Mirabaud holt von Bär heisse Venezuela-Banker

Team mit 3 Seniors plus 2 Helfern war bei Zürcher Privatbank in Ungnade gefallen – Genfer suchen Frischassets – Zeitbombe?

Die Julius Bär ist in Lateinamerika am Aufräumen. Dort war sie in Korruptions-Skandale rund um Venezuela, Brasilien und die Fifa geraten.

Nun landet ein ganzes Team mit möglicherweise riskanten Lateinamerika-Privatkunden beim Zürcher Ableger der Genfer Mirabaud. Diese hat die Banker direkt von Bär verpflichtet.

Bei Bär waren die Leute zuvor nicht mehr erwünscht. Mirabaud hingegen rollte ihnen den roten Teppich aus.

Es handelt sich laut einer Quelle um 3 langjährige Lateinamerika-Berater und zwei Assistenten. Einer der Chefs soll lange das Rep-Office der Julius Bär in Uruguay geführt haben, die zwei anderen Senior-Banker seien im Argentinien-Team gewesen.

Ein Sprecher der Mirabaud bestätigt die Zugänge.

„As announced in a press release, Mirabaud confirms that it has recently expanded its activities in South America by opening a subsidiary in Montevideo and with appointment of employees. There is no further comment to make.“

Keine Stellung nehmen will der Sprecher der renommierten Genfer Privatbank insbesondere zur Frage, ob es zutreffe, dass die übernommenen Bär-Banker „heisse“ Kunden aus Venezuela betreuen würden.

Laut dem Mirabaud-Insider sei dies der Fall. Zwar hätten die Anlageberater offiziell Argentinien und Uruguay beackert, effektiv gehörten zur Kundschaft aber vor allem vermögende Venezuela-Klienten.

Solche sind im Fall der staatlichen Ölfirma namens PDVSA, wo es einen Korruptionsfall in Höhe von mehrerer Milliarden Dollar und mit versteckter Ermittlung durch die USA gibt, in schwere Nöte geraten. Es drohen Prozesse und Fahndungen.

Trifft es zu, dass die Mirabaud von der Bär Venezuela-Kunden übernehmen will, dann würden sich die Genfer an in ihrem Ableger in der Limmatstadt gefährliche Risiken ins Haus holen.

Warum sollen sie das tun? Weil der Privatbank mit dem noblen Namen, hinter dem seit Urzeiten die gleiche Genfer Familie steht, sonst kein Wachstum gelingen würde, so der Gesprächspartner.

Unter der Führung von Nicolas Mirabaud, jenem Familienmitglied, das die nächste Generation verkörpert, hätten die Genfer in Zürcher nämlich seit Jahren grosse Mühe, auf Touren zu kommen.

Das Kernproblem der Mirabaud ist das Gleiche wie für alle Schweizer Privatbanken mittlerer Grösse, die früher dank dem alten Bankgeheimnis im Reichtum schwelgten.

Sie wachsen nicht mehr, sondern schrumpfen. Das Offshore-Geschäft, also die Verwaltung von ausländischem Kundenvermögen von der Schweiz aus: Sie schrumpft.

Die NZZ trug kürzlich die Zahlen zusammen. Ausgehend von den Statistiken der Schweizerischen Nationalbank seien die Offshore-Vermögen auf Schweizer Banken dramatisch gesunken; laut NZZ seit 2009 um „500 bis 600 Mrd. Fr.“.

Das wäre rund eine Halbierung der privaten Ausland-Assets auf Schweizer Privatbanken-Konten. Ein Meltdown der Sonderklasse.

Für die Mirabaud und viele weitere Privatinstitute stellt sich immer dramatischer die Frage des Wachstums. Wo und wie können wir den Einbruch in der Schweiz mit den Ausländern kompensieren?

Mirabaud versucht es mit einem Mix aus Onshore-Präsenz im Ausland und einer Offensive im Markt Schweiz, also bei Reichen, die hier leben.

Beides ist schwierig. Im Ausland braucht es viel Geld und entsprechend Grösse. Bär hat sie, Mirabaud nicht. In der Schweiz wollen alle vermögende Inland-Kunden. Da sind die Genfer oft nicht erste Anlaufstelle.

Ein Mirabaud-Sprecher hält Folgendes fest: „Die von Mirabaud engagierten Kundenberater waren (siehe Pressemitteilung vom 20. Februar 2019) zuvor bei der Bank Julius Bär tätig. Es handelt sich jedoch keineswegs um die im Artikel von Inside Paradeplatz vom 9. Mai 2019 genannten Personen, die gezwungen waren Julius Bär zu verlassen.

„Ausserdem ist das von Mirabaud engagierte Team, im Gegensatz zur haltlosen Behauptung im Beitrag von Inside Paradeplatz, nicht auf Venezuela spezialisiert. Es hat keine venezolanischen Kunden betreut, ob gefährdet oder nicht. Das besagte Team deckt im Rahmen seiner Tätigkeit fast ausschliesslich die südlichen Länder Lateinamerikas ab.  

„Die Bank Mirabaud weist daher alle von Inside Paradeplatz publizierten Vorwürfe kategorisch zurück. Des Weiteren wird unterstrichen, dass die Mirabaud-Gruppe, die in diesem Jahr ihr zweihundertjähriges Bestehen feiert, dank höherer Umsätze in allen drei Geschäftsbereichen eine Steigerung des Reingewinns für 2018 um 47% bekannt geben konnte, was den Schlussfolgerungen des Artikels eindeutig widerspricht.“

Kommentare

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  1. Was für ein peinliches Interview. Ohne Sach und Fachkenntnis. Ein dummes wertloses Geschwätz. Dass so etwas veröffentlicht wird ist peinlich

  2. Mirabaud muss aber auch noch Martin Eichmann (GWG-Chef) übernehmen damit weiterhin klar ist, wie die Gelder gewaschen werden…;-)

  3. Mirabaud will be sold sooner or later, they won’t survive…
    The Management is arrogant and has no clue about wealth management.

    • He/She does not know. Surely a jealous person who has failed in banking and is happy about what could go wrong with the business of others.
      This mentality of being hateful is frightening and worrying for the future of Switzerland.

    • agree Mirabaud will not survive, everybody in the Market is talking about that. This is a fact, not a secret anymore… Cedric Anker was a good Guy he left and other good people left too.. Because of the arrogant management.

    • Richtig es geht nun alles in Richtung electronic Banking. Diese Divas die mit unserem Geld sich was einbilden. Die Zeit ist vorbei.

  4. Die Lateinamerikaexpansionsidee ist nicht schlecht. Bei chilenischen Banken werden Sie z.B. fuer Toronto/Sydney-Geschaefte gezwungen bei der Pershing Bank NYC offshore anzulegen, damit haben Sie USA inkl. Kriegsrisiken am Hals, den wie bei Madoff-Funds haftet der chilenische Mittler nicht. Und vereinzelte Schweizer Anbieter wie EFG sind eigenartig strukturiert. Argentinien wird unstreitbar noch weiter z.B auf evtl. 60 ARS der USD fallen. Aber was nun, wenn es im Falle eines Iran- und Venezuela Kriegs zu einer Massenflucht auf den unteren Teil der Suedhalbkugel kommt? Wie schon Putin in Sotchi sagte, wenn Krieg dann auf US.Boden. Was fuer die Schweiz den Vorteil hat, das sie vielleicht noch davonkommt, und allenfalls die Regierung Russisch lernen muss. Dann waere Montevideo ein noch besserer Standort. Es gibt bereits sehr viele Fluchtburgen im suedlichen Teil Suedamerikas, die Besitzungen gehoeren vielfach betuchten Leuten aus Israel, arabischen Laendern und dem angelsaechsischen Raum. Bei einer Massenflucht werden diese Leute dort unten auftauchen, ohne vor Ort bei einheimischen Banken einen brauchbaren Service zu bekommen.

  5. Extract 8.12.2018 NZZ

    … Die Finma hat auch gegen weitere Schweizer Institute Enforcement-Verfahren in beiden Fällen angestrengt. Bereits abgeschlossen wurde die Untersuchung gegen die Credit Suisse. Eine inoffizielle Liste zeigt weitere Banken, mit denen Raúl Gorrín eine Kundenbeziehung gehabt haben soll. So soll Gorrín im Mai dieses Jahres einen zweistelligen Millionenbetrag von der Bank Bär an die Genfer Privatbank Mirabaud überwiesen haben. Mirabaud nimmt dazu keine Stellung, betonte aber, es laufe kein Enforcement-Verfahren gegen die Bank. ..

    https://www.nzz.ch/wirtschaft/julius-baer-compliance-fehler-ueberschatten-die-bank-weiterhin-ld.1443027

  6. Ich bin ja nicht vom Fach. Kann mir jemand sagen wo nun diese Offshore-Gelder oder eventuelle Schwarzgelder nun landen?

    • @Markus:
      Ein Teil des Geldes migriert nach Singapur und andere Finanzplätze.
      Ein anderer Teil wird von Anwaltskanzleien in der Schweiz gewaschen und dann irgendwo angelegt.

    • Markus, der evil russian hacker ist wohl eher ein simple little storyteller.
      Mit Singapur mag er noch bedingt richtig liegen, aber der weitaus grösste Teil der Schwarzgelder landen mittlerweile in den USA.
      Die anderen globalen Finanzplätze haben sich von den Drohgebärden der USA einschüchtern lassen (vgl aktuell Iran-Embargo) und allesamt den FATCA-Vertrag unterzeichnet – mit Ausnahme von Russland oder China! Bei uns war es Eveline, die sich hat vernaschen lassen, auch wenn ich wirklich niemandem Bilder in den Kopf pflanzen will!
      Seither kriegen die Yanks zwar alle Infos, geben aber selber keine raus! Und das alles unter Obama dem Netten eingeführt.
      Da muss der Weise im Weissen Haus mit seinem MAGA nun nachziehen!
      Welcome to the real world!

      http://www.bloomberg.com/news/articles/2016-01-27/the-world-s-favorite-new-tax-haven-is-the-united-states

  7. Wenn Mirabaud das Geld nicht nimmt fliesst es nach Delaware und wird irgendwann fuer den Bau der Mauer nach Mexiko verwendet. Kommissar Mändli ermittelt.

  8. Gut zu wissen verfügt der #FinanzplatzSchweiz über eine „starke, glaubwürdige“ Finanzmarktaufsicht FINMA unter Direktor Mark Branson…

  9. Eigentlich nachvollziehbar. Man sollte jedoch immer die Wegelin mit Hummler im Hinterkopf haben. Wachstum zu jedem Preis, das ist ein auslaufendes Modell.

  10. Ist es schlimm, wenn offshore Geld woanders hinfliesst?
    Banker können auch woanders arbeiten, z.B. dort wo es schön warm ist. Geld fliesst dorthin, wo es sich gut verwaltet fühlt, das ist bei einheimischen, teuren Avaloq Banken nicht mehr der Fall. Die IT schälert die Rendite. Der 0815 Banker übrigens auch.
    Macht mal Researche Urlaub über Montevideo und schau dich um.
    p.s. Badesachen+Sonnencreme mitbringen

    • Geld ist nicht gleich Geld.

      Deshalb kann man schon mal eine News darüber bringen.

    • @Monte Video:
      Sehr gute Idee! Wieso immer die IT auslagern?
      Man könnte auch mal CH-Banker nach Indien oder Vietnam schicken!