Bernie Hodlers Stresstest: Bär im Sinkflug

Privatbank wächst kaum, verdient immer weniger, hat viel zu hohe Kosten – Jetzt Sparen bei Boni, Rückzug aus Ländern – Aktie fällt.

Boris Collardi machte die Julius Bär gross. Macht sie sein Nachfolger Bernhard Hodler wieder klein?

Die Frage stellt sich heute. Der Zwischenbericht für die 10 zurückliegenden Monate der Julius Bär ist schwach.

Die Margen, also was die Bär-Bank mit ihren Kunden verdient: Sie sinkt. Die verwalteten Vermögen, die wichtigste Kennziffer, sie stagnieren.

Zwar strömen noch frische Kunden zur Bank, aber auch nicht in Scharen. Net New Money, einst der Kern der Bär-Erfolgsstory, jetzt am unteren Rand der Prognosen.

Das alles kulminiert in einer einzigen Zahl, die den Bär-Chefs unter Bernie Hodler zu denken geben muss. Die Kosten-Ertrags-Relation.

Frontmann in Schieflage: Bär-CEO Hodler (Bild: CNBC)

Sie beträgt von Januar bis Ende Oktober 69 Prozent, leicht über den 68 Prozent, welche die Bär-Strategen seit langem als obere Grenze einzuhalten versprechen.

Einen Prozentpunkt über dem Ziel: halb so schlimm, oder? Doch. Denn wenn man die vielen teuren Übernahmen mit den hohen Goodwill-Zahlungen in der Ära Collardi berücksichtigt, sieht die Lage viel schlechter aus.

Dann schiesst der Kosten-Ertrags-Wert weit über 70 Prozent. Weit überrissen für eine Privatbank.

Was tun? Hodler, ein geborener Risiko-Manager, steht auf die Bremse. Er kündigt an, die Boni zu kürzen. Und er zieht sich aus Ländern zurück.

In Panama hat er schon den Laden geschlossen, auch verlässt er weitere Staaten in Lateinamerika, wo Vorgänger Collardi sich immer mehr ausgebreitet hatte.

Eine eigentliche Rückabwicklung der Welteroberung ist bei der Bär-Bank ein Jahr nach Collardi im Gange.

Hodler tut dies nicht freiwillig. Er muss. Zu viele Fälle mit potenziell hohen Strafen sind am Laufen. In einem Venezuela-Krimi droht der Julius Bär eine besonders happige Zäsur.

Hodler steht nun also scharf auf die Bremse, um das Kosten-Ertrags-Verhältnis endlich ins Lot zu bringen. Man werde „additional steps to improve its efficiency“ vornehmen, teilte seine Julius Bär heute früh mit, „with the aim to reach the target in 2019“.

Rückzug, sparen, möglicherweise gar Entlassungen: Was für ein Kontrast zur Bär-Story unter Collardi. Beim „Sonnenkönig“ hiess es immer nur: Vollgas.

1 Jahr Hodler, 28 Prozent runter: Bär-Aktie (Quelle: Swissquote)

Die Konsequenzen des neuen Spardiktats unter Bernie Hodler sind bereits sichtbar. Die Aktie der Julius Bär ist in einen eigentlichen Sinkflug übergangen. Galten einst 50 Franken als Schmerzgrenze, nähert sich der Titel inzwischen rasch der 40-Franken-Barriere.

Sinkt der Kurs darunter, dann steigt der Druck auf den Verwaltungsrat. Was hat die oberste Führung der Bank noch für Pfeile im Köcher?

Problematisch könnten die Kündigungen gestandener Bär-Berater werden. Viele, die unter Collardi freie Hand hatten bei der Aufnahme von Neukunden und den Manövern mit Alt-Kunden, haben keine Lust aufs Sparen und Bremsen.

Sie springen ab: zur Fürstenbank LGT, zu Vontobel, zu anderen.

Hodler und die Bär-Spitze würden sagen, dass diese Kundenberater für Bär zu viele Risiken aufgetürmt hätten, es brauche nun ein anderes Verhalten – ein vorsichtigeres.

Dass sie selbst es waren, welche in der Ära Collardi immer nur auf Tutti gingen, davon wollen sie heute nichts mehr hören.

Kommentare

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  1. Collardi war ein Mann ohne Ethik, nach dem Motto: kam – kassierte – ging. Hoffentlich wird sein neuer Arbeitgeber glücklich mit ihm.

  2. Es ist gut, wenn sich Bär aus dem Geldwäsche-Geschäft raushält.
    Gigantischer Geldwäsche-Fall lässt heute die Aktie Deutsche Bank abstürzen.

  3. Kosten runter… sprich Mitarbeiter abbauen. Was ist denn dies für eine jämmerliche und ideenlose Strategie?? Hodler, Rossi und all die subalternen Manager haben keine Ahnung, wie sie die Bank weiterbringen können. Nichts von Innovation ist spürbar. Wenns gut kommt dann copy paste. Ihr müsst mehr liefern als Kostenkontrolle. Der Aktionär und Kunde will Nachhaltigkeit. Konstanz. Back to the roots. Macht wieder ehrliches Swiss Banking und werdet zugleich innovativ.

  4. Wundert’s? Diese CEO’s, egal bei welcher Bank oder Versicherung, haben immer noch nicht begriffen, dass der Kuchen v.a. im Schweizer Geschäft aber auch im Ausland mehr oder weniger verteilt ist. Wachstum lässt sich nur erreichen wenn man entweder an die Grenzen der Legalität geht oder sich Wachstum zu Lasten Ertrag sich erkauft. Der einzige Ausweg dann den Ertrag doch noch zu steigern ist Kosten zu sparen u/o Personal abzubauen.

    Die Bär unter Collardi hat sich in der jüngeren Vergangenheit Wachstum gnadenlos teuer erkauft, ganze Beraterteam abgeworben und sein Cost Income Ratio immens aufgebläht. All das Hü und Hot ist leider nie nachhaltig sondern höchst kurzsichtige Geldgier.

  5. Collardi hat die Bank gross gemacht?

    Meine Meinung: Bär ist durch überteuerte Zukäufe von Collardi gewachsen. Ja. Aber letztendlich hat er sie aber durch seine riskanten und dubiosen Geschäfte vielmehr von innen kaputt, als sie wirklich gross gemacht.

    Alle aktuellen Leiden der Bär stammen aus seiner Ägide. Aber das scheint kaum jemanden zu interessieren.

  6. Die Lösungen der JB-Probleme sind ja bereits da:
    Interview vom 15.10.18 vom A.F. (https://www.finews.ch/news/banken/33623-julius-baer-hirslanden-kundenberater?start=0)

    Auszüge:
    – Auf der Suche nach einem Heilmittel für diese Misere hat A. F. von Julius Bär seine Leute «transplantiert»
    – «Die Hotellerie ist sicher ein Bereich, den wir uns zum Vorbild nehmen»
    – «Wir bemerkten im Austausch mit den Ärzten und dem Pflegepersonal, dass diese uns wiederum anschauen wie die Götter vom Paradeplatz»

    3 mal „Aha“ 🙂 Also am 7. Tag erschuf Gott die „Götter vom Paradeplatz“ und die können ja die Lösungen herbei zaubern. V.a. mit diesen Erkenntnissen und diesen Weiterbildungen glaube ich fest daran, dass alles gut kommt 😉

  7. Da ist die Raiffeisen direkt ein Kindergarten gegenüber der „Welt umspannenden“, alles fressen wollende Bank Bär.

    Jetzt ist scheinbar das grosse K… angesagt. Die Aktionäre sollten sich warm anziehen.“ Hochmut kommt vor dem Fall“ . Letzterer ist jetzt mit voller Wucht angekommen und am Wirken.

  8. Compliance: Hobbies, Primarschule und Vater&Mutter ergänzen für Kunden die bereits > 20 Jahre bei der Bank sind. Gleichzeitig mega GAU bei Kunden mit einem Executive involved. Lächerlich Bär!

  9. Hodler, mein Tipp: Boni, Löhne und Spesen runter. die Banker werden nicht einfach gehen deswegen. Die Zeiten sind viel zu unsicher und niemand will riskieren, auf der STrasse zu landen.

  10. Das grosse Aufräumen hat erst begonnen. Aber unter der Leitung derselben Figuren, die in den Cowboy-Jahren den Laden hoch pushten? Hodler, Bérsier, Rossi, Enkelmann und Konsorten haben nicht die nötige Glaubwürdigkeit, um den Kulturwandel herbeizuführen.

    By the way: Wo steht eigentlich das Enforcement-Verfahren der Finma?

    • Mark Branson?

      – Wanderferien mit Remo Stoffel in Vals?
      – Kuraufenthalt im „Goldenen Ei“ in der Trump-Suite?
      – Tauchferien in Maputo?
      – Palmöl-Plantagen-Wanderung in Malaysia?
      – ……
      – ……

  11. Julius weg, Collardi raus, Goodwill unter Null. Der Abschreiber werden täglich mehr. Das ungestüme Wachstum (Uebernahmen, zweifelhafte Grosskunden, Netzwerk von zwielichtigen Aquisiteuren usw.) auf Teufel komm raus, weicht der aufkommenden Realität. Bei Bär herrschen baerische Zeiten.

  12. Die unheilbare, sich schleichend ausbreitende „Krankheit“, herstammend aus Collardi Zeiten, nimmt langsam Gestalt an und akzentuiert sich in (lausigen) Zahlen. Dagegen gibt es keine Arztneimittel, nur kurzfristige Placebos.

  13. Boni sollten bei allen MA bei denen keine Wertschöpfung geleistet werden, prinzipiell abgeschafft werden; zudem sollten bei alle MA die mehr wie 300 000 / 400 000 inkl. PK der Lohn um 35 % gekürzt werden.

    • MA die keine Wertschöpfung leisten?
      Wieso sollte ein Unternehmen solche überhaupt anstellen?