Avaloq in Berlin: Chaos

Banken-Software versagt mit grossem Update – Kann neue Richtlinie für mehr Wettbewerb nicht umsetzen – Pech&Pleiten im Norden.

Avaloq kämpft. Gegen Konkurrentin Temenos, gegen Kosten, mit Jobabbau in der Romandie.

Und seit Sonntag gegen Unbill in Deutschland. Dort geht es um PSD2, ein neuer Standard, mit dem die EU Kleinfirmen den Zugang zu Bankdaten garantiert.

Dafür verpflichtet die EU die Banken, immer eine Zweiweg-Identifizierung des Kunden sicherzustellen: einmal mit QR-Code, ein zweites Mal mit PIN.

Start war am Wochenende. Für die Software-Häuser Highnoon. Sie mussten sicherstellen, dass ihre Applikationen die neuen Anforderungen abbilden.

Avaloq war nicht bereit. Ausgerechnet: Die Schweizer unterhalten in Berlin ein grosses BPO, ein Business Process Outsourcing Center. Dort erledigt die Avaloq die Arbeit für ihre deutschen Bankkunden.

Nun konnte der extra zum Start von PSD2 geschaffene „Release“ – das ist eine aufdatierte Software – nicht installieren.

Zurück zum Alten. „Rollback“ nennen dies die Informatiker, die bisherige Software mit all den Programmen und Schnittstellen, den Datenbanken und Prozessen, bleibt weiter aktiv.

Kein PSD2 für die deutschen Avaloq-Banken. Umstellung auf den neuen Standard: nicht bei uns.

Eine Pleite sondergleichen. Zum zweiten Mal in diesem Jahr, wie ein Insider verrät. Schon einmal war die Avaloq im 2019 mit einem neuen Release gescheitert und benötigte einen „Rollback“ aufs alte System

„Es herrscht Chaos in Berlin“, meint die Auskunftsperson. Für Avaloq ist der Absturz mit dem PSD2-Release Blamage; das Ganze geht ins Geld.

Eine Sprecherin der Avaloq bestätigte gestern Abend auf Anfrage die Probleme in der deutschen Hauptstadt.

„Die PSD2 Lösung ist, trotz sehr kurzfristiger Änderungswünsche des Regulators, funktional bereit, jedoch haben wir uns mit einigen unserer Kunden in Deutschland für eine zusätzliche Test-Runde entschieden.

„Bis Ende Monat sollen diese Tests abgeschlossen sein, so dass die Lösung in vollem Umfang live gehen kann.“

Inzwischen mit Bart (Twitter)

Die Avaloq-Banken stehen allein im Regen. Laut Medien ging die Umstellung bei den meisten Geldhäusern ohne Probleme über die Bühne.

Die Hütte brennt, doch der Chef ist weit weg. Avaloq-Gründer und immer noch -Mehrheitsaktionär Francisco Fernandez tanzt auf neuen Hochzeiten, statt sich um die Probleme der Banken-Software zu kümmern.

Kommentare

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  1. Wie schon an anderer Stelle kommentiert, liegt in der Schweiz vieles im Argen, allerdings nicht beim Fussvolk! Es gibt weiterhin gute Fachleute und viele möchten auch wirklich einen guten Job machen, leider können sie das aber nicht, weil ihre Vorgesetzten (ihres Zeichens Manager) keine Ahnung haben. Ihnen fehlt auch das Rückenmark um selbstständig etwas zu entscheiden und es fehlen auch die Ei.. um das durchzusetzen und gegen unten und oben zu vertreten.

    Beispiele gefällig?

    Kann jeder einfache Bützer täglich liefern. In der IT-Branche? Guckt Euch die heutige Finanz-Industrie an, Banken und Versicherungen lagern alle Stellen aus und wundern sich dann, wenn in Polen, in der Slowakei oder noch weiter weg nichts geliefert wird. Hauptsache man hat einen FTE besetzt und es kostet nichts.

    Aus meiner beruflichen Laufbahn habe ich das die letzten 30 Jahre repetitiv gesehen, überall die gleiche Geschichte. Da werden 100m plus verbrannt ohne Resultate, ist jedem egal. Am Schluss wird gespart und die Leute in der Schweiz entlassen. Beispiele gefällig? CUBE, OASIS, BoF, etc…

  2. Wenn es um Software geht, macht der Herr Hässig oft einen nicht ganz sattelfesten Eindruck. Ich würde allenfalls auch einmal Wikipedia anschauen, etwa beim Begriff „Release“:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Entwicklungsstadium_(Software)#Release

    Eine Testversion, die an ausgewählte externe Kunden verteilt wird, heisst „Beta Release“. (Eine interne Testversionen heisst „Alpha Release“.) Ein gängiger Witz lautet:

    Q: „Why is it called Beta Release?“
    A: „Well, it’s definitely better than nothing!“

    Und leider sind auch „Production Releases“ manchmal nicht viel besser als … gar nichts. Nur: Wie einst Frank Sinatra sang:
    Please release me, let me go
    For I don’t love you anymore

  3. Auch mit intensiven Tests und Üben von Installationen kann man nicht zu 100% sicherstellen, dass bei einem produktiven Rollout alles klappt.
    Wenn man dann feststellen muss, dass ein Fehler aufgetreten ist, der zum Rollback zwingt, dann ist das unangenehm. Es ist enttäuschend. Es ist peinlich. Dann noch bei Hässig durch den Kakao gezogen zu werden ist aber wirklich Scheisse…

    Ich kenne Avaloq Berlin gut genug. Meine Ex-Kollegen haben mit Sicherheit situativ vollkommen richtig entschieden, einen Rollback durchzuführen. Das zu entscheiden, braucht vielleicht mehr Überblick, Weitsicht und Mut, als mit Augen-zu-und-durch wirklich im Chaos zu enden.

    Aber „Wie man’s macht, isset falsch, und macht man’s falsch, isset ooch nich richtig!“ sagt der Berliner.

    Vielleicht googeln Sie mal nach ING Diba und PSD2. Oder Postbank. Oder Commerzbank. Die wären vielleicht auch besser bedient gewesen mit einem Rollback.

  4. Wen wunderts – Raiffeisen hat ihren Major Release ebenfalls auf Ostern 2020 verschoben mit Penalty für Avaloq. Nur dass man in der Gallusstadt weiterhin frisch, munter, fröhlich neue Anforderungen implementiert, seit 1 Jahr eine Fin-Task Force (core Prozess) am laufen ist und seit Einführung Jahr für Jahr 2stelliger Millionenbetrag reingebuttert wird… und es läuft noch immer nicht wie es sollte.
    Revolut & Co machen sich Gedanken über den Zahlungsverkehr, Raiffeisen bäschtelet mit zig Millionen an ihrem Corebanking System rum.

    • @Scott Tiger
      Erzählen sie nicht so einen Schrott. Was sie schreiben ist alles FAKE NEWS.

  5. Aber schaut euch mal die Führungsriege im Avaloq HQ in der Allmendstrasse an. Die laufen rum wie geschreckten Hühner und sind ganz panisch weil der Laden nicht mehr so läuft. Sales ist verzweifelt und sucht nach neuen Möglichkeiten (die beschränkt sind). Möchte nicht in der Haut einiger dort stecken. Arme Kerle

  6. Oh, was für ein Drama! Wer sich ein wenig mit Google auskennt, kann erkennen, dass kaum eine Bank in Deutschland PSD2 vollständig zum Stichtag umgesetzt hat. Weder Volksbanken, noch Sparkassen, noch Postbank, noch…
    Dieses Avaloq Bashing wird langsam langweilig.

  7. Tja, da hilft auch die Zusammenarbeit mit IBM nichts.
    Einige der avaloq-BPO-Typen sind schlicht zu dumm und der kleine Schnäuzli merkt nichts; sind es doch genau die Leute die ihn in seinem Grössenwahn bestärken…;-)

  8. Wie scheitert man mit einem neuen Release?

    Das kann man üben. Täglich, wöchentlich.

    Man kann auch die Software so designen, dass Änderungen leichter umsetzbar sind. Auch bekannt als Architektur.

    Ein Bekannter von mir, EU-Bürger, lange in der Schweiz, meint mal: die Schweizer sind total unfähig, eine gute Architektur zu erstellen. Es werde nur kopflos gearbeitet. Leider muss ich ihm nicht selten Recht geben.

    • So so EU Bürger.
      Davon gibt es ganz viele in der Schweiz, tendenz
      steigend.Ja sind diese unfähigen jetzt Schweizer
      oder Eingeschweizerte.
      Ohne Zweifel das hat denn schon teilweise ganz massiev abgenommen mit den Fähigkeiten in der Schweiz.
      Woran das wohl liegt???
      Gelegentlich ist es denn schon etwas seltsam.
      Na ja in der EU gibt es ganze Staaten in einem eher bemitleidenswerten Zustand. Logo gönnt man ja niemandem.In der Schweiz sieht es na ja, bis auf weiteres noch, wie lange noch recht gut aus.
      Da ist ein seltsames Gefühl das da so ein paar Dinge irgendwie nicht so zusammenpassen.
      Werden jetzt die fähigsten Eingeschweizert oder die fähigsten Ausgeschweizert.
      Da waren kaum zu bestreiten denn doch so einige fähige
      die den inzwischen fast zur Legende verkommenen Ruf
      der Schweiz erarbeitet und begründet haben.
      Na ja ist nun mal so, das zu klären ist denn mal über den Daumen gepeilt nich mehr zu entwirren.
      Ausser dem Ergebnis es geht auch mit der Schweiz in den Keller. Na ja aus dem Umstand das die Entwicklung
      die Schweiz, zeitlich verzögert ereilt, könnten allenfalls indiezien herausgefiltert werden, warum die Unfähigkeit zunehmend auch in der Schweiz um sich greift.Tja währe denn mal ein Thema für die vielen leider zu oft halbgaren Studien-Vetischisten.

    • Ja genau, Softwarequalität hängt von der Nationalität des Entwicklers ab… pfff

      Wie sollte man denn sonst scheitern wenn nicht durch Einspielen eines neuen Releases? Durch Einspielen von keinem Release?

    • Völlig richtig. Ein Bekannter von mir hat, zu seinem Leid, viel mit Avaloq zu tun und er sagt immer wieder: Avaloq ist der blanke Horror. Das Chaos bei den Banken, nicht allen aber vielen, ist riesig. Das Problem: überbezahltes schlechtes Personal.

    • X5
      Was heisst da ,,WAR,, mit dem BER Flughafen?
      Der ist noch nicht vertig abgeschlossen.
      Die waren ja mal besser, die Nachbarn im Norden.
      Soweit mir bekannt haben die Chinesen in der
      halben Zeit den grössten der Welt hochgezogen.
      Na ja in Sache Infrastrukturbau kann die Schweiz
      noch mithalten der Gotthard-Basis kann sich
      denn doch sehen lassen.Und das mit der Pioramulde.
      In anderen Bereichen na ja, eröffenen sich bedauerlicherweise denn doch Lücken.
      Vor allem im Technischen Spitzenbereich.
      Da wurden leider bereits vor 50 Jahren die
      Weichen etwas falsch gestellt, für weniger Masse
      dafür mehr Innovation und Qualität und deutlich mehr Produktivität.
      Damals vor 50 Jahren das ist kaum bekannt
      ging vieles an Innovation aus CH nach Japan.
      Dort hatte so einiges eine Chance, weil
      die Japaner damals einen anderen Weg gewählt
      haben. China läuft in der Tendenz längerfristig
      in eine ähnliche Richtung.
      USA und Europa, Feierabend das würde lang.

    • @Daniel Müller

      Sie müssen ein hochrangiger Manager sein, hoch geschätzter werter Herr Müller! Wie auch ihr Bekannter, der EU-Bürger-lange-in-der-Schweiz.

      Das Problem vieler Schweizer (wie auch vieler EU-Bürger-immer-noch-in-der-Schweiz-arbeitend!) Software Entwickler und IT Architekten ist, dass z.B. in den Schweizer Banken und Versicherungen (wie komme ich jetzt nur auf diese Sparte?!) selbst die allermeisten IT Managers (von den Business Managers will ich schon gar nicht reden) KEINEN SCHIMMER VON professioneller Software-Entwicklung haben. Uebrigens kein Wunder, wenn man weiss, was an der HSG bezüglich Informatik so geboten wird. Und dass es immer nur um „rasch-rasch“ gehen muss – im Sinne von „Wir haben keine Zeit, effizient zu sein!“

      Denken Sie wirklich, dass Google sein Zürcher Entwicklungszentrum ständig ausbauen würde, wenn Schweizer total unfähig wären, eine gute IT-Architektur zu erstellen? (Ja, klar, die guten Rahmenbedingungen helfen sicher auch, keine Frage!)

      A propos IT Architektur: Schon einmal von Erich Gamma gehört? Urs Hölzle? Robert Griesemer? Michael Rys?

      Abschliessend möchte ich Ihnen, hoch geschätzter werter Herr Müller, dringend ans Herz legen, sich bei Themen, von denen Sie offensichtlich wenig bis nichts verstehen, etwas mehr zurückzuhalten!

      PS: Die ursprüngliche Avaloq Architektur war anfangs der 90er Jahre recht gut, wenn man den damaligen Stand der Technik und des Wissens berücksichtigt. Nur sind seither fast 30 Jahre vergangen … und weder ihr Auto, noch ihr TV, – von PC und Telefon ganz zu schweigen – von anno 1990 sind heute noch im Einsatz.

  9. Von DevOps hat man bei Avaloq offenbar noch nie gehört, oder ist das jetzt der Swiss finish, der alles in die Länge zieht, es zwar nicht besser, aber dafür teurer macht?