Bührle Bank-CEO schlägt Senior-Berater in Flucht

Daniel Lipp, lange bei UBS und St.Galler KB, verliert am Sitz in Zürich 7 Kundenberater – Absprung wegen Lipps Führungsstil.

Daniel Lipp spricht von „Neuausrichtung“. Da sei es „normal, dass es (…) auch zu personellen Wechseln kommen“ könne.

Schon. Aber gleich so viele? Laut Informationen haben kürzlich sieben Kundenberater Lipps Ihag Privatbank in Zürich den Rücken gekehrt.

Grund: Der CEO und seine Buddies würden die Bank in die Misere führen. Also versuchten die Banker ihr Glück woanders.

Der Kontrast bei der Ihag, bekannter als Bank des einstigen Waffenschmieds und Kunstmäzens Emil Georg Bührle, könnte kaum grösser sein.

Hier befehle ich: Lipp (LinkedIn)

Hier CEO Lipp, gross geworden bei UBS und St.Galler Kantonalbank. Er gibt sich locker und optimistisch, sagt:

„In der Summe ist die IHAG Privatbank aber am wachsen und wir werden uns auch in diesem Jahr personell weiter verstärken. Diesbezüglich stehen wir bei einer Anzahl von weiteren Zugängen kurz vor Vertragsabschluss.“

Da die Massenkündigung von mehr als einem halben Dutzend Kundenberatern, die nun entweder selber etwas auf die Beine stellen könnten oder bei der Konkurrenz anheuern.

An Ihag-Lipp scheiden sich die Geister. Er selbst strotzt vor Selbstvertrauen. Das sieht man bereits an seinen knall-farbigen Strümpfen.

Vor allem aber an den Worten. 2018 war für Ihag kein glorreiches Jahr. Auch Lipp fand kein Rezept gegen die Minuszinsen.

Trotzdem übertitelt der Bührle Bank-Chef sein Jahres-Communiqué mit „Vorjahresergebnis deutlich übertroffen“.

Stimmt. Nur ist der erzielte Gewinne immer noch mickrig. Er stieg von 3,2 auf 5,3 Millionen. Diese Grösse ist nichts, wenn man die auf über 2 Milliarden hochgeschossene Bilanz in Relation setzt.

5 Millionen unter dem Strich bei 2 Milliarden auf den Büchern – krass. Lipp muss sich etwas einfallen lassen. Sein Herr, Bührle-Erbe und Ihag-Besitzer Gratian Anda, will Kohle sehen.

Als wäre der Minigewinn nicht schon problematisch genug, droht nun auch noch ein nächster Angriff aus Übersee. Die USA würden einen Vorstoss gegen die Ihag vorbereiten, sagt eine Quelle.

Grund: Die Bank hätte im Rahmen des Steuer-Ablassprogramms nicht alle US-Schwarzgeld-Sünder offengelegt. Ein Ex-Ihag-Banker, der sich als Whistleblower sieht, liefere den Amerikanern Munition, berichtete Finews vor 2 Jahren.

Auf Anfrage gab sich Gratian Anda gelassen. Er liess sein Vorzimmer in seinem Namen folgende Stellungnahme verschicken:

„Die IHAG Privatbank hat am DoJ-Bankenprogramm teilgenommen und dieses im Jahr 2015 durch Unterzeichnung eines Non Prosecution Agreements (NPA) abgeschlossen. Aus dem NPA entstand die Verpflichtung, auch zukünftig mit dem DoJ zu kooperieren, woran sich die Bank ausnahmslos gehalten hat und auch weiterhin hält. Weiter möchten wir dieses Thema nicht kommentieren.“

Ein Dementi klingt normalerweise anders.

Kommentare

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  1. #FINanzMArktmafia . . . die einzige Überraschung ist eigentlich, dass das DoJ noch nicht gegen die Ihag vorgegangen ist. Aber natürlich, man kann sich aktuell noch darauf beziehen, dass man sich verpflichtet habe mit dem DoJ zusammenzuarbeiten.

    Was passiert nach dem Tag, an dem das DoJ die Informationen zu den US-Steuerbehörden vorenthaltenen Daten abgearbeitet sind? Es ist kaum davon auszugehen, dass Ihag ‚ungeschoren‘ mal einfach zum Tagesgeschäft übergehen kann.

    Interessanter Sachverhalt auch hier, dass die Finanzmarktaufsicht FINMA basierend ‚Whistleblowing‘-Infos die dem DoJ zur Kenntnis gebracht wurde, selber untätig blieb. Dies obwohl auch hier ein ‚Reputationsrisiko‘ für den #FinanzplatzSchweiz bestand bzw. noch immer besteht und bei konsequenter Vorgehensweise des DoJ der Ihag soweit Zugänge verweigert werden könnten, dass deren Geschäftstätigkeit in Frage gestellt werden muss. Da die unvollständigen Informationen zu Handen der US-Behörden voll und ganz in die Verantwortung der Ihag-Organe fällt, hätten die Aufsichtsbehörden schon über einen längeren Zeitraum die Möglichkeit gehabt dieses Vorgehen zu sanktionieren. Nun ja, möglicherweise muss dann die FINMA gar nicht mehr sanktionieren, sondern die Amis übernehmen dies, während die FINMA einmal mehr dem Geschehen zuschaut und sich dann in irgendwelchen Ausreden rein wäscht. Lange war ich davon überzeugt, dass die Aufsichtsbehörden und Wirtschaftsprüfer explizit darauf ihre Augenmerk richten, dass die Meldungen von Seiten der Banken an die US-Behörden vollständig und wahrheitsgetreu passieren, sowie rigoros darauf reagieren, wenn ausl. Behörden Kenntnisse darüber erlangen, dass Angaben unvollständig gemacht wurden und man nicht mehr von Einzelfällen sprechen kann.

  2. Eine Führungsetage mehr bei den Banken die versagt, alles CEO die von Banking keine Ahnung haben, im Abzocken sind sie Nobelpreisträger. IHAG mit knapp 4 Mrd. Assets wird noch knapp 3,5 Mrd. Asset aufweisen, das mit 100 MA. Es werden mind. noch 70 bis 80 Banken die Pforten schliessen.

  3. Die frühere „gemütliche“ Familienbank unter dem CEO Stadler erlebte gute Zeiten und wird jetzt durch die „Brasserie Lipp“ „gesundsaniert“. Man weiss ja zwischenzeitlich vom Dauerbrenner Raiffeisen, was für ein Geist von St.Gallen her weht: Vetternwirtschaft und egoistisches Inszeniergehabe kombiniert mit einem vollständigen Verlust des Realitätsbezugs, „Frere couchons“ als Kultur der HSG mit getürkten VRs. Lipp
    bringt auch diesen St.Galler „Ungeist“ in die IHAG. Durch ein völlig fragwürdiges Outsorcing von IT und Back Office. Der Führungsstil entspricht dem „veralteten“ St.Galler Korps Geist, und die Visionen einer Kantonalbank passen einfach nicht zu einer feinen Familienbank wie der IHAG. Die Bank ist eh nur noch ein Spielfeld der viel bedeutenderen Holding mit seinen diversen Ertragsperlen wie Pilatus oder Kunstsammlung, und Gratian Anda ist gut beraten, wenn er der Brasserie Lipp rechtzeitig den Stecker zieht und damit das Erbe seines Grossvaters bewahrt, pflegt und weiterentwickelt.

  4. jetzt gehen grossen rotationen los! die völkerwanderung der banker. colardi zieht leute von bär ab, da werden viele stellen frei! also, IHÄGLER, ihr könnt euch sogar verbessern!

    bei IHAG brodelt es schon lange. der dampfkochtop musste mal explodieren. wenn man bedenkt, dass ganze abteilungen outgesourced werden, sinkt die motivation der mitarbeiter zusehends. fatal für ein einstiges familienunternehmen. die abwärtsspirale wird sich immer schneller drehen mit diesem CEO an der spitze!

  5. Der Abgang der Kundenberater ist ja nicht das Einzige, das die Ihag „erwirkt“ hat. Schliesslich hat die Führungsriege Ende Januar verkündet, dass das gesamte Backoffice und die IT dezentralisiert wird und dass an die 20 – 25 Mitarbeiter per Ende Jahr gekündigt sind. Der VRP und die Führungsriege scheinen sich „gesund zu stossen“ wollen. Doch wofür? Am naheliegensten kommt da noch eine Veräusserung der Bank in Frage!?!

    • @Sturmwolke: Die IHAG Bank wird es in spätestens zwei Jahren nicht mehr geben.

    • „Backoffice und die IT dezentralisiert“

      Wie soll das denn funktionieren? — Durch Auslagerung an externe Stelle? — Und wie steht es dann mit dem Bankgeheimnis, bzw. Datenschutz??