Die Raiffeisen-Schafe blöken ihrem neuen Oberhirten freudig zu

Nach der kürzlichen Delegiertenversammlung scheint bei Raiffeisen wieder alles Friede, Freude, Eierkuchen. Das überrascht. Vincenz, Gisel, Gantenbein, Lachappelle, die neuen Verwaltungsräte sowie der neue CEO: Wo genau soll hier eine heilsame Zäsur erfolgt sein?

Die Spitze von Raiffeisen Schweiz liefert mit dem clever eingefädelten Neuanfang ein Abbild der Macht-Intrigen in den Führungseliten unserer heutigen Gesellschaft.

Mit erschreckendem Kalkül opfert das fehlgeleitete Bestehende zur Beschwichtigung der Gemüter medienwirksam ein paar seiner in der Kritik stehende Köpfe.

Es legt sich klammheimlich ein anderes Gesicht, ein frisches Kleid und eine für das aufzuführende Stück neue Parade-Rolle zu, schlägt sich auf die Seite der Enttäuschten und lässt sich als Gipfel des Ganzen mit lammfrommer Hilfe der Leidgeplagten als neuen Hoffnungsträger wählen.

Es bleibt damit unantastbar und festigt sogar noch seine Macht.

Die Raiffeisen Schweiz-Strategie ist perfekt aufgegangen. Den Eigentümerbanken wurde alles absegnungsreif zum Durchwinken hingelegt – wie eh und je.

Es sind ja noch dieselben Delegierten und Bankführungen wie eh und je. Wo sind sie genau geblieben, die unbefangenen, neuen Kräfte, der stärkere Einfluss der Eigentümer und eine Wahrheitsfindungskommission, die diesen Namen verdient?

Um ein tadelloses Schaf einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein, bemerkte Einstein in ähnlichem Kontext.

Die Schafe fühlen sich naturgemäss in der Herde wohl. Sie geniessen ein beschauliches Dasein und hinterfragen ihre Rolle nicht.

Solange der Hirte die Schafe versorgt, blöken sie fröhlich, wenn immer er sie zusammennimmt. Paradoxerweise sehen sie sich selbst nicht als Schafe, auch wenn sie blöken. Sie denken, sie handeln eigenständig, was sie zufrieden macht.

Wie Sie nur auf diese Idee kommen?

Ihr freudiges Blöken galt der einzig möglichen Wahl, die ihnen das Bestehende mit Unterstützung einiger besonders devoten Schafe noch so gerne pfannenfertig vorbereitete.

Die Schafe (darunter viele geschulte Juristen, bei denen sich fragt, um welches Wohl es ihnen geht; es müsste jenes der Genossenschafter und Kunden sein) sind Feuer und Flamme für den neuen Oberhirten, weil er der Garant dafür ist, dass keines der normierten und bornierten Unschuldslämmer die saftige Weide verlassen muss.

So können die Schafe wieder dazu übergehen, unbekümmert Gras zu fressen und auf einfaches Handzeichen dem guten Hirten nachzufolgen.

Für diese Schafe wäre schlimmer noch als die Nachricht, dass der gute Hirte als böser Wolf entlarvt würde, das eigene Eingeständnis, dies über Jahre nicht bemerkt zu haben – was der schmerzlichen Erkenntnis gleich käme, bereits seit den Zeiten von Vincenz tatsächlich ein Schaf zu sein.

Und nicht irgend eines, sondern nur eines von unzähligen und damit beliebigen, herdenkonformen Exemplaren.

In unserer Gesellschaft haben wir definitiv ein pathologisches Problem damit, Fehler einzugestehen und Verantwortung damit zu übernehmen, die Fehler zu korrigieren.

Man kann sich fragen: Wenn nicht durch Selberdenken und Aufklärung (gute Argumentation), wie sonst könnte man die Schafe zur Besinnung und zum Handeln bringen?

Es gibt nur drei, allesamt unschöne Varianten:

Den Wölfen im Hirtengewand läuft aufgrund der Fehlleistungen etwas ihres Planes überraschend komplett aus dem Ruder, zum Beispiel stürzt das neue Computer-System ab und legt den ganzen Betrieb lahm.

Den Schafen (Banken) gehen die fetten Weiden verloren, weil sich eine Vielzahl mündiger Kunden das Trauerspiel (den Vertrauensverlust) bei Raiffeisen nicht mehr länger antun will und enttäuscht wechselt.

Untersucher schreiten ein, ziehen Wölfe aus dem Verkehr, was auch bei den Schafen zu Bewegung und einem Ausmisten führen würde.

Liebe legitimierte Vertreter der Raiffeisen-Eigentümer, wollt Ihr nicht vorher aufhören, Schafe zu sein? Holt Euch endlich die Hirten-Position zurück und bestimmt damit wieder selbst über Eure Wolle.

Weshalb dieser Aufschrei? Das Ganze hat ja den Segen der Aufsicht. Was will man mehr?

Vielleicht fällt dieses Vorgehen auch unter den Oberbegriff „Too big to fail“?

Und die Strafuntersuchungsbehörde ist mit dem Fall Vincenz ausgelastet und lässt sich mit der Präsentation von Fakten, gut schweizerisch, viel Zeit. Man muss ja auch gegenüber Tricksern fair bleiben.

Als Strafermittler würde ich den Interims-CEO, Michael Auer, befragen; er scheint mit seinem Gewissen zu kämpfen, zumal er seinen Teil der Verantwortung mit seinem baldigen freiwilligen Abgang tragen will.

Selbstverständlich gilt bei allen die Unschuldsvermutung; und wie ausgeprägt bei Führungskräften dieser Stufe ein ausgeprägtes intaktes Gewissen überwiegt, bleibt eine offene Frage.

Es scheint, wir stehen erst am Anfang des Raiffeisen-Wirtschaftskrimis. Die Story-Rechte sollte man für gutes Geld Netflix verkaufen.

Die Antworten zu den vielen offenen Fragen werden irgendwann unweigerlich zum Vorschein kommen, speziell jene bei, denen die Wahrheit noch aussteht.

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14 Kommentare zu “Die Raiffeisen-Schafe blöken ihrem neuen Oberhirten freudig zu

    • @Zampano
      Sie sind bekanntlich ein Vertreter (Verteidiger) von Raiffeisen Schweiz, konkreter der alten Vincenz Truppe.

      Zudem wirken Ihre Kommentare jeweils konstant nicht intelligenzfrei aber plump und ignorant. Sehr oft wurden und werden Sie sogar von den eigenen Leuten in den Kommentarspalten korrigiert und kritisiert.

      Sie sind demnach keine Referenz.

  1. Nun, ich nehme an, die „Schafe“ sind froh, wenn in St. Gallen endlich Ruhe einkehrt. Jetzt haben sie ja als CEO einen von einer kleinen KB, der aussieht wie ein neu diplomierter Primarlehrer. Auch das muss nicht schlecht sein, der verdreht wahrscheinlich keiner VRin den Kopf, wobei Herr Gisel auch nicht gerade der George Clooney Nr. 2 war. Also, schauen wir doch mal wie’s läuft und lassen wir die Vergangenheit Vergangenheit sein.

  2. Die RB Zentrale wird in dieser Form keine Zukunft haben und der VR ist in dieser Form überflüssig.

    Die Zentrale soll das machen, was nötig ist; damit die Genossenschaften arbeiten können.
    Will heissen:
    Storage Data & Software
    Contracting & Legals für das Kreditgeschäft
    Cash Pooling
    Bond Geschäft
    Fondsmanagement
    PK
    Standards & QSTACK

    Und basta.
    Es braucht einen Geschäftsführer für das übergeordnete Service für alle Genossenschaften.

    Aus und Amen.

    Der VR wird durch gewählte Regionale Bankchefs gebildet.
    Die wissen was der Markt will.

    Völliger Ballon in Sg

    Keinen CEO sondern eine Mannschaft die Dienste leistet.

  3. erstmal Eigenmittel erhöhen gemäss Finnma
    dann Hypos bremsen und Anlageseite verstärken
    was aktuell nicht heisst long zu sein sondern Fachwissen ist da mehr gefragt!

  4. „Security equals boredom equals stagnation equals death.“ (K.E. Wagner)

    Herr und Frau Schweizer sind wohlbehütete Schafe, vor lauter Wohlstandsfett apathisch, die erst auf der Schlachtbank aus ihren wohligen Träumen gerissen werden.

  5. Wenn einer eine Bank überfällt, digital hackt, oder „diffuse“ Konten einrichtet und Geld unter dem Radar transferiert dann hat es Konsequenzen. Bis Gefängnis.

    Wenn einer den HSG-Stempel hat, white collar Banker oder Revisor wird in der Schweiz dann kannst du dir alles erlauben. Die FINMA hilft Dir mit dem „Datenschutz“ dass nichts nach aussen dringt und du beruflich immer schön von Bank zu Bank weiterhangeln darfst, die Politik nimmt die Geldspenden und sitzt teils in diesen VR’s und die Mainstream Medien (teils mit Bankern im VR und/oder diesbezüglichen Geldpritzen) schaut schweigend zu.

    Willkommen in der Schweiz 2018 !

    Wird spannend sein den nächsten internationalen Korruptionsindex zu lesen.

  6. Sinnbild für diese Manöver der Raiffeisen CH ist die unglaubliche Tatsache, dass der hochkant gescheiterte, naiv-unfähige Interims-VRP Pascal Gantenbein (Treuest ergebener Handlanger von Gisel) überhaupt noch als VR der Raiffeisen CH „auftaucht“! Das ist Ignoranz und Arroganz pur gegenüber jedem „normale“ empfindenden Bürger.

  7. Gür so eine schlecht erfundene Story hat nicht mal SRF Verwendung, geschweige denn Netflix. Träumen Sie bloss nicht weiter, sonst wird das nix mehr mit Erfolg nach dem Pensionsalter.