Konzerne und Verwaltung machens KMU schwer

500’000 Klein- und Mittel-Betriebe leiden unter Bürokratie – Neue Schrift zeigt „Wert der KMU“ – Beamtenapparat als Übel.

Sie leiden darunter, dass die staatlichen Regulierungskosten nicht ab-, sondern laufend ausgebaut werden.

„Erstaunlicherweise“, schreibt Henrique Schneider, Nummer 2 des Schweizerischen Gewerbeverbandes, „arbeiten Konzerne, Politiker der Linken und der Bundesverwaltung immer wieder opportunistisch zusammen, um die Konzerne von solchen Kosten zu entlasten und die KMU-Firmen zu belasten.“

„Seit sechs Jahren nimmt der Trend markant zu, dass Grossunternehmen und deren Verbände das Instrument der Regulierung benutzen, um sich Marktvorteile zu verschaffen“, schreibt Schneider. Sie suchen ihre Geschäftsmodelle durch staatliche Regulierung zu legitimieren.

Dieses in den USA schon lange praktizierte Geschäftsmodell dringt jetzt auch immer tiefer in die Schweizer Wirtschaft ein.

Der Gewerbeverband unter Führung seines langjährigen Direktors, FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler, hat deshalb an mehreren Fronten die Initiative ergriffen.

Der Verband fürs klassische Gewerbe sieht sich zunehmend auch als Schweizerischer KMU-Vertreter. Er nimmt damit mit über 500’000 Mitgliedern anstelle der bisherigen 300’000 Forderungen jener Unternehmen auf, die als KMU bisher politisch weitgehend in der Luft hingen.

Gemäss den jüngsten Zahlen stehen in der Schweiz 584’000 marktwirtschaftlich handelnde KMU total 1’950 Grossfirmen und Konzernen gegenüber. Diese beschäftigen nur ein Drittel aller Arbeitnehmer in der Schweiz. Zwei Drittel leben und arbeiten in den Schweizer KMU.

„Der Wert der KMU“ heisst eine neue Publikation von Hans-Ulrich Bigler und Henrique Schneider. Sie beschreiben Erstaunliches:

Die Totalrevision des Lebensmittelgesetzes gemäss EU-Norm hätte die Schweiz nur 35 Millionen Franken gekostet. Der vom Bundesrat vorgeschlagene „Swiss Finish“ wurde vom Parlament abgelehnt, weil er über 300 Millionen gekostet hätte.

Das Finanzdienstleistungsgesetz Fidleg hätte 500 Millionen gekostet und auch nach Meinung der Bundesverwaltung das Ende für viele Finanz-KMU bedeutet. Nach harten Auseinandersetzungen im Parlament wurden die Regulierungskosten auf 100 Millionen gesenkt.

Ein vom Bundesrat vorgeschlagenes Umweltschutzgesetz mit Deklarationspflichten bis hin zum kleinsten Betrieb wurde im Parlament versenkt, weil es über 100 Millionen gekostet hätte.

Insgesamt, so die beiden Autoren, seien zum Vorteil der Schweizer KMU, darunter auch Zehntausende von Kleinbetrieben, in den letzten sechs Jahren über 1,2 Milliarden Franken an neuen Belastungen durch den Staat verhindert worden.

Es ist daher erstaunlich, dass der Bundesrat in seinen Reden den Bedarf nach weniger Regulierungskosten anerkannt, aber keinen Schritt unternommen hat, dies auch in die Praxis umzusetzen. lm Gegenteil, er kreiert, auch unter dem Einfluss der Lobby, immer mehr und höhere Ausgaben.

Das Parlament hat sich daher, analog zur Schuldenbremse, für eine Regierungskostenbremse ausgesprochen. Der Bundesrat, wie immer er nach dem 20. Oktober aussehen wird, muss dem jetzt Folge leisten.

Nach Auffassung des Autorenteams Bigler Schneider ist der Anstieg der Stellen in der Bundesverwaltung um 20% seit 2007 auf 38’000 ohnehin zu gross.

Denn „Je mehr Verwaltung, desto mehr Regulierung“: Gesetzesprojekte ans Parlament oder Änderungen von Verordnungen, zum Teil noch dann, wenn sie schon im Vollzug sind.

Flankiert wird die Bundesverwaltung in Bern von Beratungsunternehmen, die Gutachten ausstellen, die mehr Bundeskompetenzen und -stellen begründen. Dann geben die Bundesämter den Beratungsunternehmen wieder neue Aufträge.

Auch ausserparlamentarische Kommissionen werden zu bezahlten Lobbygruppen, die neue Regulierungen verlangen und damit die Verwaltung stärken.

Es sei eine Schwäche der KMU, dass sie, im Unterschied zu Grossfirmen, zu wenig in Marketing, PR und Public Affairs investieren, so die Autoren. Sie würden unter diesen Voraussetzungen mit ihren Anliegen in der Öffentlichkeit zu wenig beachtet.

„Der Wert der KMU, zu beziehen unter www.sgv-usam.ch, ist eine nützliche Lektüre – nach den Wahlen erst Recht.

Kommentare

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  1. Ich bin seit 30 Jahren selbst. Treuhänder. In dieser Zeit hat sich rein gar nichts verbessert, im Gegenteil:

    Mehr Bürokratie, mehr Regulierungen, mehr Zwangsabgaben, weniger Staatsleistungen, weniger Freiheit, mehr Einschränkungen.

    Und die Politik? Die tut rein gar nichts für die KMU’s

  2. Griechenland und Frankreich zeigen uns ja täglich vor, wo es wirtschaftlich hingeht mit überrissenem Beamtenapparat und Vorschriften à gogo. Nur leider wird in Bern der Apparat auch immer noch weiter aufgebläht.

  3. Ich teile die Beurteilung von Herr Stöhlker nicht, da er nicht auf den Kern des Problems eingeht, bzw. die Defizite in der Führung des Gewerbeverbandes reinwaschen will.

    Begründung:
    Die Verbandsspitze hat sich die letzten Jahre m.E. zu wenig für die gewerblichen Belange eingesetzt. Vor allem zu wenig für die Anliegen, Sorgen und Nöte des Kleingewerbes.

    Dagegen hat sich die Verbandsspitze mit Nebenschauplätzen befasst und die letzten Jahre vor allem Medienpolitik (No Billag etc.) und sonstige politisch-philosophische Exkurse betrieben, statt sich mit den ureigenen bodenständigen Anliegen der Gewerbler auseinander zu setzen.

    Wir brauchen keine Verbandsspitze, die sich hauptsächlich mit sich selbst befasst und in X-Kommissionen, die z.T. nichts direkt mit dem Gewerbe zu tun haben, persönlich profiliert.

    Die Bekämpfung unnötiger Bürokratie kam daher zu kurz.

    Das Gewerbe braucht keine abgehobene Verbandsspitze, sondern eine Führung, die sich wirklich mit den ureigenen Anliegen des Gewerbes befasst.

    Dies haben wir vermisst. Daher die Abwahl von Hans-Ulrich Bigler und Jean-François Rime.

    • Nun ja, ich war auch „Gewerbler“ und habe mich nie von einem Verband betreut vertreten gefühlt.
      Aber Bigler hat von all denen noch den bodenständigsten Kurs, er ist am Glaubwürdigsten.
      zudem, die Billag ist auch so etwas was Gewerbler nur belastet, denn zum Fernsehen oder radiohören kommen wir kaum je.
      Die Zwangs Mitgliedschaft in einem Verband ist obendrein etwas unerhörtes…..

      Das unser Beamtenapparat völlig überbläht ist, das stimmt zu 200%.

      Bigler konnte ich verstehen…… die meisten anderen kaum je.

      Allerdings sollte man sich auch dringend um die Bauern kümmern, auch sie sind „Gewerbler“ und zudem der wohl am massivsten regulierte Berufsstand der Schweiz.

      Auch da sollte man dringend nach Trumpschem Vorbild für jede neue Regelung 2 alte streichen müssen.

  4. Die Bürokraten und Ihren Regulierungswahn sind Lebensinhalt… genauso wie Anwälte dir Probleme aufzeigen von denen du noch keine Ahnung hattest. Frage niemals den Coiffeur ob du einen Haarschnitt brauchst. Schade, dass wir in der Schweiz die Bürokratie nicht zurückbinden können. Auch wenn Vieles gut gemeint ist.

  5. Ich weiss nicht mehr wie die Steuer genau heisst aber die AMAG hat ihre Muskeln spielen lassen vor ein Paar Jahren, damit Flotten CO2-Abgaben bezahlt werden müssen von den Importeuren. Zu leiden hatten alle kleinen Garagisten, die ausschliesslich oder überwiegend CO2-Schleudern importieren (z.B. Jeep und Ford) während Amag selbst die Kosten durch Beisteuerung von VW-Fox und ähnlichen Kleinwagen niedrighalten kann.

  6. Es ist uns zu lange zu gut gegangen. Die Linken müssen zuerst alles kaputt machen, die Wirtschaft muss stillstehen, riesiges Chaos überall. Es wird viele Opfer geben und lange Jahre dauern, bis der Karren wieder rund läuft.

    • So ein Blödsinn, das Parlament war bürgerlich dominiert, die SVP stärkste Partei. Die heutigen Probleme haben die bürgerlichen Parteien zu verantworten.

      Das „bürgerlich-kapitalistische“ Finanz- und Wirtschaftsmodell ist am abkratzen und daran sind die Linken schuld? Ist das wirklich ihr Ernst??
      Aber in Ihrer Weltanschauung sind immer noch die Kommunisten Schuld das der Kapitalismus seine Kinder frisst.

    • Aha, also waren es die Linken welche die Swissair von der Luft geholt haben. Subprime waren es natürlich auch die Linken. Und das Kasperlitheater bei der CS sind auch die Linken.

  7. Weniger Regulierung! „…die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen“

    Jeder Politiker spricht von weniger Regulierungen bei KMU. Ich habe jedoch noch überhaupt nie beobachtet, dass etwas weniger bürokratisch wurde für die KLEINEN – im Gegenteil die KMU übernehmen immer mehr sinnlose Aufgaben der Bürokratieverwaltung. Dies alles natürlich immer zum Nulltarif für den Staat.
    Zudem leisten die KMU diese Bürokratieaufgaben für den Staat fast immer unter Straf- und Gefängnisandrohung. Die angesetzten Fristen sind auch eine Frechheit wenn man dann die Reaktionszeiten der Behörden bedenkt, welche oftmals ein Vielfaches einer angesetzten Frist beträgt.

    Übrigens ist der freie Personenverkehr auch so ein Thema wo die Politiker noch nicht begriffen haben, dass niemand etwas gegen ausländische Waren jedoch viele etwas gegen ausländische Personen haben.
    Bevor überhaupt etwas in Richtung Rahmenabkommen geht müsste zuerst einmal das Freihandelsabkommen von 1972 neu verhandelt werden. Aber Politiker sagen: „Kein Bedarf“!

    Einfach nur traurig und unklug für unser noch wirtschaftliches Rückgrat die KMU.

    Die gewählten Politiker sollen sich endlich einmal nach unsere Präambel der Bundesverfassung ausrichten: „…die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen“
    Die bezieht sich auch auf die KMU gegenüber der Grosskonzerne.

    • Stimmt überhaupt nicht. Bester Beweis für die Richtigkeit des Beitrages ist die Situation bei den kleinen Treuhandgesellschaften. Dort hat ExpertSuisse zusammen mit den Big4 durch „Verbandsregulierung“ die kleinen Treuhandfirmen so stark gedeckelt, dass wenn sie alle Richtlinien umsetzen würden, sie gar nicht mehr existieren könnten. Mit der neuen grünen Welle wird nochmals eine riesige Regulierungsflut auf die KMU’s zukommen. Aber die KMU’s spielen ja keine Rolle. So wie in der Arena durch eine linke Politikerin posaunt wurde, zahlen diese ja eh keine Steuern.

  8. Eric Schneider sieht das falsch.

    Solange er sich mit Nebenjobs im Unterrichtswesen sein Salär aufpoliert und seine Diss. an einer nicht sehr bekannten Uni in Österreich einreicht, frage ich mich, ob er überhaupt Zeit hat, die echten Anliegen der KMU‘s zu verstehen und sich diesen nonverbal anzunehmen.
    Auch ist er bekannt dafür, dass er mit dem Zweihänder dreinfährt. Genau so wie seine SVP Stammbrüder.

  9. Mehr Regeln bedeuten nicht mehr Klarheit,

    im Gegenteil, es werden noch mehr Abgrenzungsprobleme (Grauzonen) geschaffen, diese nehmen sogar exponentiell zu!!

    (weil mit jeder genaueren Regelung praktisch die Abgrenzungsfragen nicht abnehmen, sondern zunehmen, falls Sie sich dies nicht vorstellen können: stellen Sie sich vor, dass immer mehr und kleinere Vierecke auf einer Fläche gezeichnet würden und die Ecken, würden Abgrenzungsprobleme repräsentieren)

    Noch vor 20 Jahren war viel mehr in Grundsätzen oder Grundzügen geregelt und in der Praxis entwickelten sich pragmatische Lösungen, welche die Situation und der Grösse des Unternehmens berücksichtigten.

    Heute ist es u.a. im Mehrwertsteuerrecht sogar so, dass die Behörde sogar rückwirkend neue Vorschriften erlässt. Dies wäre vor 20 Jahren undenkbar gewesen.

  10. Stöhlker das Chamäleon.

    Werbung für FDP, aber auch ein wichtiges SVP-Thema.

    Die Kosten für die Administration infolge dieser zunehmenden Regelungsdichte werden unterschätzt, da sie auf verschiedene Akteure entfallen (Verwaltung, IT-Kosten, Berater, Juristen, Buchhalter – sehr viel wird von den Geschäftsführern angelastet). Ein gigantisches Beschäftigungsprogramm, das Pseudo-Wirtschaftswachstum hervorbringt. Am Schluss zahlt der Konsument mit höheren Preisen.

    Ein wichtiges Punkt ist, dass zurzeit vor allem Selbständigerwerbende seitens der Behörden „ausgepresst“ werden z.B. Sozialversicherungen sowie Steuerverwaltungen, anscheinend fehlt diesen eine Lobby. Dies trifft viele 50+ Arbeitnehmende, da sie wegen der Entnahme der PK-Gelder keine Juristische Person gründen dürfen. Die müssen sich trotz Mini-Umsatz vor den Behörden regelmässig quasi bis auf die Unterwäsche ausziehen – während die Politiker oft mehrfach fünfstellige Pauschalspesen einkassieren: ohne Einzelbelegnachweis und vollkommen abgabefrei(keine Sozialversicherungen, keine Einkommenssteuern).

    • Die Verwaltung wird aufgebläht um Arbeitsplätze zu schaffen. Wo sollten die Bürokraten/Innen dann sonst arbeiten?

      Daher ein Grundeinkommen einführen und alle Beamten, Bürokraten und „Bullshit-Jober“ können endlich Zuhause bleiben.

      Ohne Grundeinkommen wird der Staat so lange Beamte einstellen und beschäftigen wie es Arbeitslose gibt.

    • In Ergänzung dazu empfehle ich als Lektüre für alle, die sich zum Thema „Bürokratie und massenhafte Vermehrung von Bullshitjobs“ informieren wollen, die Bücher von David Graeber. Das kommt sehr viel unkonventioneller und geistreicher daher als das simple neoliberale Geplärre „Mehr Freiheit, weniger Staat“. Graeber weisst nach, dass die (Nicht-KMU-)Privatwirtschaft den Staat in Sachen Bürokratie und Bullshitjob-Schaffung längst überholt hat. Sehr unterhaltsam schildert er die Entwicklung der feudalistischen Hofstaaten in Parallele zur aufgeblähten Managementkultur, wo es auch nur so von Hofschranzen wimmelt und die wenig bis nichts Produktives hervorbringt. – Sehr bedenklich ist m.E. auch, wenn Jungunternehmer („Start Ups“ tönt besser😅) heute nur noch darauf warten, ihr mehr oder weniger erfolgreiches Unternehmen an einen Grosskonzern zu verkaufen. Ein ganz peinlicher Vertreter dieser Gattung ist der FDP-Politiker Marcel Dobler, der seine Digitec an den verzweifelten Riesenkoloss Migros verscherbelt hat. Dieses unehrenhafte Verhalten scheint eine echte Seuche in der Digitalbranche zu sein.

  11. Interessanter Beitrag gerade im Hinblick auf die jetzigen Bundeswahlen. Man kann annehmen, dass bei einer allfälligen Linksverschiebung im Bundesparlament diese Regulierungen durchgekommen wären. Folge: Weitere Schwächung des Industriestandorts Schweiz mit steigender Arbeitslosigkeit. Ausserdem sollte man sich dringend fragen, ob das Berner Parlament noch frei in seinen Entscheidungen gewesen wäre mit einem EU-Rahmenvertrag, dem sog. InstA. Das scheint mir eine extrem wichtige Frage.

  12. Bundesbern vollzieht die gesetzlichen Regulierungen der EU nach, man spricht daher auch von automatischer Rechtsübernahme des EU Rechtes. Die EU ist eine Lobbyisten Paradis, die Grosskonzerne haben sich mit der EU einen Wunsch erfüllt und den Preis dafür zahlt der „Büezer“.

    • Bingo!!! In „Der Staatstreich der Konzerne“ zeichnet der Philosoph Ralston Saul diese Unterwanderung (Übernahme) der Demokratie durch die Mont Pèlerin Society auf beeindruckende Weise nach.

  13. Wieviele Vertreter der KMU oder gar des Stimmvolkes (!) haben einen Lobbyisten-Pass für’s Bundeshaus? Noch Fragen?

    …und noch schlimmer: wer wählt immer und immer wieder die gleichen Parteien, Politiker, Systemlinge?

  14. Die Bundesverwaltung wächst v.a. mit sogenannt „Hochqualifizierten“. So bezeichnen denn auch über 40 Prozent der Absolventen der HSG St.Gallen die Bundesverwaltung als ihren Wunscharbeitgeber. Vielleicht müssen wir künftig auch bei der „Produktion“ von Akademikern genauer hinschauen. Das Prinzip „von der Wiege bis zur Bahre durch den Staat versorgt“ findet immer mehr Anhänger und ruiniert langfristig unseren Wohlstand. Griechenland mit seinem Beamtenanteil von seinerzeit über 80 Prozent lässt grüssen.

    • Haben Sie sich mal überlegt warum Staaten immer mehr Beamte einstellen?
      Durch Produktivitätsgewinne und Digitalisierung des Dienstleistungssektor braucht es die Arbeitskraft alle dieser Menschen doch nicht mehr.

      In der Schweiz sind vielleicht nur noch ein Viertel der Arbeitsplätze die einen produktiven Mehrwert bieten. Alles andere sind „Bullshit-Jobs“. Sinnlose Beschäftigungsprogramme.

      Nur mit einem Grundeinkommen, lässt sich dieser Trend umkehren.
      Aber in unserer Kultur wird es halt sehr geschätzt sinnlos gestresst herum zu rennen und allen anderen auf den Wecker zu gehen ohne Mehrwert zu schaffen und dabei noch viele Ressourcen zu verpulvern.

      Diese „Beschäftigungsprogramme“ sind unter dem Strich auch viel teurer als ein Grundeinkommen. Aber die Pharma verdient halt an den Psychopharmaka eine goldene Nase.
      Nur permanent burnoutgefährdet ist man in der Schweiz ein respektierter Bürger.

  15. Der Verlust von Schweizer Kultur, ob nun, CS, UBS, Allianz, Axa oder Zurich Insurance, finde ich persönlich sehr schlecht. Hier sind zu viele Werte für immer verloren gegangen. Die CS, UBS und Zürich Versicherung wollten es so. Die Berner, Elvia oder Winterthur allerdings nicht. Und gerade die typisch deutsche Kultur des totalen Obrigkeitsdenkens, des totalen Gehorsam, kann für Leute die in unserer Kultur aufgewachsen sind mitunter (sehr) schwer zu verstehen sein. Deshalb kennt man intern zynischen Witze wie z. B. „überall wo die Deutschen hinkommen hinterlassen sie nur Schutt und Asche.“ Aber kann das eine Lösung sein?

    • Ich bin über 80j. Sie, mit Ihrer Ansicht sind wahrscheinlich noch sehr viel älter als sich, oder Sie sind kategorisch gegen Deutsche auf Basis des 2.Weltkrieges,oder???? Zur INFO: Ich selbst bin seit Generationen CH-Bürger und habe nichts gegen -wie Sie sagen, „typisch deutsche Kultur“.

    • @hans-im-glück – Danke für Ihre berechtigte Kritik. Ich denke Ihre Anmerkung ist intern bisher auf jeder pro und contra Diskussion (quasi) erwähnt worden. Soweit ich weiss seit 25 Jahren. Sie ist gewandert von Genf und Bern über Zürich bis Wallisellen. Ich habe diese Diskussion schon in Genf erlebt und kann Ihnen versichern, die Welschen waren noch einiges direkter als die Zürcher.

    • @hans-im-glück – ein Bonbon für Träumer wie Sie (sympathisch gemeint). Der Allianz CEO Anfang der 2000er Jahre hatte damals in kleiner Runde das Allianz Personal als Input (= reines Verbrauchsmaterial) bezeichnet. Soweit ich festgestellt haben, ist das heutzutage allg. die Denkweise der Teppichetage bei multinationalen Banken und Versicherungen über ihr Personal. Da sind wir nicht weit weg von ihrem Thema.

  16. Die FDP bietet den Multinationalen Konzernen schon seit Jahrzehnten die Hand, um Konzerne zu fusionieren oder zu schlucken. General Electric/Alstom, Allianz/Elvia, Axa/Winterthur, die Liste ist endlos. Was hat es gebracht ausser weniger Auswahl für die Kunden und ständigen Personalabbau? Nichts! Und KMU’s zu schlucken ist noch viel einfacher. Weil es kaum einer Schlagzeile wert ist und KMU’s auf dieser Ebene vergleichsweise schlecht verhandeln können. Als Gegengeschäft für unsere FDP Volksvertreter gibt es Teilzeit- oder Nebenjöbli’s, Wahlhilfen und Zukunftsabsicherungen in mannigfaltigster Form. Und nun kämpft FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler an mehreren Fronten für unsere KMU’s?

    BTW: Bei der Elvia oder Berner Übernahme durch die Allianz habe ich weder die Linken noch den Kanton Genf oder Kanton Bern gesehen. Immerhin verschwanden zuerst einmal dort die Arbeitsplätze und die Steuereinnahmen. Und als sich die Allianz mit der Zurich Insurance beschäftigte, waren erneut weder Linke noch der Staat zu sehen. Dieses Scheitern hatte nur mit Geld und Macht der involvierten Männer aus dem In- und Ausland zu tun.

    • Bei der Übernahme von Alstom durch General Electric war es FDP Bundesrat Johann Schneider-Ammann persönlich, der mit GE im Namen des Staates verhandelte. Die Zusicherung Arbeitsplätze zu sichern liess sich GE von der Schweiz sehr teuer erkaufen (richtig vergolden). Die Tinte unter dem Vertrag war gerade mal 1 Jahr alt, das Geld geflossen, als GE Arbeitsplätze im grossen Stiel abbaute.

      Beamtenapparat als Übel, die FDP ist Meisterin darin. Christa Markwalder, Kasachstan-Affäre. Pierre Maudet. Rücktritt mit lebenslanger Rente von 90’000 CHF jährlich. Auch hier wie immer bei der FDP Lasten des Staates. In beiden Fällen ging es schlussendlich um die Frage: Wie gekauft ist die FDP? Die in beiden Fällen beantwortet wurde.

    • SVP kann es auch. Blocher/Ebner immer dabei, Schweizer Werte zu verschachern, denn zuoberst stand und steht für diese Herren der Shareholder Value, vulgo Mammon. Da können sie zur Tarnung noch so viel treicheln, krumme Hunde rauchen und Cervelats bräteln. – Und auch eine halbstaatliche ZKB ist gern bereit, ausländische Heuschrecken auf Einkaufstour in der Schweiz zu beraten. – Ein Lichtblick war wenigstens der gescheiterte Verkauf der Sika an die Franzosen.

  17. Sehr geehrter Herr Stöhlker

    Das ist nett von Ihnen, dass Sie sich für die Interessen der Schweizer KMU einsetzen. Da Sie gleichzeitig ja auch ein Befürworter des Rahmenvertrags mit der EU sind, wo sehen Sie hier die positiven Auswirkungen auf die Schweizer KMU?

    Glauben Sie daran, dass mit steigendem Einfluss aus Brüssel der Regulierungsdruck auf Schweizer KMU sinken wird?

  18. Danke für diesen Artikel. Ich teile die Auffassung der Autoren.
    Viele Politiker sind Anwälte. Wenn man Anwälte auf die Menschheit loslässt, kriegt man halt mehr Gesetze. Wenn deutlich mehr Ingenieure, Chemiker und Handwerker usw. im Parlament wären, würde am Ende eine praktischere Politik herauskommen.

    • @ AJD, Genau zutreffend.

      Viel zu viel Rechtsanwälte und “Juristerei“ hat es in der Politik, aber auch in der Bundesverwaltung.
      Man kann nur noch hoffen, dass möglichst viele von ihnen bei den Wahlen abgesägt werden.

  19. Das neue Geschäftsmodell überall auf der Welt: Der Staat frisst die kleinen und mittleren Unternehmer auf, um die fettgewordenen Beamten noch fetter zu mästen.

    Was meinte Ayn Rand zum Thema?

    • Sie lieben Ayn Rand? Na, ihr treuer Bewunderer Alan Greenspan hat beides in ihrem Sinne mit Verve durchgeführt. Erstens hat er die amerikanische AHV so reformiert, dass ein gutes staatliches Vorsorge-Werk für das Alter ruiniert wurde und zweites war er hauptsächlich verantwortlich für die Finanzkrise 2008. Josef Ackermann war als Chef der Deutschen Bank der glühende Bewunderer von Alan Greenspan und in dessen Sinn hat er auch die Deutsche Bank geführt, wo man nach seinem Abgang nur noch mit dem Hinterlassenschaften seiner Ära beschäftigt ist.

    • Zum Thema Ayn Rand fällt mir nur ein: „Halt den Rand.“ – Von diesen sogenannten Libertären wird doch nur rücksichtslose Ausbeutung gepredigt. Zum 🤮.

    • Herr Zack,

      die Wirtschaftskriese von 2008 war Hauptsächlich eine Immobilienkriese in den USA. Und zwar deswegen, weil die Demokraten, gegen den Widerstand der Republikaner ein Gesetz durchgesetzt haben, dass die Staatlichen Kreditgeber für Häuser auch Kredite für finanzschwache Personen geben mussten.

      Das war dann „Eigentumswohnung für alle“ und ganz ohne kaufmännischen Sachverstand.

      GWB wollte das noch mal abschaffen, aber dann war es eh schon zu spät.

      Verdrehen Sie die Tatsachen nicht. Ayn Rand hat damit gar nichts zu tun.

      Kapitalismus dreht sich um die Bedürfnisse der Menschen, nicht um Ausbeutung wie Sozialismus oder Feudalismus.