Leonteq-Ruflin vs Schoch-Boys: Detektive, Gerichte

Krieg um Zürcher Verkaufsteam, das von Struki-Firma zu Ex-Chef wechselt – Überwachung, Betreibung, Prozess.

Lukas Ruflin und Jan Schoch waren einst ein Herz und eine Seele. Sie gründeten vor über einem Jahrzehnt die EFG Financial Products, machten sie unter dem Namen Leonteq zum Börsen-Highflyer, wurden selber berühmt und reich.

Zwei Freunde, die durch dick und dünn gehen. Meinte man. Denn nun sind sie die grössten Feinde. Verkracht, verbittert, enttäuscht. Nicht nur das: Es hagelt Klagen.

Hintergrund ist ein Streit, der sich am Geschäftlichen entzündet, aber im Persönlichen seine Wurzeln hat. Ruflin und Schoch, die beide dank Leonteq zu Millionären wurden, wollen dem anderen jeweils zeigen, wer der Grössere ist. Der Stärkere.

Lets Party: (Schoch)

Was der „Bruder“-Zwist auf dem Finanzplatz Zürich für Blüten treibt, zeigt die Schlacht um ein Verkaufsteam. Dieses war für die Kunden – das sind andere Banken, externe Vermögensverwalter und Institutionelle – auf dem Platz Zürich zuständig.

Das Team von 5 Leuten hatte Erfolg. Es erzielte rund einen Drittel aller Einnahmen mit Zürcher Kunden, sagt eine Quelle.

Vor ein paar Wochen meldete die Finanz und Wirtschaft, eine Wirtschaftszeitung, dass dieses Zürcher Team von Leonteq zu Jan Schoch und dessen neuen Struki-Bude namens Anova Partners wechseln würde.

Jan Schoch, der bei der Leonteq im Streit gegangen war, nachdem er dort nach einem tiefen Fall der Aktie seine Macht eingebüsst hatte, betonte friedliche Absichten.

„Wir treten nicht in Konkurrenz zu Leonteq“, so seine Aussage, welche die Zeitung gleich zur Überschrift der Story machte.

Die Schalmeienklänge des Appenzellers halfen wenig. In der Leonteq wurde der fliegende Wechsel des erfolgreichen Zürich-Verkaufsteams zu Schochs neuer Firma als das empfunden, was es vermutlich auch ist: als Kriegserklärung.

Nur wollte Schoch dies selbstverständlich nicht sagen. Geholfen hat es ihm vorerst wenig. Die Leonteq und ihr CEO Lukas Ruflin, sprich der Ex-Buddy von Schoch, starteten durch.

Im wahrsten Sinn des Wortes. Sie schalteten sofort Detektive ein, führten Verhöre durch, mandatierten Juristen für superschnelle Klagen.

Eine Stalin-Orgel, wie sie selbst in der klagefreudigen Finanzbranche in der Limmatstadt ihresgleichen sucht.

Zerstört Schoch, so der implizite Schlachtruf von Ruflin. Der Leonteq-CEO orchestrierte die Offensive. Die Detektive wurden auf die Handvoll Abtrünniger angesetzt.

Hebet dä Diäb: Ruflin (Leonteq)

Ziel: die gekündigten Leonteq-Verkäufer in Flagranti, sprich mit Kunden, erwischen. Das ist arbeitsrechtlich während der Kündigungszeit verboten.

Laut einer Quelle soll die Beschattung nichts Zählbares gebracht haben. Die Ex-Leonteq-Verkäufer hätten einzig neue Büros besichtigt; dies ist selbstverständlich erlaubt.

Das hinderte Ruflin und seine Leonteq-Jäger nicht, die nächste Salve abzufeuern. Sie heisst: superprovisorische Klagen. Damit deckten sie ihre Kollegen von früher ein.

Auch hier soll die Wirkung bisher bescheiden ausgefallen sein. Die Richter liessen sich offenbar nicht für die Wünsche und Forderungen der Leonteq gross erwärmen. Sie sollen superprovisorische Klagen des Derivate-Unternehmens an der mondänen Zürcher Europaallee abgewiesen haben.

Für die Leonteq und ihren Chef Ruflin nur noch mehr Ansporn, um die Ex-Kollegen in die Mangel zu nehmen – und damit Ex-Partner und -Freund Jan Schoch zu treffen. Die Leonteq hat den Sales-Leuten den Bonus gestrichen und mehrere Monate Saläre nicht ausbezahlt, heisst es.

Ein Sprecher der Leonteq sagte auf Anfrage, man äussere sich nicht zur Angelegenheit. Jan Schoch liess eine Email-Anfrage unbeantwortet.

Die bedrängten Ex-Verkäufer der Leonteq, die nun zu ihrem Ex-Chef Schoch wechseln, um mit diesem Derivate anzubieten, lassen sich nicht einschüchtern. Vielmehr haben sie ihrerseits zum Klage-Prügel gegriffen.

Und zwar einem doppelten. Einerseits sind sie vor Arbeitsgericht gegangen, um dort gegen die Leonteq, ihre Ex-Arbeitgeberin, die Begleichung offener Boni und Löhne zu erstreiten.

Andererseits haben die ihre frühere Firma betrieben. Die Summen leuchten im Betreibungsregister auf.

Leonteq hält Kurs – nach unten: Aktie (Swissquote)

Der wüste Streit zwischen Schoch und Ruflin, den beiden einstigen Derivate-Pionieren von Swiss Banking, wirft ein Schlaglicht auf die Nervosität in der Branche. Der Kampf um Marktanteile, Kunden und Gewinne wird mit allen Mitteln ausgetragen.

Wie weit das geht, zeigen „Verhöre“ durch die Leonteq. Das Unternehmen hat sämtliche Emails der Sales-Truppe forensisch unter die Lupe genommen, heisst es aus Insiderkreisen. Dazu zählen auch private Mails, die dann wiederum zu harten „Einvernahmen“ Betroffener geführt hätten.

Kommentare

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  1. Leonteq war nie die „investment machine“, welche sie vorgab zu sein. Einfach gutes Marketing. Der Schoch soll sich doch jetzt auf sein Boutique Hotel im Appenzell konzentrieren brauchte er doch kürzlich sogar die Unterstützung von Restauranttester Bumann um das Geschäft in Schwung zu halten….

  2. Der Pierin Wurm ist nie verschwunden,
    manche Hypotheken wurden nie entbunden!

    So dümpelt die „Pflanze“ saftlos weiter;
    es wird immer dunkler und nie mehr heiter!

    Die Nachrichtenlage wird von Fall zu Fall,
    immer düsterer, wohl bis zum letzten Knall!

    In Börsenkreisen munkelt man von Pennystock,
    angezählt, Wetten drauf bis zum letzten Zock!

    ORF

  3. Ob mit oder ohne Schoch, ob mit oder ohne Verkäufer ist die Firma nicht viel wert. Die Verwaltungsratmitglieder sind auch nicht besser.

    Einziges Ziel ist viel verkaufen. Einen Aftersales Service gibt es hier nicht. Das ist aber nötig um zu überleben. Zum Glück gibt es hier immer mehr andere Anbieter. Die Leonteq habe ich fallen lassen und auch die Aktien in meinem Portefeuille sind in meinem Kopf auf Null gestellt.

  4. Die Leonteq Leute sind von Beginn an auf schnellen Reichtum durch Gier und Abzocke ausgerichtet gewesen. Wenn man mit Insidern über die Zeit des Börsengangs spricht, stellt man fest, dass die Firma damals eine hochgradig handgestrickte, total zerfranste, instabile, schwer zu managende, von einigen Experten als katastrophal bezeichnete IT-Plattform besass mit ziemlichen Ineffizienzen und schwierigem operativem Risikomanagement als Folge. Im Börsengang wurde die Firma jedoch als führendes Technologieunternehmen aufgebauscht, das die eine hocheffiziente und hochskalierbare Plattform betreibe. Wie unverfroren. Damit wurde der Börsenkurs hochgetrieben und viele Anleger an der Nase herum geführt. Kaum verwunderlich, dass solche Einstellungen auch zu halbseidenen Geschäften führen, bei denen Anleger mit Kursmanipulationen getäuscht werden (siehe Urteil) oder Geschäfte mit halb legalen Regionen und dafür eigens entworfenen Strukturierungen getätigt werden (Venezuela und andere). Und seit geraumer Zeit bekriegen sich die Helden gegenseitig. Schade, dass wir in der Schweiz solches Glücksrittertum in der Finanzbranche lange Zeit bewundernd hochstilisieren. Bei Leonteq sowie auch bei einigen Glücksrittern im Krypto Valley. Statt dass wir uns auf nachhaltige Geschäfte ausrichten. schade.

    • Ja das ist Schade.
      Die Intelligenz der Anleger, welche immer wieder auf solche Glücksritter reinfallen ist auch nicht gerade ausgeprägt.
      Zum Glück habe ich kein Geld um in diesem Kasino mit zu spielen. Doch auch für den Zuschauer wird ja beste Unterhaltung geboten.

  5. Man schaue sich doch nur diese glasierten Möchtegerne Typen an – diese Menschen haben noch nie Assets generiert, sie sind das Spiegelbild der Mitarbeiter in der Finanzindustrie die CHF 500 000 und mehr verdienen – ihr gemeinsames Ziel ist Kunden mit derivativen Produkten abzuzocken – die ein gepreisten Gebühren von 2 % bis zu 5 % zahlt der Kunde. Irgendwie müssen 5000 dieser Dreiwetter Taft Blender in der Finanzbranche bezahlt werden.

    • Bin ja gespannt in welcher Industrie Sie arbeiten, wo der Kunde nicht über den Tisch gezogen wird? Heilsarmee?

    • Ich hab das gleiche gedacht – was für 0815 Bubis.

      Auf der anderen Seite macht das Hoffnung für alle die ein Unternehmen gründen und Millionär werden wollen. Wenn’s die schaffen, dann schafft’s jeder.

    • @zurArbeitspringer
      Nein wir anderen schaffen es nicht weil wir zu ehrlich sind. Es braucht schon Skrupellosigkeit ein Ding in dieser Grössenordnung zu drehen.

  6. Hat hier nicht auch der selbsternannte Starinvestor Rainer-Marc Frey investiert und einen satten Verlust mit seiner H21 eingefahren?

    • Leonteq wurde von Frey informiert, dass er indirekt über die Firma H21 Macro Limited Namenaktien halte und Put-Optionen geschrieben habe, die insgesamt 11,63 Prozent der ausstehenden Aktien des Unternehmen entsprächen.
      Am 31. Oktober 2018 hielt Frey 1‘715‘000 Aktien, was 9,06 Prozent der ausstehenden Leonteq-Aktien entspricht. Darüber hinaus hielt er geschriebene Put-Optionen, was bedeutet, dass er bei Ausübung der Put-Optionen durch den Optionsinhaber verpflichtet ist, 486‘081 Leonteq-Aktien, entsprechend 2,57 Prozent, zu folgenden Bedingungen zu kaufen: Ausübungspreis: 48.35 Franken; Bezugsverhältnis 1:1; Fälligkeit 21. Oktober 2019.

  7. Das kommt mir ja alles bekannt vor. Selbst erlebt bei einer der renommiertesten Privatbanken auf dem Platz Zürich. Ist ja kein neues Phänomen. Aussitzen und sich nicht einschüchtern lassen ist der beste Weg.

    • Auch beim Zürcher Ableger einer Genfer Privatbank schiessen subalterne Chefs lieber gegen die Leavers als ihr eigenes Führungsversagen kritisch zu beurteilen. Ihre Vorgesetzen decken sie selbstverständlich, die sitzen schliesslich im gleichen Boot. Eine teure Sache. Diesem Treiben würde ich als Besitzer nicht lange zusehen.

  8. much ado about nothing…..Ruflin versucht mit diesem Lärm davon abzulenken, was mitlerweile jeder weiss. Die im Juli zu publizierenden Zahlen von Leonteq dürften anämisch ausfallen. Die Aktie ist auch jetzt noch deutlich zu hoch bewertet….but time will tell.

  9. Und immer wieder stellt sich die Frage: Was für himmeltraurige Anwälte/Berater hat Ruflin, die ihm nicht getreu raten, von teurem Unsinn abzusehen und stattdessen schwachsinnigstes Tun noch befeuern und dabei saftige Honorare abzocken? Na ja, es ist wohl schon so: die meisten Anwälte sind doch arme Teufel. Nach außen große Show, aber hinter den Kulissen immer so knapp über dem Existenzminimum schwebend (Ausnahme die von den Grossfirmen systematisch und regelmäßig alimentierten Grosskanzleien). Da nimmt man, was man kann.

    • Korrekt; und manchmal schaut Anwalt mehr auf die verrechenbaren Stunden als auf den Mehrwert für den Kunden…. in der Praxis natürlich äußerst selten.

  10. Der anhaltend sinkende Aktienkurs von Leonteq gibt die Signale wider wie es um den Laden steht. Die Negativ-Werbung durch Ruflin trägt erst recht dazu bei. Es wäre am rettenden Grossaktionär hier Einhalt zu gebieten. Warum er es nicht tut wissen die Götter. Leonteq nur noch ein sinkender Stern ?