CS-Telefone im Trading: Total-Ausfall

Nichts ging mehr gestern während Stunden auf dem Floor der Grossbank. Die Swisscom-Telefone machten schlapp.

Kein Summton, kein Klingeln. Nur tote Leitung. So gestern im grossen Handelsraum der Credit Suisse Zürich.

Der Grund: Die Swisscom-Telefon-Systeme hatten ihren Geist aufgegeben. Kein Händler, kein Assistent konnte mehr über die Leitung kommunizieren.

Bei der Swisscom reagierte niemand auf eine Anfrage. Bei der CS schon, dort bestätigte ein Sprecher gestern den Ausfall. Laut seinen Aussagen habe dieser aber nur kurz gedauert.

„Die Ursache der Störung konnte rasch identifiziert und behoben werden. Unsere Mitarbeiter waren jederzeit über verschiedene andere Kommunikationsmittel erreichbar.“

Tausend Mal gewählt, tausend Mal ist nichts passiert.

Offline: Üetlihof (IP)

Doch alles nicht der Rede wert. Der ganze Rest wie Online-Trading funktionierte doch tadellos. Wo also liegt das Problem?

Ganz einfach: Die Störungen sind längst keine Einzelvorfälle mehr. Bei der CS ist seit Jahren von Ausfällen des Online-Bankings zu hören. Hinzu kommen schwere Zwischenfälle in der Informatik im Hintergrund.

Auch andere Banken stehen zwischendurch still. Die ZKB geriet diese Woche in die Schlagzeilen, weil ihr E-Banking keinen Wank mehr tat.

Zur Postfinance schreiben Kunden wiederholt, dass das System des Gelben Riesen störungsanfällig sei. Bei Nachfragen heisst es dann jeweils, dass keine besonderen Vorkommnisse vorlägen.

Im schlimmsten Fall vermelden CS, ZKB, Postfinance und Co. jeweils: Ja, wir hatten eine Störung, doch die war nur ganz kurz, und jetzt läuft alles wieder rund und zur vollen Zufriedenheit.

Mag sein. Wenn aber aus dem Nichts kein Telefon mehr geht, dann lautet die entscheidende Frage: Wie stabil sind diese Systeme?

Ein Thema, das die Behörden interessieren sollte. Man spricht von Operational Risks, also Risiken im täglichen Betrieb einer Bank. Könnte im Ernstfall daraus eine Systemkrise werden?

Im Volksmund heisst es, dass nach 48 Stunden Totalausfall jede Bank untergeht. Umso wichtiger sind stabile Computer, Telefone, Server.

Bei der Schweizer Einheit der CS rückt das Thema nun sogar ins Zentrum der obersten Chefs. Sie haben angekündigt, für eine Million Kleinkunden eine Billigbank zu bauen.

Wie die funktionieren soll, wenn selbst die Mutter der Schweizer Online-Banken, die Swissquote, immer wieder Ausfälle erleidet: Das muss sich weisen. Einfach wird das Vorhaben kaum.

Kommentare

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  1. Und heute Montag, den 25. November 2019 geht der Onlinehandel nicht mehr. Alle Aufträge versanden und bei den Aufträgen steht „Status unbekannt“.
    Immherhin habe jetzt einen guten Grund, wenn ich zur Billigkonkurrenz beim Vermögenshandel wechsle und muss mich nicht als Gebühren Geizhals outen.

  2. Das Direct Banking der Credit Suisse funktioniert heute morgen schon wieder nicht!

    In der App und auf der Loginseite (welche sich erst nach langer Wartezeit aufbaut) heisst es: „Das Online Banking ist momentan nur eingeschränkt verfügbar. Wir arbeiten an einer raschen Problemlösung“. Ausgerechnet heute wo ich meine Zahlungen machen möchte. 🙁

  3. Scheint ein weit verbreitetes Phänomen zu sein, dass man Kunden im Dunkeln lässt, wenn etwas nicht funktioniert. Wie bei SIX fallen mal sämtliche PoS Terminals aus – Information zero bis Stunden nachdem das Problem bereits behoben wurde. Auch Netzstörungsmedlungen bei Internetprovidern Fehlanzeige auf deren „Netzstatus“ Webseiten.
    Es scheint keiner gerne darüber zu informieren, dass etwas nicht klappt bei ihm – sie sind immer die Besten und haben nie Probleme…

  4. Auch wenn Sie Herr Hässig die CS nicht leiden können, müssen Sie sich hier eingestehen, dass die CS nichts dafür kann. Auch der beste Telekom-Anbieter ist nicht perfekt. Thats life
    Ausfälle des Direct Banking der CS gibt es erst seit diesem Jahr als das komplette Layout geändert wurde, daher stimmt Ihre Aussage nicht ganz. Jedoch sind diese heutigen Systeme so gigantisch und so komplex, dass kurze Systemausfälle meiner Meinung verziehen werden können und dies bei jedem Unternehmen, in jeder Branche passiert. Dazu verwendet kein einziger Trader meines Umfeldes, das E-Banking seiner Hausbank….(MT4 zu Info), daher müssen Sie sich bei Ihren angelegten Fonds keine Sorgen machen, die werden so schnell nicht fallen. Die Digitalisierung hat unser Leben um ein vielfaches erleichtert, so sehr, dass wir es heute als selbstverständlich ansehen. Sollte Ihnen das ganze nicht passen, könne Sie ruhig wieder zurück am Postschalter eine Stunde Schlange stehen um Ihre Rechnungen zu begleichen.

  5. Ich mache alle Zahlungen Online via Postfinance. Noch nie habe ich einen Ausfall bemerkt. Nur die Geschwindigkeit war anfänglich etwas Langsam (wie seinerzeit die ZKB). Heute funktioniert das Online-Banking perfekt und sehr schnell.

  6. #FINanzMArktmafia #CreditSuisse . . . nach dem #DirectNet nun auch noch das #TelefonTrading . . . zum Glück hat die #Swisscom das Geschäftskunden-Geschäft im Griff

    Wie lange überlebt eigentlich eine Grossbank solche Fahrlässigkeiten?

  7. Ich erhoffe mir, dass so ein Ausfall bei der CS mal auf längere Tage passiert. Dann werden die unzähligen Entlassungen sich rechen, denn die Bank wird dann zuwenig Personal und zuwenig Know How haben um die Arbeiten manuell erledigen zu können. Irgend eines Tages wird sich die Digitalisierung und ihre folgen von der negativen Seite zeigen und das ist auch richtig so.

  8. Swisscom? Die bringen es ja nicht einmal fertig, ihre eigenen Server zu backupen. Kundendaten weg? Wen interessiert‘s.

  9. Vermutlich handelt es sich lediglich um Vorproben für die kommende Hauptprobe, dem grossen Crash.

    Die grosse Masse, die Kleinanleger, sollen doch erst dann verkaufen können, wenn die Kurse schon “durchgesackt“ sind.
    Das erreicht man, indem man in der “heissen Phase“ unerreichbar wird.
    Übung macht den Meister.

    Die Systemkrise war, und ist übrigens von Anfang an im Finanz-System eingeplant gewesen. Schliesslich handelt es sich lediglich um ein Kreditschneeballsystem (gegen Zinszahlungen an die Banker) welches nur mit ständigem Schuldenwachstum aufrecht erhalten werden konnte.
    Jetzt sind wir allmählich bei Höchstverschuldung und Nullzins angelangt.
    Kreditvergabe rendiert somit nicht mehr, die Wachstumsaussichten für die Wirtschaft verschlechtern sich zusehends, und damit natürlich auch die Aussichten auf steigende Börsen.

    Um den Börsianern die Ausgänge beim grossen Knall zu versperren probt man jetzt schon mal getarnt die “Bankenfeiertage“.

    Die Kommunikation wird dann, nach dem “Knall“ sicherlich wieder funktionieren. An hohen Verlusten für die Anleger, und Entschuldigungen seitens der “braven“ Banker wird es dann sicherlich nicht mangeln.

  10. Dass die Telefonsysteme für Geschäftskunden von Swisscom nicht ausfallsicher sind, hat man im letzten Jahr wiederholt gesehen. Früher war das nie ein Thema. Nicht alles, was teurer wird, wird damit automatisch auch besser. Im Gegenteil, die Qualität sinkt andauernd, im Problemfall ist niemand erreichbar und die Kosten steigen gleichzeitig immens.

  11. Seit ich in meinem Betrieb gezwungen war auf Voice over IP umzustellen habe ich immer wieder Unterbrüche, schlechte Verbindungen etc

    Die gute alte Kupferleitung hingegen funktionierte tadellos während jahrzehnten und lief sogar bei einem Stromausfall

    Neu ist eben nicht immer besser, VoIP ist definitiv keine Verbesserung

    • Warum machen sie beim Spiel Digitalisierung mit? Soll sich die Bank den Kunden anpassen und nicht umgekehrt. Hoffe, dass Sie das Know How nicht verlieren mit dem alten System. Früher oder später ist der Digitalisierungs Wahnsinn vorbei und man bessint sich wieder auf das alt bewerte, funktionierende.

  12. Tja, die Telefone sind nicht das einzige, was in Swisscom‘s Firmengeschäft schlapp macht.

    Schon mal von DBaaS gehört? Database as a Service?

    Just sayin‘

    • Eine Anspielung auf die katastrophalen Oracle Exadata Services?

      Es schaudert einen, wieviele ernsthafte Störungen innerhalb kurzer Zeit auf einer Systemplattform auftreten, die eigentlich für geschäftskritische Prozesse gedacht ist. Die Preise sind trotzdem sportlich. Ein echtes Trauerspiel, das den Kunden im Ernstfall Millionen kosten kann. Swisscom sucks!

  13. Haha, der ist gut, Direct-Net funktionierte Störungsfrei! Ja leider bei mir nicht. Täglich Ausfall, stundenlang geht nix. Verdammt ärgerlich ist immer der WS-Handel. Konnte schon mehrmals keinen Trade machen. Wenn man da mal schnell in einem Notfall verkaufen sollte und es geht nix, ja das ist die Hölle.

    Nein, das CS Direct Net ist wirklich der Totalausfall. Kein Tag ohne Störung! Aber UBS leider auch nicht viel besser und das von der TKB ist ebenfalls die Hölle. Scheinbar kriegt keine Bank mehr ein Telebanking auf die Reihe!

    • Genau aus diesem Grund poikottiere ich den Digitalisierungswahn. Es Kostet mich nur und meine Gesundheit leidet auch darunter. Sie werden eines Tages auch noch für das Direct Net bezahlen müssen, wenn die Abhängigkeit noch grösser wird.

  14. Am Besten über eingeschrieben Brief in Deutsch sich beschweren, dann müssen sie sich mit dem Thema auseinandersetzen und bringt das Management unter Druck.

  15. Hier zeigt sich der Effekt einer jahrelangen Sparstrategie und der Abbau der bisherigen Wissensträger (sprich Schweizer ITler über 50). Jeder in der IT hat erkannt dass weiterhin gnadenlos gespart und an Indien/Polen ausgelagert wird, daher ist es das Beste sich nach einem anderen Job umzusehen.

  16. Auch dies wieder eine super wichtige und interessante Story für Blick (IP).
    Überlasst dies den betroffenen Firmen. Die nehmen dies schon ernst.

  17. Und in China ist ein Sack Reis umgefallen. Wenn das Festnetz-Telefon streikt, kann ja einfach das Handy benutzt werden und weiter geht’s. Wir sind schon fast im Jahr 2020, wer braucht da überhaupt noch ein Festnetz-Telefon?

    • @Bison

      Also wenn in China ein Sack Reis umgefallen sein sollte, dann mussihn dort die Swisscom unsachgemäss hingestellt haben …

  18. Ja Herr Hässig, natürlich ist es Problematisch, wenn Systeme ausfallen. Nur passiert das halt ab und zu. Und zwar nicht nur bei den Banken, sondern überall wo technische Systeme benötigt werden. Siehe Netzausfälle bei Swisscom oder Sunrise, siehe Störungen bei der SBB etc…
    Diese Syseme sind mittlerweile so komplex, dass sie wohl keiner mehr komplett versteht. Aber in der heutigen Welt, in der immer alles schneller gehen muss, in der man von überall auf alles zugreifen will, in der alles in Echtzeit erledigt werden soll, sind solche Systeme halt auch einfach nötig, resp. gewünscht.
    Die Risiken sind bekannt. Zumindest bei den Banken. Ob sich bei SBB, Sunrise, Schindler und weiss ich welchen Firmen noch, auch so viele Spezialisten nur damit beschäftigen, wie die Firma weiter funktioniert, wenn ein System (oder mehrere Systeme bis hin zu ganzen Systemlandschaften und Gebäuden) ausfällt, weiss ich nicht. Wäre aber auch mal spannend…

    • Stimmt leider überhaupt nicht. Die Ausfallhäufigkeit steigt am schnellsten wenn man nur mehr auf die Kosten schaut. Dann wird ausgelagert und man kriegt nur mehr Pflästerli aufgedrückt bis es nicht mehr geht.

    • @Trudi

      Ja, ich gehe in Polen nur noch den Wodka go holen.

      Und in Indien schon gar nichts. Ausser Sie reden von Most-Indien.

  19. Die Menschheit ist vor 50 Jahren auf dem Mond gelandet. Man wählte die richtigen Manager aus.

    Heutzutage fällt die IT aus. Test- und Architekturkonzept? Vielleicht vorhanden. Aber das moderne Management hat auch das ruiniert.

    • Wer ernsthaft glaubt, dass vor 50 Jahren ein Mensch auf dem Mond war, sollte sich nach einem Kurs für gesunden Menschenverstand raus suchen :-).

      Heute mit 100000x mehr CPU-Power gelingt es keiner Nation – weil es heute schlichtweg nicht mehr möglich ist, der ganzen Welt eine komplett erfundene Story als Wahrheit zu verkaufen.

      Früher gabs nur TV mit körniger schwarz/grau/weiss Auflösung und die Menschheit war weniger kritisch.

  20. Dafür gabs ein gratis Mittagessen in der Kantine weil dort auch noch alle Bezahl-Terminals ausgefallen sind.
    Die Bank spart sich kaputt für ihre „Risk Taker“.

    • Das CS Online Banking ist innerhalb von 1 Jahr zum Offline Banking geworden. Die Wertschriften und Optionen werden zum grossen Teil nicht mehr zeitnah angezeigt etc. das ist ein Ergebnis der katastrophalen IT Strategie. IT Top Experten abbauen und gleichzeitig absurde MDR Gehälter beibehalten, dezentrale Geldverschwendung usw. führen in ein Desaster. Ein Major IT Ausfall wird die CS in den Grundfesten erschüttern, dann braucht es Crameri‘s Science fiction Projekt auch nicht mehr.

    • Diese 1000 Risk Taker kosten im Jahr 1.6 Milliarden Franken. Geld das in der IT fehlt. Dort herrscht nacktes Chaos.

  21. Ok. Dann erwähnen Sie vielleicht auch das TKB-Disaster während der Einführung der neuen E-Banking-App im mensus horribilis Oktober 2019? Deren Implementierung gehört zu den kommunikativen Sonderfällen.