GAMs Ex-Boss Friedman frisierte die eigenen Bücher

Für Börsenaufsicht hat Zürcher Assetmanagerin unter Ami-Chef einen Kauf ohne nötige Abschreiber verbucht. GAM protestiert.

Gestern konnte die gebeutelte GAM etwas aufatmen. Ihre Aktie schoss fast 5 Prozent hoch. Allerdings kommt die Wiederbelebung zu einem stolzen Preis. Über 300 Jobs könnten wegfallen.

Heute folgt die nächste News. Die ist happig. Die Six als Börsenaufsicht will die GAM wegen einer Übernahme von 2016 bestrafen. Die GAM-Chefs hätten die Cantab, wie die gekaufte Firma heisst, falsch verbucht.

Per Ende 2017, also im Folgejahr, hätte die GAM-Führung eine hohe Schuld in ihrer Bilanz ausweisen müssen; dies wegen der „spezifisch ausgehandelten Vertragsbedingungen“ des Cantab-Deals.

Hätte GAM diese Verpflichtungen richtig auf der Passivseite ihrer Bilanz aufgeführt, so hätte „ein potenziell wesentlicher Neubewertungseffekt“ vorgenommen werden müssen – in der Erfolgsrechnung.

Kurzes Aufatmen: GAM-Kurs gestern (Swissquote)

Kurz: Der GAM-Gewinn wäre deutlich kleiner gewesen als behauptet.

Die Vorwürfe sind Dynamit. Die GAM wies für 2017 einen Gewinn von 123 Millionen aus. „Beim Vermögensverwalter GAM läuft es rund“, schrieb die NZZ am 1. März 2018.

Wenige Monate später explodierte die Bombe. Ein Whistleblower belastete einen GAM-Chef, der schied aus, die GAM schloss mehrere Fonds.

Die Aktie krachte zusammen, der Chef ging. Heute kämpft GAM ums Überleben.

Explosive Post: Six gegen GAM

Der Chef, um den es geht, ist Alexander Friedman. Der Amerikaner wurde dank GAM reich. Er erhielt plus-minus 30 Millionen; in gut 4 Jahren, für eine Firma mit knapp 1’000 Leuten.

Heute wird nun bekannt, dass Friedman die Bücher frisierte. Er redete die Schulden klein und die Gewinne gross. Damit generierte er mehr Bonus für sich und seine Kollegen.

Die Six sieht das so. Friedmans Nachfolger an der Spitze des Assetmanagers protestieren. Sie haben Beschwerde gegen den Entscheid der Börsenaufsicht eingereicht.

Die Sache zieht sich in die Länge. Für die angeschlagene GAM ist das Gift. Ihre noch gut 800 Mitarbeiter stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Kommentare

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  1. In der Bankenszene auf dem Platz Zürich stinkt es. Unfähige Leute an den Spitzen, die viel Geld für schlechte Leistungen kassieren.
    Ich lebe zum Glück nicht mehr in der Schweiz, denn ich wurde nur noch von Banken drangsaliert! Hohe Gebühren, keine Leistung, min. Kontostand CHF 500’000.–. Etwas zuviel für mich. Ich zog ins europäische Ausland, wo ich keine Steuern mehr zahle. Die Banker sind freundlich. Auch „darf“ ich ein Fränkli Konto eröffnen. Alles klappt bestens und ohne schikaniert zu werden. ZH Bankenplatz kann bald abdanken! Auch die Reichen werden bald verschwinden!

  2. Müsste man das nicht als Urkundenfälschung anschauen? Die Behörden müssten aktive werden oder haben sie wieder die rosa Brille und die Scheuklappen montiert?

  3. Friedman, der VR von GAM und die Revisionsgesellschaft müssen belangt werden.

    Was hier gespielt wurde nennt sich Bilanzfälschung.
    Untersuchung, und zwar sofort.

  4. Wenn man den Jahresbericht sowie den Bericht des Revisors liest, hat ein gewisser R als leitender Revisor der KPMG seine Unterschrift und Bestätigung der Korrektheit der Buchhaltung gegeben. Ich frage mich immer wieder, warum diese Audit Partner soviel Geld verdienen, aber fast niemals zur Verantwortung gezogen werden, um für die negativen Effekte ihres Tun’s oder Nichttuns einzustehen: Aktionäre verlieren Geld, Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz, Schweizer Finanzplatz die Reputation und seine KPMG Kolleginnen und Kollegen das Vertrauen ihres Umfelds. Die Finma respektive die Aufsicht der Revisionsgesellschaften sollten etwas mehr Aufmerksamkeit auf die Revisoren lenken. Da war ja mit Daniel Senn ja schon mal ein leitender Revisor bei KPMG, der nicht immer auf dem Pfad der Tugend geblieben war. Und dafür auch verurteilt worden ist. Und es sieht so aus als ob Herr R sein Nachfolger ist – Head Financial Services.

    • Bei solchen Kommentaren frage ich mich immer wieder, ob sie wirklich ernsthaft an die neuen Kleider des Kaisers glauben. Die Suppe haben wir uns übrigens selber eingebrockt, in einer Mischung aus Regulatoren, Revisoren, Standardsettern und sonst weis Geier was, in der sich der Otto-Normalinvestor im wohlig warmen Wattebausch aus Verantwortlichkeit ausruhen kann. Irgend einer wird dann schon verstehen was da ab geht und sonst ist sicher einer Schuld. In Tat und Wahrheit ist es so: Der Kaiser ist nackt. Firmengruppen nehmen ab einer gewissen Grösse eine derartige Komplexität an, dass wer seine Hoffnung in die Revisionsstellen (oder Regulatoren) setzt, wohl auch an die Zahnfeh glaubt. Im Gegenteil, diese Gruppen – so hab ich manchmal das Gefühl – tragen nur zu einer weiteren Diffusion der Verantwortlichkeit bei. Dann kommt da noch die zunehmende Scheingenauigkeit und expertokratische Selbstbeweihräucherung der Rechnungslegungsstandards hinzu (hier IFRS) und voilà – plötzlich reden wir über manipulierte Abschlüsse. Das ganze System ist krank.

  5. Und hatte GAM auch einen Wirtschaftsprüfer, der Friedman beim Frisieren tatenlos zugeschaut hat?
    Der Skandal ist nicht, dass Friedman frisiert hat, sondern dass es die SIX braucht, um solche Machenschaften aufzudecken, und die verantwortlichen Prüfer weiterhin den Schlaf der Ahnungslosen geniessen!

  6. Sollen etwas Gescheites arbeiten gehen, statt als angestellte Abzocker nur ein bisschen mit anderer Leute Geld herumzuwichsen.

  7. Welcher Wirtschaftsprüfer hat das ganze testiert? Wieder einmal KPMG – diese big four Gesellschaften sind einfach unbrauchbar!

    • KPMG lebt von ihrem Ruf. Anstelle Top-Uniabsolventen zu ungeheuerlichen Salären einzustellen, sollte diese und andere Gesellschaften vermehrt auf erfahrene Könner ab ca. 50+ zurückgreifen. Bloß: was soll man von CEOs und Top-Management um die 40+ anderes erwarten, als dass sie solchen Schaumschlägern wie diesem F. auf den Leim kriechen. Und das immer und immer wieder von Neuem.

  8. Diese skrupellosen Sackoblender können nur Bücher frisieren und ihre eigene Tasche füllen, von PB stehen sämtlicher dieser MA ab Rang Direktionsrang aufwärts gar nichts, was sie aber hervorragend beherrschen ist das Abspitzen der verwalteten Depots mit Strukies, Fonds die langfristig nie performen und Hedgefunds usw. Erstaunlich ist wie viele Anleger immer noch auf diese Blender reinfallen.