Swissquote-Chef Bürki: Völlig abgehoben

Trading im Keller, Aktie eingebrochen – Trotzdem plant Chef der Onlinebank Luxus-Palast in Romandie – Und will Singapur.

Marc Bürki kannte nur einen Weg: nach oben. Nun geht’s in die andere Richtung. Und zwar rasend schnell.

Bürkis Swissquote verliert an der Börse, als ob es sich bei seinem Titel um Schokolade an der Augustsonne handelte. Von fast 80 Franken pro Aktie Sturzflug auf unter 40.

Und das in wenigen Monaten.

Im September herrschte noch eitel Sonnenschein. Bürki überraschte die Investorengemeinde mit ständig neuen Ideen. Krypo-Trading, Expansion nach Fernost, Wachstum im Gulliver-Stil.

Seit Freitag ist alles anders. Die Aktie ging in freien Fall über, als Bürki die Zahlen fürs letzte Geschäftsjahr offenlegte.

Minus 14 Prozent. An einem Tag.

Dabei war alles so schön gebüschelt. Bürki liess seine Swissquote-Buchhalter in den Hauptkategorien Gesamtertrag und Gesamtkosten hoffnungsfrohe Entwicklungen ausweisen.

Die Einnahmen stiegen im Vorjahresvergleich offiziell um 16 Prozent, die Kosten legten nur unterdurchschnittlich zu, nämlich um 13 Prozent.

Die Success Story aus der Romandie geht weiter. So Bürkis Botschaft.

Banker, Pionier, Erfolg: Bürki (ETH)

Sie ist ein Märchen. Das zeigt der Crash vom Freitag. Dahinter stecken vor allem drei Zahlen, die Bürki nur am Rand erwähnte.

Seine wichtigste Einnahmekategorie, jene des „Tradings“, gab 2018 nach. Und zwar von über 22 Millionen Umsatz auf unter 21 Millionen.

Minus 6,5 Prozent.

Als ob das nicht schon problematisch genug wäre, sticht die nächste Zahl ins Auge. Nämlich der Trading-Rückgang im zweiten Halbjahr, im Vergleich zu den ersten 6 Monaten von 2018.

Dort beträgt das Minus satte 22,3 Prozent.

Ein Desaster.

Und dann noch die dritte Kennziffer, die Bürki und seiner Swissquote Kopfschmerzen bereitet. Es geht um die verwalteten Kundenvermögen, die viel zitierten Assets under Management.

Diese werden für die Swissquote, die vor Jahren als reine Börsen-Onlinebank gestartet war, fürs weitere Wachstum immer wichtiger. Kunden und ihr Vermögen – darum geht es, bei allen.

Die AuM, wie die Position im Banking kurz heisst, sanken von 24,1 auf 23,8 Milliarden. Zwar nur ein Minus um 1,2 Prozent. Aber halt doch ein Minus.

Für die Swissquote eines zu viel.

Die Zeichen stehen jedenfalls auf Sturm. Die gegen 700 Mitarbeiter der Swissquote müssen sich fragen, wohin die Reise geht. Nach unten?

Bürkis Palast: Swissquote-Sitz in Gland VD (Swissquote)

Nicht für Chef Bürki. Der geht in die Offensive – einmal mehr. Bürki plant für seine Swissquote-Gruppe bei Gland VD in der Romandie ein drittes Gebäude.

Damit soll die Zahl der möglichen Arbeitsplätze auf 1’700 hochschnellen. Kurz mal 1’000 Jobs mehr. Wenn schon, dann lieber gleich klotzen.

Man sei an der Grenze angekommen und brauche für das weitere Wachstum dringend mehr Platz, so Bürki. Das neue Haus werde frühestens in 5 Jahren stehen, sagte er gegenüber Medien. Die Planung aber habe jetzt begonnen.

Kommentare

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  1. Ich gehöre auch zu den Swissquote-Kunden, die spürbar Geld abgezogen haben – zu einem US-Konkurrenten. Ein wichtiger Grund dafür war die aus meiner Sicht willkürliche Freistellung meiner Bezugsperson im SQ-Trading. Dieser Mitarbeiter – meiner Ansicht nach der beste im ganzen Team – war seinem Chef offenbar zu erfolgreich mit seiner guten Kundenbetreuung, also wollte er ihn los werden. Ich kenne weitere Kunden, die genau deswegen verärgert sind.

  2. Ich verstehe das Swissquote-Bashing von LH nicht wirklich. Eines der wenigen Bankenhäuser, welches faire Gebühren, gutes Online-Trading anbietet und zukünftige Trends aus dem Fintech-Bereich antizipiert. Custodian-Service im Cryptobereich wird zukünftig sehr interessant werden. Da hat Swissquote bereits die Nase vorn. Die anderen Finanzhäuser sind da noch ziemlich mittelalterlich unterwegs. Insbesondere freut es mich, dass es mir als Swissquote-Kunde ab 21.03.2019 offen steht, ob ich meine Cryptos bei Swissquote lasse oder auf meine Wallet transferiere. Bin gespannt wie sich das Handling gestaltet.
    Schaut euch mal die Depotgebühren und Courtagen der anderen Banken in der Schweiz an. Jenseitige Preise für total elektronisch abgewickelte Transaktionen werden da verlangt. Der Kunde hat’s in der Hand. Aber es ist halt einfacher nur darüber zu meckern, anstatt zu handeln.

    • Ihre Argumentation bezüglich Preise greifft leider viel zu kurz. Es existieren mehrere CH-Anbieter mit Courtagen als Flat-Fee um die Fr. 30.00 pro Trade. Diese Angeobte sind insbesondere für Transaktionen mit Handelswert grösser Fr. 10’000.00 wesentlich günstiger als Swissquote. Wenn man sich nicht scheut auch ausländische Anbieter in betracht zu ziehen lassen sich WP-Transaktionen zu noch günstigeren Konditionen durchführen.
      PS: Ich war mal SQ-Kunde ab 2001 bis 2009.

  3. Wenn die Börsenwerte ins Minus rutschen, ist klar, dass die AuM dies auch tun.

    Index Verluste 2018:
    Balanced-Portfolios rund -4%
    Aktien Schweiz und Ausland je ~ -9%
    AuM Swissquote rund -1.2% ?

    Also muss es 2018 einen Zustrom neuer AuM gegeben haben, welche die Wertschwankungseffekte der Bestände mehr als ausgeglichen hat.

    Erst überlegen, dann rechnen, dann schreiben!

    Abgesehen davon, solange Swissquote eine der günstigsten und technologie-effizientesten Custodians der Schweiz ist, ist mir wurst, wie stark diese Firma wächst oder nicht. Der Zustrom nur schon an Custody-Assets wird weiter zunehmen, weil die Grossbanken immer noch versuchen, alte lächerliche Gebührenmodelle durchzupushen, hoffnungslos!

    Dass Herr Bürki sich hingegen ein Schloss baut, das hingegen ist ein echter Contrarian Indicator und das sollte wirklich vermieden werden.
    Eitelkeit und Hochmut kommen vor dem Fall.

  4. Naja, 2018 war für die meisten Banken schwierig. SQ ist in vielen Bereichen Pionierin in der Schweiz und dürfte von vielen Investoren mehr als Tech- und nicht mehr zwingend als herkömmlicher Banktitel angesehen werden. Damit relativiert sich der Kusrückgang – Korrektur einer vorübergehenden Überbewertung die von starker Euphorie (ua Crypto) getrieben war, langfristig jedoch positiver Ausblick. Machen sehr vieles richtig die Jungs und Mädels.

  5. Wie sieht es denn nun mit den 420 Swissquote Kunden aus, die durch die Mindestkursaufhebung am 15.01.2015 ihr gesamtes Kontoguthaben verloren haben? Plus Nachschusspflicht!
    Kann Inside Paradeplatz ein Update geben?

  6. Wenn man alle, und nicht nur der Story dienenden Fakten betrachtet, muss man sagen, weiter so Herr Bürki ! Sie haben Ideen, Visionen und Mut, diese umzusetzen… und dies mit schönem Erfolg, denn meines Wissens hat seit der Subprime-Krise keine andere Schweizer Bankaktie soviel zugelegt wie die Ihre. Worte eines zufriedenen SQ-Kunden, der sich die Tarife der Schweizer Privat- und Unversalbanker nicht leisten kann.

  7. Nun ja, der Artikel kommt aufgrund der Verwerfungen im letzten Quartal 2018 schon ein wenig reisserisch daher; die Börse schmierte ab, Ende Januar aber wieder deutlich erholt – ergo eine Erklärung für die tieferen Assets under Management – bei anderen Banken hinterlässt dies auch Spuren. Im Weiteren, auch andere Gesellschaften werden bei Publikationen teilweise übermässig abgestraft weil einfach die Erwartungen zu hoch sind.

  8. Im europäischen Raum hat ESMA den maximal zulässigen Hebel im Retail Forex Handel auf 30:1 bei den Majors gesenkt. Weshalb die Schweiz nicht schon lange selber eine Leverage Beschränkung oder zumindest eine Negative Balance Protection für Retail Kunden per Gesetzt vorschreibt, ist mir ein Rätsel. Seit dem 15.01.2015 sollte diese Punkt nicht mehr diskutiert werden müssen. Das ist nichts anderes als eine Umgehung der Glückspielgesetzgebung. Spielsuchtprävention ist ebenfalls inexistent – man lässt einen Süchtigen mit 100 fachem Hebel traden – also auf 1 Fr. kriegt er 100.-Fr Handelskredit….. sinnvoll? Wohl eher nicht.

    Kein Wunder verlieren in diesem Negativ Summenspiel 100% der Kunden, wenn sie genug lange traden. Schon nach einem halben Jahr verlieren bei Swissquote bereits >80% (siehe Disclaimer für EU Kunden auf Swissquote Homepage) Geld. Werbung ist in einigen EU Staaten deshalb bereits verboten – mehr werden folgend. Die Abzocke der Retailkunden neigt sich langsam dem Ende zu, Krypto wird demselben Pfad folgen.

    Wäre toll, wenn Hr. Hässig einen Update zum noch immer hängigen Gerichtsverfahren in Sachen „SNB Mindestkurs – Aufhebung“ bringen könnte. Wo steht dieser Prozess?
    Sinkt der Kurs, weil sich langsam abzeichnet, dass Swissquote die Verluste nun selber tragen muss? Verdient hätten sie es meiner Ansicht nach.

  9. Alles halb so schlimm. Immerhin war 2018 ein miserables Börsenjahr. Das „Trading“ von Privatkunden läuft nun mal über Haussemärkte – dann macht es Spass. Und Spass ist normalerweise auch gleich der einzige Nutzen des Trading, denn ohne Rückenwind des Marktes legen die meisten drauf – ein teures Hobby quasi.

  10. CEO Bürki war schon immer ein Blender, für Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre. Dass der Aktienkurs angesichts der schlechten Zahlen fällt, mag nicht zu überraschen. Bei Swissquote bräuchte es eine Veränderung an der Unternehmensspitze!

  11. Schade, wenn dieses Unternehmen, das die Bankenbranche in der Sparte Trading etwas aufgemischt hat, Probleme bekommt.
    Leider dürften die Börsenumsätze aber weiterhin stark schrumpfen, nicht zuletzt wegen den Betrügereien und Absprachen der Banken.

  12. Eine Bank der man nicht vertraut.

    Ein weiteres Problemfeld, welches aufzeigt wie Swissquote auf dem Markt agiert, ist die Mindestkursauflösung vom 15.01.15. Das CfD Produkt von Swissquote, wie auch das von vielen anderen Banken, hatte damals versagt. Alle anderen Banken sind dem Kunden entgegengekommen und haben die Minussalden von sich aus gelöscht. Nur Swissquote war nicht bereit Kompromisse einzugehen und versucht noch immer gegenüber 420 Kunden Forderungen geltend zu machen. Dies zeigt, dass sie kein adäquates Risikomanagement machen, gegen Sorgfalts- respektive Treuepflicht verstossen wie auch gegen Treu und Glauben handeln und nicht mit den Kunden sondern gegen den Kunden Lösungen suchen. Dass nun die Umsätze im Traiding rückläufig sind, ist nur eine normale Folge.

    Ich hoffe nur, dass nun die Kunden die im Crypto-Business sind, nicht gleiche Erfahrungen machen müssen. Für die anderen 420 im Stich gelassenen Kunden, hoffe ich auf ein positives Urteil des Handelsgerichts.

  13. Immer wieder interessant zu beobachten, wenn Chefs den Pharao geben: „Was? Die Zahlen gehen Richtung Süden? Lasset die Architekten zu mir kommen – denn da, wo Kräne sich drehen, wir auch bald Geld sprudeln, auf jeden Fall sprudelt der Schaumwein bei der Eröffnung!“ Was für Ölbohrtürme in der Regel zutrifft, dass da am Ende wirklich etwas sprudelt, ist bei Büropalästen nicht ganz so sicher.

  14. wie bei allen banken leidet das trading wegen der weigerung der steuerbehörden, verbindliche regelungen bezüglich der steuerunterscheidung von privater zu geschäftlicher vermögensverwaltung zu kommunizieren. der ermessensspielraum der steuerbeamten erzeugt unnötigerweise unsicherheit bei kunden und potentiellen kunden. und unsicherheit ist bekanntlich an der börse ganz generell immer das grösste gift.

    • Dem kann ich nur zustimmen, auch wenn ich nicht glaube, dass dies die ausschlaggebende Ursache für die momentane Flaute ist. Ich habe verschiedene kantonale Steuerbehörden angeschrieben und diese zu einem hypothetischen Gewinnszenario mit Cryptowährungen befragt. Dabei habe ich mich bewusst bei allen Parametern festgelegt, die im häufig als relevant betrachteten „Kreisschreiben“ als entscheidend für die Beurteilung genannt werden – und zwar jeweils im konservativen Sinne.

      Das Szenario sähe einen langfristigen Gewinn durch Veräusserung von Cryptowährungen nach Halten derselben bzw. deutlichen Kurssteigerungen 1-2 Jahre nach dem Kauf vor, aber bewusst kein häufiges Handeln. Mein Problem bestünde somit, zumindest aus Laiensicht, einzig darin, dass ich kein regelmässiges Einkommen habe. Daraus könnte theoretisch konstruiert werden, dass ich darauf angewiesen bin, „wegbrechende oder fehlende Erträge“ zu kompensieren.

      Keine der befragten Steuerbehörden zeigte sich willens, sich zu dem Sachverhalt zu äussern und eine unverbindliche Einschätzung abzugeben, ob ich nun als gewerblicher Wertschriftenhändler eingestuft würde oder nicht. Auch spezialisierte Anwälte deuteten an, dass es letztlich Glücksache sei und es darauf ankomme, wo man wohnt bzw. um welche Summe es geht. Je höher der Gewinnbetrag, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass ein Beamter „eifersüchtig“ werde und sich veranlasst sehe, zuzulangen.

      Ich bin nun dabei, ernsthaft eine Strategie für eine Wohnsitzverlegung ins Ausland (erste Ideen: Deutschland, da keine Vermögenssteuer. Verkauf von Wertschriften nach 12 Monaten steuerfrei; Georgien, da alle im Ausland erwirtschafteten Einkommen steuerfrei) zu erwägen. Dies, um meinen Plan in die Tat umzusetzen, ohne das Risiko einzugehen, dereinst massivst zur Kasse gebeten zu werden, dafür, dass ich in einem Land lebe, in dem Kapitalgewinne offiziell als „steuerfrei“ gelten.

  15. Bürki ist ein IT-Mann und kein Banker, was eher positiv zu bewerten ist. Er hat Visionen und setzt sie auch um. SQ ist heute die modernste Bank in der Schweiz. Ob Singapur der richtige Ort für eine Expansion ist, bleibe dahingestellt.
    Eine engere Partnerschaft mit BLKB u. anderer Bank wär von Vorteil, um das Image bei Grossanlegern zu stärken.

  16. Wenn die „Assets under management“ im 2018 gar sinken, so deutet dies an, dass Swissquote wohl zu teuer geworden ist.

    Die Plattform ist zwar gut und übersichtlich. Die stolzen Gebühren leider weniger. Der Prestigepalast in Gland plus der zukünftige Annex werden sie wohl bestimmt unter „Public Relations“ abbuchen Herr Bürki?

    Der Kauf der luxemburgischen online-Bank Internaxx im August 2018 wird zukünftig bereits genug Integrationskosten verursachen. Die Konkurrenz im EU-Raum in diesem Segment ist riesengross. Das Kostenbewusstsein auch……

    „Reduce to the max“ heisst die Losung. Der Luxustempel (als Klotz am Bein) von Meyer Burger in Gwatt (Thun) müsste ihnen Warnung genug sein.

    • Ihr nichtssagender Kommentar erklärt wenigstens auch, warum Sie sich noch nicht mal ein eigenes Pseudonym einfallen lassen können…

  17. Ich finde die Zahlen bei weitem nicht so katastrophal wie Inside Paradeplatz. Die paar Prozentchen weniger liegen in der normalen Schwankungsbreite im Wirtschaftsleben. Da muss man trotzdem weiter planen und an die Zukunft glauben, deshalb ist man noch lange nicht weltfremd oder abgehoben.

  18. Ich wiederhole mein Kommentar vom 8. Februar 2018:

    Karma

    Im Januar „Webinars“ bei Swissquote mit den „Experten“ Josef Marbacher und Paolo Vanini.
    Äutoritätsgläubig und gleichzeitig lehrmeisterlich. Without real Investmentbackground.

    Wie nennt man das schon wieder? Ah, Frühindikator!

  19. Das Geschäftsmodell geht trotzdem auf – man spart beim Mitarbeiter – in Gland arbeiten fast ausschliesslich Grenzgänger aus Frankreich für um die 4000 Euro im Monat (was für Franzosen ein super Lohn ist) und in Zürich sind die Löhne 30% unter dem Branchendurchschnitt.

  20. Aufgeblasen vom Crypto Trading und jetzt wieder entlüftet. Und was ist eigentlich aus diesem dubiosen Lake Diamond ICO geworden?