Märkte in Gefahr: Die Nestlés dieser Welt (2)

Aktie des Schweizer Nahrungsmittel-Multis ist ab wie Post – Sind Schweizer derart gut? Nicht doch: Alle Food-Aktien steigen.

In den meisten Finanzmedien erfuhr man vom Allzeit-Hoch von Nestlé. Und selbstverständlich mussten die Beobachter eine „logische“ Begründung dafür liefern, warum der Kurs des Vevey-Multis durch die Decke gegangen ist.

Genannt wurden „neuer Chef kommt an“, „neue Strategie kommt an“, „clevere Einkaufspolitik“.

Toller CEO-Hecht? Iwo, einfach Hype auf Food (Swissquote)

Dabei hätte man mit wesentlich weniger Kaffeesatzlesen die korrekte Antwort auf dem Silbertablett erhalten: Weil gerade weltweit eine grosse Branchenrotation stattgefunden hat, werden alle Aktien des Bereichs „Consumer, Non-Cyclical, Food“ wie wild gekauft.

Wie sieht der Kurs von Unilever (Ticker: UL) aus? Praktisch nicht von Nestle zu unterscheiden. Diageo (DEO) mit den Marken Smirnoff, Johnnie Walker, Baileys and Guinness: identisch.

Oder Procter & Gamble (PG): Wirklich die gleiche Entwicklung? Yup. Aber Coca Cola nicht, oder? Doch, auch. Und Pepsi? Natürlich!

Noch Hershey (HSY), mit Kit Kat und vielen anderen Produkten grösste Schokoladen-Firma der USA: am Allzeithoch.

Wie kommt das?

Es ist nicht untypisch, dass gerade in schwierigeren Marktsituation plötzlich irgendeine neue Anlageklasse oder eine Industrie entdeckt wird.

Clevere Hedge Funds oder „Algos“ lösen den Boom aus, sobald einem grossen Teil der Investoren auffällt, dass ein Segment positiv dem Markt trotzt. Die Hedgies wollen respektive müssen dann zwingend dabei sein.

Die Rechnung ist einfach: der Fund Manager, der Nestlé noch nicht in seinem Portfolio hat, riskiert viel weniger, jetzt die Aktie teuer zu kaufen (dann fällt sie vielleicht mit allen anderen später), anstatt weiter einen Bogen um sie zu machen.

Ohne schwierige Konfrontationen ist halt das Leben stets viel einfacher: Arbeitsplatzzufriedenheit, Bonus, Reputation.

Also sollen wir nun alle in die Nahrungsmittel-Branche investieren? Viele andere historische Beispiel zeigen, dass diese Rechnung kurzfristig überdurchschnittlich oft aufgeht; langfristig sieht es genau umgekehrt aus.

Solche kurzen Boomphasen sind nämlich just die schlechtesten Einstiegszeitpunkte.

(Extrakt für Inside-Paradeplatz-Leser; Originalartikel mit Kommentar „Longterm-Investor“ und weitere Investmentsdetails, siehe Longterm-Investor.)

Kommentare

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  1. Der Aktienmarkt kann sich langsam aber sicher von seinen künstlichen Hochs verabschieden. Die Zentralbanken werden nicht mehr ewig „rumdökterln“ können. Man sieht die Risse an der Oberfläche, das Konstrukt wackelt.
    Gold zeigt es langsam an – die Wirtschaft ist hoch-fragil, die Aufwärtstrendlinien bei den Aktien sind unterschritten worden.

  2. Guten Morgen Herr Michael Bischof

    die Finanzmärkten leben nach dem Prinzip Hoffnung und hoffen darauf, dass es das Schicksal oder das Tandem: Zentralbanken/Steuerzahler eines Tages wieder gut mit ihnen meint. Spekulation auf eine Zinssenkung der EZB vor dem Jahresende nehmen zu. Kurse am Terminmarkt signalisieren hierfür eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent. Alles deutet auf Verwerfungen wie 1929 hin.

    Bleiben Sie dran Herr Bischof. Ihre Beiträge sind ein Lichtblick.

  3. Nestle ist eine sichere Wette für den Vermögensverwalter. Die Aktie ist ein Blue Chip und hat ein so hohes Gewicht in den Indizes dass diese mit NESN laufen, egal ob nach oben oder unten.

    ganz abgesehen davon: Kein Vermögensverwalter wurde jemals gefeuert weil er NESN ins Depot legte…

  4. Haben die Probleme der US Farmer (zu nass um anzubauen) und auch die der Chinesen (Schweinegrippe und Weizenfalter) keinen Einfluss auf die Aktienkurse?

  5. Gesundheitsschädigenden Dreckfood verträgt mein Körper nicht.
    Sorry, aber so empfinde ich die Nestleprodukte.
    Schauen sie mal, was auf den Verpackungen und Getränken alles draufsteht. Man bekommt den Eindruck, als würden chemische Produkte und -.Zusätze verkauft. Dazu viel Zucker und Salz.
    Da kann man sich nicht wundern, das die Gesundheitskosten stark ansteigen. “Kunstfood“ aus den Fabriken ist das Problem. Natürliche Ernährung wäre die Lösung. (Die Lobbysten im Bundeshaus wollen es nicht anders, wieviel kassieren sie?!)
    Dazu gefällt mir bei Nestle nicht, dass sie das Recht auf Wasser und Wasser-Quellen privatisieren wollen, um eine Monopolstellung zu erlangen.
    Nur Hinterlistige wollen solche Dinge.
    Wahrscheinlich wollen die Gängster auf dieser Erde den Sauerstoff auch bald nur noch in Flaschen abfüllen, privatisieren, monopolisieren und besteuern.
    Mehrwertsteuer auf Sauerstoff, ist doch toll nicht wahr?

    Zurück zur Aktie. Bereits hoch im Kurs. Natürlich kann es noch eine finale Aktienhausse geben, aber das “Schein-Geld“ der Notenbanken und Banken entsteht, wie bereits früher beschrieben, nur durch Kredit, und somit neuen Schuldenbergen. Wie bereits einige Kommentatoren hier schreiben, sind die weltweiten Schuldenberge deshalb bereits riesig, so, wie logischerweise die Bankbilanzen auch. Und wie wir ja bereits erkennen können, fehlt den Banken das Geld, einerseits für die schönen Zahlen auf den Kontoauszügen, und andererseits für die Kreditverträge die sie abgeschlossen haben mittels systematischen Bilanzverlängerungen.

    Falls somit noch eine finale Aktienhausse stattfinden sollte, muss sich jeder die Frage stellen, ob er seine Gewinne jemals noch aus dem Bankensystem herausbekommt, das ja in Wahrheit pleite ist!
    Schöne Zahlen auf Kontoauszügen nützen nichts, wenn das Geld dafür fehlt; und bald die von der Politik verabschiedeten “Bail-in-Regeln angewendet werden. Diese sogenannten Volksvertreter haben doch schon immer geglänzt, als Volkszertreter!

    Nestle, NEIN DANKE, NICHT MAL GESCHENKT.

  6. Meines Erachtens ist Nestlé der Besitzer von KitKat, nicht Hershey. KitKat kam beim Kauf von Rowntree durch Nestlé ins Schweizer Portfolio.

  7. Soll jemand sich allen Ernstes überlegen, jetzt noch Nestlé-Aktien zu kaufen? Nun, die Firma per se ist rein finanziell betrachtet solide aufgestellt… Jedoch ist die elfjährige Zeit der allgemeinen Aktienanstiege durch billiges Gelddrucken aller Zentralbanken wohl nun vorbei, die grossen Indizes zeigen ein „Doppel-Top“ beim Allzeithoch.

    Gold und Silber werden nun ihre Sonnentage haben. Einen grossen Hebel dürfte man mit in Kanada (TSX) gehandelten Explorern (MMN, SSE, CBI) haben dieses Jahr. Habe viel recherchiert, das sind meine Favoriten, nicht Nestlé-Aktien.

    • Ich habe meine Nestle bei 100.– verkauft und die Ausbeutung der Wasserquellen gefällt mir nicht mehr.

  8. Guten Morgen Herr Michael Bischof

    die inverse US-Zinsstruktur deutet auf eine bald beginnende empfindliche Rezession hin. Dazu sollte man wissen, dass alle Rezessionen mit schweren Aktienbaissen einhergegangen sind. Ergänzung: Die globale Verschuldung steht mit 250 Billionen $ auf Rekordständen und das Gesamtrisiko beträgt 2 Billiarden $ mit Derivaten und ungedeckten Verbindlichkeiten. Die Börsen sind EXTREM überbewertet.

  9. Japan:

    https://www.boerse.de/aktien/Ajinomoto-Aktie/JP3119600009

    https://www.boerse.de/aktien/Asahi-Group-Holdings-Aktie/JP3116000005

    https://www.boerse.de/aktien/Kikkoman-Aktie/JP3240400006

    https://www.boerse.de/aktien/Kirin-Holdings-Aktie/JP3258000003

    https://www.boerse.de/aktien/Nichirei-Aktie/JP3665200006

    .

    China:

    https://www.boerse.de/aktien/China-Mengniu-Dairy-Aktie/KYG210961051

    https://www.boerse.de/aktien/WH-GROUP-Aktie/KYG960071028

    https://www.finanzen.net/aktien/Inner_Mongolia_Yili_Industrial-Aktie

    https://www.finanzen.net/aktien/Kweichow_Moutai-Aktie

    .

    Vorteil: echtes Wachstum der Unternehmen dort infolge wachsendem Wohlstand und nicht nur Finanzmanipulationen wie bei fast allen amerikanischen Unternehmen welche eigene Aktien zurückkaufen anstatt sich mit den dazu verwendeten Finanzmitteln einen vorderen Platz in der Branche in den noch deutlich wachsenden Regionen der Welt in China, Indien und Afrika sichern – auch durch Aufkaufen von Konkurrenten dort.

    • Kommt noch hinzu, dass die Aktien oft noch auf Kredit zurückgekauft wurden. Alles nur, um Boni-Trigger durch höhere EPS und Aktienkurse auszulösen. Da werden einige Grosskonzerne daran zu Grunde gehen. Vom Top-Management geplündert und versenkt. Nestlé ist übrigens auch auf dem Aktienrückkauftrip.

    • Musterbeispiel für ein Unternehmen ohne organisches Wachstum jedoch mit inzwischen im Rahmen der „Financialization“ völlig aus dem Lot geratener Bilanz (rechnerisch negatives Eigenkapital, da die Verbindlichkeiten aus Aktienrückkäufen dieses inzwischen überwiegen) ist das amerikanische Unternehmen McDonald’s Corporation:

      https://www.boerse.de/fundamental-analyse/McDonald-s-Aktie/US5801351017

      Obwohl der Unternehmensgewinn insgesamt stagniert bis sinkt, wurde der „Gewinn je Aktie“ während 10 Jahren um 50% gesteigert.

      Vor allen Dingen wundert, warum die Aktionäre sich hier ohne Widerspruch vom Management die – finanzielle – Zukunftsfähigkeit dieser amerikanischen Unternehmensikone zerstören lassen, derweil es in der Branche national wie international viele moderne wie wachsende Gastronomiekonzepte und im Rahmen des steigenden Wohlstands einige interessante Märkte in den sich entwickelnden Volkswirtschaften international gibt.

    • Der Witz ist auch der, daß Mc Donald´s 1991 bereits für damalige Verhältnisse geringe DM 10,30 / Stunde als Stundenlohn für Einsteiger bezahlt hat und heute gerade den Mindestlohn von EUR 9,19 / Stunde (kaufkraftbereinigt also weniger als vor fast 30 Jahren), obwohl die Preise der Gerichte durchwegs denen entsprechen oder sogar höher sind, die man in türkischen, italienischen, griechischen und chinesischen Restaurants für die dortigen Speisen bezahlt, wo die Portionen größer und nahrhafter sind aber dem dort tätigen Personal trotzdem höhere Stundenlöhne (zzgl. Tinkgeld) bezahlt werden.

      Letztlich kein Wunder wenn man bedenkt, wieviel Geld für Franchise, vorgegebenen teuren Wareneinkauf bei Systemlieferanten, teure Innenstadtmieten, Müllentsorgungskosten (!) und sonstige Fee´s in der Systemgastronomie in andere Taschen fließen so daß für die, die die Arbeit im Restaurant verrichten kaum noch etwas übrig bleibt.

  10. Schauen Sie sich einmal die Buffett – Unternehmung „The Kraft Heinz Company“ an:

    https://www.boerse.de/aktien/Kraft-Heinz-Aktie/US5007541064

    Vergleiche zudem Umsatz und Gewinnsteigerungen von „The Coca-Cola Company“ mit den zeitgleich infolge Aktienrückkäufen gestiegenen Verbindlichkeiten sowie wieviel des Gewinns jährlich als Dividende ausgeschüttet wird:

    https://www.boerse.de/fundamental-analyse/Coca-Cola-Aktie/US1912161007

    Zudem: ein ETF auf den amerikanischen S&P 500 – Index hatte jeweils eine deutlich (!) bessere Wertentwicklung:

    https://www.boerse.de/fonds/ISHARES-SundP-500/IE0031442068

    .

    Wenn Sie anstatt dessen wachsende und hochprofitable (dank gesetzlicher Zinsspanne von 300 Basispunkten) aber stark unterbewertete Unternehmen (KGV 6 – 8, KBV teilweise < 1) suchen, sehen Sie sich die vier größten chinesischen Banken an:

    https://www.boerse.de/fundamental-analyse/Industrial-und-Commercial-Bank-of-China-Aktie/CNE1000003G1

    https://www.boerse.de/fundamental-analyse/Bank-of-China-Hong-Kong-Aktie/HK2388011192

    https://www.boerse.de/fundamental-analyse/China-Construction-Bank-Aktie/CNE1000002H1

    https://www.boerse.de/aktien/Agricultural-Bank-of-China-Aktie/CNE100000Q43

    .

    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_gr%C3%B6%C3%9Ften_Banken_der_Welt

    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_gr%C3%B6%C3%9Ften_Unternehmen_in_der_Volksrepublik_China

    .

    Eine der großen chinesischen Banken könnte mit einem Bruchteil eines Jahresgewinns (!) die komplette Deutsche Bank AG aufkaufen.

    • P.S.: Da ich mich von berufs wegen werktäglich damit befasse ist mir diese wirtschaftliche Kräfteverschiebung nicht verborgen geblieben:

      http://www.shibor.org/shibor/web/html/index_e.html

      Nullzinsen schaffen letztlich keinen Wohlstand, sondern sind nur eine Machttechnik, den status quo in wirtschaftlich stagnierenden Volkswirtschaften vorläufig zu erhalten.

    • …die Nullzinsen bewahren den status quo bzw. bedingen ohne Weiteres akzeptable Folgekosten nur für bestimmte Altersgruppen. Verlierer: alle in Altersgruppen ca. Mitte 20 abwärts ohne Collateral und/oder Credit Support.

      Irgendwann kommt die nächste Steigerung: Bankengruppen aus der Peripherie werden die grossen Institute absorbieren und ihren Sondermüll auf Teile dieser verschmelzen. Es ist vollkommen egal ob Eurobonds eingeführt werden oder nicht – die Rechnung wird in einem offenen Binnenmarkt von dem gezahlt werden dessen Bilanz noch Spielräume hat. Ein politisches System das es nicht fertig bringt diese Wahrheit beizeiten auszusprechen kommt wenn es soweit ist in unruhige Gewässer.