Bär bremst: Saudi-Kunden abgewiesen

Mächtiger Dubai-Chef Rémy Bersier wollte umstrittene Saudis an Land ziehen – Gestoppt von Riskchef – Der wird zum starken Mann.

Der Mord an Saudi-Journalist Khashoggi, wohl durch das Saudi-Regime, bewegt die Welt. Die Julius Bär und weitere Schweizer Privatbanken sind mitten drin: Die Saudis waren Topkunden.

Nun sind sie zur Risiko-Gruppe geworden. Die Strafbehörden in Bern sagen zwar, es seien aufgrund der „eingegangenen MROS-Meldungen weder Vermögenswerte blockiert noch Strafverfahren eröffnet“ worden.

Also kein Geldwäschereiverdacht rund um die gemeldeten Saudis.

Doch mit der grauenhaften Ermordung Khashoggis lautet die Frage, wer aus dem mächtigen Ölstaat hat hierzulande Vermögen parkiert, und wie ist damit umzugehen.

Ins Zentrum bei der Zürcher Julius Bär rückt Rémy Bersier. Der Mann ist seit 12 Jahren bei der Privatbank, er galt als Schützling von Boris Collardi, der vor Jahresfrist zur Genfer Pictet abrauschte.

Bersier hat bei Bär eine unglaubliche Machtposition aufgebaut. Er befehligt mit Middle East, Russland und weiteren „aufstrebenden“ Ländern den wohl grössten Bereich.

Scheich, Banker Bersier: Im Zentrum (Bild: Arab Times)

Und: Bersier hat auch Monaco unter sich. Dort sollen sich besonders umstrittene Kunden befinden, und Bersier kümmert sich um diese.

Bersier stammt aus einfachen Verhältnissen, hat sich hochgearbeitet, verdient für die Bär viel Geld. Und ist persönlich reich geworden.

Damit tauchen auch Fragen zu seinem Steuersitz auf. Bersier lebte lange in seiner Heimatstadt Genf. Vor 2 Jahren verschob er sein privates Domizil: nach Dubai, in den mittleren Osten.

Kurz darauf begann die neue Ära des Automatischen Informationsaustausches zwischen Europa und der Schweiz. Wäre Bersier in Genf geblieben, dann wären allfällige Ausland-Konten schon bald in der Rhônestadt gelandet.

Nicht aber in Dubai. Wer dort lebt, kann sich weiterhin darauf verlassen, dass keine Daten von Drittstaaten zu den Behörden fliessen. Denn Dubai verzichtet freiwillig auf Daten aus dem Ausland. Man will explizit Steuerparadies sein.

Rémy Bersiers Dubai-Sitz habe rein geschäftliche Gründe, heisst es bei der Julius Bär. Zudem zahle er selbstverständlich alle in der Schweiz fälligen Steuern.

Auch dass er als Chef für die Emerging Markets weiterhin den „reifen“ Monaco-Markt betreut, habe keine privaten Hintergründe. Sprich: Es geht nicht darum, dass keine Informationen von dort allenfalls in die Schweiz fliessen.

Bersier sei schon vor seinem Wechsel für Monaco zuständig gewesen, damals noch als Chef für Südeuropa. Kontinuität also, so das Argument der Bär-Zentrale.

So oder so war Rémy Bersier der Mann der Hotspots. In der Russen-Affäre um Waffengeschäfte zwischen der Schweizer Ruag und Putins Geheimarmee stand Bersier als oberster Verantwortlicher ebenso im Fokus wie jetzt wieder rund um die umstrittenen Saudi-Kunden.

Laut einer Quelle wollte Bersier in den letzten Monaten unbedingt einen der engsten ehemaligen Vertrauten des Herrschers von Saudi Arabien zur Bär lotsen. Dieser war bei den Korruptions-Verhaftungen letzten Herbst ebenfalls in Ungnade gefallen.

Nun hört man, dass der Saudi-Kunde nicht bei den Zürchern gelandet sei. Bersier habe ihn schliesslich nicht zur Bank gelotst.

Dahinter könnte die Handschrift des neuen starken Manns stecken. Es ist Oliver Bartholet, der diesen Frühling von der UBS zur Julius Bär gewechselt hatte und dort die oberste Verantwortung für Compliance trägt.

Bartholet räume auf, ist zu vernehmen. Und: Er sei intern der starke Mann. Weil die Bär in vielen grossen Compliance-Fällen – von Fifa bis Venezuela – zuvorderst auftaucht, hat Bartholet für die Aufsicht eine zentrale Rolle.

Ob Bartholet noch weiter aufsteigt? Die nächste Position wäre jene des CEOs.

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12 Kommentare zu “Bär bremst: Saudi-Kunden abgewiesen

  1. Saudi und Bär? Auf den ersten Blick ein Ding der Unmöglichkeit. Doch weit gefehlt, denn da gibts auffällige Parallelen: Das Sagen hat eine kleine, feudale Oberschicht und darunter führt ein leidlich durchgefüttertes Prekariat deren Befehle aus, muss aber jederzeit um die eigene Existenz zittern. Bei Bär herrscht eine ausgeprägte Kultur der Repression. Gerade Rémy Bersier ist berüchtigt dafür, bei unbequemen Nachfragen von Compliance-Mitarbeitern ihnen mit der Entlassung zu drohen.

  2. Ich glaube dass Business mit Saudis schwierig ist. Sehr viel Geld , sehr viel Macht und auch Glaubensfragen spielen eine Rolle, Eine
    Land, das systematisch abweichende Meinungen unterdrückt, kann eigentlich nicht anders als sich zwangläufig verrennen..Es fällt mir auch schwer , an den angekündigten Modernisierungsschub zu glauben, zu atavistisch sind Entscheidungs und Machtstrukturen.

  3. Die Rechtstaatlichkeit Saudi Arabiens existiert nicht. Das Recht dort basiert auf der Scharia, hergeleitet vom Koran. Auge um Auge, Zahn um Zahn, Steinigungen, Enthauptungen, Peitschenschläge, Blutgeld, um bekannte Details aus dem dortigen Repertoir an Rechtstaatlichkeit zu zitieren.

    Wie im Morgenland so üblich, kann das Glück wechseln, wenn man plötzlich Mitglied des falschen Stammes oder Clans ist. Vermögen eingezogen, Kopf kürzer. Punkt, fertig.

    Leicht verständlich, dass vermögende Familien einen Teil ihres Geldes aus reinem Überlebenstrieb in einem hoch zivilisierten Rechtsstaat parkieren wollen.

    Doch wer früher angesehen war, wird plötzlich zum korrupten Schurken deklariert, kaum hat das Regime oder die Gnade des Herrschers gewechselt, der Wind gedreht.

    Soll sich nun die Schweiz ihrer historisch gewachsenen Rolle als sicherer Hort für (sauberes) Geld aus Unrechtsstaaten
    entziehen ? Soll sie bei jedem Machtwechsel in der weiten kaputten Welt da draussen, die Interessen des jeweiligen neuen Machthabers durchsetzen, Vermögen von in Ungnade Gefallenen sofort einziehen und ausliefern ?

    Was für ein Rechtstaat wären wir denn, wenn wir rechtmässig erworbene Vermögen aufgrund von politisch motivierten oder gar räuberischen Gelüsten fremder Herrscher preisgeben und deren Besitzer bei erstbester Gelegenheit in die Pfanne hauen ?

    Die Schweiz als Staat, die Banken als Staat im Staat, sind seit der Aufgabe des Bankgeheimnisses komplett von der Rolle gefallen. Dieses ständige Lavieren, dieses nicht klar definierte Vorgehen in Bezug auf Annahme ausländischer Vermögen muss ein Ende haben.

    Entweder man steht dazu, ein sicherer Hafen für sauberes Geld aus aller Welt zu sein (und verteidigt diese souveräne Entscheidung konsequent in der Welt durch alle Instanzen) oder man schliesst den Laden ganz und widmet sich anderen Geschäften, wie der Fabrikation und dem Export von Ricola Hustenbombons.

    • Interessante Gedanken.

      Ist natürlich die Frage, was hier „sauberes Geld“ ist.

      Oder umgekehrt:
      Ab wann ist Geld schmutzig?

      Mit Gaddafi war es ähnlich. Alle umarmten ihn, die ganze westliche Welt hofierte ihn, auf einmal war der „persona non grata“.

      Oder man siehe nur nach Syrien:
      http://schweizblog.ch/syrien-burgerkrieg-und-die-doppelzungigkeit-von-eu-und-usa/

      Auch hier Leute hochgelobt, hoch-hofiert und dann plötzlich Schwerstkriminelle (angeblich oder tatsächlich?)

      Insofern richtig gesagt: „Entweder man steht dazu, ein sicherer Hafen für sauberes Geld aus aller Welt zu sein…“

      Nur die Frage ist, ob man sich wieder erpressen läßt von USA, EU und anderen Interessengruppen.
      Vekselberg durfte neulich erfahren, wie schnell der Wind drehen kann, wenn die USA Sanktionen verfügen und Druck machen.

  4. Also, da bis jetzt niemand einen Kommentar geschrieben hat, mache ich es jetzt halt. Wenn man Saudi-Arabien kennt, weiss man, dass da so zikra alles korrupt ist. Also alles ein Hochrisikogeschäft, darum wird es wohl auch nur von Bär gemacht, denn sogar die UBS und CS hatten da kalte Füsse bekommen.

    Wenn da jetzt die Bremse gezogen wird, ist es gut, aber eigentlich viel zu spät.

    Ob Boris noch zur Rechenschaft gezogen werden kann, ist wohl fraglich. Die Bombe tickt…

    • Wer mit den Saudis geschäftet ist selber schuld. Dass Johann Schneider Ammann Saudi Arabien besuchte verstand auch niemand, aber er hatte
      ja stets eine unglückliche Hand. Seine beste Tat ist und bleibt der vorzeitige Rücktritt nach endlosen 8 Jahren. Danke sehr.

    • Natürllich kann der Collardi zur Rechenschaft gezogen werden, warum denn auch nicht!?

  5. Bartholet räumt auf? Gut so. Dann wurde bestimmt auch schon der schillernde Anwalt von Dolder-Schwarzenbach als Kunde verabschiedet. Der hats anscheinend ziemlich bunt getrieben. Aber erfindungsreich ist er, unser Hobby-Krimiautor, das muss man ihm lassen, hat er doch für seine Zwecke so fantasievolle Sitzgesellschaften wie die UBS Capital Management AG auf den British Virgin Islands gegründet. Aber die Galerie Minerva AG in Liberia war dann wohl etwas „over the top“:
    https://www.nzz.ch/zuerich/auch-der-anwalt-des-hoteliers-schwarzenbach-soll-2-millionen-zahlen-wegen-mithilfe-zur-steuerhinterziehung-ld.1429209