Rätsel um neuen FC Zürich-Sponsor

Finanz-Unternehmer war in Firma, die später liquidiert wurde – Nun will er mit Prepaid-Karten punkten – Wenig einsetzbar.

AntePAY heisst das Ding. Es prangt neu auf den Leibchen der FC Zürich-Profis. Und lässt die Herzen des FCZ-Präsidentenpaars Canepa höher schlagen.

Vor dem Spiel: Antepay als Sponsor (FCZ)

Endlich wieder einen Hauptsponsor. Nun aber tauchen Fragen zu diesem auf. Hinter der Antepay steht ein Zürcher Unternehmer mit Namen Giancarlo Tottoli. Der nahm das Telefon nicht ab, auf Nachrichten auf seinem Beantworter reagierte er nicht.

Die Antepay ist eine Prepaid-Karte. Gemäss Homepage ist sie derzeit in einem halben Dutzend Partnerfirmen zu gebrauchen.

Wer sie will, muss bei der Antepay nachfragen, wo man die Karte beziehen kann.

„Verkaufsstellen in Ihrer Nähe nennen Ihnen gerne unsere freundlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Anfrage per E-Mail an info@antepay.com„, steht auf der Homepage.

Als Vorteil wird angepriesen, dass man im Internet und in Läden ohne Angabe seiner Personalien zahlen könne.

Überschaubares Angebot: Partner (Antepay)

Das Geschäftsmodell wirkt wenig überzeugend. Im voraus mit Geld gefüllte Karten sind nichts Neues. Sie sind an allen Valora-Kiosken erhältlich.

Firmenbesitzer und Neo FCZ-Hauptsponsor Tottoli war schon in vielen Unternehmen aktiv. Einige davon machten von sich reden.

Beispielsweise ein Unternehmen namens MCI AG für Wirtschaftsinformatik in Volketswil. Im Sommer 1997, also vor über 20 Jahren, schritten dort die Behörden ein.

„Die Gesellschaft hat ihr Domizil eingebüsst“, steht dazu im Handelsregister. „Die Gesellschaft wird in Anwendung von Artikel 88a HRegV von Amtes wegen als aufgelöst erklärt, weil die ihr zur Wiederherstellung des gesetzmässigen Zustandes in bezug auf das Domizil angesetzte Frist fruchtlos abgelaufen ist.“

Danach folgt eine Liste der Verantwortungsträger, die nun ihre Unterschriftsberechtigung verloren hätten. Darauf erscheinen neue Namen, die nun das Steuer in den Händen halten würden. Darunter Tottoli.

Im gleichen Jahr, also 1997, stieg Tottoli bei einer anderer Firma, der Infostrada, ein. Er wurde dort Verwaltungsrats-Mitglied. Zehn Jahre später stieg Tottoli wieder aus.

2009, also 2 Jahre nach seinem Abgang, erfolgten Schuldenaufrufe. 2011 war die Infostrada schliesslich liquidiert und wurde aus dem Handelsregister gelöscht.

2005 gründete Tottoli mit Partnern die Sportal Media. Im Jahr darauf verliess er das Unternehmen, später kam es bei diesem zu Betreibungen.

Auf Fragen rund um seinen neuen Hauptsponsor wollte FCZ-Präsident Ancillo Canepa, ein Ex-Partner des Revisions- und Beratungsunternehmens EY, nicht eingehen. Er rief nicht zurück und reagierte auch nicht auf Emails.

Das Engagement von Tottolis Antepay als neue Geldgeberin des führenden Zürcher Fussballklubs für die nächsten zwei Jahre kam über die InfrontRingier zustande, ein Jointventure des Medienhauses Ringier und der Sport-Vermarkterin Infront.

Laut Eigenwerbung handelt es sich bei InfrontRingier um „das führende Sportmarketing-Unternehmen der Schweiz“.

In der Pressemitteilung von dieser Woche lobt InfrontRingier den neuen FCZ-Sponsor über den grünen Klee.

„Mit der AntePAY Card verfügt deren Herausgeberin DSCnet AG über ein einzigartiges Zahlungssystem, mit dem sich online und offline sicher und zeitgemäss Zahlungen abwickeln lassen.

„Die AntePAY Card kann als Wertkarte mit festem Guthaben bei verschiedensten Verkaufsstellen erworben und online weltweit im Internet bei ausgewählten Partnern unterschiedlicher Branchen oder Shops eingesetzt werden.

„Für Sicherheit ist gesorgt: Bezahlt wird ohne Angabe von sensiblen Kreditkartendaten – es genügen die Nummer und der PIN-Code der jeweiligen AntePAY Card. Reguliert ist die DSCnet AG über eine Selbstregulierungsorganisation, welche im Auftrag der FINMA die Einhaltung der Sorgfaltspflichten überwacht.“

Kommentare

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  1. Tja, da hat der Stefan total recht. http://www.solobet.com. Da hat der FCZ voll ins Nestchen gegriffen. Der Tottoli ist hierbei jedoch nur der Strohmann hinter dem Ganzen. Als FiNMA würde ich da mal genauer hinsehen. Der FCZ hat nun ganz direkt mit fragwürdigen Sportwetten zu tun. All die angegebenen Shops sind möglicherweise nur Schein. Das Hauptbusiness ist, dass man mit den Antepay Karten auf http://www.solobet.com zocken kann. Der Kopf der Truppe wollte so vermutlich dass neue Spielgesetzt „einhalten“. 🙂 Denkt mal darüber nach. Bei Gewinn, kommt dann eine Person in den Shop und zahlt in Bar aus 🙂

  2. Hinter Antepay und ( DSCnet AG ) steht siskowin ein sportwetten anbieter aus der raum winterthur, neuer name der firma siskowin ist solobet.

  3. was für ein Artikel – das Sommerloch trift schon früh ein … „Zehn Jahre später stieg Tottoli wieder aus.“ ja und? Kann er da etwas für dass danach die Firma liquidiert worden ist? Oder dass nachdem dass er eine Firma verlassen hat (wegen welche Gründe denn auch?) es plötzlich zur Betreibungen kommt? come on … dass ist doch etwas zu weit gesucht meiner Meinung nach. Dabei: seit froh dass es noch Unternehmer gibt welche neue Ideen ausprobieren wollen. Die Schweiz ist ja schon ausreichend voll mit langweilige und altbacken Unternehmer.

  4. Der eine auf dem Foto ist der Haunschild. Golf, Bahamas, Sportwetten…
    War mit Armin Meier bei IMG, der dann zu Infront ging und dort gegangen wurde.
    Alles etwas mauschelig, nicht!?

  5. Der FCZ hat einen Vertrag mit Infront. Dieser garantiert ihm ein fixes Einkommen. Die Sponsorenverträge schließt Infront ab. Was Infront über dem Fixum kassiert, ist der Gewinn des Vermarkters. Darum kann es dem FCZ egal sein ob das ein seriöses Sponsoring ist,das ist das Problem von Infront.

  6. Ich zitiere „…eine Selbstregulierungsorganisation die im Auftrag der Finma die Sorgfaltspflicht überwacht“
    Ist da lautes Lachen mit heftiges Schenkelklopfen erlaubt? Köstlich, dieser Witz, diese Ironie in diesem einen Satz. Herrlich! Eine blinde, lahme, gekaufte Finma erteilt einer Selbstregulierungsorganistion (nur schon dieses Wort ansich ist eine sprachliche Höchstleistung) den Auftrag ein mehr als eigenartiges Unternehmen zu überwachen….. Sowahr ich hier am Küchentisch sitze, der FCZ ist sein Hauptsponsor schneller los als Constantin seine Trainer. Wer hat auf diesen Produkt denn gewartet? Ausser Canepas wohl niemand. Vorschlag an die Finma: lest IP. Dort seht ihr, was dieser Tottoli für einen Leumund hat. Aber man kann ja auch warten, bis die Selbsthilfeorganisation geweckt wird…. Die hilft sich im moment selbst sich zu organisieren. Oder so.

    • Sie haben offensichtlich absolut keine Ahnung, wie die Regulierung des Finanzmarkts (inkl. gesetzlich vorgesehener Selbstregulierung) funktioniert. Wieso haben Menschen wie Sie das unstillbare Bedürfnis, den Rest der Welt an Ihrer Unbedarftheit teilhaben zu lassen, statt einfach still am Küchentisch vor sich hinzudösen und das nächste Bier aufzumachen? Wieso? Die Welt wäre ein marginal besserer Platz ohne Ihre Kommentare.

  7. Einmal mehr bestätigt sich der Ruf von Polyreg als lascheste SRO, zumindest der Deutschschweiz. Hier kommt offensichtlich jedermann unter. Wie die DSCnet mit einer einzigen zeichnungsberechtigten Person eine der Tätigkeit „angemessene Betriebsorganisation“ sicherstellen will, ist mir schleierhaft.

    PS: Was macht eigentlich Ständerat Jositsch im Vorstand der Polyreg? Ein Strafrechtsprofessor als Feigenblatt?

    • „Polyreg muss doch nehmen was übrig bleibt!“ Hauptsache in Bern gut vernetzt wo die Finma – Krake haust. Der Verein hat m.W. ‚Zahlreiche Gescheiterte‘ unter ihren Mitgliedern. Dubiose wurden nicht genannt. SRO (Super Rechts-Oase)

  8. Das ist doch mal wieder eine ganz billige Mauschelei und Klüngelei mit Absprachen. Genauso in den Banken, Julius Bär-Gian Rossi und seine Gang, Ermotti mit seinen Tessin Geschäftli etc. Warum sehen wir nicht einmal echte neue nachhaltige seriöse Firmen und seriöse Geschäftsideen?

  9. Würde mich nicht verwundern, wenn diese „Finanzierung“ kräftig in die Hose geht! Schade um den FCZ, wird vermutlich enden wie GCZ.

  10. ein blick auf sein xing-profil ist auch interessant….

    ein leben als chairman of the board oder ceo… von was auch immer…

    und lustig lustig trallalla, vom 05/12 bis 02/13 war er „Handicapverbesserer und „Privatier auf Zeit““….

    ach ja… magister ist er ja auch noch….

    scheint ein ziemlicher schaumschläger zu sein…

    • dass er noch ein Xing Profil hat ist für mich noch ein grösseren Warnzeigen 🙂

  11. … wer beim FCZ auf dem Trikot ist erwartet ein „knalliges Feuerwerk von gefährlichen Emotionen im Stadion und viel Rauch in der medialen Berichterstattung“.
    Der richtige Name für die Card: PyroPay direct ( oder so …)
    Damit es knallt auf dem Konto und etwas daneben, oder?

  12. Da stimmt etwas sprachlich nicht ganz: Ein Zahlkarte ist entweder „prepaid“, d.h. voraus bezahlt. Oder sie ist eine Kreditkarte, mit der ich auf Kredit kaufe und dem Kreditgeber später den Betrag zurückzahlen muss. Als dritte (in der Schweiz häufigste) Form ist die „pay now“ Karte (z.B. Maestro). Im Moment, in dem ich bezahle, wird mein Bankkonto online belastet. Hab‘ ich kein Geld auf dem Konto, verweigert das Terminal die Transaktion.

    AntePAY ist „prepaid“. Würde ich eine solche Karte kaufen, und würde die herausgebende DSCnet AG Konkurs gehen, dann würde ich mein Geld verlieren. Die „Regulierung über eine Selbstregulierungsorganisation im Auftrag der FINMA“ würde mir in diesem Falle nichts nützen. Die Selbstregulierungsorganisation muss schauen, dass ich kein Geld wasche, und nicht, dass ich kein Geld verliere.
    Übrigens: Die DSCnet AG wurde im April 2018 gegründet, mit einem Kapital von CHF 100’000. Heute vor einer Woche ist die „Direktorin mit Einzelunterschrift“ aus der Firma ausgeschieden. Vielleicht ist es besser, wenn AntePAY auf dem Leibchen des FCZ ist als in meinem Portemonnaie.

  13. Tottoli, Giancarlo, von Winterthur, in Seuzach
    Mitglied des Verwaltungsrates
    Einzelunterschrift
    dieser HRA eintrag ist selbstredend

  14. die prepaid-card-inhaber wissen dann immerhin wohin ihre gelder flossen!

    zahlungsabwickler etc. schiessen international wie pilze aus dem boden und die meisten werden in die nähe von geldwäscherei etc. gerückt. bei antepay ist diesbezüglich interessant, dass die firma zwar polyreg angeschlossen ist, aber keine revisionsstelle hat. alleine diese konstellation muss schon die alarmglocken an diversen stellen läuten lassen. aber da es im schweizer fussball schon fast zum guten ton gehört, sich auf fragwürdige sponsoren einzulassen, dürfte auch der sponsor ein kapitel von vielen werden. bis auf den punkt, dass infront/ringier ein möglicher reputationsschaden ins hause steht. bei canepas als ey-partner bzw. unternehmerin kann man die ‚blauäugigkeit‘ hinterfragen.

    man darf gespannt sein, wie lange es nach dem ip-bericht geht, bis die aufsichtsbehörden finma und polyreg genauer hinschauen, dies alleine schon vom sachverhalt der fehlenden revisionstelle bei wohl anfallenden millionenumsätzen.

    • Und zwar extremst. Akzeptanz der Karte gleich Null (da weder Mastercard, noch Visa, noch sonst etwas mit grosser Akzeptanz). Und wenn die Bude (was unvermeidbar scheint) hopps geht, sind die Prepaid-Beträge sicher futsch. Nur der FCZ rennt dann noch mit dem Logo auf den Shirts herum. Das Konzept erinnert an die Paysafecard – die immerhin eine gewisse Akzeptanz hat. Crash-Gefahr also riesig.