EY lässt Harassment-Partner auf Webseite

Wochen nach vereinbarter Trennung ist Versicherungsexperte weiter prominentes Aushängeschild – EY: Sind am Aktualisieren.

Bei Ernst&Young, einer führenden Beratungs- und Revisionsfirma, ist Sexual Harassment ein Riesenthema. Soeben brachte die Huffington Post, ein US-Onlinemedium, eine lange Reportage. Bisher waren in Übersee erst die Branchenmedien voll.

Trotz Überschwappen auf US-Massenmedien verhält sich die Führung von EY, als ob das Problem gelöst wäre. In der Schweiz hat ein Interimschef das Zepter übernommen, nachdem der bisherige Leiter Marcel Stalder kürzlich das Steuer aus der Hand gegeben hat.

EY Schweiz zeigt auf ihrer Homepage unter „Leadershipteam“ folgerichtig keine Köpfe mehr, sondern nur Funktionen und Rollen. Work in progress: Stalder wurde entfernt, der Interims-Nachfolger bleibt unerwähnt, man wartet offenbar bis zur definitiven Kür.

So weit, so klar. Nicht ins Bild passt dann aber, dass ausgerechnet jener hohe Partner von EY Schweiz, der im Zentrum der ganzen Harassement-Aufregung steht, weiterhin prominent von der Homepage der Beraterin lächelt. (Erst nach Publikation dieser Story wurde der Partner ganz schnell auf der Internetseite der EY Schweiz entfernt.)

Um diesen ist im Herbst eine Kontroverse ausgebrochen, mit Klagen von EY gegen Medien, einer grossen Reportage im Tages-Anzeiger mit anzüglichen SMS, dem Transparent einer Whistleblower-Seite von der Hardbrücke herunter – direkt vor den Augen der EY-Schweiz-Berater.

Erst da reagierte die EY-Führung Europa und schickte vor Weihnachten einen Zürcher Wirtschaftsanwalt zum Prime Tower im Zürcher Industriequartier, wo EY Schweiz den Sitz hat.

Der Untersucher kam zum Schluss, dass gegen den hohen Partner zwar strafrechtlich nichts vorliege, es aber ein „improper behaviour“ von diesem gegenüber einer Ex-Unterstellten gegeben habe.

Entsprechend sei man übereingekommen, „that he will leave the firm“, schrieb EY-Chefin Julie Teigland den 2’500 Schweizer EY-Leuten.

Das war am 25. Januar dieses Jahres, vor knapp 3 Wochen. Schon zuvor war der betroffene Partner von Managerin Teigland suspendiert worden, er befand sich seit Dezember nicht mehr im Haus und hatte seine Aufgaben in der Geschäftsleitung und im Versicherungsbereich nicht mehr inne.

Mit dem Entscheid der endgültigen Trennung von Ende Januar war definitiv klar, dass der Partner, der ein enger Verbündeter von Marcel Stalder war, nicht mehr an sein Pult zurückkehren würde.

Umso mehr staunen Beobachter, dass sein Konterfei weiterhin prominent auf der Webseite von EY Schweiz erscheint; und zwar nicht nur zusammen mit seinem Namen, sondern auch mit der bisherigen Funktion als hochrangiger Chef eines der wichtigsten Bereiche der Beraterin.

Auch die Telefon-Nummer ist weiterhin aufgeführt. Rufen Sie mich an, bin jederzeit für Sie da – so die Botschaft auf der EY-Homepage.

Per sofort beurlaubt, offiziell getrennt – und trotzdem weiter aufgeführt, also ob nichts passiert wäre: Wie geht das?

„Die Webseiten werden gerade noch aktualisiert“, meinte gestern Abend eine Sprecherin von EY Schweiz auf Anfrage. Offenbar dauert das beim Partner etwas länger. Bei Chef Marcel Stalder gings hingegen ruck-zuck, der ist unter Leadershipteam nicht mehr aufgeführt.

Die Zeitverzögerung passt nicht so recht zum EY-Motto „Building a better working world“, das neben dem Logo der Beraterin prangt. Oder vielleicht doch? Dauert halt alles etwas länger.

Kommentare

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  1. Lieber Herr Hässig
    Weshalb sprechen Sie immer noch von sexueller Belästigung. Ein solches schwerwiegendes Vergehen liegt hier definitiv nicht vor. Ich würde von einem soliden Journalisten erwarten, dass seine Berichterstttung auf Fakten basiert.

  2. EY sollte dem Hässig ewig dankbar sein. Er sorgt sogar dafür, dass die Webseite aktualisiert wird.
    Ja, ist man mal im Visier von Hässig wird es sehr schwierig.

  3. Es ist sicherlich so, dass EY seine internen Vorfälle nicht konsequent genug umsetzt. Da setzt LH am richtigen Punkt an. Allerdings ist der Hinweis auf die amerikanische Hysterie um „sexual harassment“ sehr kritisch zu sehen. Die MeToo Bewegung in den USA mag noch medial hochgekocht werden. Durch die Lügen der Mitbegründerin Asia Argento hat sie jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Und die ursprünglich ernstzunehmende Debatte wird durch glaubwürdige europäische Schauspielerinnen wie Deneuve, Iris Berben ua. als das entlarvt, was es ist: Ein Produkt der total verlogenen und hypokriten amerikanischen Kultur, wo die Frauen in Führungspositionen null Alternative bieten, siehe das Beispiel von Sheryl Sandberg, welche zusammen mit Ihrem pubertären CEO für die widerliche Lügenkultur Ihres Unternehmens verantwortlich ist. Und MeToo ist längst zu einem widerlichen Geschlechterkrieg mutiert: einfach nur widerlich und verlogen. Null Glaubwürdigkeit. Die Europäer lachen zu Recht über die verlogene Hollywood Kultur. Auch Pelosi hat durch ihre Demütigungen total an Glaubwürdigkeit verloren. Amerika ist kulturell definitiv am Abstürzen. Der Präsident wird zur Lachnummer für den Rest der Welt.

    • ab und zu gibt es also doch noch leute, die nachdenken und nicht nur blind jedem bashing folgen. danke für ihren kommentar!

  4. Der Lapdance-Heini ist ebenfalls noch auf der Webseite verzeichnet!!!
    Und dafür werden stolze Stundensätze verrechnet!

  5. Tja, das kommt halt davon, wenn man alles nach Indien auslagert und sich niemand mehr dafür verantwortlich fühlt! Immerhin in 50% der Fälle klappts, das erklärt auch warum Stalder nicht mehr drauf ist😂

  6. Müde macht uns die Arbeit,
    die wir liegenlassen,
    nicht die,
    die wir tun.

    Marie von Ebner-Eschenbach
    * 13. September 1830 † 12. März 1916