Global Limits – Alltag und Absurditäten aus unseren Grossbanken

Neues Buch für Informatiker von CS und UBS – Budgets lähmen Betrieb – Abgehobene Chefs lieben’s günstig in Polen und Indien.

Die Schlagzeile von IP am Donnerstag lautete: „CS-Computer versagt bei Verkauf von Puts.“ Wenn sie an diesem Tag keine Puts verkaufen wollten, denken sie zurecht: „Halb so schlimm, niemand wurde verletzt, wo Menschen am Werk sind, passieren halt Fehler.“

Denn ziemlich sicher war es ein von Menschenhand gebasteltes System, das versagte, und nicht der Computer an sich. In einem solchen Trading-System steckt zehnmal mehr Software – und somit „Intelligenz“ – als in der neuesten Generation Touristen-Roboter, die sie zur nächsten Fussball-WM begleiten werden. Und klar: je komplexer, je anfälliger.

Als Informatiker erleben Sie solche Storys andauernd. Was bei vielen IP-Beiträgen richtigerweise durchschimmert, ist, dass das grundsätzliche Problem bei solchen „Aussetzern“ nicht der Fachmann und Handwerker ist, der die „Chose“ unter hohem Druck so schnell wie möglich ausbügeln muss, sondern das ihn umgebende Management.

Beim SBB-Türblockierungssystem-Problem kam ein Punkt mit tragischer Folge auf: Hinweise vom Personal sind ignoriert worden. In der Morandi-Affäre noch krasser: Mängelkontrollen wurden aus Spargründen nicht mehr seriös durchgeführt.

Das vor allem an Sparmassnahmen interessierte Management kämpft gegen seine eigenen Spezialisten, das ist oftmals die Quintessenz solch tragischer Geschichten.

Meine 30 Jahre Erfahrung in der IT habe ich in einem Buch zusammengefasst: „Global Limits, meine kurze Geschichte mit der IT“. Der Titel ist dabei rein zufällig ein aktueller grüner Slogan, „Global Limits“ hiess die erste Software, mit der ich es 1985 als frisch ausgebildeter Programmierer bei der SKA zu tun bekam, eine Software zur Steuerung der weltweiten Kreditlimiten der Bank.

„Alltag und Absurditäten aus der IT“ steht auf dem Buchrücken. Der menschliche Faktor steht im Vordergrund der Erzählung, er wird im Laufe der Jahre zunehmend störender für ein sich immer abgehobener gebärdendes Management, das ihn schliesslich nach Polen und Indien outsourcen will.

Nur meine Frühpensionierung und die damit geschaffene Distanz erlaubten es mir, meine Rückschau mit einer guten Portion Humor zu bewältigen. Bei den Episoden geht es nicht nur um „Aussetzer“, sondern wie Sie unten sehen, auch um kleinere Beispiele, die die ach so effizient und ökonomisch arbeitenden Verwaltungen unserer Grossbanken leicht touchieren.

Die zwei kleinen Müsterchen sollen als „Appetizer“ für das Buch dienen, das Sie mit dem Link am Schluss dieses Beitrages bestellen können. Es ist auch als E-Book verfügbar, in allen Buchhandlungen und Online-Shops bestellbar, bei Orell Füssli in der City verfügbar.

Die Swift-Software ‚Merva‘ von IBM wurde in erster Linie von drei zugezogenen Spezialisten gewartet, allen voran von Martin, einem abgeklärten Engländer und Fan von Fulham. Er sass im Rücken von unserem Chef, der andauernd auf ihn einredete. Während der Chef wieder einmal eine neue Idee in all seine Bits zerlegte, schlief der chronisch übermüdete Martin selig dabei ein. Stutzig, keinen wie gewohnt zustimmenden Laut zu vernehmen, drehte sich der Chef nach einigen Minuten um, wobei im gleichen Moment sich Martins Augen öffneten und ein überzeugendes und klares ‚Yeah‘ aus seinem Mund zu vernehmen war. Diese Körperbeherrschung überzeugte mich dermassen, dass ich sofort Fulham Fan wurde.“

Sparen wollte man in der CS auch, indem man aufs Budget drückte. Die Konsequenz war, dass die Hälfte der Belegschaft damit beschäftigt war, Budget für die andere Hälfte zu beschaffen. Das gelang die­ser auch einigermassen kreativ, nur war das Folgepro­blem dann die Frage, auf welches Projekt und Budget die Hälfte buchen sollte, die Budget für die andere Hälfte organisiert hatte. Damit beschäftigte sich dann die Hälfte, die bereits Budget hatte und so schloss sich der Kreis, alle waren happy und zufrieden.“

Das Buch ist insbesondere geeignet für: langjährige Mitarbeiter der CS (vormals SKA) und UBS. Und auch Personen, die in ähnlichen Organisationen pensioniert sind, zwangspensioniert werden könnten oder sich frühpensionieren wollen.

Auch der Jugend sollte das Buch nicht vorenthalten werden und denen in die Hand gelegt werden, die mit einer Informatik-Ausbildung liebäugeln. Hier können Sie es bestellen:

Kommentare

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  1. 1:1 wie ich es in der IT mehr als 25 Jahre erlebt habe. Schlimmer war noch die Budget Verantwortung z.B. an Fachabteilunhen wie Marketing abzugeben. Management hatte null Ahnung über IT und die Resultate waren, man lässt alles einkaufen ob es passt oder nicht, biegt es irgendwie zurecht. Alles schnell ohne Implementieren ohne an Unterhalt zu denken. Immer mehr Meetings mit noch mehr teilnehmenden. Endlose Diskussionen, Folien Schlachten, Aufklärung der Chefs, welche im Jahresrhythmus wechseln und von der Basis null Ahnung haben. Der angesehenste Beruf ist heute der Controller, leistet nichts sucht aber wo das geld hingeht ohne mit der Strategie abzustimmen resp. Kenntnisse davon zu haben. Könnte locker auch ein Buch schreiben.danke für den Artikel.

  2. Mal eine kleine Frage… Ist Werbung eigentlich kostenlos, wenn sie nicht in Form von Werbung, sondern in Form eines Berichtes publiziert wird?
    Und dann würde mich als nächstes noch wundern, bekäme ein Banker, der ein (unkritisches) Buch über Banken geschrieben hat, hier auch diese Plattform?

    • Werbung ist nie kostenlos. In diesem Falle muss man ein paar anständige Beiträge geschrieben haben, … kostenlos. Unter dieser Voraussetzung bekämen Banker auch eine Plattform, allerdings impliziert ‚anständig‘ meistens ‚kritisch‘.

  3. Hoi Toni
    Jetzt ist wieder einmal ein Lob von meiner Seite fällig: Toll deine Feder, noch toller der Gehalt…
    Dein Buch muss ich natürlich haben, deine Lic-Arbeit habe ich immer noch, leicht verschimmelt. Aber das mit Fulham nehme ich dir nicht ab, vorher wäre noch ein anderer Club zu nennen.
    Liebe Grüsse vom Hugo

  4. Ich habe noch nicht begriffen, weshalb ich Vertrauen in das e-Banking haben sollte und kann somit alles im Internet nur gegen Rechnung oder Vorauskasse bestellen.

    Schade, dass Rechnung oder Vorauskasse bei diesem Buch nicht möglich ist. Als pensionierter Informatiker würde ich es sehr gerne kaufen.

    • Man kann es auch bei mir gegen Rechnung bestellen (tonisaller@hotmail.com). Oder z.B. bei ExLibris und Orell Füssli online gegen Rechnung! Gruss T

    • Ich habe das Buch bei einem Buchverlag bestellt und gelesen.
      Sachlich und gut geschrieben. Stimmt nachdenklich.

      Verursacht mir auch zwei Jahre nach der Pensionierung noch kleinere realistische Albträume, die zum Glück nach dem Aufwachen schnell weggehen, weil ich weiss, dass das jetzt für mich als Rentner vorbei ist.
      Für Informatiker empfehlenswert.

      Kann leider (aus übertriebenen Sicherheitsbedenken) per Mail beim Buchverlag keine Bewertung abgeben,

      Ich würde eine gute Bewertung abgeben.

  5. In der IT gibt es zu viele Diletanten. IT ist ein breites Gebiet und das meiste Wissen kann man sich per „learning on the job“ aneignen. Da IT von einfacher Drucker Installation bis Programmierung von AI Software so ziemlich alles umfasst was mit IT in Verbindung gebracht werden kann, verführt das leider immer wieder dazu, Leute, die mal einen Drucker installiert haben auch für IT Experten zu halten. Diese werden dann entsprechend einzusetzen und befördert. Wer ein bisschen mit Menschen kann ist schnell mal Team-Lead oder Projektmanager (auch dies ein dehnbarer Begriff). Diese werden dann auch für „unverzichtbar“ gehalten, während die eigentlichen technischen Experten dann entlassen werden.
    Im Resultat kommt die Organisation dann nicht über ein bestimmtes mediokres Niveau im Know-How heraus und muss sich die Dienstleistungen von externen „Consultants“ einkaufen.
    Die bieten allerdings Standardlösungen an, welche für alle Markteilnehmer gleich sind. Es gibt also keinen Wettbewerbsvorteil mehr durch Eigenentwicklungen, die IT wird dann vollends nur noch zum Kostenfaktor. Angestellte und Consultants müssen dann vor allem „günstig“ sein.

  6. „einem abgeklärter Engländer “ …. für ein Lektorat hat es wohl nicht gereicht? Sorry gäll, aber wenn ich ein Buch kaufe, möchte ich es auch lesen können!

    • Für ein Lektorat hat es tatsächlich nicht gereicht. Der Fehler hat sich allerdings eingeschlichen, weil ich blöderweise ein Zitat noch verbessern wollte. Ist im Original korrekt. Aber die Warnung muss gelten: Für Rechtschreibefetischisten ist vor einer Lektüre abzuraten!

  7. Budget zu Organisieren hast Du perfekt beschrieben. 1:1 aus der Realität übernommen. Da bleibt leider wenig Zeit übrig für Innovation und Qualität. Man muss ja Powerpoint Orgien abliefern. So etwas von krank.

    • Auf der angezeigten Titelseite hat es in der Mitte rechts einen schwarzen Pfeil zum blättern! Ist schwer zu sehen, blöderweise hat das Titelblatt die ‚falschen‘ Farben für die Vorschau-Funktion des Verlages! Gruss Toni

  8. Solange IT-Leistungen als Service und nicht als integraler Bestandteil eines Geschäftsmodells betrachtet wird, sind die Rufe nach Kostensenkung, Optimierung, Sourcing, Industralisierung nicht fern. Das ist nur konsequent. Leider ist es dann ja auch nur konsequent, dass die IT keine Ahnung vom Business (was trägt sie zum Deckungsbeitrag bei – ausser Kosten?) hat und das Business kein Plan hat von der IT: man bezieht virtuelle, austauschbare und globale Leistungen. Nicht gerade die beste strategische Ausgangslage im digitalen Zeitalter.

  9. Manager sind keine Unternehmer und Unternehmer gehen unter weil der Markt keine nachhaltigen Produkte sucht sondern den Hypes nachrennt und diese müssen nicht nachhaltig sein.