Panik bei Bank Bär: Latino-Biz an Santander?

Zürcher verhandeln mit Spanien-Grossbank über Teile des Lateinamerika-Geschäfts – Aktie im Keller – Chairman Sauter: Geheimplan?

Daniel Sauter ist an allen Fronten gefordert. Spriessende Liebe, frischer Vater, und jetzt im Zentrum des Sturms über der Julius Bär.

Wie weit die Krise reicht, zeigen Nachrichten von Citywire, einem Branchenmedium. Gemäss einer Story soll die führende Privatbank auf dem Platz Zürich mit der spanischen Santander verhandeln.

Der Gegenstand: Teile von Bärs Lateinamerika-Geschäft. Der Umfang: vor allem die reichen Venezuelaner-Kunden. Der Preis: noch offen.

Bär betont, dass ihr Lateinamerika-Geschäft „nicht zum Verkauf“ stehe. Es gehe um Teile des Business.

„Im Zuge einer Fokussierung auf Kernmärkte wie Brasilien, wo wir 2018 eine Akquisition getätigt haben, Mexiko und Argentinien werden wir uns aus gewissen Märkten zurück ziehen, zum Beispiel Venezuela“, sagte eine Sprecherin heute früh.

Es gehe nur um eine Übergabe von Geschäften an die spanische Grossbank, man bleibe aber auf jeden Fall aktiv in der Region.

„Julius Bär verfolgt weiterhin eine Wachstumsstrategie mit Fokus auf definierte Kernmärkte in Asien, Europa und Latein Amerika.“

Die Nachricht des Branchenmediums unterstreicht, dass die Julius Bär angeschlagen ist. Unter ihrem Ex-Chef Boris Collardi hat sie stets nur dazu gekauft, koste es, was es wolle.

Collardis Nachfolger Bernhard Hodler hat nun den Rückwärtsgang eingelegt. Ihm blieb nach den vielen Skandalen – von Fifa bis Petro – nichts Anderes übrig.

Bär machte kürzlich Panama dicht, schloss Venezuela, trennte sich von den zuständigen Chefs in Zürich.

Weiteres Ungemach droht aus Amerika. Dort sitzt Matthias Krull, ein langjähriger Bär-Berater, der mitten im Venezuela-Krimi steckt. Er könnte die Bank mit Aussagen belasten.

Was tun? Nix wie raus hier. Sprich: Wir stossen das Business mit den „heissen“ Latino-Kunden ab. Jetzt, sofort.

Es ist der Beginn des grossen Rückbaus. Bär steckt in zu vielen Skandalen weltweit, um weiter einfach Gas zu geben wie bisher.

Die Sanierung führt zu Bremsspuren. Senior-Berater mit langer Bär-Karriere und lukrativen Kunden springen zur Konkurrenz oder machen sich selbstständig.

Die Bär-Aktie taucht. Sie liegt noch knapp über 40 Franken. Nachdem Bernhard Hodler als Deputy vor Jahresfrist das Steuer von Collardi übernommen hatte, schoss der Titel zunächst auf über 60 Franken.

In diesem Jahr gings immer steiler bergab. Bärs gesamter Börsenwert ist inzwischen deutlich unter die 10 Milliarden-Grenze gefallen. Die Bank droht, zum Übernahmeziel zu werden.

Viele ihrer Grossaktionäre, darunter vor allem angelsächsische Hedgefunds und ausländische Staatsfonds, haben sich von ihren Bär-Aktien getrennt. Sie realisierten ihre Gewinne.

Die verbleibenden drei Grossaktionäre halten zusammen noch 20 Prozent. Was haben sie mit der Bär vor?

Die CS würde gerne kaufen. Doch ihr fehlen Kraft und Geld dafür. Die UBS ist kaum interessiert, weil zu viele Grosskunden bei beiden Banken sind – es gäbe wohl happige Assetabflüsse.

Eine JP Morgan könnte die Bär-Bank vor dem Frühstück schnappen. Dafür müssten die Zürcher aber die Altlasten aufgeräumt haben.

Das tun sie nun. Mit dem Exit aus Teilen von Lateinamerika – unter Collardi ein absoluter Kernmarkt für die Bären – hat das Gesundschrumpfen begonnen.

Als Nächstes könnte Präsident Sauter einen Verkauf der ganzen Bank prüfen; je nachdem, was ihm die Grossaktionäre als Auftrag erteilen.

Vorgelagert könnte Sauter auch die Führung neu bestellen. CEO Bernhard Hodler ist angeschlagen. Er wird als Teil des Collardi-Klüngels betrachtet.

Der junge Yves Robert-Charrue gilt als Coming man, ebenfalls wird dem neuen Risikochef Oliver Bartholet eine starke Position an der Bär-Spitze attestiert.

Adrett, nett: Auch gut? Robert-Charrue (Bild: Bär)

Beides sind unbekannte Leader. Ein Jürg Zeltner von der UBS wäre ein anderes Kaliber. Ihm stehen seine Frauen-Eskapaden im Weg.

Darüber könnte Bär-Kapitän Sauter in der Not hinwegsehen. Es geht ums Überleben der Bär als eigenständige Schweizer Bank. Missglückt die Sanierung, wären die Tage des Bären vielleicht gezählt.

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22 Kommentare zu “Panik bei Bank Bär: Latino-Biz an Santander?

  1. Sind sich die vielen Kommentierenden bewusst, dass die Julius Bär Bank zum Miilenium ca. 900 Mitarbeiter beschäftigte und heute bei ca. 6000 MA steht. Ohne die Expansionen / Aquisationen im Laufe der letzten Dekade gäbe es die Julius Bär vermutlich gar nicht mehr.
    So alles falsch haben die Bären meiner Anaicht nach also nicht gemacht.

  2. Nur als Anmerkung, Mitarbeiter der Bank Bär werden wegen ihren nicht koscheren Venezuela-Kunden von den US-Behörden verfolgt. Einer ist bereits hinter schwedischen Gardinen und will angeblich singen.
    Man verwundert sich schon, dass die Bank Santander an diesen Geschäften von Bär in Venezuela interessiert ist. Haben die Spanier keine Heiden-Angst vor den Amerikanern? Werden dann die Santander Leute in den USA verhaftet oder wenigenstens diejenigen, die Lateinamerika betreuen? Santander ist eine grössere Nummer in Lateinamerika heute als es jemals die Citibank war. Fürchten sie nicht die US-Strafverfolgungsbehörden, die ihnen ihr riesiges Lateinamerika-Geschäft zerstören könnten? Anscheinend sind die Spanier da in Venezuela moralisch einwandfrei und haben gar nichts von den USA zu befürchten.
    Die Schweizer Finanzplatz ist der unabhängigste und völlig frei agierendste der Welt. Ja nicht der EU beitreten, die könnten unseren Finanzplatz zerstören! Hört immer auf unseren weisen Gottvater aus H., er hat immer recht.
    Nicht so wie die spanischen Sklaven von Santander, die unter dem Joch der teuflischen EZB in Frankfurt leiden und dann noch diese hochnäsigen und tyrannischen Brüsseler Bürokraten, die sorgen dafür, dass die Santander Banker in New York von den US-Behörden eben nicht verhaftet werden und die Bank Santander ihr Geschäft in Lateinamerika auch mit Venezuela nicht verliert.
    Unsere Finanzplatz-Leute werden wegen Venezuela in New York verhaftet, dass ist die wahre Stärke und Unabhänigkeit der Schweiz. Diese unfähigen Brüsseler Bürokraten sorgen dafür, dass dies den Spaniern nicht passiert. Unsere fähigen Behörden lassen die Schweizer in New York verhaften, es ist deshalb absolut verständlich, der EU nie beizutreten!

    • Die Bär sollte dichgemacht werden. Die Komplinanze Abteilung schaut mit beiden Äugelein weg, bei Kontoeröffungen und auch bei AML Alerts. Wenn denn mal ein tüchtiger Mitarbeiter trotzdem Fragen stellt, dann wird er vor die Türe gestellt. So läuft es bei der Bärli Bank. Ob der Berni Hodeler davon weiss?

    • Sehr treffend formuliert.

      Wie kann es sein, dass sich eine JB aus regulatorischen oder zumindest reputational risk Gruenden aus einem Geschaeft trennen muss, und eine andere Bank, Santander Suisse, welche dem gleichen Regulator untersteht – naemlich der Finma – dieses Business kaufen will und darf?

      Ihre Einschaetzung bezueglich moralisch einwandfrei ist bezuglich Offshore Banking mit Venezuela definitiv nicht realistisch – schon gar nicht bei Santander…

  3. Meiner meinung nach sollte die ganze J. Bär an Santander verkauft werden. Santander hat im Ausland schon diverse Banken aufgekauft, und die Resultate waren durchaus zufriedenstellend. Sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Kunden wird geschaut.

    Ich bin daher ein Santander-Fan und kann dieses kleingeist-Privatbanken-Gehabe in der Schweiz langsam nicht mehr ertragen. Wichtigtuerei ist das, nicht mehr.

    Auch die Safra Sarasin wäre ein guter Übernahmekandidat für die Santander. Aufräumen ist in der gesamten Bankenbranche angesagt.

  4. Oder nach dem Fressen das Kotzen?

    Beispiel Bär veranschaulicht einmal mehr, wie ungestümes Wachstum (auf Teufel komm raus) enden kann. Die Asset – Aufblähungen mit immer neuen Skandal-Nummern, Hauptsache die Boni explodieren, sind heute wie Schnee von gestern.

    Die krankhafte Gier nach immer mehr und höher erfährt nun eine Zäsur wie sie dem Schweizer Bankenplatz zum Glück nicht oft widerfährt. Die Verantwortlichen sind längstens abgesprungen oder sind gerade dabei es zu tun.

    Zurück bleibt ein Scherbenhaufen und der weltweite Verlust von Reputation. Höchste Zeit neue Leute in den Laden zu holen……….

    • Nein, keine neuen Leute in den Laden holen, sondern diesen umgehend dichtmachen.

  5. Das kommt davon, wenn man die super-bezahlten Top-Manager, CEO’s und ExB’s eben „ohne Verantwortung“ handeln lässt. Die schauen nur auf das „jetzt“ resp den nächsten Bonus. Was danach kommt, interessiert die nicht. Herr Collardi haftet ja für rein gar nichts was er in seiner Zeit als CEO gemacht hat…. Hier liegt doch der Fehler im System! Man müsste die Top-Kader mit bis zu 10 Jahren Haftung verbindlich verpflichten, das würde auch die Qualität und Nachhaltigkeit ihrer Taten steigern. Aber MC Kinsey und HSG lernen den Studenten ja: Schaut auf euch, auf’s jetzt und den Bonus. Das Personal ist egal…

  6. gehören schon lange abgewickelt.
    Was der feine Oberaufseher Mark Branson aufführt, ist eine Schmierenkomödie ersten Ranges.
    Wann geht er zurück ins Banking? Einen lukrativen Job hat er sich schon lange verdient.

  7. …..und der Starbanker, Boris Collardi, bleibt im Bankenbusiness tätig, ohne Sanktionen von der Finma. Schaut Branson einfach weg oder ist er vom COLLARDI-Glanz geblendet. Wer schaut bzw. sollte Branson auf die Finger schauen?

  8. Ein Beweis dass die meisten GL oder VR Mitglieder von Banking Null Ahnung haben, immer wieder tätigen diese Blender Transaktionen von denen sie nichts verstehen. Der Hauptgrund ist, dass alle diese Showmaster Hochschulabsolventen sind, jedoch noch nie Kunden holen bzw. jemals betreut haben. Auch sind diese Chiquerias nur Abzocker – sie selber würden ihr persönliches Geld auch nie ihrem Arbeitgeber zur Verwaltung überlassen. Und genau aus diesem Grund scheitern Banken jedesmal. Der Markt spricht für sich und zeigt auch auf warum Bankaktien nie performted haben und auch nie performen werden.

    • Schlimm ist es ja auch, dass die Leute in der Komplianze Abteilung a) unwissende Deppen oder b) tüchtige Mitarbeitende, die mundtot gemach werden sind.

      Besonders bei der Bär, Meier, Moor, etc lassen grüssen….