Financier: 300-Mio-Klage gegen Deutsche Bank

Rumen Hranov verlor Vermögen mit Oerlikon-Aktien – Schuld sei der bekannte Trader Simon Biner – Bär-Shootingstar war „Brain“.

Rumen Hranov ist eine schillernde Figur auf dem Finanzplatz. Er riss im Fall „Swissfirst“ einen jahrelangen Rechtsstreit gegen Bankier und SVP-Nationalrat Thomas Matter vom Zaun.

Nun wird bekannt, dass Hranov eine Riesenklage gegen die Deutsche Bank lanciert hat. Inklusive Zinsen geht es um 370 Millionen Franken, welche der Financier von der Grossbank verlangt.

Der Fall ist hängig am Landgericht Frankfurt unter dem „Aktenzeichen 2-05 O 375/16“. Bisher gab es noch keine Verhandlungen.

Die „Sache“ habe sich „ein wenig hingezogen“, begründet die zuständige Sprecherin des Gerichts, es gebe „lange Stellungnahmefristen“ und einen „Anwaltswechsel“ bei Hranov.

Die Deutsche Bank hält sich bedeckt. „Zu etwaigen Kundenbeziehungen können wir keine Auskünfte erteilen“, meinte ein Sprecher der Zentrale in Frankfurt diese Woche auf Anfrage.

Für die Deutsche Bank kommt der Fall mit der hohen Schadenersatz-Forderung aus der Schweiz ungelegen. Der Finanzmulti taumelt, seine Zukunft ist offen. Die Aktie ist auf Allzeit-Tief.

Hinter den über 300 Millionen, die der aus Bulgarien stammende Hranov von der Grossbank einfordert, steckt ein zentrales Stück Schweizer Geschichte.

Financier in illustrer Runde: Hranov (HBM Bioventures)

Es ist die Zeit vor der Finanzkrise. Da kommen aus Österreich hierzulande unbekannte Investoren, welche Jagd auf Schweizer Traditionsfirmen aus dem Industriesektor machen.

Sulzer, OC Oerlikon und weitere landen schliesslich auf verschlungenen Wegen bei Viktor Vekselberg, dem milliardenschweren Oligarchen. Der ist heute auf der Flucht vor den USA.

Das Husarenstück der Österreicher gelingt nur dank eingeweihten Bankern. Allen voran einem Mann namens Simon Biner.

Der Walliser steht 2007 in Diensten der Zürcher Kantonalbank. Die vermeintlich biedere Staatsbank hat es faustdick hinter den Ohren.

Unter dem Kommando ihres Super-Traders wird mittels Derivat-Konstrukten zum Halali auf Old Swiss Industry geblasen.

Zentrale Figur im Team Biner ist ein Studierter. Er heisst Luigi Vignola und ist mit allen Wassern der modernen Finanztheorie gewaschen.

Vignola machte eben erst von sich reden. Letzte Woche stieg er zum mächtigen Handelschef der Julius Bär auf. Nun gilt er als der Coming Man der führenden Privatbank auf dem Platz.

Zurück in die Nullerjahre. Bei der ZKB gehts in jener Zeit drunter und drüber. CEO Hans Vögeli wird mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt.

Auch Biner&Co. brauchen einen neuen Ankerplatz, um von dort aus weitere Beutezüge zu lancieren. Sie kommen bei der Deutsche Bank in der Schweiz unter.

Team Biner rapportierte der Zentrale: Deutsche Bank (Frankfurt Tourismus)

Wir schreiben Anfang 2008. Biner konstruiert extra für seinen Kunden Rumen Hranov ein Options-Konstrukt mit OC Oerlikon-Aktien.

Ein Vehikel, das dem reichen Investoren zum Verhängnis wird.

Biner nutzt den freien Zugang zu Hranovs Aktienvermögen, um eigene Verluste wettzumachen. So jedenfalls sieht es Hranov. Biner soll den Kursverlauf der Oerlikon-Aktien manipulieren.

Zulasten von Kunde Hranov. So dessen Sicht. Ob das zutrifft, muss sich im Prozess weisen.

Sicher ist: Bei Optionsverfall im Mai 2008 kommt es für den Investor knüppeldick. Eine dreistellige Summe, investiert in Optionen auf OC Oerlikon-Aktien, ist weg. Verdampft.

„Möglich“ war das einzig und allein dank einem komplexen Optionsmodell. Gebaut hat dieses … Luigi Vignola. Das Brain des Finanzplatzes.

Für Biner, Vignola & Co. war bald Schluss. Ende 2008 trennten sich die Derivate-Cracks und die Deutsche Bank

Seither ist es ruhig um Simon Biner geworden. Vom einstigen Superstar hörte man kaum mehr etwas.

In Zürich beim Bellevue betreibt er die Lambda Capital. Dort nahm letzte Woche niemand das Telefon ab. Auch auf eine Email-Anfrage blieb es still.

Kommentare

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  1. Rumen Hranov ist das nicht der windige Investor wo sich ein Frühstück mit Blocher gekauft hat um anschliessend ein Foto davon zu machen um der BVK ein BT Investment „seriös“ verkaufen zu können“ was dann auch gelungen ist. Die Folgen davon grosse Abschreibungen und weitere Skandale um den PK Verwalter.

    • Blocher? Nit mööööööglig!

      Mörgeli? sehr gut mööööglig.

      Matter ? nicht mehr mööööööglig.

      Aus dem Poesiealbum: „Catch-as-Catch-Can“.

  2. Die Entwicklung der amerikanischen Wertpapierkredite („Finra Margin Debt“) konnte man auch damals schon monatlich verfolgen (gilt so auch für jene Investmentbanker, die 2008 noch die Volkswagen- und Continental – Übernahme lanciert haben):

    https://www.finra.org/investors/margin-statistics

    https://www.advisorperspectives.com/dshort/updates/2019/06/04/margin-debt-and-the-market-up-2-56-mom

    Anstatt dessen hätte man glücklich mit Eigenkapital und Fremdmittel marktbreit in den amerikanischen Nasdaq – Index investieren können:

    https://www.boerse.de/etf/ISHARES-NASDAQ-100-DE/DE000A0F5UF5

    ____________________________________________________________

    Optionen kaufen?

    Genau wie bei einem Wechsel:

    Unterschreiben Sie und Sie werden sehen,
    wie schnell die Zeit vergeht.

    André Kostolany
    * 9. Februar 1906 † 14. September 1999

  3. Thomas Matter ist auch ein sehr spezieller Banker. Seine Auftritte in den Medien mag ich kaum mehr hören und sehen.

  4. Biner ist kein unbeschriebenes Blatt, war früher auch bei der Schw. Bankgesellschaft tätig.
    Vielleicht befindet er sich ja jetzt wieder in seinem Heimatdorf Zermatt und geniesst das schöne Wetter.

  5. Swiss Banking mit Oligarchen-Geld;
    bis das trübe System zusammenfällt.

    Am Spieltisch sitzen stets Ganoven;
    fintenreich benützen den Banken-Ofen.

    Nirgendwo sonst auf diesem Planeten ;
    kommt man so schnell an die Moneten.

    Wohlverstanden abgeräumt bei Kunden ;
    welche bald mehrheitlich verschwunden!

    Banken liefern Plattformen dazu en masse ;
    bis schlussendlich überläuft das Fass.

    Dieses graue Metier wird nie aussterben;
    die neue Generation holt es sich bei Erben.

    So lange Banken Gauner am Leben halten ;
    lass ich kein Geld bei diesen verwalten!

    Fazit von dieser himmeltraurigen Plackerei;
    Ist der Untergang und ein letzter Schrei!

  6. Die Story hat etwas sehr wenig Fleisch am Knochen. Rumen Hranov wird doch wohl nicht unwissentlich Optionen im Prämienumfang von einem dreistelligen Millionenbetrag erworben haben welche vermeintlich out-of-the-money am Verfallstag wertlos waren?

  7. Dieser Hranov ist echt unglaublich frech!
    In riskanten Produkte investieren, Verluste machen und dann die Bank beklagen!
    Ich hoffe, er wird den Prozess verlieren.

  8. Es handelt sich um Jeans und Turnschuhe (baskets), die absolut verboten sind. Vielleicht möchte Tamoil bald dem klassischen Private Banking Konkurrenz machen?

  9. Lieber LH, könnten Sie bitte auch etwas Inhalt zur angeblichen Story liefern? Was wird wem vorgeworfen?

    Rechtsfälle gibt in der Schweiz Tausende . Falls Sie in Zukunft bei jedem neuen Rechtsfall, der eine Bank betrifft, einen Artikel mit dem Inhalt „Fall wurde eröffnet“ posten wollen, schlage ich vor, den Blog zu schliessen.

    Freundlichst
    Maximilian Gerber

    • Ui Max. Du bist aber einer der ganz ganz Klugen. Ja genau, weshalb erzählt uns LH nicht die Internas des laufenden Gerichtsverfahrens. Jö! Und wieviele der von dir erwähnten tausend hängigen Gerichtsfälle in der Schweiz betrifft denn eine 300-Mio-Klage?

    • @ Max
      Lieber @ Max – Maximilian Gerber
      Sind Sie ein frustrierter Banker, dem langsam klar wird, dass das Bankensystem vor dem Kollaps steht?

    • @ Torpedo: Ihre einfältigen Kommentare sind auch nicht wirklich eine Bereicherung.