Staranwalt Ernis brisante Rolle im Fall Vincenz

In „familiärer Angelegenheit“ von Ex-Raiffeisen-Boss hatte Jurist Einsicht in Bär-Konto – Liess Auszüge nach Hause schicken.

Lorenz Erni gilt als Aushängeschild der Schweizer Wirtschafts-Strafverteidiger. In zwei der grössten Fälle, Fifa und Vincenz-Raiffeisen, verteidigt der Jurist gefallene Kapitäne.

Nun steht Erni selbst im Wind. Er agiert für den bedrängten Michael Lauber, oberster Strafverfolger des Landes, wegen eines Gerichtsverdikts gegen jenen rund um dessen Fifa-Ermittlungen.

Lauber hat es im Fall Fifa vor allem auf deren Ex-Präsidenten Sepp Blatter abgesehen. Deshalb hat Blatter inzwischen Anzeige gegen Lauber respektive dessen Bundesanwaltschaft erstattet.

Mit welchem Anwalt geht der Walliser auf den Berner Beamten los? Mit Lorenz Erni.

„Delikate Doppelrolle“, schreibt heute der Tages-Anzeiger. Auch die NZZ kritisiert Strafverteidiger Erni und dessen Einsatz für den wichtigsten Schweizer Fahnder als „unsensibel“.

Everything goes: Erni, Lauber (NZZ)

Bisher galt Lorenz Erni als Sonnengott unter den Verteidigern. Auch der einstige Swissair-Chef Philippe Bruggisser und der Oligarch Viktor Vekselberg nahmen ihn für ihre Fälle in Anspruch.

Nun aber sinkt Ernis Stern. In seinem anderen zentralen Fall, jenem rund um Pierin Vincenz und dessen Verhalten als damaliger Raiffeisen-Spitzenmann, fällt Erni durch eigenartige Manöver auf.

Star ohne Grenzen: Erni

Der Jurist verteidigte Vincenz in einer „familiären Angelegenheit“, wie dies Vincenz respektive sein Anwalt Lorenz Erni bezeichneten.

Es geht um ein Konto, das Pierin Vincenz Anfang 2015, um den Zeitpunkt, als der langjährige CEO seinen Rücktritt bei der Raiffeisen bekanntgab, bei der Julius Bär eröffnete.

Alle Formalitäten rund um das neue Vincenz-Konto erledigte dessen langjähriger Weggefährte Beat Stocker. Die beiden bilden das Zentrum einer laufenden Strafuntersuchung, es gilt Unschuldsvermutung.

Stocker war Bevollmächtigter für das Vincenz-Konto. Es flossen in mehreren Tranchen insgesamt rund 1,5 Millionen ab einem Stocker-Konto bei der LGT im Liechtenstein auf das Vincenz-Konto bei der Bär.

Von dort gab es regelmässige Zahlungen an eine Frau auf ein Konto, das ebenfalls bei der Bär lag. Kaum war das Geld auf deren Konto, schon bezog sie es bar. Insgesamt mehr als eine halbe Million.

In der „familiären Angelegenheit“ liess sich die Frau von Valentin Landmann vertreten, der im Herbst für die SVP in den Nationalrat will.

Vincenz‘ Anwalt Lorenz Erni sorgte dafür, dass möglichst niemand Details rund um das Konto seines Mandaten erfuhr, er selbst aber gleichzeitig genau im Bild war über Ein- und Ausgänge.

Dafür liess sich Erni von Vincenz Kontoeinsicht für dessen Bär-Konto geben. Und: Erni wies die zuständigen Leute bei der Privatbank an, alle Kontounterlagen an ihn zu schicken.

Und zwar an sein Privatdomizil.

Das sei sehr speziell, meint ein Zürcher Anwalt und Bankenkenner. „Normalerweise lassen die Anwälte alle für ihre Mandate wichtigen Dokumente in die eigene Kanzlei schicken.“

Warum Erni die Vincenz-Konto-Dokumente nicht in der Kanzlei haben wollte, ist nicht bekannt. Erni hielt sich im Fall Vincenz bisher bedeckt.

Kommentare

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  1. Kann es sein, dass Erni nur des Mammons wegen sich auf diese Stufe herablässt ? Unglaublich ! In den USA und meisten zivilisierten Ländern wäre wäre das juristisch gar nicht möglich aber wir werden ja zu einem Swaziland. In den US gibt es viele Staatsanwälte die nachher zu Verteidigern werden aber die Linien sind klar getrennt, entweder oder. Aber wie kann das gehen das ein Anwalt den Beschuldigten Blatter vertritt und gleichzeitig den „Strafverfolger“ Lauber ? Das CH Justiz System wird durch diesen Fall im Ausland zur Lachnummer und nicht mehr als vertrauenserweckende Justiz degradiert. Helvetia, dein Stern ist defintiv am sinken. Adieu Respekt und Reputation dieses Landes.

    • Kommen Sie nicht mit der Staatsanwaltschaft der USA!! Epstein lässt grüssen! Deals mit der Staatsanwaltschaft.. es gilt statt Swaziland: Geld regiert die Welt und das war immer schon so

    • Lauber wird in diesem Fall ja nicht als Bundesanwalt agieren, sondern als beschuldigter im Strafverfahren um seine eigenen (möglichen) Verfehlungen. Deshalb wird er von einem Anwalt (Verteidiger), in diesem Fall durch Lorenz Erni, vertreten. Ob dieser, gemäss eigenen oder regulatorischen Grundsätzen, den Fall ablehnt ist ein anderes Thema und lässt nicht auf eine Bananenrepublik schliessen.

  2. No worries, Herr Kollega. Diese Details sind schon längst öffentlich. Ich ziehe den Hut vor der oder den Quellen. Und eines stimmt mich zuversichtlich: Es gibt noch Menschen in diesem Land, die zwischen Recht und Unrecht unterscheiden können. Aber Sie leiden wohl unter den langweiligen Fällen in der Provinz.

  3. „Erni hielt sich im Fall Vincenz bisher bedeckt.“ Deckel drauf und dann ist (vorläufig) Ruhe im Karton oder anders ausgedrückt: Sauhäfeli, Saudeckeli.

  4. Lieber K.L.
    Als „externen Beobachter“ bezeichnete ich mich selbst. Was ich damit im Klartext meinte: Den besten Strafrechtsanwalt nimmt man, wenn man ernsthafte Probleme mit dem Strafrecht hat. Deshalb vermute ich, dass P.V. mit der Frau nicht einfach ein „familiäre Angelegenheit“ finanziell grosszügig bereinigte, sondern dass etwas Ernsthafteres vorliegt. Für den Fall M.L. gilt Analoges.
    Und zu Ihrer zweiten Frage: Ich stufe externe Beobachter gar nicht als blöd ein. Ich war einfach etwas vorsichtig oder gar ängstlich in der Wortwahl. Aber das habe ich jetzt ja korrigiert.

  5. Da frage ich mich schon, wie Herr Hässig zu diesen Bankdaten kommt und weshalb er glaubt, diese weiterverbreiten zu dürfen. Ich muss mir einmal überlegen, ob ich damit einverstanden bin.

    • Nächstes Mal früher überlegen, ob nicht ein Mitteilungsverbot erlassen werden soll. Leider ist das Vorausdenken den wenigsten STAs gegeben.

    • Überlegen Sie und erwägen Sie, studieren Sie und kontemplieren Sie. Und dann: pffft.

      Übrigens: geheim ist etwas, das nicht schon Dritten bekannt ist – pffft.

  6. Pierin Vincenz hatte ein „privatrechtliches“ Problem (familiäre Angelegenheit) mit „der Frau mit einem Konto bei Bär“. Das kostete ihn sehr viel Geld.
    Michael Lauber hat ein „verwaltungsrechtliches“ Problem mit seinem Arbeitgeber, und vielleicht auch ein politisches mit seiner Wahlbehörde.
    Lorenz Erni ist der Staranwalt für „strafrechtliche“ Probleme. Für den externen Beobachter ist das alles eher sonderbar. Aber vielleicht versteht er die echten Probleme nicht.

    • Viel Dank für die Differenzierung…
      Die Welt ist wirklich komplex nicht nur in den Quantenphysik. Wobei dort mindestens, jede Particle verhält sich immer gleich, bei Personen man weiss nie wirklich…

    • Herr Professor Geiger,

      Warum schreiben Sie:
      „Für den externen Beobachter ist das alles eher sonderbar. Aber vielleicht versteht er die echten Probleme nicht.“

      Stufen Sie die „externen Beobachter“ so blöd ein?

  7. Sorry aber ganz ehrlich: das Erni-Vinzenz Ding stinkt zum Himmel.. ein renommierter Anwalt hat sich da ganz schön aufs Glatteis begeben. Natürlich geniesse Erni bei den Behörden „Prominentenbonus“ und wird protegiert.. jeder kleine Strassenanwalt wäre jetzt aber unter Druck

  8. Ist ja klar, der Head Compliance bei der LGT half ja auch schon beim Wegschauen bei der Julius Bär, als er dort war… bis er halt gehen musste. Der ist richtig gut in seinem Job!

    Diese Compliance-Erfolge als Verantwortlicher bei Transaktionen zwischen aktuellem und früherem Arbeitgeber sind schon einmalig auf dem Schweizer Finanzplatz und hätten irgendeine Auszeichnung verdient. Fragt sich nur welche? Chef der Schweizer Complianceofficer ist er ja auch schon.

    • Ja das stimmt….aber man sollte immerhin die Sache mit dem Name nennen…Schönreden nutzt auch niemanden….haben wir immer wieder gesehen…

      „Die Welt ist unabhängig von meinem Willen.“
      Ludwig Wittgestein

      ….ergo, sage ich was ich denke und beobachte!

  9. Da haben LGT und Julius Bär ihre Aufsichtspflichten wieder mal nicht eingehalten. Kennen wir ja, daily Business dort!

  10. Nicht anderes als: Die 5. Kolonne.

    Die Aushebelung der „Rechte“ für Top-Trickser zeitigt hier durch’s Band weg einen obszönen Charakter. Dieses „Machwerk“ zugänglich nur für Multimillionäre und Oligarchen schafft Schweiz weit Missfallen und ortet eine Ungeheuerlichkeit wie nur in Bananen-Republiken üblich.

    • Der ganze Filz ist einfach nur noch abstossend! Wo ist eigentlich die Elite, die dieses Prädikat noch verdient?

  11. Was ist daran ungewöhnlich? Erni, der doch das Animal PV ganz genau begreift, geht davon aus, dass bei Bär sehr viel stark „Erklärungsbedürftiges“ zum Vorschein kommen kann, eventuell gar Dinge, die den bisher bekannten Ermittlungs- und Verteidigungsrahmen sprengen könnten. Solches muss die Assistentin ja nicht unbedingt mitkriegen.