Kein Big Name für Bär: Schaffer statt Showman

Nicht Iqbal Khan, auch keiner von UBS, sondern Eigengewächs wird CEO der Privatbank – ETH, McKinsey, Harvard – Grossbaustelle.

Philipp Who? Keiner hatte den Banker auf dem Radar. Nun wird Philipp Rickenbacher, wie er mit ganzem Namen heisst, nächster Chef der Julius Bär, der wichtigsten Privatbank im Land.

Rickenbacher ist ein Vertreter einer neuen Generation. Ihr Motto: weniger Glamour, mehr Zupacken.

War es das, was die neue Bär sucht? Oder gab es keinen von Rang und Namen, der bereitstand? Jedenfalls geht es Schlag auf Schlag ganz zuoberst im Swiss Banking.

Iqbal Khan wurde von vielen als Kronfavorit gehandelt. Dann, letzte Woche, kam alles anders. Khan schmiss bei der CS den Bettel hin.

Aus seinem Umfeld hört man, dass er bei Bär nicht übergangen worden sei, sondern selbst entschieden habe, Optionen bei grösseren Banken zu verfolgen.

Wie auch immer: Der neue Bär-Chef Rickenbacher passt in ein Schema, das sich in letzter Zeit bei wichtigen Wahlen der obersten operativen Chefs abzeichnete.

Philipp? Never heard of (Bär)

Erfahrene Branchenkenner und No Bullshit-Typen sind gefragt.

Bei EY kam einer ans Ruder, der in diese Kategorie gehört. Er löste einen Showman ab. Bei Raiffeisen Schweiz das Gleiche.

Knäckebrot statt Champagner: Im Schweizer Banking und den zugewandten Firmen wie Beratungsunternehmen ist dies offensichtlich das Gebot der Stunde.

Der Trend könnte bald auch die UBS und die CS erfassen. Dort schwingen noch zwei Vertreter der alten Schule mit Hang zum Showbiz und Machotum die Keule.

Und auch der junge Khan gehörte bereits ein wenig in diese Kategorie. Ihm war stets recht, dass er hochgejubelt wurde.

Die Zeit der Super-Alphas läuft nun aber ab. Die Deutsche Bank macht es den beiden Schweizer Multis vor.

Dort übernahm kürzlich ein No Name: Christian Sewing, ein Retail-Banker, keiner aus dem Global Trading. Der ist es nun, der den torkelnden Riesen Deutschlands zerschlägt und ihm eine letzte Chance verschafft.

So passt der neue Mann bei Bär ins Bild. Doch ist er auch der Richtige für die wichtigste Privatbank des Landes?

Die Julius Bär sitzt auf vielen Sprengsätzen. Die Altlasten mit reichen Kunden lesen sich wie ein Almanach des Schreckens: Venezuela, Brasilien, Fifa, Vincenz, Windhorst, Oligarchen, Middle East.

Nie griffen die Bär-Chefs richtig durch, wenn ein Kunde umstritten war. Das war nicht Teil des Drehbuchs unter dem alten Spitzenduo Boris Collardi und Bernhard Hodler.

Rickenbacher gehörte zur Crew. Aber er blieb im Hintergrund, kümmerte sich um neue Produkte, um die Beratung.

Vor allem sorgte er dafür, dass die Bär, die ja eigentlich im Geschäft mit der Vermögensverwaltung war, im Trading viel Geld verdiente.

Dass dort der Rubel rollte, nahm kaum einer war. Für die Bär-Chefs waren aber die Trading-Gewinne essentiell. Sie schufen die Basis für eindrückliche Boni.

2016 tauchte Rickenbacher erstmals ganz oben auf. Noch unter Alt-Chef Collardi wurde er Teil der obersten Führungscrew: Mitglied der Geschäftsleitung der Bank Bär.

Anfang 2019 kam dann nochmals ein Sprung, und auch der blieb weitgehend unbemerkt. Rickenbacher übernahm die Leitung des neu geschaffenen Bereichs für Externe Vermögensverwalter.

Intern galt er als möglicher CEO-Kandidat. Doch ausserhalb der Bär-Mauern sprachen alle nur von Khan.

Rickenbacher ist der Sewing der Bär. Er durchlief viele Stationen bei der Bär. Ihm traut der VR unter Romeo Lacher, ein Ex-CS-Spitzenmann, zu, die Bär aus der Roaring Ära von Sonnengott Collardi zu führen.

Zurück zu einer bodenständigen, verlässlichen Privatbank. Dafür bringt Rickenbacher einen ETH-Abschluss mit und Strategierüstzeug aus Lehrjahren bei McKinsey.

McKinsey-Leute sind umstritten. Doch Rickenbacher ist kein Lukas Mühlemann, der zuerst durchstartete und dann Schutt und Asche zurückliess.

Er ging noch als Junger weg von der Beraterin, wechselte die Seite, stieg als Nachwuchshoffnung bei Bär ein. Nun ist er ganz oben angelangt. Er schlug interne und externe Konkurrenten, wer auch immer das war.

Jetzt kann er das Steuer herumreissen. Als Erstes braucht er dafür neue Leute in der Geschäftsleitung. Viele Alte, die zwar Gewinne ins Haus brachten, aber zum Preis von Grossrisiken, sind am Gehen. Bär steht vor einem Neuanfang, mit einem neuen CEO, den niemand kennt. Spannend.

Kommentare

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  1. Sehr guter Entscheidung – Bravo

    Saugerkaste (MDs) sowohl an der Front wie auch im Back Office aufgeräumt werden.

    Dem neuen Chef viel Glück.

  2. Weniger Glamour – mehr Zupacken, das ist ein sehr gutes Motto. Wenn das unter dem Neuen bei Bär zutreffen sollte, dann hat man dort die Weichen richtig gestellt. Nur ein Vorbehalt: Das Zupacken muss dann noch am richtigen Ort erfolgen ! Man kann auch falsch zupacken …

  3. Es ist schon interessant, dass es immer wieder McKinsey-Leute an die Spitze schaffen, jedoch schon während Jahren in der Firma nicht viel bewirken konnten, im Gegenteil!

    Das Beispiel Deutsche Bank hat gezeigt, die Finanzbranche wird schneller reorganisiert als viele erwartet haben. Wobei sich die Frage stellt, ob die Grossbanken überhaut in der Lage sind, die ‚Leichen im Keller‘ so schnell zu beseitigen, dass ihnen in der Zeit die Fintechs nicht den Rang ablaufen?

  4. Gut für den Finanzplatz – und für die Schweiz – wenn’s so bleibt: weniger Glamour, mehr Zupacken.

  5. Ich frage mich wirklich, wer so ein Reputationsrisiko wie Iqbal Khan sich noch eintreten möchte…

  6. Die Zeit der Super-Alphas läuft nun aber ab – guter Spruch ! Ich hoffe, das der Herr Rickenbacher auch hält, was man sich von ihm verspricht. Back to the roots einer Privatbank. Ich hoffe, er kehrt mit einem eisernen Besen aus.

  7. Vielleicht der Anfang eines guten Trends. Vielgrossschwätzer und Bonussammler aus dem angelsächsischen Gebiet, die weder Banking, noch harte Arbeit, noch die Schweiz verstehen, werden Aussen vor gelassen. Wenn nun auch noch Thiam und Ermotti durch heimische Schaffer ersetzt werden, schreib ich den Finanzplatz noch nicht ab.

  8. Ein Schweizer. Geht doch. Von denen gibt‘s viele! Die Headhunter lieben aber die Showmen, damit sie zur Show gehören und ein paar Fränkli mehr verdienen können.

    • Braucht es diese Headhunter denn überhaupt? Würde auch ohne gehen, die Erfolgsquote war bei genauer Betrachtung in den letzten zwei bis drei Dekaden ja nicht so berauschend!

  9. Endlich ein erster Schritt. Das soll den beiden Grossbanken ein Vorbild sein. Auf Blender und Durchlauferhitzer kann man verzichten. Nun müssen nur noch jene auf Stufe MD und D ersetzt werden, dann kann da Swiss Banking zu seinen Stärken zurückfinden und den ramponierten Ruf wieder herstellen. Es sollen wieder die Grundsätze herrschen – macht ein Geschäft Sinn, verdient man Geld damit und wurden alle Risiken berücksichtigt! Das wäre doch ein Startschuss um auszumisten!

  10. Kompliment dem Verwaltungsrat zur Ernennung. Ich habe mit Philipp vor Jahren zusammen gearbeitet – smarter, anstaendiger Typ der sich durchsetzen kann und von seinen Mitarbeitern geschaetzt wird, nicht zuletzt aufgrund seinen Werten.

  11. Kein geleefrisierter Blender, kein Mischler, kein Oberschnurri, kein US-Buddy und kein Deutscher? Was ist denn da passiert? Könnte der Beginn einer wunderbaren Genesung des Schweizer Bankenplatzes werden… wenn die beiden Grossbanken diesem Beispiel endlich folgen würden!

  12. Und wo bleibt jetzt die Übernahme der Bär von der CS ?? Dachte die Quellen bei IP sind niet- und nagelfest ?!

    • @ Lee: Freuen Sie sich nicht zu früh! Rickenbacher war/ist ein Spezi von Collardi…. Checks de Pöck?

  13. Ciao ciao Berni Hodler. Habe ja vorausgesagt, dass Du das Jahr 2019 nicht überleben wirst. Niemand hat an Dich geglaubt. Du warst nur der Übergangsverwalter und dazu noch ein schlechter. Jetzt ab in die Pension, denn anderen Unternehmen wärst Du auch keine Hilfe.

  14. Das ist ein vernünftiger Entscheid, dass man endlich auf einen Blender und Bonusabzocker einer Grossbank verzichtet.

    • Top Kommentar!
      Viele bei der JB haben auf eine vernünftigen Entscheidung gewartet.
      Wäre Khan gekommen, hätten viele RM‘s das Weite gesucht!
      Niemand möchte ein zweites IWM von der CS…

    • Verzichtet der Neue etwa auf seinen CEO-Bonus oder widerspiegelt Ihr Votum einfach nur das dummdreiste Geplärre der Strasse?

    • Bloedsinn…. Sie haben diesen Herrn genommen weil die Bank verkauft wird.
      Die JB wird verscherbelt….

  15. Das man jemand schon “ kennt“ ist einfach ein Witz und schwache trost. Bedeutet, dass er schon zu “ Establisment“ gehört….aber gerade diese alte Establishment hat uns von Krise zu Krise geführt, die Welt gespalten in zwei Kategorien : ganz Reich oder nahe Sozialfälle…Bankrott Banken und Staaten, und die Umwelt kaputt gemacht, deswegen die Richtung ist richtig… obwohl wir ihn nicht kennen…er hat ein herkules Aufgaben, aber auch viel potenzial um “ richtig zu tun“… Die massnahmen von Seewing kommen spät, aber sind richtig und uns gefällt so eine, der auch ohne brillieren, macht das richtige…ein Schaffer, ob ihm gelingt ist noch nicht gesagt…vielleicht braucht er noch support von “ Turbo “ externe Leute. Ich bin überzeugt, dass ihm mittelfristig gut gelingt wird….etwas skeptischer bei der schweizer GB, die jetzt eben noch der falsche “ format befordern“…Gott rette vielleicht diese, einmal wichtige Istitution für diesen Land, welche heute nur ein “ Last“ geworden sind…wer verstehen kann, ist hier der Meister und gehört die Zukunft, der rest hat schon verloren.Gute Arbeit!😁

  16. Was mag wohl der Grund sein, dass „Bär im Trading viel Geld verdiente“?
    Gemäss MPT („Modern Portfolio Theory“) sind Märkte ja bekanntlich ziemlich effizient!

    Wurden da allenfalls Kommissionen für gewisse „sehr spezielle Dienstleistungen“ in Form von „Trading-Gewinnen“ vereinnahmt?

  17. Hatte nach Amtsantritt hier bei IP erwähnt, dass Hodler grün hinter den Ohren ist; auch der neue wirds nicht schaffen, denn das wirkliche PB kapiert auch er nicht, da auch er zur Gilde gehört, die massiv zu viel verdienen und demzufolge auf der gleichen Schiene wie bisher die Kunden mit Derivativen und Strukies, die mit hoch eingepreisten Gebühren von 2-4 %, abspitzen müssen. Der Performanceausweis von Baer, UBS, CS usw. in den letzten Jahren ist das Resultat warum insbesonders bei Baer extrem viele Assets abgeflossen sind und noch abfliessen werden. Baer kommt nicht herum, nicht nur die Löhne der Obersten Blender um mind. 20 % zu reduzieren, nein, der MA Bestand muss alleine in der Schweiz um mind. 500 reduziert werden.

  18. Na wenigstens durfte sich hier kein Dummschwätzer-Headhunter mit der Plazierung eines ausländischen Warmluftgebläses bereichern. Beide Daumen hoch! – Und die Belegschaft wurde so ebenfalls nicht vor den Kopf gestoßen und demotiviert.

    • Gemäss Resultat aus der Division ISG (woher ich Herr Rickenbacher kenne) wird das Ergebnis eine positive Null sein. Nach Jahren im ISG hat er es verpasst dort die nötigen Veränderungen herbeizuführen (Beispiel Wealth Planning). Kein Mut, keine Kreativität, folgt lieber den vorgespurten Pfaden….

  19. Herr K. wollte nicht Chef von Bär werden. Eine hübsche Geschichte. Herr TT lobt Herr K. in den höchsten Tönen und ist tieftraurig über seinen Abschied, die CS ist erschüttert.
    Man kann ein Machtgerangel und einen Sturz am Königshof auch so beschreiben.
    Bär hat Kunden, die ins Visier der Amerikaner gerieten, dies ist immer für einen so schwachen Staat wie unsere Schweiz, die das Liedlein singt „Frei wie die Väter waren“ und meint ohne EU sei sie eine Grossmacht, dass falscheste ist, was eine Schweizer Bank tun kann. Die Schwachstelle von Bär ist, dass sie im Gegensatz zu Vontobel und Pictet über kein
    Anlagefondsgeschäft verfügt oder an einem grossen beteiligt ist. Auch wenn man solche Geschäfte an Vanguard Fonds, State Street, Fidelity und andere mit solchem Kaliber vermittelt, schöpfen diese immer den Rahm ab und alle Schweizer Banken haben dies dummerweise zugelassen, indem sie mit überhöhten Gebühren und keinen Innovationen sich vielfach aus diesem Markt verdrängen liessen. Das gleiche gilt für Trade Finance, wo ihnen die Franzosen und Engländer den Tisch abräumten. Trotzdem sind die Probleme eines Bär-Chefs leichter zu bewältigen als diejenigen eines Chefs unserer beiden Grossbanken.

    • Wetten, dass Khan nun auf der Müllhalde von Swiss Banking gelandet ist?!

  20. Statt endlich die Chance zu nutzen, externen frischen Wind in die Seilschaft und den Wohlfühlclub der GL von Bär reinzubringen, entschied man sich für den gmögigen Rickenbacher. Hat zwar noch nie einen Private Banking Kunden von Nahe gesehen, aber kennt sich mit dem Verkauf von Strukis an diese Kunden aus. Und als ex McKinsey Berater weiss er wie man die subalterne Führungsrige manipulieren und mit inhaltslosen Phrasen sich in Szene setzen kann. Nichts von Next Generation. Kein Neuanfang. Bär GL bleibt eine geschützte Werkstatt. Einfach nur Schade.

    • Du bist mir ja mal ein ganz schlauer. Wenn man keine Ahnung hat soll man gescheiter stumm bleiben.

  21. Endlich mal ein normaler Schaffer und kein Blender! Er darf nun den Augiasstall JB aufzuräumen. Er ist keiner Altherren-Seilschaft verpflichtet. Hoffentlich hat er die Eier auch Regionen- und Marktleiter-Ebene durchzugreifen. Wenn nicht, dann wird er in 1-2 Jahren selber Teil des Problems… Also, lieber Philipp: Nur Mut und ran an die Säcke!