Ist Ermotti ein Underperformer?

Wer ist schuld am Absturz der UBS-Aktie: Der Chef oder die Welt? Finanztitel global unter Rädern – Klein ist sexy.

In den letzten Jahren war die Meinung der meisten Finanzmedien klar: Credit Suisse ein permanenter Sanierungsfall, UBS dank klarer Strategie und Fokussierung auf die Vermögensverwaltung überm Berg.

In den letzten Monaten hat sich das Blatt dann recht schnell gewendet, und Ermotti ist zum Buhmann Nr. 1 geworden. Zu recht?

Jetzt könnte man hunderte Argument bringen, die ihn schlecht aussehen lassen und andere hundert Argumente, die ihn gut respektive die Konkurrenz genau so schlecht aussehen lassen – letztlich subjektives Kaffeesatzlesen.

Klar, die UBS-Aktie kratzt an ihrem Allzeit-Tief, aber tut das die Credit Suisse Aktie nicht auch? Und die Deutsche Bank?

Underperformer oder nicht: Die Beantwortung der Frage ist eine gute Gelegenheit, mal den Markt top-down über die letzten Jahre, ja noch besser Jahrzehnte anzuschauen.

UBS = Konzern; Konzern = Underperformer. Korrekt, das letzte Jahrzehnt war DAS Jahrzehnt der eigentümergeführten Firmen. Waren im Jahrzehnt davor die Konzerne die Hauptprofiteure der Globalisierung, hat die ganz grosse Mehrheit der Konzerne mit Problemen zu kämpfen.

IIhre Strukturen zeigten sich als nicht geeignet, neue Trends und Geschäftsstrukturen rechtzeitig aufzuspüren und entsprechende Produkte zu lancieren.

Das gilt nicht nur für die IT-Branche, sondern für nahezu alle Branchen von Retail (Trend Online Shopping, Trend Spezialitätenshopping) über Pharma (Biochemie), Hospitality (Hotelketten vs. Airbnb, Booking.com) zu Consumer (Nestle vs. Starbucks, Red Bull oder Monster) bis natürlich zu Finance (Ownerbased Firmen wie Blackrock oder Partnersgroup, Temenos oder Swissquote in der Schweiz).

Ausnahmen sind mit der Lupe zu suchen (McDonald’s mit ihrem Franchising-System und neuer IT-Innovationen oder auch Goldman Sachs).

Fielen die gigantischen Aktienrückkaufprogramme weg, stünden die Konzernaktien noch viel, viel schlechter da. Zudem leisteten sie sich in Summe viel zu viele Compliance-Verfehlungen.

Verfügbarkeit des Wissens. Noch nie war so viel Wissen so kostengünstig verfügbar wie in den letzten Jahren. Zum einen, weil freier zugänglich und austauschbar (Internet, Globalisierung), zum anderen durch die durchaus gewollte hohe Fluktuation in der Arbeitswelt.

Um zur UBS zurück zu kommen: Noch nie standen so viel qualifizierte Personen und Firmen dem „Konzern-Knowhow“ einer UBS (oder einer McKinsey) gegenüber. Das senkt den Wert.

Es liegt in der Natur des Geschäftsmodells, dass im Investment-Banking weniger Know-How „auf der Strasse liegt“ als in der Vermögensverwaltung.

Verfügbarkeit des Marketings. Zeitungs- und TV-Werbungen sind teuer, Politiker oder Prominente im VR auch. Mit den vielen neuen Möglichkeiten des Online Marketings konnten viele Marken viel schneller wachsen als je zuvor.

Entsprechend ist der Wert bestehender Marken am Sinken. Und somit auch der Wert einer UBS. Es ist recht beeindruckend, dass von den 10 wertvollsten Marken der Welt (siehe statista) sechs nahezu ganz auf klassisches Marketing verzichten (Amazon, Apple, Google, Facebook, Alibama, Tencent).

Megatrends. Das letzte Jahrzehnt war das Jahrzehnt der Megatrends mit neuen Geschäftsmodellen und grossen Gewinnern (vernehmlich IT), vielen stagnierenden Industrien (Automobil, Chemie) und den ganz grossen Verlierern Energie und Banken.

Der S&P 500 Energy Sector ist tiefer als vor 13 Jahren (Quelle: Eddy Elfenbein, Editor of Crossing Wall Street).

Und – trara – der S&P Bank Index ist tiefer als 21 Jahre zuvor. Er enthält nur im S&P vertretene Finanzinstitute. Schweizer, europäische und japanische Banken würden die Performance noch wesentlich schlechter aussehen lassen.

Quintessenz: Underperfomer? Klares ja. Stellt sich nur die Frage, ob eine mutigere Strategie für einen Konzern wie die UBS eine nicht zu starke „Droge“ gewesen wäre und ob nicht die Fokussierung auf den CEO diese Rolle mehr aufwertet als es der Realität entspricht.

Oder anders gesagt: Hätte es einer der üblichen 10 Verdächtigen, die ein Nomination Committee so zusammenkratzt, besser gemacht? Möglich, aber keineswegs gewiss.

(Extrakt für Inside-Paradeplatz-Leser; Originalartikel mit Kommentar „Longterm-Investor“ und weitere Investmentsdetails, siehe Longterm-Investor.)

Kommentare

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  1. Ich glaube die Zeit der Banken ist angezählt. Zuviele Flops mit krim. Ansätzen, Vertrauensschwund des normalen Menschen nicht zuletzt auch mit Sicht auf die Bezüge der modernen Raubritter CEO etc. UBS steht für: Unsere Bank schliesst; Amen. CSt

  2. Ermotti hat mit dem Wegzug der UBS ins Ausland „gedroht“
    und damit viele langjährige Schweizer Kunden vergrault.
    Besonders in Kantonshauptorten wechselten substanzielle
    Portfolios zu Kantonalbanken und Regionalbanken.
    Viele trauen der UBS nicht mehr über den Weg und schliessen
    ein erneutes Desaster nicht aus.

  3. Wartet mal den nächsten Börsencrash ab! Erst dann sollten wir urteilen, ob UBS im Vergleich zur Konkurrenz gut aufgestellt ist. Meiner Meinung nach ist dies der Fall und im Vergleich zur US Konkurrenz, die dutzende Mrd./Jahr verdient, zahlt UBS zum Momentanen Kurs über 6% Dividende

  4. Schauen Sie den Chart des Euro-Stoxx-Banks-Index an.
    Die Banken sind tief am Boden, und schon bald wieder dort wie 2008.

    Damals waren aber die Zinsen noch höher. Jetzt haben sie Null.- und Negativzinsen! Es sieht sehr bedenklich aus.
    Deshalb haben sie auch schon begonnen ihr Tafelsilber zu verkaufen.
    Eigentlich auch ein Alarmzeichen.

    Wenn die ersten Banken spätestens 2020/21 kippen, könnte ein Dominoeffekt einsetzen, der Tsunami könnte dann, die Banken, vielleicht samt Notenbanken, über den “Jordan“ kippen.

    Vielleicht sollten Frau Lagarde und Herr Jordan mal die Badehose und Schnorchel bereithalten.

    Banken nochmals retten, wieder mit neuen Krediten (neuen Schuldenbergen) des Bankenkartells??? So blöd kann man doch nicht sein, oder?

    Es ist klar das Kreditschneeball-Finanzsystem zerstört sich selbst.

  5. Schöne Analyse, lieber Michael! Herzliche Gratulation!

    Zusammenfassung:
    Nachdem die Dinosaurier alles gefressen haben, merkt man, dass Sie nicht (nicht mehr?) so agil sind.

    Der nächstes Denkschritt bleibt dem geneigten Leser vorbehalten. Und um es nicht allzu schwer zu machen, gestatte ich mir noch einen kleinen Hinweis: Wer hat in den letzten 1000 Jahren einen lebenden Dinosaurier gesehen? Bitte Hand hoch!

  6. Früher gab es bei der SBG eine Quali mit Hilfe eines Rechtecks und einer schraffierten Fläche, die je nach Leistung über das Rechteck hinausragte (leistet überdurchschnittliches), diese komplett füllte (leistet erwartetes), kleine weisse Flecken enthielt (leistet meist genügendes, aber mit Lücken) oder -was selten bis nie verteilt wurde- grosse weisse Flecken (leistet ungenügend).

    Bei Sergio wäre diese Fläche vermutlich jungfräulich weiss!

  7. Das Hauptproblem liegt beim Cost- / Income-Ratio, welches mit ca. 77% (z.B. ZKB 61%,Valiant Bank 57%) viel zu hoch ist, hauptsächlich zurückzuführen auf die Höhe des Bonuspools, der in keinster Art & Weise (leistungsbezogen) mit den erwirtschafteten Erträgen übereinstimmt. Dadurch wird der Gewinn stark geschmälert, was sich negativ auf den Aktienkurs auswirkt wie das heutige Level klar aufzeigt. Dass die Herren Weber und Ermotti noch zu den bestbezahlten VRP und CEO von Europa gehören unterstreicht diese Einschätzung der viel zu hohen Kosten deutlich!
    Bis die Ankeraktionäre zur Einsicht kommen und diese Misere stoppen, wird das Interesse von Neuanleger gering bleiben.
    Dies, obwohl die UBS der weltgrösste Vermögensverwalter ist, dabei nicht einmal eine Börsenkap. von 40 Mrd. erreicht, massivst unter Buchwert (14.50)notiert, eine hohe Dividende bezahlt, eigentlich sehr günstig bewertet ist. Zusammengefasst, es besteht ein grosser Vertrauensverlust in die aktuelle Führung!

  8. Er ist ein No-Performer. In all den Jahren keinen einzigen Strategischen Move gemacht. Das könnte als Arbeitsverweigerung durchgehen.

  9. In der westlichen Welt notieren nur solche Bankaktien auf Allzeittiefstständen, wo die Instititute von der Finanz- und Wirtschaftskrise bzw. der Eurokrise betroffen waren.

    Anders ist dies beispielsweise bei Bankaktien in Australien und Kanada.