Banken: Inkompetenz und Neid als tödliche Infektion

Parkison’s Law: Wenn der Chef 2.klassig ist, wird die 2. Ebene 3.klassig, weiter unten 4.klassig – Stupidität als Mass zum Aufstieg.

Neulich bin ich in „Parkinson’s Law“ auf das achte Kapitel „Injelititis or palsied Paralysis“ gestossen, welches beschreibt, wie Inkompetenz in Kombination mit Neid Firmen ruiniert.

Wie war das doch – Inkompetenz und Neid – hörte man davon nicht bei den Vorgängen um die Credit Suisse? Verwundert fragt man sich, was Parkinson allenfalls zum Verständnis beitragen könne.

In gewissen Organisationen, wo nichts mehr funktioniere, handle es sich nach Parkinson keineswegs um ein Versagen, sondern um einen absichtlich herbeigeführten Zustand, der in Analogie mit den Stadien der Syphilis folgendermassen entstehe:

Das Primärstadium beginne, wenn in einer Organisation ein Individuum auftauche, das einen hohen Grad von Inkompetenz (Incompetence=I) mit einem hohen Grad von Neid (Jealousy=J) vereinige. Inkompetenz und Neid seien bei jedem vorhanden und für sich allein harmlos.

Aber eine hohe kombinierte Konzentration von I3J5 führe zu einem chemischen Produkt, das den Effekt habe, dass ein Individuum nichts nützliches mehr leiste, sondern versuche, andere Abteilungen zu behindern und die Kontrolle über den ganzen Laden zu erlangen.

C.Northcote Parkinson’s (1909-1993) Grab in Canterbury (Deeday-UK )

Dieses Anfangsstadium könne entfallen, wenn das Individuum ganz oben einsteige (was ja vorkommt).

Einmal oben, versuche das Individuum im Sekundärstadium, alle fähigeren Mitarbeiter zu entfernen und Einstellung oder Beförderung von fähigen Leuten zu blockieren.

Das verbreite sich wie eine Infektion: Wenn der Chef zweitklassig sei, werde die zweite Führungsebene drittklassig, weiter unten viertklassig und so fort.

Beförderungskriterium sei die Stupidität. Gewisse Leute würden deshalb so tun, als ob sie noch hirnloser wären, als sie tatsächlich seien.

Im Tertiärstadium enthalte die Organisation keinen Funken von Intelligenz mehr, sie sei praktisch tot – entsprechend der Verblödung bei tertiärer Syphilis mit progressiver Paralyse.

Die Organisation könne in diesem Koma Jahrzehnte überdauern oder sich auflösen. Extrem selten seien Spontanerholungen; nämlich dann, wenn Vorgesetzte zu dumm seien, um einen fähigen Mitarbeiter zu erkennen und versäumten, ihn rechtzeitig zu blockieren.

Parkinson nennt diese Infektionskrankheit „Injelititis“ (abgeleitet von In-competence und Je-alousy).

Neben Hinweisen zur Diagnostik gibt Parkinson solche zur Therapie: Im nicht zu fortgeschrittenen Sekundärstadium genüge manchmal, aber nicht immer, ein chirurgischer Eingriff.

Das Tertiärstadium sei im Grunde unheilbar, es bleibe nur der Neustart: neuer Name, neuer Ort, neue Crew.

Infiziertes Personal müsse mit hervorragenden Arbeitszeugnissen versehen und an die gefährlichste Konkurrenz wegempfohlen, sowie alle Geräte und Dokumente entsorgt werden.

Die Gebäude seien hoch zu versichern und dann anzuzünden. Erst wenn nur noch eine geschwärzte Ruine zurückbleibe, sei man sicher, dass die Erreger der Infektion abgetötet seien.

Es lohnt, die beissenden Bemerkungen zu Diagnostik und Therapie im Original zu lesen.

Und nein, Parkinson kann nicht von der heutigen Credit Suisse gesprochen haben, das Büchlein ist über sechzig Jahre alt.

Klagen wegen übler Nachrede sind aussichtslos, weil alle Ähnlichkeiten nicht beabsichtigt und rein zufällig sein müssen.

Literatur: C.Northcote Parkinson: Parkinson’s Law or the Pursuit of Progress (1957). Der ganze Text findet sich online hier.

Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

  1. Danke Herr Fierz.
    Wie wahr!
    Weder die Ausbootung Bismarcks durch den neidischen Imbecilen Wilhelm II noch der Zwergenaufstand gegen Bundesrat Blocher und schon gar nicht das in die Wüste geschickt werden Bruno Sauters durch die jalouse und unfähige Walker, können Alzheimer in die Schuhe geschoben werden.
    Wie klarsichtig der Wissenschafter doch war.
    Danke für Ihren feinen Kommentar.

  2. Das ist doch generell der Normallzustand. Absolut nichts Neues. Multinationale Firmen sind wie Supertanker. Ein Mensch alleine kann die gar nicht Steuern. Deshalb hat man Netzwerke. Und in diesen Netzwerken kommt das berufliche Know-how doch frühsten an vierter Stelle. Hauptsache man ist drin. Dort muss man einfach die genau gleichen Ansichten haben wie alle anderen (das Aufnahmekriterium Nr. 1) haben und das genau Gleiche machen wie alle anderen auch.

    Es sind genau diese Netzwerke, die einen Mann (…) zum CEO oder Chairman hieven. In diesen Netzwerken sind auch die Heuschrecken drin und sicher nicht als Spinnenfutter. Wieso glauben Sie musste der Chairman der CS in die Wüste fliegen als es um den neuen CEO der CS ging? Oder der Chairman der CS sich schon seit Jahren ein Fettnäpfchen nach dem anderen leisten kann? Ist bei allen anderen Multis genau gleich. Globale Netzwerke die alles bestimmen. Selbst unsere Ansichten. Und auch dafür sorgen, dass nach Crash’s wie 2008 absolut gar nichts passiert. Ausser natürlich das Übliche: Die Sozis und Grünen sind an allem schuld.

  3. Zum Glück bin ich in der Personalabteilung. Hier gilt es das alles nicht. Es gelten andere Gesetze. Bei uns geht man nur wenn man will. Vorzugsweise in eine neue Branche wo man keine Ahnung hat.

    Zum Beispiel kann jemand der unethisch handelt und als Hobby „Reisen, Golf, und Wine inkl. Whisky“ angibt gut Personalchef*in werden einer Investmentfirma die vorgibt nach den obersten Prinzipien der „Ethik und Sustainability“ zu investieren.

    Dabei kann man hier bei uns sogar optimal sein CV und Zeugnis zusammenstellen, idealerweise indem man „das Beste“ aus den eingegangen Bewerbungen abkupfert: Z.B. „Durchhaltewillen, Kreativität, analytisch-konzeptionelle und personalstrategische Fähigkeiten“.
    Bei soviel Gesprächen über Dinge die man keine Ahnung hat braucht’s Durchhaltewillen. Wenn man dem Linienchef beim Diffamieren (nur ein bisschen, versteht sich) helfen will oder generell ein Zeugnis erstellen muss braucht’s Kreativität wie bei einer Werbefirma. Und auch die anderen Begriffe haben eine Bedeutung, wenn man nur wüßte welche.

    Bei uns nennt man es das Halliger Prinzip. Ich weiß aber auch nicht wiso. Bei solchen Hobbies wird es sich wohl um einen alten Knacker handeln. Eine Frau sicher nicht.

    Freundliche Grüße,
    Peter Dilbert

    • Alles richtig bis auf das Geschlecht.
      Könnte doch eine Frau sein … fragen Sie nach.

  4. Alternatiev kann man auch das Peterprinzip sowie den Titel Nieten in Nadelstreifen hineinziehen, damit kommt man auf den weitestgehend gleichen Wissenstand.
    Diskretes Beobachten seines Umfeldes kann auch sehr sehr lehrreich sein,doch vorsicht, zu voreilige Schlüsse können auch daneben gehen.

  5. Ich garantiere dem Leser nach meiner Zeit bei CS eines:

    die fähigsten, erstklassigsten Leute waren die Lehrlinge, Praktikanten und die einfachen Assistenten (-innen leider nicht so, sorry! Die suchten meist einen bequemen 9to5-Job ohne Verantwortung und guter Bezahlung!).

    Beförderungen (ab Director aufwärts) waren eigentlich immer mit dem Stigma des hyperaktiven Speichelleckers, ideenlosen Arschkriechers und rückgratlosen Cholerikers (gegen oben kriechen, gegen unten treten) behaftet. CS-like, halt.

    • Wenn man all diese kritischen Kommentare ehemaliger Mitarbeiter der CS, UBS, etc. liest, muss man sich regelrecht Sorgen machen um seinen Sparbatzen bei diesen Anstalten! Es scheint, als hätten die nur Nieten und Flaschen ohne Moral und Ethik in führenden Positionen?!

    • @Sparer: Korrekt! Weil die wirklich guten Leute (das wären die, die auch ein Gewissen haben…) sehen, was abgeht und gehen dann selber ab. Zur Konkurrenz! Die Nieten hingegen finden nicht so schnell ein neues Plätzchen und verbleiben drum beim Crooky Shop.

  6. Als Ex-MA (dessen Arbeitsstelle sich heute in Pune, Indien befindet, ich aber noch hier bin) kann ich diesem Bericht voll und ganz zustimmen. Es ist beschämend, was Eschers Erbe -der Kreditanstalt- von fremden Mächten angetan wurde.
    In der Tat, das mittlere Management investiert einen Löwenanteil ihrer Energie, um ihre Position gegen oben zu verteidigen. Dass so keine kundenorientierte Umgebung geschaffen werden kann, liegt auf der Hand. Dass engagierte Mitarbeiter das Weite suchen oder in die Weite geschickt werden, dito.
    Diese Firma hat fertig, sie weiss es wohl nur noch nicht.

  7. Das System CS ist weit genialer. Der Prozess wird im Tertiärstadium durch die dritte Ebene (MD) von der Basis isoliert. Die Organisation kann so von den darunterliegenden Stufen, welche mit viel Leistung und Findungsreichtum um einen dieser hochdotierten Plätze im isolierenden Banker-Nirvana kämpfen, getragen werden. Damit wird sichergestellt, dass der Parasit im Kopf den Wirt nicht tötet.

    • Jep! Dieses CS Hierarchie-Konstrukt war einzigartig (rückblickend: genial für manche).
      Mein Chef rapportierte nach Singapore, dieser Chef-Chef rapportierte nach Zürich zum Chef-Chef-Chef und obwohl wir mehrere Jahre eigentlich die gleichen Ziele (nein, nicht dieses unsägliche Lügenkonstrukt MyPerformance) hatten, war keine Distanz auf diesem Planet so weit entfernt, wie diese 50 Meter zwischen unseren Arbeitsplätzen -und hier ist nicht nur die Zeitverschiebung gemeint.

  8. „Ehrgeiz, der Wunsch zu akkumulieren und Exzess sind der Ursprung vieler Übel. Der Weise kennt die Suffizienz, und deshalb lassen Ruhm und Reichtum ihn gleichgültig.“
    Lao Tzu

    Gut formuliert. Es ist wahr, je größer das Unternehmen, desto mehr ist es bekannt, auch weil sich ein kleines Unternehmen solche Ineffizienzen nicht leisten kann…….
    Es wurde gesagt: Darunter muss das Intelligente und Fähigste sein, darüber spielt keine Rolle. Aber hast du schon jemanden getroffen, der mit den Füßen denkt? Oder in der Formel 1, wie viele ungeschickte Fahrer haben gewonnen, auch wenn er die besten verfügbaren Autos hatte? Vielleicht kann Intelligenz gleichgültig sein, aber der Scharfsinn und sicherlich ein wenig Weisheit ist notwendig, um zumindest zu verstehen, was die „gruselige Linie“ von Eric Schmidt ist…..der Ton der Spitze ist das, was uns fehlt….Politik und Wirtschaft gleich…

  9. Die CS macht sich jeden Tag nur noch lächerlich. Die Angestellten haben mein Mitgefühl, die müssen sich nur noch Schimpfworte anhören und können nichts dafür, dass der Boss ein ungehobelter Schelm ist.

  10. Einfach grossartig. Lohnt sich offenbar wirklich, Parkinson nochmals zu lesen. Dabei gab es 1957 die CS (oder die UBS) noch gar nicht.

  11. Parkinson hat wohl noch die „Gier“ unterschätzt, oder sie war vor 60 Jahren noch nicht so weit verbreitet wie Inkompetenz und Neid.

  12. man siehe sich den Ableger der CS die Swisscard an. Was sich dort an Inkompetenz versammelt hat laesst einen sprachlos zurueck. Ein leidender Finanz-Kopf, ein ueberforderter Risiko-Kopf (u ich meine nicht nur sprachlich) ein HR Kopf ohne Erfolgsbeitrag aber einem umso besseren Haarschnitt u Geschmack fuer schnelle Autos. U nach unten wird die Liste der unsäglichen Mini-Me’s Hoeflinge nicht kuerzer.. Good luck as long as it lasts #Revolut #PaymentErlebnis #Not #GFYS

  13. Ich weiß, daß meine Abneigung gegen Ärzte krankhaft ist. Wenn sie mich aber am Leben erhält?

    Michel de Montaigne (1533 – 1592), eigentlich Michel Eyquem, Seigneur de Montaigne, französischer Philosoph und Essayist

  14. ….es ist ein literarischer Stoff von Aufstieg und Fall. Am Ende war, ist, und wird immer die totale Zerstörung sein. War immer so. Erst daraus kann etwas Neues entstehen. Er müssen gänzlich neue Kräfte ran, Kräfte, die anders denken. Heute (noch) haben die keine Chance – sie werden rausgemobbt bei den Grossen. Aber es gibt kleine, feine Institute, wo Werte, Rechtschaffenheit und die Weisheiten der grossen Philosophen noch nicht vergessen sind, und damit gibt es Hoffnung.

  15. Sehr gut dass Sie das Ganze noch einmal gelesen und hier für uns aufgearbeitet haben.
    Neben der CS kennen wohl alle Beispiele von solchen Emporkömmlingen, die alles kaputt machen um sich zu beweisen. Das kommt auch bei Regionalbanken vor.

  16. Brillante Analyse, das Management ist einfach zu abgehoben, mehr Schein als Sein. Ich habe mal jemand gekannt, der meinte, dass jemand ihm erzählt hätte, dass im Fernsehen ein Nachrichtensprecherin auf eine Reportage über Menschen mit Bodenhaftung hingewiesen habe, die angeblich von einem anderen Kanal geplant sei. Kann das sein ? Ich meine gibt es das wirklich, oder habe ich das geträumt?

  17. Auf den Punkt gebracht! Lieder in den meisten Unternehmne eine Dauerzustand. Je grösser desto schlimmer! Eine Lösung die Unternehmen und teams so zu verkleinern, dass jder der Inkomptent auf einmal Lesitung bringen muss und nicht mehr delegieren kann. Jemand der nur delegiert, verschleiert oft seine Inkompetenz, Solange er zu seinen Schwächen steht, bereits ist diese anzugehen keine Problem. Wenn nicht rauschneiden und feuern und jeden Mitarbeiter der angestellt wurde genau analysieren. Denn meistens sind diese welche die Person beliefert haben unterschätze Personen mit viel Potential aber klein gehalten um sie als Source zu nutzen.