Neuer Bär-Chef setzt Compliance-Boss ab

Philipp Rickenbacher räumt auf: Oberster Aufpasser per sofort weg – Könige im Private Banking zittern – Ausmisten, Big Time.

Philipp Rickenbacher begann am Montag sein neues Amt als CEO der grossen Zürcher Julius Bär mit einem Paukenschlag. Er entliess den langjährigen Chef der Compliance, Roman Baumgartner.

Offiziell war es der Vorgesetzte von Baumgartner, der den mächtigen Aufpasser verabschiedete – wie immer in solchen Fällen mit viel Lob und freundlichen Worten. Der habe selbst gekündigt.

„After more than 12 years at the helm of the Global Compliance function at Julius Baer, Roman Baumgartner has decided to seek a new professional challenge“, teilte Risk-Chef Oliver Bartholet der Belegschaft letzten Freitag mit.

Auf Anfrage betonte ein Bär-Sprecher, dass es sich um einen persönlichen Entscheid des Compliance-Verantwortlichen handle. Weitere Abgänge im Bereich Compliance seien nicht geplant.

„Neuer Challenge“ (IP)

Das gilt es abzuwarten. Der schnelle Abgang des grossen und umstrittenen Schutzherrn heisser Bär-Kunden birgt Zündstoff. Weitere Änderungen stehen wohl an.

Als Nächste zittern die einflussreichen Chefs im Kerngeschäft. Allen voran Rémy Bersier und Gian Rossi, die Leiter für Middle East, Monaco und Russland (Bersier) sowie Schweiz (Rossi).

Bersier gilt als besonders gefährdet. Unter ihm kamen riskante Reiche zur Bär. Rossi hat in der Schweiz ein Trümmerfeld. Die Bank wächst nicht im Heimmarkt.

Ebenfalls bald gehen könnte Yves Robert-Charrue. Er würde wohl – im Unterschied zu den anderen – selbst kündigen. Robert-Charrue war der Gegenspieler von Rickenbacher im CEO-Rennen.

Gegenspieler (JB)

Die erste Personalie von Rickenbacher mit der kalten Absetzung des Compliance-Chefs kommt für viele überraschend.

Ist Rickenbacher gar nicht das harmlose Eigengewächs der Bank? Entpuppt sich der Vespafahrer (Finanz und Wirtschaft) als Bulldozer?

Das Durchgreifen bei der Compliance ist dringend nötig. Es hätte schon lange passieren müssen. Doch Alt-CEO Bernhard Hodler liess alles beim Alten. Er war zu sehr Teil der alten Crew.

Nun scheint Rickenbacher einen Auftrag von oben erhalten zu haben: vom neuen Präsidenten Romeo Lacher. Der Befehl lautet „Aufräumen“.

Der Kapitän (JB)

Die Bär-Bank ist wie kaum eine zweite wichtige Finanzinstitution in Geldwäscherei- und Risikokunden-Fälle verwickelt.

Ihr Name taucht auf bei Petrobras, Fifa, Vincenz. Bald könnten auch Russen- und Araber-Kunden zum Thema werden.

Besondere Gefahr lauert rund um PDVSA. Gemeint ist die Ölgesellschaft des Regimes von Venezuela.

Dort hungern die Menschen, während die Herrscher Milliarden auf Ausland-Konten verschoben haben.

Ein Bär-Kundenberater wurden wegen PDVSA in Amerika verurteilt. Er kooperiert mit der US-Justiz. Für Bär eine Krise.

Und auch für die Finma. Die Berner Aufsicht, die den Banken am liebsten helfen will – zumindest den Grossen -, ging gegen Bär los. Ein Enforcement-Bericht könnte bald die Privatbank erschüttern.

Täuscht Outfit? (JB)

Kommt die Finma zum Schluss, dass hohe Bär-Manager nicht mehr Gewähr fürs Banking bieten, wäre das ein Donnerschlag.

Der neue CEO Rickenbacher muss sicherstellen, dass den Bannstrahl der Aufsicht auf keinen seiner aktiven Führungsleute fällt.

Mit schnellen Wechseln ganz oben würde Rickenbacher für alle Fälle vorkehren. Das heisst: Der Abgang des Compliance-Chefs könnte nur das Vorbeben sein. Die grosse Erschütterung dürfte dann bald folgen.

Kommentare

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  1. Compliance Chef bei BJB. Hatte vermutlich ohnehin nichts zu sagen, da dieser Teil wohl wie bei anderen Banken (z.B. LGT) ausgelagert (KPMG)ist. Also braucht es auch keinen Nachfolger. Denn sie wissen nicht was sie tun.

  2. So ein Schwachsinn, das Business ist für das Schlamassel verantwortlich, sicher nicht Compliance. Vor all den Risiken wurde genügend gewarnt, aber Wachstum kommt nicht ohne Risiken und die ist man bewusst eingegangen. Den Abgang mit dem neuen CEO zu verbinden ist ebenfalls Schwachsinn, R.B. wollte sich das schon länger nicht mehr antun, hat aber zuerst seinen Nachfolger aufgebaut.

    • Genau, wenn vor einer gefährlichen Kurve eine Warntafel und Blinklicht warnen, der Fahrer aber nicht abbremst und mit Vollgas in die Wand fährt, wer ist dann Schuld? Sicher nicht die Warntafel und das Blinklicht!

    • @ GuschtiB

      So ein Schwachsinn! Von Baumgartner aus runter die ganze Leitungsstufe schaut, dass die Compliance Mitarbeiter entweder nichtwissend sind (es arbeiten sehr viele Leute dort, die keine ausreichende Compliance Kenntnisse haben) oder auf einem Auge blind ist! Wer korrekte Compliance macht fliegt raus!

  3. Bravo Herr Rickenbacher, bravo! Nun müssen auch noch die anderen Führungspersonen dieser undurchsichtigen „Compliance“ entlassen werden, dann kann man endlich wieder korrekt und seriös arbeiten!

  4. Alle Privatbanken möchten akquirieren, ohne Compliance, wie in den alten Zeiten. Boris zog nur deshalb Neugeld und Kundenberater an. Die juristischen Probleme kommen viel, viel später, wenn überhaupt.
    Eigentlich sollte das Gesetz alle Privatbanken dazu zwingen, die Complianceverantwortlichen (Chef plus erste Linie) alle drei Jahre auswechseln zu müssen.

    • Wie blöd/gierig waren die Verwaltungsräte um nicht zu merken unter welchen (mirakulösen) Umständen so viel Neugeld zur JB floss? Sie waren weder blöd noch gierig, denn sie wussten/wissen genau, dass in der Schweiz gar nichts passiert! PS: Ausser man parkiert das Auto vor der Bank falsch, natürlich…

    • Sie machen da einen grossen Denkfehler (und sind leider oftmals nicht der einzige): es geht nicht darum, dass die Front alle möglichen Figuren und Geschäfte anzieht und versucht intern damit durchzukommen nach dem Motto: wenn Compliance nichts dagegen hat ist es ok. Das ist einfach die falsche Kultur und nicht die Kernaufgabe von Compliance den Polizisten zu spielen. Es geht darum in einer Bank insgesamt und gemeinsam die richtigen Geschäfte zu machen und eben nicht: ich hoffe dass der scharfe Compliance Officer nichts merkt. Wenn man das macht, erzieht man Compliance dazu einfach zu allem „nein“ zu sagen…

  5. Aber sind wir sicher, dass das Problem nur die Einhaltung der Vorschriften ist? Ich bin überzeugt, dass es auch ein Problem mit der Grundkultur des Private Banking gibt. Aus rein wirtschaftlichen Gründen haben sie viele ausgezeichnete 50-jährige Mitarbeiter eliminiert, aber die alte teure Privatbankers Matusalemme blieben bestehen und verursachte weiterhin Reputationsschäden. Richy ist definitiv kein Jäger, aber wenn er gegen den Matusa geht, wird er nicht lange durchhalten, es wäre besser, wenn er sich darauf konzentrieren würde, jemanden zu finden, an den er die Bank verkaufen kann!

  6. Und Martin Eichmann, ist er noch bei Bär?
    Entweder versteht Herr Rickenbacher etwas vom Business, inkl. Compliance oder er liest IP.

    • Wie schon gesagt, auch die nachfolgenden Figuren unter dem Baumgartner nüssen weg. Die halten alle zusammen und lassen dubiose Gelder rein und korrekt arbeitende Compliance Beamte rausgeschmissen!

  7. Der GWG-Chef (M.Eichmann) glaubt vermutlich bis heute, er könne eine(n) Verantwortliche(n) finden, wenn etwas „schief“ läuft.
    Als ehemaliger Compliance-Guy der CS hat er doch noch nie etwas falsch entschieden…

  8. Und was läuft in Sachen Remo Stoffel und seinen durch Russian-Connections abgesicherten Bär-Krediten, resp. das laufende Steuerbetrugs-Strafverfahren gegen den neu in Dubai aufgeschlagenen Protagonisten?

    • Das nimmt mich auch Wunder. Das wird noch knallen….Seine abgedunkelte Limousine fährt aber nicht nur bei der Bank Bär vor….

  9. Endlich zeigt Rickenbacher Eier. Rossi & Entourage bitte raschest mitentsorgen – dann hat Rossi mehr Zeit für seine Kernkompetzen: Golfen, Wining & Dining. Wenn Rickenbacher jetzt nicht herzhaft durchgreift, dann werden die Fehler seiner Vorgänger zu seinen Eigenen…

    • Ich würde mich differenzierter äussern wollen zu den einzelnen Personalien.

      Herr Bersier lebt Privatbanking und hat tolle Kontakte und verkörpert dabei was viele andere auf seinem Level leider nicht mehr tun: einen Patron der die Bank mit Würde repräsentiert. Ob seine Fähigkeiten – insbesondere die Affinität für moderne Technik und Prozesse – den Anforderungen eines modernen GL Mitglieds entsprechen wird Herr Rickenbacher sicherlich prüfen müssen.

      Herr Rossi denkt schnell, entscheidet rassig und ist clever. Abgesehen von seinen rhetorischen Fähigkeiten verfügt er – wie ich ihn wahrnehme – mehrheitlich über das Skillset eines Topmanagers. Dies gilt allerdings nicht für seine Personalentscheide. Leider vertraut er zu stark auf schlechte Einflüsterer in seinem Business Management, Sales Management und im HR. Ich befürchte, dass Herr Rossi nur erfolgreich sein kann wenn er sich mit fähigen Mitarbeitern umgibt. Allenfalls sind die erprobten Seilschaften dafür nicht förderlich.

      Sicherlich spannend wird auf Stufe GL auch sein ob sich Herr Enkelmann in den Dienst von Herrn Rickenbacher stellt oder ob er weiterhin tut und lässt was ihm beliebt.

      Aber who am I. Ich wünsche Herrn Rickenbacher viel Erfolg und Weitsicht bei seinen Entscheiden. Will er die Bank verändert muss er vermutlich auf den ersten beiden Führungsebenen Solche Entscheide treffen.

  10. Die Aufgabe aufzuräumen wäre schon bei der FINMA gelegen, hatte man doch mehrere Fälle von und noch mehr Hinweise auf ‚Compliance-Verletzungen‘.

    JB-VR und CEO haben nun anscheinend den Handlungsbedarf erkannt, intern beim ‚Compliance‘ sowie bei den Kunden aufzuräumen.

    Aus meiner Sicht bedenklich, dass einer der Hautptverantwortlichen der ganzen ‚Compliance-Verletzungen‘ nun von Genf aus völlig unbehelligt von Seiten der Finanzmarktaufsichtsbehörde FINMA agieren darf. Aber wie schon immer passiert, die FINMA hängt die keinen und schützt die grossen Fische, alleine schon weil zu viel auf die FINMA, deren Mauscheleien, Absprachen etc. zurückfallen könnte.

    • die diskret unter dem Radar der Presse abgewickelt wurden:

      Credit Suisse und Mosambik im 2015

      Vontobel und Uli Hoeness mit E.Brenner/Jürg Hügli im 2006

    • Also, wenn’s jemanden gibt, der zu den Mitarbeitern hält, dann der Christoph Hiestand (s. US Indictments). Also, Rudi: *Relax!*, auf den Hiestand soll nicht verzichtet werden.

    • ITPal wäre toll, wenn Sie auch ein bisschen Persönlichkeit hätten und Ihren Namen offlegen würden. Dazu fehlt Ihnen etwas …..und darum sind Ihre Aussagen nichts wert!

    • Ruedi, Du bist selber schuld dass Dein Name offen und in einem schlechten Licht erscheint. Du würdest Dich gescheiter ruhig verhalten mit Deinem Background. Stattdessen erinnerst Du uns ständig an Deine vergangene „Tätigkeit“ in diversen weltweiten Steuerschlupflöchern. Zu Selbstkritik bzw.etwas Reflexion bist Du scheinbar nicht fähig. Schade…

  11. Compliance – sie wissen alles besser! Trotzdem sind diese Damen und Herren nicht in der Lage Entscheidungen zu treffen, da sie nur Empfehlungen abgehen. Verantwortung wird an die Abteilungen bzw MitarbeiterInnen an der Front zurückdelegiert. Und bei einem internen Audit wird dann von Seite Compliance genussvoll nach Fehlern gesucht. Ist ja einfach, wenn man sich selber nie exponieren muss. Nur Feiglinge arbeiten dort. Diese Story ist also ein Zeichen an die „Compliance-Feigling-Community“.

    • @Johnny Roberts Jr.
      Wieviel Verantwortung und Entscheidungskompetenz die Compliance-Abteilung hat, entscheidet allein das Management.

    • Sie verstehen jetzt also gar nichts von der Rolle der Compliance und vom Verhältnis Internal Audit/Compliance! Aber bevor Sie’s mir sagen: müssen Sie auch nicht! It is not the sunny side of life.

    • Die Compliance darf als prüfende Einheit keine Entscheidungen treffen. Wenn Sie schon mal in Compliance gearbeitet haben, wissen Sie wie schwierig es ist, ein Rundschreiben, Gesetz, Verordnung in ihre Bank umzusetzen und alle zufriedenzustellen und sich dann nicht daran nerven, dass man trotz Weisung oder „Empfehlung“ es dann anders macht, weil es einfacher ist. Ich habe es aufgegeben, denn der Garten war nicht gross genug um alle zu begraben.

    • Die Tatsache, dass es überhaupt grosse Compliance Abteilungen braucht, zeigt, dass das Hauptproblem des serbelnden Swiss Bankings auf der Behördenseite liegt und ein politisches ist. Compliance müsste ja eigentlich eine Aufgabe jedes einzelnen Mitarbeiters sein, das kann man nicht vernünftig auslagern. Nachdem die Schweizer Regierung gezeigt hat, dass sie kein Rückgrat hat, ist es mit dem big Banking im Kleinstaat vorbei, die letzten 10-15 Jahre haben das zu Genüge bewiesen. Man muss das vorerst akzeptieren, die Dienste runterfahren, die Leute entlassen und ausweichen in andere Geschäftsbereiche. Mit der ganzen Manpower holt man zB im Versicherungsbereich in den nächsten 20 Jahren viel mehr rein. Die Schweizer sollten diesen mehr pushen. Eine Bär-Security Division zB wäre innovativ. Man kann das „stinkende“ Geld der Welt nicht nur einbunkern. Sondern seine Besitzer auch versichern gegen dessen Verlust.

    • @ Johnny Roberts Jr.

      Ja, ich stimme dir völlig zu! In der Bär Compliance arbeiten nur Hosenscheisserlis. Dies aber darum, weil von Baumgartner aus runter so dirigiert ist, dass man keine seriöse Compliance durchführen darf! Sonst fliegt man direkt!

  12. Er macht einfach nur das, was er gerne vorher bereits gemacht hätte, aber damals Kraft seines Amtes nicht tuen konnte.

    Robert-Charrue hat es selbst in der Hand und hatte aber auch die letzten Monate Zeit genug.

    Einzig Rossi wird wohl noch dran glauben müssen, denn da bestehen die grössten Banden zu Collardi und zudem sind beide nicht die besten Freunde.

  13. Ein guter Anfang. Compliance muss dringend professioneller und schärfer werden. Und dass Rossi und Bersier nicht mehr tragbar sind ist wohl jedem bewusst. Der eine bringt nichts zustande, der andere ist ein Risiko. Danach muss man aber auch auf Stufe Marktregion und Niederlassungsleitung kritisch die Leistungen hinterfragen.
    Wie man aber die intern schlechte Stimmung wieder auf Vordermann bringen kann bleibt ein ungelöstes Rätsel.

    • JB-Compliance muss nicht schärfer werden, sondern intelligenter. Zahlreiche Compliance Officer at JB sind fachlich total überfordert – eine schlimme Mischung zwischen Unwissenheit und Lebensferne. Bartholet ist übrigens auch kein Heilsbringer in Sachen Compliance – the blind is leading the blind.