UBS will mit Swatch Pay Apple in Knie zwingen

Nummer 1 setzt auf Biel, um Computerfirma aus USA beim kontaktlosen Zahlen zu bezwingen – Hellebarden gegen Silicons.

Die UBS-Haudegen verbünden sich bei ihrem Abwehrkampf gegen den Angreifer Apple mit einem einstigen Gegner: der Swatch-Gruppe aus Biel. Diese hatte die Grossbank nach der Finanzkrise über 30 Millionen eingeklagt.

Nun spannen die damaligen Streithähne zusammen. Die zwei Schweizer Grosskonzerne sehen sich nämlich von der gleichen Weltmacht herausgefordert, nämlich von Apple, dem führenden Tech-Multi aus dem Silicon Valley.

Swatch und die UBS sowie weitere Banken verkündeten in ihrem Abwehr-Fight gegen die Amerikaner soeben ein neues Produkt namens Swatch Pay. Dieses ermöglicht das kontaktlose Zahlen via Uhr.

Nichts Originelles, sondern More of the same. Der Name erinnert an Apple Pay, die Applikation ebenso. Was neu ist: Die UBS als Marktführerin macht voll mit, während sie bei Apple alles unternimmt, um deren Angebote zu torpedieren.

In internen Fragebögen bereitet die Bank ihre Mitarbeiter auf entsprechende Fragen vor. Warum erst jetzt?, lautet eine. Und: Warum nur Swatch und nicht auch Apple Pay und Samsung Pay?

Pro Wettbewerb: UBS inszeniert sich als Anhängerin freier Märkte (Quelle: UBS)

Swatch sei erst jetzt mit einer brauchbaren Anwendung fürs kontaktlose Zahlen via Uhr auf den Markt gekommen, begründen die UBS-Verantwortlichen in ihrem Q&A für die Angestellten. Das Vorgängerprodukt von 2016 sei vor dem Verschicken an den Kunden „personalisiert“ worden.

Das habe es verunmöglicht, mehrere Karten auf die Uhr zu laden. Deshalb habe sich die UBS entschieden abzuwarten, bis die Swatch mit einer Pay-Lösung antrete, die offen für Kreditkarten von verschiedenen Anbietern sei.

Damit gebärden sich die UBS-Chefs als Anhänger einer offenen Welt, in der Wettbewerb zwischen den Playern herrsche. Doch mehr als gut tönende Worte sind das nicht, wie aus den weiteren Punkten des Q&As hervorgeht.

Dort geht es um Apple Pay und Samsung Pay, also die Apps der beiden führenden Handy-Anbietern der Welt, mit denen die Benutzer ihr Essen oder ihre Einkäufe direkt ab ihrem Telefon bezahlen können.

Böse Apple, liebe UBS: Wir versuchten alles, doch die Kalifornier blieben stur. (UBS)

Die entsprechende Frage im Q&A lautet: Warum setzt die UBS auf Swatch Pay und nicht auf Apple respektive Samsung Pay? Die Antwort der UBS-Chefs fällt defensiv aus. Man habe mit Apple schon lange eine Lösung bezüglich den Gebühren gesucht – erfolglos.

„Deshalb fokussieren wir nun auf die Entwicklung von Twint“, bekräftigen die UBS-Manager ihr Engagement für die gleichnamige Eigenentwicklung des Schweizer Bankenplatzes.

Um Twint drehen sich sodann die weiteren Punkte im Q&A der UBS zur Zusammenarbeit mit dem neuen Produkt aus der Küche des Bieler Uhrenkonzerns. Ob Twint denn nicht mehr im Zentrum für die UBS stünde, weil man nun auf Swatch Pay setze, lautet eine entsprechende Frage.

Und die Antwort: Swatch Pay sei eine Ergänzung. Bei Twint könne man auch an Orten zahlen, wo es keine entsprechenden Zahl-Kästchen gebe.

Zum Beispiel auf einem Bauernhof.

Zuletzt die Mutter aller Fragen: „When will UBS finally introduce Apple Pay and Samsung Pay?“ Ein herausfordernder Punkt für die Digital-Strategen der Bank, der direkt auf deren Achilles-Ferse zielt. Ihre Antwort fällt entsprechend zurückhaltend aus.

Echte Überzeugung klingt anders: UBS bekennt sich nur noch halbherzig zu Twint. (UBS)

Man würde „currently focusing on introducing Swatch Pay and developing Twint while continuously reviewing what other offers we can introduce“.

So klingt niemand, der wirklich überzeugt ist von dem, was er seinen Kunden anbietet. Die führende Bank der Schweiz könnte zum Schluss kommen, mit Twint auf dem Holzweg zu sein. Um dann schliesslich doch noch auf Apple und Samsung Pay umzusatteln.

Wenn dem so wäre, dann hätte der Schweizer Finanzplatz wohl eine halbe Milliarde aus dem Fenster geschmissen – aus einer Mischung aus Hochmut, Fehleinschätzung und Angst vor Apple.

Kommentare

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  1. Die Großbanken haben falsch entschieden und das ist gut so. Dafür sind viele spannende neue entstanden. Leider sind es keine CH Lösungen mehr. Aber das zeigt ganz deutlich der freie Finanzplatz geht in den Osten.

    Tja UBS üble Sache!

  2. Liebe Swatch,
    hier einige Vorschläge wie ihr euer Swatch Bellamy Business Model vor dem Untergang noch retten könnt. Die Idee mit einer Bezahluhr finde ich seit Anfang ja super, aber…..:
    Ich als Kunde würde mir wünschen dass ich jeder euer Uhren, egal ob Breguet/Omega/Longines/Tissot usw. oder Swatch, mit einem NFC Chip kaufen oder bestellen könnte. Ich möchte eigentlich jedes Modell mit oder ohne NFC zur Auswahl haben. Ich möchte nicht nur Auswählen können zwischen ein paar wenigen Plastikuhren welche mir nicht gefallen und das Design und Prinzip noch aus den 80/90ern stammen. Da dies relativ schwierig wird könntet Ihr ja den NFC Chip in auswechselbare Uhrenarmbänder integrieren statt im Gehäuse. Wäre wohl günstiger und weniger aufwändig im Prozess.
    Was ich aber noch sinnvoller fände wäre ein neues Business Produkt, wie z.B einen “Swatch Ring“ mit Bezahlmöglichkeit (NFC Chip).Die Swatch Sonnenbrille habt ihr ja bereits “erfolgreich“ entwickelt (zyn.)….
    Es gibt einige Anbieter auf dem Markt welche bereits mit dem NFC Ring Erfolge verbuchen können. Mach m.E. auch mehr Sinn als eine Bezahluhr.
    Als Zusatz wäre es auch toll wenn der NFC Chip (mittels einer eigens entwickelten Swatch APP) für das öffnen von Türen, als Visitenkarte oder für das Smart Home gebraucht werden könnte….oder auch für das Bezahlen mit Bitcoin?
    Sind ja nur einige Vorschläge, aber vermutlich werden die Chinesen oder Apple wieder schneller sein…
    Aber was weiss ich schon, bin ja nur ein kleiner Kunde und Aktienkäufer welcher sich wünschen würde dass eine langjährige Schweizer Uhrenmarke und grosser Arbeitgeber im Lande weiter in der Zukunft existieren würde und innovativer wird.

  3. Ihr müsst das als Wirtschaftshilfe anschauen. Bevor die Reste der UBS abgewickelt werden, haben noch ein paar Leute bei Swatch Arbeit, auch wenn das Projekt eine Totgeburt ist.

    Die Vergangenheit hat leider gezeigt, dass die UBS durchaus fähig ist, dass Geld noch blöder zu verprassen.

  4. […] UBS will mit Swatch Pay Apple in Knie zwingen  Inside Paradeplatz […]

  5. Die UBS kämpft als Don Quichotte gegen Windmühlen. Leider ist der Spass nicht billig und muss von jemandem bezahlt werden. Die Manager die diese Schnapsidee haben werden für ihre tolle Idee sicherlich auch fantastisch entlohnt werden. Wieso führt man für Manager eigentlich generell kein Bonus / Malus System ein?

  6. Jeder hat ein handy, aber nicht jeder trägt eine uhr. Merksch öppis UBS?
    Unverständlich wie sich sie UBS auf sowas einlässt. Scheint als wäre dies ein verzweifelter griff nach dem letzten strohhalm überhaupt. R.I.P. UBS

    • Kurt ohne Gurt: Reiche Leute machen auf Understatement und tragen deshalb eine Swatch (MDP und ich machen das so). Arme sprich Neureiche Leute blöffen und tragen eine IWC… merksch öppis?

  7. Das ist das Resultat der Möchtegern-Digital-Manager a la Kubli, Abele, Bridge und wie sie alle heissen. Keine mutigen Ideen, sondern Gremienentscheide zur Begrenzung des persönlichen Risikos ist das Motto. Kein Wunder, dass da keine Innovationen sondern nur ökonomisch sinnlose Verteidigungsmassnahmen resultieren.

    • Ist ja auch kein wunder, dass von dieser firma keine innovationen mehr kommen. Es wir alles kaputt gespart…

  8. Swatch Pay ist doch eine völlige Totgeburt, vom Start zum scheitern verurteilt- kein ordentlicher Geschäfts- oder Finanzmann in Zürich trägt eine „Swatch“ sondern eine gescheite Männeruhr. (Omega, AP, Rolex etc.). Soll ich mir jetzt extra eine Swatch kaufen um die UBSApp zu nutzen. So ein klandistener Filz, völliger Unfug diese Strategie. Jedermann hat ein Iphone und jeder will ohne Umständer Apple Pay nutzen.

    • Unfug sitzt an der Swatch Spitze. Bis jetzt ging das noch gut…

    • @ Urs Bucher: Bei allem Respekt, aber wer heute noch ein völlig überteuertes iPhone erwirbt dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen.

    • Jeder gescheite Geschäftsmann geht auch nicht im Coop oder Migros einkaufen…

  9. Könnte bloss erfolgreich sein, wenn diese spezielle Swatch flächendeckend gratis abgegeben würde.

    Als in den 60er Jahren Donald Hess die damals unbekannte Quelle Sankt Petersquelle kaufte (Valserwasser), bekam jeder Haushalt eine Harasse Valser gratis ins Haus geliefert.

    Anreiz schaffen, heisst die Losung.

  10. Die Banken in der Schweiz sind mit ihrem Protektionismus auf dem Holzweg. Ihre eigenen Digitallösungen sind wenig innovativ, alles was von aussen kommt wird bekämpft, neuen Playern wie Fintechs werden Steine in den Weg gelegt (z.B. mit dem Lobbyismus gegen Open Banking). Twint ist auch nur vordergründig innovativ, in ihrer Policy ist beispielsweise vermekt, dass sie nicht mit Investment Apps zusammenarbeiten. So können wir die «kleine Schweiz» bleiben und eine ganze Branche wird zum Fall «KODAK».

    • Nein, der Junior ist nicht der Hellste, tut nur so. Er merkt auch nicht, dass gute Brands wie Omega wieder verstaubter daherkommen als auch schon… – Hängt die verwitterte Piratenflagge immer noch? – Da kommt mir nur Asterix in den Sinn, wo wer (?) im Mastkorb des Piratenschiffs nach Beute ausschau hält und dann panisch „GAGAGAAALLLIER!!!!!“ schreit. Das nächste Bild kennen wir alle.

  11. „Man hätte wohl eine halbe Milliarde aus dem Fenster rausgeworfen“. Nicht man hätte, sondern man hat und nicht eine halbe Milliarde, sonder mindestens das doppelte davon. Mit welchem Schwachsinn diese sogenannten ‚zig Millionen Einkommen schweren Möchtegernmanager’ ausgestattet sind, zeigt wieder einmal deutlich dieses Theater mit TWINT. Wie lange wird hier noch zugeschaut? Wenn man TWINT nicht mit Millionen an Marketingetat – wie Gratisaktionen, Guthaben, etc. – gepusht hätte, würde das Ding schon längst begraben sein. Nein wäre gar nie auf den Markt gekommen. Wie kann man ein elektronisches Zahlungsmittel auf den Markt bringen, das nur in der Schweiz und mit einem zusätzlichen Terminal an jeder Kasse funktioniert? Jeder Start-Up hat weitaus bessere payment features im Angebot. Mit dem hinausgeworfenen Milliarden von CHF hätte man Apple Pay, Samsung Pay und weitere Anbieter über Jahrzehnte bezahlen können. Oder in einem Schweizer Start-Up zu investieren! Mit Swatch scheint nun ein Unternehmen eingebunden zu sein mit professionellen Know How. Hoffen wir es!
    Übrigens das verbrannte Geld gehört ja nur den Aktionären und die möglichen Kundenvorteile sind ja nicht relevant, oder?

  12. Dieser ganze Mobile/Watch Payment Hype wurde und wird völlig überschätzt. Es bringt schlichtweg keinen Vorteil ggü. den Hartplastik RFC Karten.

    Die Karte hat keinen Akku, bietet Option 2 (PIN) und ist erst noch schneller.

    Apple hat das bereits realisiert, nur die fancy CH-Cloud Finance Elite klammert sich noch zwanghaft dran….

  13. Wundert mich nicht. Ist doch typisch für unsere hochkarätig bezahlten „Top Missmanagers“. Ich als Kunde werde bei Apple bleiben und mir sicher nicht wegen UBS oder CS eine SWATCH kaufen. Lieber kündige ich die Banken.

  14. Seit gut einem Monat gibt es Apple Pay in Deutschland:

    „Bei der Deutschen Bank ist der Kreditkartenbestand seit dem Start um sieben Prozent gewachsen.“ Süddeutsche Zeitung, 14. Januar 2019.

    Die Marktabschottung Twint der Schweizer (Retail-)Banken kostet den Kunden eine halbe Milliarde Franken. Finanziert durch Gebühreneinnahmen – beispielsweise durch Kreditkartentransaktionen im Ausland: Devisenaufschläge nach Gutdünken von bis zu 2% plus im digitalen Zeitalter Auslandtransaktionszuschläge je nach Karte von weiteren bis zu 2.5%. Die Handelszeitung hat vergangene Woche berichtet.

    Ablehnung PSD2 ist die nächste aktuelle Kunden-Bevormundung.

    Noch funktioniert es, das Geschäftsmodell „Abschottung und Kundenträgheit“.

  15. Swatch Pay? Das ist doch nur der letzte Angsttrieb dieses von innen verrottenden Retail Banking aus dem 18. Jahrhundert! Google hat still und leise vor zwei Wochen eine europäische Banklizenz erhalten und wird dank PSD2 allen Google Pay Nutzern ermöglichen, ihre eigenen Konti bei jeder Bank direkt im App anzubinden. Bye bye Viseca, Swisscard AECS, SIX und UBS Card Center. Bye bye Sonderfall Schweiz. Die UBS (und die restlichen schweizer Banken) täten gut daran, den momentanen Aufwind bei Twint zu nutzen, und als Sofortmassnahme NFC zu aktivieren (für die 61% der Smartphones im Umlauf, die das nicht blockieren), und dann rasch nachziehen mit weiteren Funktionen, um nicht gegen Revolut, N26 und Konsorten auch noch ins Hintertreffen zu geraten. Die sind nämlich alle bereits uneingeschränkt in der Schweiz nutzbar. Apple, Amazon und Samsung werden keine Kosten scheuen, um da mitzumachen, also Vollgas!

  16. Was mich bei diesen Pay Lösungen stört, ist, dass sie mit einem bestimmten Hardware Hersteller verknüpft und deshalb proprietär sind. Für Apple Pay brauchst du IPhone, für Swatch Pay Swatch. Ich brauche da lieber meine MasterCard von Revolut. Problemloses ein- und bezahlen mit Abrechnung auf Konto innert Sekunden oder Maximal wenige Minuten. Schneller Geldwechsel möglich, usw.
    Die UBS und andere Schweizer Anbieter werkeln meiner Meinung nach hier am Kunden vorbei.

  17. Finde ich gut. Muss halt verheben. Eine Smartwatch ist ja auch kein high-tech mehr. Traue das der Swatch schon zu den Grossen Paoli zu bieten.

  18. Apple ist doch mittlerweile eh „toast“. Wenn die so weitermachen, steigen bald viele von iPhone auf Android um, und werden zufrieden sein, mit der Leistung und mit sich selbst, dass sie nicht mindestens zusätzlich einen halben Tausender für ein bisschen 0815-China-Ware den Äpfeln für gar nichts hinterhergeschmissen haben.

    • Ich glaub, da ist eher was Anderes faul – nämlich Sie. Sie glauben nicht etwa, dass die Meisten von Apple auf Android umsteigen oder? Wer will schon einen Androiden zuhause? Ich sicher nicht. Aber zu Ihnen past er ja vermutlich – bei der Aussage!

    • Eben von Apple zu Samsung gewechselt. Bin sehr zufrieden und habe tatsächlich wohl mehr als CHF 500.- gegenüber einem gleichwertigen Apple gespart. Ich gebe doch für ein in 2 Jahren obsoletes Elektronikprodukt nicht CHF 500.- für nichts aus, ich bin doch nicht blöd!

  19. Das Problem war damals auch, dass das Apple Angebot finanziell nicht attraktiv war und letztlich einfach auf Zusatzkosten hinausgelaufen wäre.
    Auch habe ich massive Zweifel an Apple Pay, vor allem vor dem Hintergrund des jüngsten massiven Verlusts an Stückzahl-Marktanteil bei Apple (mit welchem spätestens in der nächsten Rezession auch in der Schweiz zu rechnen ist).
    Bei Innovation in Payment denke ich eher an Couponing, Ratenzahlung, Omni-Channel Solutions etc. Überall da ist Apple nirgends
    Damit will ich nicht sagen, dass TWINT eine gute Lösung war, das Problem lag da aber vor allem am Management der Fusion.

  20. Erstens betreibt die TWINT AG keine Softwareentwicklung mehr in der Schweiz.

    Zweitens können die Kunden ihre Bank wechseln, um nicht länger schikaniert zu werden. Die Kontoführungsgebühren sind sowieso die höchsten.

    Wozu haben wir Marktwirtschaft? Der Kunde ist König, nicht die Bank!