Aufruhr bei Vontobel: Verkürzte Kündigungsfrist

Familienbank keine Happy Family: Mitarbeiter und Kader landen nach 3 statt 6 Monaten auf Strasse – Ganz oben: alles beim Alten.

Bei der Bank Vontobel an der Gotthardstrasse in Zürich, etwas abseits vom emsigen Treiben am Paradeplatz, herrscht derzeit dicke Luft.

Grund ist die massive Verkürzung der Kündigungsfristen. Beim Kader gilt neu eine generelle Frist bei Selbstkündigung oder Entlassung durch die Bank von 3 Monaten.

Bisher lag diese Frist beim Doppelten. Also einem halben Jahr.

Auch bei normalen Mitarbeitern gibt es eine Verschärfung. Neu gilt für sie bei Vontobel das gesetzliche Minimum, also 2 Monate in den Arbeitsjahren 2 bis 9 und 3 Monate ab dem 10. Jahr bei der Bank.

Ein Sprecher der Privatbank bestätigt die verkürzten Kündigungsfristen quer durch die Belegschaft, betont aber, dass alle bestehenden Verträge eingehalten würden.

„Die angepassten Kündigungsfristen gelten grundsätzlich nur für Mitarbeitende, die einen Arbeitsvertrag mit Vontobel nach dem 30.4.2019 unterschrieben haben.

„Vontobel hält sich an abgeschlossene Verträge und ändert diese auch nicht einseitig. Bereits getroffene Vereinbarungen bleiben damit grundsätzlich unberührt.

„Dies gilt auch für die Mitglieder der Geschäftsführung.“

Der letzte Satz lässt aufhorchen. Die Mitglieder der obersten Führung der Bank Vontobel hat eine Kündigungsfrist von einem halben Jahr. Dies bleibt so.

Follow me: CEO Staub (Twitter)

Das würde heissen: Während unten und im mittleren Kader die Leute neu nur noch maximal 3 Monate Schonfrist nach einer Entlassung haben, erhält man zuoberst bis auf weiteres weiterhin monatelang Lohn, AHV, PK und wohl auch noch einen Teil des einstigen Bonus.

Schöne neue Welt: oben pfleglich, unten hart.

Das Kader bei der Vontobel wird somit zweigeteilt: in Normalos und in The Chosen Few. CEO Zeno Staub, seine Kollegen in der Geschäftsleitung und ein paar ausgewählte Spitzenkräfte haben grosszügig bemessene Kündigungsfristen.

Im Fall einer Trennung kassieren sie noch lange viel. Der ganze Rest im Kader landet bei den drei Monaten, die ausserhalb des Bankings Courant normal sind.

„Beförderungen von nichtzeichnungsberechtigten Mitarbeitenden ins Management (ab Stufe Authorized Officer) haben automatisch und unabhängig von der Anzahl der Dienstjahre eine Verlängerung der Kündigungsfrist auf drei Monate zur Folge“, steht dazu im neuen Reglement.

Und: „(B)ei Beförderungen von zeichnungsberechtigten Mitarbeitenden ins Senior Management verbleibt die Kündigungsfrist bei drei Monaten;

„(F)ür neueintretende Mitglieder des Managements (ab Stufe Authorized Officer) und des Senior Managements (ab Stufe Director) drei Monate.“

Für die Vontobel-Mitarbeiter ist die Neuerung deshalb ein Problem, weil sie eine Kürzungswelle befürchten. Seit dem Kauf der Notenstein La Roche Privatbank von der Raiffeisengruppe ist der Wurm drin.

Die Akquisition entpuppt sich als kein leichtes Unterfangen. Viele Notenstein-Spitzenleute haben das Schiff verlassen, nachdem die beiden Crews zusammengefügt wurden.

Damit droht der Vontobel im Private Banking, das traditionell das schwächste Standbein der Gruppe ist, ein Abfluss von Kunden und Vermögen.

Das heisst: weniger Einnahmen. Die Folge: Kosten senken. Welche? Jene beim Personal.

Also Abbau, Entlassungen. Das wird hinter der Verkürzung der Kündigungsfristen vermutet, nämlich, dass die Vontobel-Spitze beim Abbau und Sparen nun viel günstiger ihre Mitarbeiter vor die Tür setzen kann.

Kommentare

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  1. @Logiker:
    Bei allen Firmen sind GL besser gestellt, das mag nicht logisch sein, aber wer mit Wasser kocht, weiss vielleicht auch, dass heisses Wasser schneller gefriert. Ist numal so, ob logisch, oder nicht.
    Also was man verstehen muss, ist, dass bei Fehlentscheidungen in der Chef Etage, IMMER andere für deren Versagen über die Klippe springen müssen.
    Was macht eigentlich der EAM-Weber (vom PB) bloss im IB den ganzen Tag? Keiner weiss es, nicht mal seine nächsten Nachbarn. Vermutlich chillen, zu MDR Konditionen, bis die Rente sich gnädig zeigt).
    Ob er auch ein gewinn-errodierender Toffeefee-Erbe ist, mit einer Mio. goldenem Fallschirm im Vertrag?

  2. Auch für die Bänker soll der “Bail-in gelten.

    Für Bundesräte und Parlamentarier würde ich aus “klimahysterischen“ Gründen, auch auf 3 Monate runtergehen; und dazu auch noch die Bail-in-Regeln mit “Kontorasur“ anwenden.

    Damit die Schuldenwirschafterei beendet wird, würde ich vorschlagen,
    den “Finanzminister“ fristlos zu entlassen entlassen, und durch einen “Bezahlminister“ zu ersetzen.

  3. Schweizer Banken oder Banken generell sind halt Selbstbedienungsläden des oberen Managements, weil die Eigner auf solche „Lappalien“ nicht eingehen.
    „Was ist die Ursache von Korruption? Wenn Sie sich für sich interessieren, was Sie wollen, was Sie sein müssen, wenn Sie gierig, neidisch, hart oder brutal sind, dann gibt es Korruption.“ J.K.

  4. Ist doch gut: dann können Mitarbeiter, die gehen wollen, früher beim neuen Arbeitgeber starten. Keine Ahnung, wieso dies ein Artikel Wert sein sollte…
    6 Monate war eh viel zu viel. Ich wäre froh gewesen, ich hätte nicht noch so lange absitzen müssen…

    • @paul, willkommen in der realität… dumpfbackenkommentar, wenns läuft dann die schnauze voll breit auf.. und wenns nicht mehr läuft rumheulen. super

  5. Das Twitter-Porträtfoto des Vontobel-CEO ist ziemlich unvorteilhaft und erinnert an den Hollywood-Filmklassiker „Shinning“. Vielleicht sollte die Kommunikationsabteilung einfach mal ihre Arbeit machen und beim Chef intervenieren, statt auf dem Hintern zu sitzen und zu warten, bis sie von LH aufgescheucht werden.

  6. Warum sollen MA ins besonders im Kader und erst noch mit Einkommen von CHF 250 000 und mehr inkl. PK 6 Monate Kündigungsfrist bekommen – jeder dieser MA weiss doch ganz genau, dass er das Geld nie im Leben verdient. MA ab CHF 200 000 inkl. PK sollte das Bruttosalär um mind. 20 % gestutzt werden.

  7. Sorry, das ist doch ganz Normal bei allen Banken und sogar noch gnädig gegenüber den grossen. Das Nutzen der gesetzlichen Strukturen für eine effiziente Firmenführung geht in Ordnung. Schützt auch bestehende Jobs über alle Ebenen. Einfach eine Meldung die keine Erwähung Wert ist und eigentlich nicht mal dieses Kommentares.

  8. Tut mir leid, aber 6 Monate Kündigungsfrist ist einfach nicht mehr zeitgemäss – 3 Monate und zwar für alle!

  9. Seien wir ehrlich, ausser den hotshots der obersten GL, sind doch alle schlicht entbehrlich und ersetzbar. Warum soll das mittlere Kader mehr als der Arbeiter Wert sein?
    Die störende Sache liegt eher daran, dass die RMs der NNR keine jährlichen 15 Mio. Neugelder anschaffen mussten, da keine Vorgaben bestanden hatten.
    Nun liegt der Haus-Segen schief.
    Die Front wachst munter weiter (externe teure RMs), während der Support stagniert.
    Es bedarf mehr Intelligenz als einen Dr. – Titel, um zu verstehen, dass man ein Feld nicht mit dem Grossen-Leitung ernten kann, während der Schlauch hinten nur wenige Zentimeter Durchmesser hat.

    • Für einen Physiker sind Sie der Logik nicht sehr mächtig. Wenn “Warum soll das mittlere Kader mehr als der Arbeiter wert sein” gilt, dann gilt auch “Warum sollte das oberste Kader mehr als das mittlere Kader wert sein”. Beweis durch Induktion.

  10. Die langen Kündigungsfristen sind nicht mehr zeitgemäss. Ein Klumpen an den Füssen des Arbeitnehmers und -gebers.

  11. Zeno Staub ist ein Technokrat. Die Familie Vontobel scheint von Moral und Ethik auch nichts hören zu wollen. Schöne Banker sind das und wir sollen denen unser Geld anvertrauen! Menschliche Tiefflieger vom Gröbsten.

    • Ethik und Moral?
      Weder das eine noch das andere sind im Umfeld von Vontobel ein Thema!!

  12. Lange Kündigungsfristen sind nur ein Segen für Sesselwärmer. Wer sich aufgrund seines Marktwertes regelmässig neu orientiert ist froh, wenn er dem potentiellen neuen Arbeitgeber nicht eine sechs monatige Wartezeit abverlangen muss.

  13. Ich sehe das Problem nicht.

    6 Monate Kündigungsfrist sind ein Privileg, das einige wenige Unternehmen bieten. Standard ist das nicht. Und 6 Monate sind Segen und Fluch zugleich.

    Wer selber kündigt muss meistens die vollen 6 Monate absitzen. Eigentlich eine Zumutung. Wer gegangen wird, hat eine längere Galgenfrist. Vorteil. Aus Sicht der Bank heisst es umgekehrt, das Know-How wird im einen Fall noch etwas länger gehalten. Bei einer Kündigung wird aber ziemlich lange weitergezahlt. Und das auch bei möglicher Freistellung.

    Dass die GL andere Verträge hat, ist auch nichts Neues. In vielen Unternehmen hat die GL von vornherein befristete Verträge und wenn ein Mitglied vor Ablauf des Vertrags gehen muss, hat es, je nach Grund warum es gehen musste, Anspruch auf das Salär bis zum Ablauf des Vertrags. Und wenn es selber geht auch, denn welches GL Mitglied wird nicht sofort freigestellt, wenn es kündet?

    Es gab bei uns ja schon mal einen Fall, dass ein CEO seine Stelle gar nicht mehr antreten musste, weil der VR es sich anders überlegt hatte, und der betreffende Herr das volle Salär für den gesamten Zeitraum seines Vertrages erhalten hat. Da können die vermeintlichen 12 Monaten bei Vontobel recht harmlos sein im Vergleich.

    Ausserdem, man stelle sich vor, Zeno geht. Wie gross wäre wohl der goldene Fallschirm? Fällt da ein Jahressalär noch ins Gewicht?

    Aber man weiss ja nie was kommt. Vielleicht überlegt sich ja ein Neuling mit kurzer Kündigungsfrist, wie genau der Gleichbehandlungsgrundsatz, oder wie das genau heisst, im Mitarbeiterhandbuch auszulegen ist und traut sich tatsächlich aufmümpfig zu werden und gleiche Kündigungsfristen zu fordern. Dann könnten die Verträge vielleicht doch noch für alle angepasst werden. Und dann gäbe es einen Grund.

  14. Immerhin ist der Looser Zeno Staub und seine Kumpanen aus dem Schneider. Staub mit seinen 3,6 Mio jährlich kann sich da problemlos ein paar Monate mit der Geschichte der ¨Welt befasssen!

  15. Was ist jetzt das Problem?
    Auch schon mal nachgedacht, dass es einfacher ist in 2 oder 3 anstelle 6 Monaten zu GEHEN?

  16. Das ist doch ein absoluter Sturm im Wasserglas. Diese lange Kündingsfrist wurde bei anderen Häusern schon vor langer Zeit abgeschafft bzw verkürzt…
    Das Sommerloch fängt dieses Jahr aber früh an 🙂

  17. …“Die angepassten Kündigungsfristen gelten grundsätzlich nur für Mitarbeitende, die einen Arbeitsvertrag mit Vontobel nach dem 30.4.2019 unterschrieben haben…“

    Wo liegt hier das Problem? Bestehende Verträge bleiben gültig; neue Mitarbeiter kenne die Konditionen und können selber entscheiden.

    • Viele Professoren denken nur in eine Dimension, währendessen Universum ist mindestens in 11 Dimensionen, das ist Problem…
      Das zweite Gesellschaftlich und Zivilisation Problem ist, dass in Zürich “ keine echte Arbeitsmarkt für Finanzleute“ seit 2007 mehr gibt…und das heisst ein Kader braucht mindestens 6 Monaten um eine neue Stelle zu finden, wahrscheinlich mehr und je älter, desto länger…dann wird ein gesellschaftlichen Problem und keine Private mehr, deswegen hätte man länger Kündigungfrist für Kader eingeführt…der Zeit, der innert zwei Monaten ein neuen Job findet, ist definitiv vorbei, auch für die besten der beste….tempi passati…danke herrn professor, von ihnen habe ich wirklich nicht gelernt und ich bin nur ein Idiot in Quadrat, was mindestens zwei Dimensionen beinhaltet…🤣😁

    • Wer sich aber keine alte Version des Handbuchs sicherte, wird mit 3 Monaten abgespiesen werden,vom fähigen HR.

  18. Die Abwärtsspirale an der Gotthardstrasse beschleunigt sich – die Integration von Notenstein entpuppt sich als schwieriges Unterfangen. Einmal mehr zeigt sich: eine prall gefüllte Akquisitionskasse vermag nicht darüber hinwegzutäuschen, dass Vontobel organisch nicht zu wachsen vermag. Zukäufe sollen es richten – die Zeche bezahlen die Mitarbeitenden.

    • Bei billigen peruecken kann auch der frisoer nicht viel machen!

    • Er hat einen Friseur angestellt, dieser hat jedoch gekündigt, nun steht der Chef nach 3 Monaten mit einer ungeschnittenen Frisur auf Twitter… Bei Gidor um die Ecke könnte er – Ohne Voranmeldung – für 39.90 ein Schnäppchen ziehen.

    • Ach Gott Zeno Staub möchte sich halt ein wenig abheben von den standardmässig nach hinten gegeelten aalglatten Bankern sonstwo. 🙂

    • @Urschweizer: Aalglatt sind alle Banker, diese werden so aufgebaut, dass Ihnen Empathie und Gewissen keine schlaflosen Nächte bescheren.