Raiffeisen-CEO Huber: Nett statt eiserne Faust

„Roadmap“ zur Mini-Sanierung in St.Gallen-Zentrale – Moloch bleibt – Umgekehrt 125 Mio. Extra-Abschreiber als Bonus-Puffer.

Im Headquarter der grossen Raiffeisen-Gruppe in der Ostschweizer Kapitale St.Gallen können die vielen Kader aufatmen. Ihr neuer Chef, Raiffeisen Schweiz-CEO Heinz Huber, ist ein Netter.

Huber hat soeben sein internes Programm namens „Roadmap“ vorgestellt. Daraus geht hervor, dass unter dem bisherigen Leiter der Thurgauer Kantonalbank und neuem operativen Spitzenmann der Nummer 3 der Schweiz die Kirche im Dorf bleibt.

Mister Nice Guy: Huber, CEO (Bild: Raiffeisen)

Also kein Grossabbau, keine Generalsanierung, kein Radikal-Turnaround bei der Raiffeisen Schweiz mit ihren rund 2’000 der insgesamt 11’000 Banker der ganzen Gruppe.

Sondern nur Homöopathisches: hier ein wenig straffen, da ein wenig digitalisieren, dort ein bisschen diversifizieren.

Aber immer schön sanft. Dies geht aus Gesprächen mit Huber-Vertrauten hervor. Diese betonen, dass einzelne Stellen verschwinden könnten, dass aber umgekehrt auch neue entstehen würden.

Damit ist Raiffeisen-Chef Huber, der in die Fussstapfen der Vorgänger Pierin Vincenz und Patrik Gisel getreten ist, nach seinen ersten paar Wochen an der Spitze zum Schluss gekommen, dass die drittgrösste Schweizer Bank keinen grundsätzlichen Handlungsbedarf hat.

Das bedeutet auch, dass Huber nicht weiter im obersten Kader, sprich bei den rund 100 Managern der sogenannten Führungsstufe 1, ausmisten will; dies, obwohl viele von ihnen aus der Ära Vincenz und Gisel stammen.

Huber geht davon aus, dass er seinen bis zu 1,5 Millionen – eine Verdoppelung seines Thurgauer KB-Lohns – auch ohne Big Ausmisten in St.Gallen gerecht würde. Und siehe da: Dafür ist tatsächlich vorgesorgt.

Letzten Freitag überraschte der neue CEO der Raiffeisen nämlich mit einer beeindruckenden neuen Zahl. Die Raiffeisen Schweiz habe 125 Millionen für Abschreibungen auf Investments der KMU Capital vorgenommen.

125 Millionen sind trotz gigantischen Anwaltskosten, die da drin stecken, eine Riesensumme; vor allem wenn man bedenkt, dass Hubers Vorgänger Patrik Gisel stets öffentlich betont hatte, dass die Firmen, in welche man mittels dem Raiffeisen-Vehikel KMU Capital investiert habe, grundsolide dastehen würden.

Sprich: Die KMUs, die mit den Hunderten von Millionen von der Raiffeisen Schweiz erworben wurden, würden schwarze Zahlen schreiben und hätten eine rosige Zukunft vor sich.

So tönte das lange von der Kommandobrücke herunter. Bis vor wenigen Tagen Huber, der Neue, die KMU Capital-Welt völlig anders zeichnete.

Nun stand die grosse KMU-Offensive von Pierin Vincenz und Patrik Gisel über Nacht in gänzlich anderem Licht da; in einem viel düsteren.

Laut Huber sei man mit den 125 Millionen Franken jetzt konservativ unterwegs. Gegenüber der Finanz und Wirtschaft betonte der neue Chef, dass „kein weiterer Abschreibungsbedarf“ mehr bestehen würde.

Das Manöver mit dem hohen Abschreiber über 125 Millionen bleibt fragwürdig. Laut einem Insider hat Ernst & Young, ein Beratungs- und Prüfunternehmen, den Wert der KMU Capital – und damit den Buchwert der vielen KMUs, in welche die Raiffeisen investiert hat – per Ende 2017 auf 218 Millionen beziffert.

Ein Jahr später, also per Ende 2018, lag dieser Wert laut Huber in der Finanz und Wirtschaft noch bei 180 Millionen; dies nach dem Abschreiber über 125 Millionen Franken.

Daraus folgt, dass im 2018 fast 90 Millionen an neuen Firmen zur KMU Capital dazugekommen waren. Nur: Ab Anfang 2018 waren Pierin Vincenz und seine Partner rund um die KMU Capital, Peter Wüst und Andreas Etter, durch Verhaftung respektive Strafermittlungen „kalt“ gestellt.

Auf tutti im Annus horribilis: Gauch (Raiffeisen)

Wer also investierte im 2018 nochmals fast 90 Millionen der Raiffeisen Schweiz in KMUs? Die Frage führt zu Urs Gauch, dem Firmenchef der Raiffeisen-Zentrale, der 2015 von der CS zur Genossenschaftsbank gewechselt und dort dann auch die Verantwortung für die KMU-Offensive übernommen hatte.

Gauch hat das Köpferollen an der Spitze der Raiffeisen Schweiz überlebt, gleich wie viele andere Spitzenmanager, die erst nach Vincenz in die oberste Führung in St.Gallen vorstiessen.

Wenn Gauch bleiben kann, dann profitiert er ebenso wie sein neuer Chef Huber von den hohen Abschreibungen – zumindest dann, wenn sich diese als übertrieben entpuppen sollten. Dann gäbe es einen Sonder-Gewinn durch Wieder-Aufwertungen.

Kommentare

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  1. Zum Glück ist Raiffeisen seit Jahren eine der erfolgreichsten Banken der Schweiz.
    Wachstum in allen Bereichen, Marktführerschaft bei selbstbewohnten Wohneigentum, stark wachsend im Anlage- und Firmenkundengeschäft.

  2. Warum ist eigentlich das Ganten-Gebein noch da?

    Ich dachte, sie wollten die Leichen aus dem Keller schaffen?

  3. Also langsam ist der Kaffee nach 20 Zucker noch bitter. Lernen die es da denn überhaupt nicht? Wohl muss Raiffeisen Schweiz zuerst von einer indischen Frima übernommen und nach Chennai gezügelt werden.

  4. Eine Raiffeisenberichterstattung ohne Würze, sprich PV- oder PG-Komponente, ist ziemlich langweilig. Die Bank dürfte vor diesem Hintergrund wieder in die mediale Bedeutungslosigkeit abrutschen, was wiederum von den neuen (farblosen) Protagonisten durchaus erwünscht sein dürfte. Was bleibt, ist ein schaler Nachgeschmack.

  5. die Raiffeisen braucht einen Senioranlagechef Der die Märkte versteht und ein „research“ aufbaut!
    die Anlageerträge lassen sich in 5 Jahren verdoppeln!
    mit KMUs eher riskant.
    bei Bedarf einfach melden 🙂

  6. Es ist jetzt nach 12 Uhr und ich sehe immer noch keinen Kommentar. Hoffentlich wurde Herr Hässig nicht durch Raiffeisen entführt.

  7. Um en Laden auzuräumen braucht es einen echten Banker mit Visionen und vor allem Kenntnissen wie man eine Operationszentrale effizient führt. Ein Kantonalbänkler ist sicher nicht die richtige Lösung. Aber angeblich sind die über 250 unabhängigen Raiffeisenbanken im Land weithin bereit, denn ineffizienten und teuren Wasserkopf in St. Gallen zu finanzieren.

  8. Das zögerliche Vorgehen des neuen CEO passt völlig ins Bild wie die Raiffeisen auch sonst ihre Vergangenheit aufarbeitet. Da gab es im ehemaligen VR einen Bauernvertreter namens Schneider der dann aus diesem desolaten Grenium verschwunden ist wie einige mehr. Höre und staune, dass dieser kürzlich vollmundig in der Presse aufgetreten ist, nachdem er erstaunlicherweise nach wie vor als VR-Präsident einer Thurgauer Raiffeisenkasse amtet (diese Personalie wäre allein eine Recherche von L. Hässig wert).

    • @Kanonikus Der Schneider ist VR-Präsident einer SG Raiffeisenkasse. Also nicht den Thurgau verhunzen Kanonikus!

    • Sie irren leider beide meine Herren. Bauern-Schneider amtet als Präsident des Verbandes der Thurgauer Raiffeisenbanken, war jedoch im Doppelmandat VR bei RCH und einer Bank im Thurgau. Wo die Qualifikationen für alle 3 Ämter herkommen ? – Corporate Governance lässt grüssen.. Der VRP der Bank aus SG ist bloss ein Namensvetter…

  9. alter wein in neuen schläuchen, halt.
    es wird weitergewurstlet und jede scheune belehnt,
    bis zum nächsten mal.
    raiffeisen hat ja praktisch eine staatsgarantie.

    • Raiffeisen wird die Schweiz noch teuer zu stehen kommen und Vincenz freut sich über die Millionen die er abkassiert hat.

  10. Huber würde gut daran tun, die Verantwortlichen für das Debakel zivilrechtlich zu belangen und auf Schadenersatz und Rückzahlung zu verklagen. Und zwar restlos alle, die verantwortlich waren und sich schadlos gehalten haben, nicht nur PV.

    • Das wird er sicher nicht machen, denn er will ja noch viele VR-Jöbbli in der Schweizer Finanzwelt kriegen.

  11. Zumindest diese Transaktion ist voll transparent in der Absicht.
    Man nennt dies Bonus Booster. Vorgehen: Schreibe alles ab was irgendwie moeglich ist und verdiene daran wenn eine Erholung einsetzt.
    Nicht notwendigerweise identisch mit vertrauensbildenden Massnahmen

    • Ja, damit der Selbsverwirklichungsladen in St. Gallen weiter machen kann. Mir kommt diese Zentrale in St. Gallen langsam vor wie die SRG.

  12. markantes problemlösen und auftreten sind nicht die stärken von hh. nach aussen good guy, aber hinter der fassade; vorsicht. sehr stark auf seine eigennutzen ausgerichtet. das zeigen die ersten massnahmen und auftritte. mit diesem ceo hat raiffeisen erneut in die blumenkiste gegriffen. und wie mit martin neff ist raiffeisen auch bei gauch auf ein ausrangiertes cs-modell hereingefallen. für die neue dekade gilt unverändert das motto; säuhäfeli – säudeckeli; spannend gell :):):):):):); frage mich nur ob man unter chf 100/m pro jähr verdienen muss, um solche sachen zu checken. 🙂

  13. Das war schon Lachappels Masche bei der Basler KB. Alles nochmals von vorne. Gross kassieren, grosse Klappe und raus kommt Warme Luft.

  14. man merkt, lieber Herr Hässig, dass Sie absolut keine Führungserfahrungen haben. Sie können nicht eine Bank mit 11000 Mitarbeitenden von heute auf morgen ändern und alle Kader austauschen. Woher wollen Sie die neuen Leute nehmen? Dies braucht Zeit, mein Lieber, und hat mit Nettigkeiten nichts zu tun. Bei guter Führung werden die Guten bleiben und die Schlechten von selbst gehen. Bei schlechter Führung wird sich die Sache von selbst regeln. Manchmal sind Sie einfach zu weit von der Realität, mit aller Achtung davor, dass Sie den Stein ins Rollen gebracht haben…..

    • nein herr schenker. diese problematik kann nicht a la kantonalbanken bis zum sankt nimmerleinstag einfach ausgesessen werden. hier braucht es massnahmen. das unterscheidet die privatwirtschaft von einem staatsbetrieb.

  15. Jetzt wird es endlich interessant. Lachapelle und Huber waren gewarnt. Sie haben nicht auf die vielen Stimmen von Aussen gehört. Ein toxisches Labyrinth mit Altlasten bis in die Urzeit. Beteiligungen, Intransparenz, Abhängigkeiten, Liebschaften, Kostenchaos, Avaloq IT-Nirvana, etc. Nun hängen sie ebenso drin. Vom Mut verlassen, wird gesagt und getan, was die Dorfbanken hören wollen. Sinn oder Unsinn – egal! Ganz zum Gefallen der übriggebliebenen Management-Kader, die weitermachen können wie bisher.

  16. Herr Hässig, warum soll die Raiffeisen Gruppe Stellen abbauen? Wo das hinführt haben die beiden Grossbanken aufgezeigt. Hier zu sparen ist langfristig keine Strategie.

    • Genau!! Auf den Punkt gebracht.. und die Grossbanken wursteln nicht nur im Inland sondern weltweit und das am Ende zu Lasten des Personals!! Da ist Raiffeisen transparent dagegen und die Genossenschaftsbanken vor Ort machen einen top Job!!

  17. Das passt mir natürlich sehr: In St. Gallen ist man immer „nett“, schliesslich gehen alle zum Kultbeizer Köbi Nett…