und andere) können den VR verklagen, dieser hat ja sicher eine Organhaftpflicht-Versicherung (D&O) abgeschlossen. Könnte eine spannende Sache werden. Cheers

  5. Wer das Pensionskassengeschäft kennt weiss: PKs müssen ihre Gelder bei gewissen Ereignissen automatisch abziehen. Dazu gehört der Abgang des CEO. Somit bedeutet der sofortige Weggang von Friedmann das ultimativ schlimmste Ereignis für GAM.

    • Dafür ist er aber kein Gaius Julius Cäsar.

      „Libenter homines id, quod volunt, credunt.“
      („Die Menschen glauben gerne das, was sie wollen.“)

      Kiki

  6. GAM überlebt nicht und niemand trauert, wer diese Aktien hat, ist selber schuld. Ist wie Bitcoins, auch nichts dahinter, ausser ein paar Abzocker.

  7. Schon wieder ein Angelsachse am Steuer… Die Entscheidungsträger der „Schweizer Wirtschaft“ lernen einfach rein gar nichts aus ihren Fehlern…

  8. 5 Millionen pro Jahr für den ex-CEO – ein Wahnsinnssalär angesichts des totalen Versagens.
    Hat die Firma im Alleingang an die Wand gefahren.
    Ein weiteres Bsp., dass solche Mio-Saläre reine Abzocke und der Realität weitest entrückt sind.
    Irgendwelche „Verantwortung“ wurde durch den Blender und ex-CEO auch nicht wahrgenommen.

  9. Für „null“ Leistung und Wertschöpfung CHF 20 Mio. kassiert und tschüss. Das ist die heutige Welt in der Finanzbranche
    bzw. eigentlich überall. Keine Verpflichtung und Moral gegenüber dem Unternehmen geschweige gegenüber den Kunden.

  10. Endlich hat der VR agiert und den glücklosen und vor allem inkompetenten Alex Friedman abgesetzt. Der VR soll sich wehren dem Friedman nach seinem golden Handshake beim Stellenantritt jetzt noch eine Abgangsentschädigung zu zahlen.

    Um Nägel mit Köpfen zu machen soll der interimistische CEO jetzt gleich noch den CFO MacNamara vor die Türe stellen. Er ist Gift für GAM und wird von vielen Mitarbeitern und vor allem Portfoliomanagern gehasst. Dies aus gutem Grund; steckt er doch seine Nase überall rein, ohne aber je auch wirklich Verantwortung zu übernehmen. Der Super Gau wäre gewesen wenn Richard MacN zum CEO befördert worden wäre, worauf dieser seit Jahren spekuliert hatte. Und wenn wir schon beim Aufräumen sind, würde ich gleich den Tim Dana mit in die Wüste schicken. Der ist massgeblich für die Cantab Akquisition mitverantwortlich und einen M&A Verantwortlichen braucht GAM nun wirklich nicht