Lobby: Apparatschik Scheidt holt Berner Loser

Vontobel-Mann und Kapitän der Bankiervereinigung installiert mit Jörg Gasser Diplomaten als CEO – Der floppte als Staatssekretär.

Herbert Scheidt verdiente letztes Jahr als Präsident der Zürcher Bank Vontobel 4,3 Millionen Franken. Laut eigener Aussage war Scheidt mehrheitlich statt für die Bank für die Bankiervereinigung tätig.

Das ist die oberste Lobby des Finanzplatzes, und Scheidt ist ihr Präsident. Nun hat der Mann mit dem grossen Ehrgeiz einen neuen CEO installiert: einen, der im gleichen Spital krankt.

Die Rede ist von Jörg Gasser. Gasser ist ein Karrierediplomat, der die letzten Jahre das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen lenkte. Gasser hätte die Schweiz gegen das Ausland verteidigen müssen.

Tatsächlich hat er vor allem seine eigene Organisation umgepflügt. Gassers grosser Umbau des Sif, wie das Staatssekretariat kurz heisst, wurde zum Flop. Unruhe statt Dynamik breiteten sich aus.

Schliesslich ging Gasser unverrichteter Dinge – als No Name, der keine Spuren hinterliess. Noch schlimmer: Sein Umbau ermöglichte es Finanzminister Ueli Maurer, seine Lieblingsbeamtin an die Spitze des Sif zu setzen. Die holt nun ihrerseits ihre Favoritinnen und köpft die Cracks.

Der Sekretär und sein Chef: Gasser, Maurer (Twitter)

Ein Debakel erster Güte, das die Schweiz im Fight um gleich lange Spiesse mit der EU, London und New York zurückwirft. Statt dass der Verantwortliche, also Gasser, fürs Erste in der Versenkung verschwindet, steigt der Oberfunktionär aus der Bundeshauptstadt nun gar auf.

Die NZZ schlägt Purzelbäume vor Freude. „Mit dem Stabwechsel an der Spitze der Bankiervereinigung ist den Schweizer Banken eine vielversprechende Überraschung gelungen“, frohlockt der Wirtschaftschef jenes Blattes, das federführend ist, wenn es um Macht und Einfluss geht.

Dabei verhält es sich genau anders. Gassers Wahl ist ein Armutszeugnis einer Branche, die zerstritten ist und die Gier- und Bonus-Kultur nie anpackte, statt dessen vor einzigartiger Planlosigkeit strotzt.

Was es zuoberst in der zentralen Bankenlobby in so einer Lage bräuchte wäre ein Banker von Renommee, der unzählige Schlachten geschlagen hat und weiss, was die Schweiz nötig hat und wie das Image des Finanzplatzes umgedreht werden kann – von Profiteur- zu Service-Branche.

Ein Kaliber, ein Könner, ein Macher: ein alter Hase, der sich selbst nichts mehr beweisen muss, sich dafür umso mehr in den Dienst seiner Industrie stellen kann.

Gasser ist all das nicht. Er ist kein Banker, keine Persönlichkeit (Jörg Who?), bewies keinen Mut. Ein Apparatschik, der nun seine glänzende, hoch bezahlte Karriere statt in Bern in Basel bei der Bankiervereinigung fortsetzen darf.

„Handelskaufmann“: Scheidt (Vontobel)

Freund Scheidt sei Dank. Gasser kann man die Wahl nicht verübeln, sondern verantwortlich ist „Herbie“, wie der Mann an der Spitze der Bankenlobby genannt wird, der bereits jetzt als Langzeit-Präsident der Zürcher Vontobel in die Annalen eingeht.

Herbert Julius, stammend aus dem hohen Norden, aus einem Kaufmanns-Geschlecht: Er drückt der Bankenlobby seit bald 3 Jahren seinen Stempel auf. Dass Scheidt irgendwelche Stricke verrissen hätte, ist nicht zu sehen.

Vielmehr ist die wichtigste Stimme im Land, wenn es um die Banken geht, kaum zu hören. Scheidt hat sich als Präsident entpuppt, der es nicht geschafft hat, der Banken-Lobby neues Leben einzuhauchen.

Mit Gasser als seinem neuen CEO greift Scheidt jetzt sogar entscheidend daneben. Da verbünden sich zwei, die im Geiste gleich sind. Wenn es je einen Apparatschik am Paradeplatz gegeben hat, dann ist das „Handelskaufmann“ Scheidt. Zwei Bürokraten repräsentieren die einst wichtigste Branche des Landes – das sagt viel.

Kommentare

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  1. Der lispelnde Osterhase, hat was genau erreicht, beim Bankierverband? Schon swine Notenstein ist ein Ofenschuss, wie man bei den Tagi-Presstituierten lesen konnte. Die Abflüsse müssen gigantisch sein, sonst wäre nicht bloss einzig seine Vergütung angestiegen. Die Leute im Maschinenraum sind ausgelaugt und machen sich ab seiner Vergütung ihre Motivations-Gedanken.
    Hatte damals nicht jeder die Gelegenheit, dem alten Vontobel in den Ar… zu kriechen, waren mit arbeiten beschäftigt.
    Schickt den Gummihals nach hause, soll er dort schön brav seinen Tribut bezahlen.

  2. …ein Banker von Renommé, der unzählige Schlachten geschlagen hat und sich
    selber nichts mehr beweisen muss, ein Kaliber, ein Könner ein Macher…..
    aber vor allem ein Phantom: Wenn man Inside Paradeplatz regelmässig liest,
    kann man sich nicht vorstellen, dass so was noch existiert…oder machen Sie
    Sie einen Vorschlag?

  3. Let‘s face it: es dürfte nahezu unmöglich sein, kompetente und respektierte Persönlichkeiten für eine Zusammenarbeit mit dem intellektuellen Fliegengewicht Herbert Julius Scheidt zu gewinnen, geschweige denn zu begeistern. Ergo finden sich leider nur zweitklassige Underperformer für die SBVg-Vakanzen. Die Branchenorganisation selber ist unter dem kleingeistigen Vontobel-VRP inzwischen leider in der absoluten Bedeutungslosigkeit verschwunden. Kein gutes Zeichen für den helvetischen Finanzplatz.

  4. Grüezi, da ist ein Durcheinander mit den Namen, oder ? Im Titel steht, er heisse „Berner Loser“. Ich konnte den Namen aber nirgends finden. Ist der korrekte Name evtl. „Werner Loser“ oder „Werner Looser“ ? Weiter im Text taucht der Name „Jörg Gasser“ auf. Ist das ein Kollege von ihms ? Und wer wird jetzt ins neue Amt kommen ?

  5. Jörg Gasser war als Diplomat lange Jahre für das IKRK unterwegs und hat unter anderem zähe Verhandlungen mit totalitären Herrschern des mittleren Ostens geführt – und dabei zahlreichen unterdrückten Menschen eine Stimme gegeben, sowie das internationale Völkerrecht durchgesetzt. In derselben Zeit konnte sich LH nie länger als 3 Jahre bei einer Organisation halten und schreibt seit 2006 polemische, reisserische und – oft – fehlerhafte Artikel. Sein Geschäftsmodell besteht nicht aus guter Recherche und analytisch hochwertigen Artikeln. Im Gegenteil, sein Geschäftsmodel beruht darauf Informanten zu finden die aus subjektiven und persönlichen Gründen eine Fehde mit ihrer Institution pflegen und deren persönliche Meinungen als objektive Wahrheiten zu publizieren. Auch andere Menschen wenden sich LH um ihre kleinen persönlichen Machtspielchen auszutragen, allen voran Wirtschaftsbosse wie Pierin Vincenz – die die Plattform nutzen um ihre Gegner zu verunglimpfen – und als Dank Jahrelang von dieser Plattform als ehrliche, ausgesprochene und integre Manager angepriesen wurden (vor diesem Hintergrund in Artikeln das Wort «Filz» auf Papier zu bringen ist doch recht doppelmoralisch). Bis sich dann das Gegenteil herausstellte. Auch dies war nicht auf die investigative Leistung von Herrn Hässig zurück zu führen. Es war die «Leistung» von einem persönlichen Feind Vincenz’s der LH diese Informationen – wieder aus Machtpolitischen Gründen – hat zukommen lassen.
    Dass Sie, Herr Hässig, die Dreistigkeit besitzen sich derart über erfahrene, erfolgreiche und integre Menschen zu äussern ist das aller letzte. Über einen Blog zu pöbeln und sein eigenes Verhalten mit dem angeblichen Missverhalten anderer zu legitimieren ist eine menschliche Tragödie – und sie Herr Hässig – sind ihr Protagonist.

    • Ich denke, man darf eine Karriere nach ihren Etappen beurteilen. Klar ist, dass Gasser nicht den Rückhalt von seinem Chef hatte. Klar ist auch, dass Gasser besser mit Reden als mit Leadership und starker Führung war.

    • Mein Lieber, ich verrate Dir ein Geheimnis. Das nennt sich „The Game“: Sie würden sich wundern, wie viele CEOs entweder direkt oder via PR-Leute über die Anonymous Box, anonym oder auch direkt mit LH (oder anderen Journalisten) korrespondieren (und das auch offen zu geben).
      Wenn Du dem nicht gewachsen bist, dann bleib am besten zu Hause.
      Und zum Gasser: Hab mal mit ihm zu tun gehabt. Hat wirklich viel geschwätzt von seiner IKRK Zeit. Ich musste dann daran denken, dass in den Einsatzgebieten des IKRK regelmässig Prostitution boomt. Und sie wissen ja sicher auch, dass die Mehrheit der Diplomaten gutes Geld steuerfrei mit Schmuggel verdient. Oder wie mal ein befreundeter, pensionierter Diplomat gesagt hat: „Ein Diplomatenpass gibt 10-20k Tax-Free pro Monat. Solange man nicht mehr macht und sich bei den Drogen zurückhält (100 Gramm Koks für den Eigenbedarf und ein bisschen was für Freunde sind ok), interessiert es keine Sau.“

    • Autsch, da wurde wohl jemandem gehörig auf den Schwanz getreten.

      Jörg Gasser soll ein Heiland im Auftrag des IKRK gewesen sein? Diese rührselige Story kann man rauchen. Wo hat denn diese mal fabelhafte Organisation in jüngerer Zeit etwas Herausragendes zum Schutz der Ärmsten und Schwächsten geleistet? IKRK heute = Placebo + Korruption.

      Zum Beispiel:

      Heikle IKRK-Partnerschaften mit Privatfirmen (27.5.2018, SRF Echo der Zeit)

      Red Cross says more than 20 staff have left after ‚paying for sexual services‘ (24.2. 2018, thejournal.ie)

      The Red Cross has admitted that millions of dollars meant for fighting the deadly outbreak of Ebola in west Africa were siphoned off by its own staff. (3.11.2017, The Guardian)

      In Search Of The Red Cross‘ $500 Million In Haiti Relief (3.6.2015, National Public Radio)

    • @Henry D.,
      zu ihren Beispielen.
      1. Zwei der vier Zeitungsartikel beziehen sich auf die National Rotkreuzgesellschaften, die ein völlig anderes Aufgabengebiet haben als das IKRK – dass Ihnen dies nicht aufgefallen ist, spricht nicht für ihr Expertise in diesem Bereich.
      2. Das jede Organisation aus Menschen besteht und dass es unter den zick-tausend Mitarbeitern schwarze Schaffe gibt, wundert ja wohl keinen. Deshalb aber der gesamten Organisation Korruption und Sinnlosigkeit vorzuwerfen – aus einer sehr angenehmen Position heraus, Wohlstandsverweichlicht, nie ein Kriegsgebiet selber gesehen, nie mit unfassbarer Armut und Elend konfrontiert, nie einen Dialog mit Menschen geführt die ihr Leben dem IKRK zu verdanken haben – ist doch etwas über die Stränge geschlagen, finden Sie nicht?
      @@Inside Paradeplatz
      Das „Geheimnis“ das Sie mir verraten haben, ist deckungsgleich mit meinem Kommentar. Der Rest ihres Kommentars ist in erster Linie Halbwissen und – auch hier wieder – die Projektion von einzel-Beispielen auf eine Organisation als Ganzes. Das ist ungefähr so wie wenn ich sagen würde Sie arbeiten bei XY, bei XY ist vor einigen Tagen ein sexueller Belästigungsfall publik gemacht worden daraus schlussfolgere ich jetzt, dass jeder bei XY ein Sexualstraftäter ist – keine besonders akkurate Analyse oder was meinen Sie?

  6. Der Niedergang der Schweizer Finanzwelt geht nach all den Skandalen der Banken weiter.

    Und warum?

    Es geht wieder um Vetterliwirtschaft!! Selbst bis hin zur NZZ, die natürlich das erste Interview bekommt.

    Dann geht es hier um Summen für ‚Nebenjobs‘, die in anderen Ländern kein IndustrieBoss verdient.

    Dann vertritt auch noch ein NichtFachmann eine ganze Branche 😂 Hoffentlich wird er im Ausland nicht mal nach Einschätzungen gefragt. Das wäre mega peinlich für die Schweiz, mega!

    Unglaublich……es geht einfach weiter so! Weiter und weiter und weiter! Jeder weiss es und alle machen weiter so

  7. Sehr guter Schachzug! Man muss die Glaubwürdigkeit des Schweizer Finanzplatzes doch mit dem Vorgehen der Finanzlobby in der heutigen Zeiten vermehrt stärken

  8. Unser System, unsere Regierung, unsere Politik, unsere „sogenannten“ Eliten, alle sind einfach nur dekadent und krank. Der kommende Crash wird hoffentlich einen Grossteil der heutigen Verantwortlichen wegfegen, womit dann bewiesen wäre, dass alles Negative auch seine guten Seiten hat.

    • Könnte aber auch locker sein dass die Psychopathen überhand gewinnen und Sie schlussendlich verschwinden.

      Kommt immer auf den Standpunkt an. Moral ist relativ.

  9. Herr Hässig, Ihre Einschätzungen sind Ihnen überlassen. Aber müssen Sie die Menschen immer gleich als Pfeiffen und Loser bezeichnen?

    • Ja, seien wir doch alle wieder ein bisschen nett zueinander – wie immer. Darum sind wir in Bildung, Wirtschaft und Politik da, wo wir heute sind… langsam eine wischiwaschi Bananenrepublik. Unsere weltweiten Mitbewerber freut es.

    • sehr wohl soll er das. es steht ihnen frei den gassersschen unleistungsausweis zu beurteilen.scheidt und seine verschworene entourage bei der SBVg haben alles richtig gemacht, einen nonvaleur auf den schild gehoben, damit sie in ruhe gelassen werden und die bestimmenden grossbankenkreise weiter regieren können wie es ihnen gefällt.

  10. Bankiervereinigung – jene die sich unwidersprochen von Seiten UBS-Duo Weber und Ermotti in Sippenhaft nehmen lassen was das angeblich ‚politische Urteil‘ in Frankreich betrifft. Man darf also gespannt sein, ob Scheidt-Nachfolger Gasser sich auf die Hinterbeine stellt oder ebenfalls den Schwanz einzieht…

  11. The government’s best that governs least.

    Das Gleiche dürfte wohl auch für Lobby-Organisationen gelten.

    In diesem Sinne ist die neuste Entwicklung wohl zu begrüssen.

  12. NZZ: „…Spitze der Bankiervereinigung …vielversprechende Überraschung…“
    Die Schweizerische Bankiervereinigung ist der Spitzenverband des Schweizer Finanzplatzes. Das Hauptziel ist es, für die Schweizer Banken optimale Rahmenbedingungen zu schaffen.

    Gasser war die rechte Hand der in jeder Beziehung linken Sterbehelferin der Finanzplatzes Schweiz Widmer-Schlumpf.

    Alt-neues aus der Bananen-Beamtenrepublik Schweiz: Ein weiterer Bock wird zum Gärtner gemacht.

    • Mir ist immer ein Rätzel, wieso die Leute in diesem Land so viel Hass, Neid und auch Ignoranz zeigen können! Trotz Reichtum, Lebensqualität und anderen “ fringe benefits“. Wieso? Kann mir jemanden erklären?
      Das der Gasser ein loser ist, musste man noch Beweisen, dass er nicht an den richtigen Platz gelandet ist auch….ich könnte mir gar keine andere Top – Leute für diese schwierige, komplexe und eben nicht- befridigende Stelle als er vorstellen. Somit Bravo Präsident uns so weiter! 😤🤤

  13. Armer Kerl, der Scheidt. Da erhält er für sein Können nur 4.3 Mio.? Jedes GL-Mitglied bei den Grossbanken erhält fürs absolut risikolose Sesselfurzen schon fast das Doppelte.