Collardi hinterliess Bär eine Italo-Granate

Der Ex-Chef der Zürcher Privatbank kaufte vor 7 Jahren die Mailand-Boutique Kairos. Diese entpuppt sich als schwere Altlast.

Der Neue ganz oben bei der Nummer 1 der Schweizer Privatbanken, Philipp Rickenbacher, hat ein schweres Erbe angetreten. Rickenbacher muss bei der Julius Bär die Trümmer seines Vorgängers aufräumen.

Besonders schwer auf den Büchern der Bär-Bank lastet die Kairos. Die Italien-Tochter der Zürcher galt einst als Perle. Nun ist sie zur Spreng-Granate geworden.

Das geht aus dem 10-Monats-Bericht der Julius Bär von heute früh hervor. Man schreibe 99 Millionen auf dem Kairo-Investment ab, gibt die Bank bekannt.

Hintergrund ist eine Überprüfung von Kairos. Was hat das Ding wirklich wert?, lautete die Fragestellung.

Nötig geworden war die Übung, nachdem ein Verkauf respektive ein Börsengang sich als Wunschdenken der Bär-Spitze entpuppt hatte.

Niemand wollte Kairos – da konnten auch die notfallmässig eingeflogenen Goldman-Berater nichts ausrichten.

Wie dramatisch es um Kairos steht, zeigen die heutigen Worte im Zwischenbericht der Bär-Bank. Kairos habe 2019 „eine unterdurchschnittliche Performance“ bei ihren Fonds erzielt.

Hinzu kämen „eine Reihe von Abgängen auf Führungsebene, vor allem in den letzten vier Monaten“.

Kurz: In Mailand brennt es lichterloh.

Was tun? Bär-Chef CEO, der mit seinem Team bis Anfang 2020 eine neue Strategie für die ganze Gruppe erarbeitet, will Kairos an die kurze Leine nehmen.

Eine „umfassendere operative Abstimmung und eine engere Zusammenarbeit“ zwischen der Mutter in Zürich und der Tochter in Mailand würden „die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche langfristige Entwicklung von Kairos bieten“.

Viele Worte für die kurze, brutale Wahrheit. Sie lautet: Kairos ist ein Kostengrab.

Die Kunden flüchten, die Assets verdampfen, die Manager verduften, die lnvestments krachen.

Was für ein Debakel.

Begonnen hat es mit Ex-Chef Boris Collardi. Als dieser 2012 sich an Kairos beteiligte, tönte die Geschichte optimistisch.

Hallöchen (Pictet)

Unter dem Namen „Kairos Julius Baer“ wolle man reiche Italiener beraten und so im südlichen Nachbarland mit einer physischen Präsenz zu einer führenden Banken-Kraft werden.

„Wir sind überzeugt, dass wir bei unseren ambitionierten Plänen im italienischen Private-Banking-Sektor von Kairos‘ Know-how und Reputation profitieren können“, zitierte der Tages-Anzeiger Collardi respektive seine Bär-Bank.

In rascher Folge erwarb Bär unter dem Kommando ihres forschen CEOs weitere Aktien der Kairos, bis die Zürcher schliesslich die ganze Italo-Boutique besassen.

Das gab die Bank Anfang 2018 bekannt. Just im Moment, als ihr Aushängeschild und grosser Eroberer Collardi zur Genfer Pictet hinübersprang.

Zurück blieb Collardis langjähriger Deputy Bernhard Hodler. Der musste nun nolens-volens ans Bär-Steuer.

Collardis Timing hätte nicht besser sein können. Kaum war der Mann auf und davon, zeigten sich bei Kairos schwere Probleme. Aus der vermeintlichen Perle im Bel Paese war eine Italo-Sonderkippe geworden.

Kostengrab Kairos (JB, IP)

Wie gross diese war, das zeigte sich in den Abschreibern. Die ersten paar Jahre nach dem Einstieg bei Kairos gabs dazu keine Angaben. Dann, 2016, gings offiziell los. Und wie.

Die Bär-Bank reduzierte den Wert ihres Investments gleich um 317 Millionen.

Alles in den Sand gesetzt – und keiner schrie auf. Öffentlich zu reden gab das Kairos-Investment, diese Granate mit Zeitzünder, nur bei ein paar wenigen Insidern.

Einer, der sich heute damit beschäftigt, ist Rickenbacher. Der Collardi-Nachfolger wusste nach seinem Amtsantritt schnell, dass es an ihm war, die teure Altlast zu bewältigen.

Not amused (SVSP, Twitter)

Mit dem heutigen neuerlichen Abschreiber auf die Kairos-Beteiligung steigt die Wertberichtigung auf über 400 Millionen Franken. Total betrugen alle Wertberichtigungen zusammen per Mitte 2019 rund

Viel heisse Luft in Bilanz – Collardi sei Dank (JB, IP)

Ein Debakel der Extraklasse. Und offenbar ist es noch nicht ausgestanden.

Sonst würde die Bär-Spitze unter ihrem Neo-CEO Rickenbacher kaum offiziell festhalten, dass man nun einen „Umsetzungsplan“ in den Händen habe, mit dem alles gut würde.

Besonders die Aussage zu den von Kairos verwalteten Kundenvermögen lässt aufhorchen. Diese seien von Januar bis Ende Oktober des laufenden Jahres von 11,8 auf noch 8,4 Milliarden Franken gesunken.

Das entspricht einem Einbruch bei den Assets um 29 Prozent. Die Börsen sind derweil in diesen 10 Monaten um 23 Prozent in der Schweiz respektive um 29 Prozent in Italien hochgeschossen.

Ein desaströseres Investment ist schwer vorstellbar. Kairos, so viel ist klar, wird für die Julius Bär zur Kingsize-Pleite.

Kommentare

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  1. 99 Millionen Abschreiber, und wohlverstanden, gute Fränkli und keine Lire, das ist eine beachtliche Leistung von Herrn Collardi. Da der Verantwortliche Richtung Pictet entschwunden ist, muss er für diesen Italo-Flop auch keine Verantwortung übernehmen. Den Bonus hat er vermutlich bereits in der Tasche für diese unternehmerische Heldentat. Bei Pictet sollte man sich vorsehen. Sonst haben sie dann plötzlich auch so ein Ei im Nest.

  2. Unverständlich. Und wer betreut denn all die Yachtbauer und Yacht-Buyer/Owner in und um „Bella Italia“? Oder die „branded Italiani“ von Alessi bis Zegna? Die paar Pensionskassen del Stato und in den Provinci? Po… Miseria. Untaugliche MD und RM rund um den Italo-Suizo Boss Boris damals? … sind die schon als Top-Shots bei den KBs oder Regios oder Wealth Shops? Furchtbar, oder?

  3. Was haben GAM und Collardi gemeinsam?
    Beide sind sie unverbesserliche, sagenhafte Blender….
    Erstere ist eine juristische Person und die zweite eine natürliche Person.

    Eines muss man dem Collardi neidlos zugestehen: wie er es über Jahre immer wieder schafte, dem Gesamtverwaltungsrat immer mal wieder einen vollen Sack über die Rüben zu stülpen denn, sie waren es ja amlangen Ende des Tages, welche ja alles durchwinkten!

    Pfeiffen und Clown’s haben auch 2 Beine…..

  4. Ein Abschreiber von 99 Mio?! Gibt es hierzu nicht eine rechtliche Handhabe gegen die Geschäftsführung? – Hmmm… Nein, nicht in der Schweiz. Zum einen haben solche Leute von der Justiz eh nichts zu befürchten. Zum anderen haben sie ja (auf Geschäftskosten) eine D&O Insurance. Tja, willkommen in der Bananenrepublik Schweiz.

    • Gegenfragen:

      Was sollen die Aufsichtsbehörden denn machen?
      Der hier beschriebene Vorgang deutet auf eine schlechte Planung, resp. eine falsche Strategie hin. Dumm gelaufen sag ich mal. Soll nun jeder, der einen Fehler macht, mit einem Berufsverbot belegt werden?

    • Jede Art von Geld stinkt nicht.

      Deshalb ist die Augen-zu-Haltung der CEO’s bzgl. Compliance zu ahnden.

  5. Das ist die Quintessenz, wenn man Wachstum auf biegen und brechen erzwingt. Auch interne „inoffizielle“ Ausschreibungen haben dabei nichts gebracht. Mit dem Management ohne Vorbilder, kein Wunder….

    • @ Observer: Hat M. Eichmann ihnen mal die Frau u.o. den Job weggeschnappt?
      Schlimme Phobie auf ihrer Seite.

  6. Die Frage drängt sich auf, was da war zwischen Italo-Verkäufer und Italo-Käufer?
    Bekanntlich ist man mit fremden Geld sehr grosszügig und der Kauf von Bruch-Auslandsgesellschaften eignen sich bestens für Spielchen.
    Die Gier von Emporkömmlingen sei scheinbar unermesslich.

  7. Innzwischen haben klassische Analyse und Vorsichtregeln eh nur noch eingeschränkten Wert und Aussagekraft.
    Auch in einem ,,soliden,,Umfeld kann sich marodes einnisten. Ganz ausgeheblt ist die ,,Klassik,,jedoch noch lange nicht.
    Die allgemeinen Wirtschagtszustände in den jeweiligen Staaten,Volkswirtschaften sind allgemein bekannt.
    Italien gehört sicher nicht zu den Musterknaben.
    Das die Banken in Bella Italia seit 2008 voll
    am Tropf der EZB laufen weiss die ganze Welt.
    In dem Umfeld ein Finanzinstitut anlachen.Hmmm???
    Das Risiko ist denn doch erheblich das,auf einem solchen Hintergrund zweifelhaftes bis Schrott drin stekt.Offenbar war da für div. der Begriff Sorgfaltspflicht ein unverständliches Fremdwort.
    Weitere Möglichkeiten,logo spekulatiev,könnte muss nicht.

  8. Schade, dass im Vertrag mi dem Blöffer Collardi keine Klausel steht wonach
    die BärBank Rückgriff auf solche Fehlleistungen Ihres Angestellten BC machen kann

  9. Bär soll die Verlustbude schleunigst zu machen. Von wegen Assetmanagement mit reichen Italienern? Die legen sicher ihr Geld nicht in der EU -Steuerhölle an! Europa ist tot für Investoren. Der einzige Lichtblick ist England – welches seine Steuerpsradiese BVI etc. reaktivieren wird wenn sie aus der Eu ausgetreten sind! Auf diesen Moment wärten die Investoren auch die bisher erfolgreiche Bär- Bank tut gut daran sich nach GB auszurichten! Aber zuerst müssen die toxic Assets (Italo- Tochter) weggeräumt werden! Viel Spass dabei!

  10. Hab mir grd einen business plan zurecht gelegt:
    ein EAM-Firma mit klingendem französischem Namen gründen und ein paar fette Events organisieren, zu denen ich Collardi und ein paar heisse Blondinen einlade.
    Kurz darauf die Bude mit AUM von 25k für geschätzte 350Mio an Pictet verscherbeln und die ganzen Eventorganisatoren an die neuen Besitzer verweisen!

  11. In Italien haben CH Banken immer ein schweres Leben gehabt. (Für UBS, CS, PKB, BSI ein wirkliches Crux). Rentabilität in Mailand ist für alle immer noch theoretisch, nach der Steueramnestie geht ziemlich besser, Tessiner Sinkflug geht aber weiter. Für Kairos Dirigenten sind CH / JB Regeln (Performance=Boni) untragbar. Fazit: K-People suchten und fanden andere Lösungen. Kairos = Fregatura ?

  12. Die Italo-Granate dürfte nicht die letzte toxische Hinterlassenschaft des Boris Collardi bei den Bären sein. Let’s face it: die Bank ist mittelfristig ein Übernahmekandidat. Ich tippe auf Meryll Lynch, Goldmann Sachs, Deutsche Bank oder Santander.

  13. Der Hauptzug im Nationalcharakter der Italiener ist vollkommene Unverschämtheit.

    Diese besteht darin, daß man einesteils sich für nichts zu schlecht hält, also anmaßend und frech ist, anderenteils sich für nichts zu gut hält, als niederträchtig ist.

    Wer hingegen Scham hat, ist für einige Dinge zu blöde, für andere zu stolz.

    Der Italiener ist weder das eine noch das andere, sondern nach Umständen allenfalls furchtsam oder hochfahrend.

    Arthur Schopenhauer
    * 22. Februar 1788 † 21. September 1860

    _

    https://tinyurl.com/vgr2rgv

  14. sollte sich nicht wundern, wenn sich eines schönen Tages „der Bock als Gärtner“ entpuppt.
    Ob da Kickbacks für den Kauf der Gartengeräte geflossen sind?

  15. Offenbar entzünden sich die von Collardi gelegten Brände mit Brandverzögerer: Er hinterlässt halt wie erwartet einige verbrannte Erde…

  16. Bär ist ein Krisenfall – und noch liegen weitere Leichen im Keller. Rickenbacher ist nicht zu beneiden. Stutzig muss überdies auch der erweiterte Verantwortungskreis von CFO Enkelmann machen: keine weise Entscheidung. You can do better, Phillipp.

  17. Knapp 100 Mio. abschreiben, so what? Genauso wie die Busse von 500 Kisten an die Amis vor drei Jahren zahlen sie das aus dem Portokässeli. Um den Scheiss zu finanzieren schröpfen sie einfach die Kunden…

  18. Zuerst hat Collardi und seine Buddies viel Geld in Kairos Fonds investiert, darauf folgten die Mitläufer Investment Advisor. Zu guter letzt wurden wie bei allen Banken die Vermögensverwaltungsmandatebmit Kairos Fonds gefüllt. Das hat den Investments Schub verliehen. Leider sind die Starmanager in Italien dann plötzlich nicht mehr motiviert gewesen… Performance eingebrochen. Und die Vermögensverwaltungsmandate wurden auch in Mitleidenschaft gezogen. Das Spiel wiederholt sich immer wieder. Und die Kunden lernen nie. Zum Glück. Sonst würde das Business der Privatbanken grandios scheitern.

    • Immer wieder erstaunlich, wie wie offenbar schmerzlos und träge Kunden sind. Ginge es beim Geld anlegen nur um Performance, so würde kaum ein Vermögender einer Bank sein Geld anvertrauen. Es ist schliesslich hinlänglich bekannt, dass Banken schlechte Vermögensverwalter sind.
      Es gibt wohl keine Disziplin, die andere nicht besser könnten als eine Privatbank. Ausser vielleicht die Kundenzonen mit dicken Teppichen und Marmor zu verkleiden.

    • Kairos hatte gute Produkte und Erfolg. Wenn das Bär Management unfähig ist den Gründer und den Star PM zu halten und sie noch vergraueln mit komischen neuen Regeln, passiert dies halt.
      Das ist halt wenn Manager was kaufen und keine Ahnung davon haben. Selber Schuld. Die Jungs machen jetzt neb neuen Shop auf..

  19. Es ist auch das Resultat eines äusserst schwachen Verwaltungsrates inkl. Präsidenten. Wenn ein CEO solche Deals einfach durchbringt, muss man sich schon fragen ob der Oberleitung und Verantwortung. Aber dies scheinen alles Dekorationsposten zu sein in den grossen VRs.