UBS-Frühstücks-Chefs: Einer in Pension

Jürg Haller mit allen Ehren verabschiedet – Spitzenmanager können sich Lebensabend vergolden – Einsparpotenzial?

Die UBS hat Jürg Haller mit einer Art Standing Ovation verabschiedet. Das Mail an die Mitarbeiter zur Pensionierung des langjährigen Bankers spriesste vor Superlativen.

Haller zählte zur alten Garde. Er war einst im Bankverein gross geworden, überlebte alle Chefs von dort, allen voran die beiden Untergangs-Captains Marcel Ospel und Peter Wuffli.

Für Sonderaufgaben schickte man Haller nach Südamerika, um bei der brasilianischen Tochter Pactual aufzuräumen.

Schliesslich erhielt Haller den für Schlachtrösser extra geschaffenen Job eines Frühstückdirektors in der globalen Vermögensverwaltung. Dort verdient man weiterhin siebenstellig, trifft Milliardäre, hat Sekretärinnen, aber null Führungsaufgabe.

Exectutive Vice Chairman lautet der Titel. Hochtrabend, finden die Einen. Angezeigt, sagt die UBS. Diese Ex-Spitzenleute hätten ein Netzwerk, das der Bank enorm viel bringen würde.

Die UBS hält sich mehrere solcher Vice Chairmen in ihrer Division Global Wealth Management. Auf dem Höhepunkt war es rund ein Dutzend, das den Titel trug, viel verdiente, wenig Verantwortung hatte.

Seit 2017 schied der eine oder andere aus. Tendenziell scheint die Zahl der Executive Vice Chairmen zu sinken.

Offiziell will sich die Bank nicht dazu äussern. Sie macht ein Geheimnis aus Anzahl und Namen.

Hintergrund könnte sein, dass der Titel nicht mehr richtig in die Landschaft passt. Unabhängig davon, was die Leute bringen.

Einer weniger: Haller (LinkedIn)

Haller gilt als gestandener Banker mit gutem Ruf. Er hat einen langen Leistungsausweis, war wohl entsprechend beliebt, sicher respektiert.

Und doch: Warum verdient jemand weiterhin ein riesiges Gehalt, wenn er nicht mehr einer grossen Abteilung vorsteht, mit dem ganzen Druck von Budget, Gewinn, Quali-Gesprächen, Entlassungen, Compliance-Fällen?

Das Schöne im Job des Private Bankers sind die Kunden. Die Vice Chairman können zum Karriereende dieses Privileg exklusiv auskosten.

Entsprechend könnte man ihr Salär anpassen – nach unten. Ob das passiert, ist nicht bekannt. Zu vermuten ist, dass dies nicht der Fall ist.

Dass nun Haller und andere Frühstücksdirektoren bei der UBS möglicherweise nicht mehr ersetzt werden, könnte ein Zeichen sein, dass die Führung mehr auf Befindlichkeiten in der Crew achtgeben will.

Dort nämlich wird weiter abgebaut. Es kann alle treffen – Kader oder Mitarbeiter, Junge und selbstverständlich Alte, oft in der Schweiz, weil da die Löhne hoch sind.

In diesem Umfeld, mit Kosten, die ständig das Thema sind, noch hochbezahlte Vice Chairmen zu vergolden, könnte allmählich auch ganz oben in der UBS nicht mehr unumstritten sein.

So gesehen ist die mit viel Brimborium und Lobgesängen über die Bühne gegangene Pensionierung des geschätzten Hallers möglicherweise ein Fanal. Die Zeit der gehegten und gepflegten Dinosaurier-Chefs im Wealth Management neigt sich dem Ende zu.

Kommentare

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  1. Wären die Banken keine Banken, wären sie schon alle Konkurs gegangen, mit solchen Geschäftsgebahren. Also vollgas weiter Millionensaläre, obschon die fetten Jahre schon lange vorbei sind.

  2. Spruch von Frühstücksdirektor zum Assistenten vor Kundenmeeting, der Assistent will ihm die Präsentationsmappe überreichen: „Brauche ich nicht, wird sowieso alles hinterher an der Hotelbar entschieden.“ – Eng wird’s aber bei Übernahmen und Fusionen, wenn die neuen Chefs dann sagen, „Da haben wir schon unsere eigenen Old Boys und die machen‘s für die Hälfte.“

  3. Ja, der Typ ist wirklich von der „alten Garde“.

    Wenn ich ihn auf LinkedIn ansehe ist er mir sofor sehr unsympathisch. Und ein typischer Blender.

    Dass man solche Leute noch lebenslang vergoldet. Zeit, dass diese Banken untergehen!

    Und auch seine „Ausbildung“, lool ))

    Ein KV-ler, der sich als Harvard-Absolvent darstellt. Looool! Dann seine angebliche FH, das war eine HWV….

    Harvard Business School
    Name des Abschlusses
    AMP 157

    Advanced Management Program

    University of Applied Science and Business Administration
    Name des AbschlussesBachelor of Applied Science (B.A.Sc.) StudienfachBusiness Administration and Management, General with specialization in Corp Finance and Marketing

    KV Baden – business school
    Name des AbschlussesFederal Diploma of Commerce StudienfachBusiness

    • Das diese Harvard Kürslein nicht das Papier wert sind wo das „Diplom“ darauf gedruckt wird, ist hinlänglich bekannt. Das weiss Haller selber sicher auch.

    • Angebliche FH? Die HTL- und HWV-Schulen waren die eigentlichen (und nicht angeblichen) Schweizer Fachhochschulen, weshalb die früher erworbenen entsprechenden Titel auch umgewandelt werden konnten bzw. können.

  4. Ein sooo gemeiner Artikel!

    Wieder gegen die Ü50-Jährigen. Es ist doch schön, dass solche Leute noch eine Anstellung haben. Sie würden sonst die Arbeitslosenkasse belasten. So sitzen sie nur den Aktionären auf der Tasche. Blöd genug.

    Ich habe schon vor 10 Jahren meine Konten bei den Grossbanken gekündigt.

  5. …ist doch super wenn alle frühstücksdirektoren nach der pensionierung kein gehalt oder büro an toplage bekämen- so könnte man einige arbeitsplätz für die über 50ig jährige bis zur pensionierung finanzieren. dies herren haben ja mit sicherheit genug verdient für 0-verantwortung!

  6. Haller ist höchst kompetent und sein Know How übersteigt jenes seiner Vorgesetzten um ein Vielfaches. Er war massgebend für die Restrukturierung, Professionalisierung und Rentabilisierung des Schweizer Kreditgeschäftes in den 90er Jahren verantwortlich wodurch der Bankverein und dann die UBS Milliarden an Verlusten vermeiden könnten. Sein Abgang ist ein grosser Verlust für die UBS

    • Da hat man aber auch schon Anderes, Gegenteiliges gehört. Trotzdem ist er ein extrem unsympathischer Zeitgenosse – sein Auftreten hat bei mir immer Brechreiz ausgelöst.

    • @ Edgar Ruiz

      Uff, da bin ich beruhigt, dass diese Type nicht nur bei mir so unsympathisch rüberkam!

    • Hatte J.H. auch ein paar Jahre als (direkter) Chef: Knallhart, oft unangenehm, nicht wirklich sozialkompetent; aber: fachlich Spitze, sehr konsequent, stark bei Entscheiden und beim Umsetzen, kein Wendehals. Für MA, die sich v.a. an Inhalten orientieren, das Business vorwärts treiben und keine Mimöschen sind – ein guter Chef. Aber: „Frühstücksdirektoren“ haben heute (und schon seit vielen Jahren) keine Berechtigung mehr und die UBS könnte noch einige davon in Pensionierung schicken! Finanziell muss ohnehin keiner darben.

  7. In der Privatwirtschaft richtet sich der Lohn eines Mitarbeiters üblicherweise danach, was er der Firma bringt. Sorgt er direkt oder indirekt für entsprechende Einnahmen, so sollte der Lohn nach oben komplett offen sein, solange der Betrieb damit einen angemessenen Ertrag erzielen kann. Das ist freie Marktwirtschaft. Ob das für diese Personen zutrifft, kann nur die UBS beurteilen. Wenn nicht, wäre es ein kaufmännisch schlecht geführter Betrieb.

    • Letzeres trifft zu. Aber das wissen wir doch alle schon lange! Das „Banking“ ist eine Umverteilmaschine von den Armen (dem Volk) zu den Mächtigen (den Abzockern in den oberen Rängen). Volkswirtschaftlich absolut schlecht. Betriebswirtschaftlich sauber aufgestellt, so dass der Betrug von fast niemandem gerochen wird!

    • Freie Marktwirtschaft ist es auch, wenn man unrentable Unternehmen pleite gehen lässt. Entgegen dem weit verbreiteten Usus.

  8. Bei der UBS sollte man nicht nur die Frühstückschefs, sondern auch den VRP und den CEO in Pension schicken. Der Leistungsausweis dieser Herren während deren Amtszeit ist schlichtweg katastrophal, wie der ultratiefe Aktienkurs deutlich aufzeigt.
    Es braucht ein Neuanfang mit motivierten Führungskräften, die das Wohl des Aktionärs in den Vordergrund stellen, anstatt wie bisher die finanziellen Eigeninteressen (Bonuspool!). Nur so kann das aktuelle Misstrauen gegenüber diesem Unternehmen, manifestiert im Aktienkurs massivst unter Buchwert, abgebaut werden.

    • Ich zweifle an deinem Verstand. Der Aktienkurs hat wenig mit den Leistungen der Chefs zu tun! Du glaubst wohl auch alles, was man dir in unserem gefakten „Bildungssytem“ eintrichtert.

      Ganz abgesehen davon sind nicht die obersten Führer massgeglich für eine gute Leistung eines Unternehmens, sondern hauptsächlich die vielen kleinen Mitarbeiter! Ohne letztere läuft gar nichts!

    • Alle motivierten Führungskräfte schielen auf ihre Bonis, alles andere ist sekundär.

  9. Ich glaube, dass alles viel banaler ist: er ist einer, der in diesem komplexen Gebilde ubs sich noch zurecht findet, und andererseits hat er Macht, da er Dinge weiss, die nicht nur löblich sind….

  10. Bei den wenigen noch aktiven Vice Chairman muss sich UBS ihr Schweigen erkaufen. Die Leute wissen zuviel. Nur eine Frage der Zeit und das VCM Problem löst sich von selber. Die heutigen Manager überleben in der Regel 1-3 Jahre und können somit der Bank nicht gefährlich werden.