GAM spickt Hunderte, Ex-CEO spielt den Weisen

Während 300 Stellen wanken, schwärmt Alexander Friedman vom American Dream 2.0. Bei GAM hatte er 30 Mio. kassiert.

Die gut 800 Leute beim Assetmanager GAM, davon knapp die Hälfte am Sitz im Prime Tower in Zürich-West, stehen vor einer ungewissen Weihnacht.

Ihr neuer CEO, ein Ex-Blackrock-Chef namens Peter Sanderson, sagte laut Medienberichten kürzlich an einem Personalanlass, dass GAM harte Massnahmen benötige.

Die Anwesenden interpretierten dies mit einem Stellenabbau, der brutaler kaum sein könnte. Man spricht von bis zu 350 Jobs, die verloren gehen könnten – mehr als ein Drittel.

Damit würde GAM zu einem der grössten Debakel auf dem Finanzplatz Zürich. Die Zeche dafür zahlen die Mitarbeiter im mittleren Kader und unten. Diese verdienten lange gut, aber nicht gigantisch.

Hiobs-Geschichte vor Weihachten (FT)

Umgekehrt die Verantwortlichen für den Zerfall einer vermeintlichen Ikone. Sie nahmen die GAM aus wie eine Weihnachtsgans. Nun sind sie auf und davon und wollen nichts mehr wissen von ihrem Tun.

Sinnbild einer Banker-Kaste, die innert kürzester Zeit unermesslich reich geworden ist, aber einen Scherbenhaufen im Kingsize-Ausmass hinterlassen hat, ist Alexander Friedman.

Der Amerikaner kam 2014 von der UBS als neuer CEO zur GAM. Als Erstes erhielt er 15 Millionen. Und zwar für 4 Monate Arbeit im 2014 plus einen Antrittsbonus – wer wechselt schon gratis?

Danach kassierte Friedman Jahr für Jahr Millionen, mal mehr, mal weniger. Aber immer stolz. Insgesamt vergoldete GAM ihren Chef von Mitte 2014 bis Ende 2018 mit rund 30 Millionen Franken.

30 Millionen – wofür? Für eine existenzielle Krise.

Als Friedman vor Jahresfrist per sofort rausmusste, lag GAM am Boden. Ein Whistleblower hatte einen Topmanager belastet, die Kunden flüchteten.

Firma versenkt, Tasche gefüllt: Friedman (Twitter)

GAM kam nicht mehr zur Ruhe, sie reagierte stets zu sanft und zu langsam. Eine Abwärtsspirale setzte ein, die nun mit einem der radikalsten Sparpläne der jüngeren Finanzgeschichte ihren nächsten Tiefpunkt finden könnte.

Statt hinzustehen und über eigene Fehler nachzudenken oder einfach zu schweigen, meldet sich Alexander Friedman in diesen Wochen aus der Ferne mit einem Beitrag in einem Medium.

Dort spielt Friedman den kritischen Spitzenmanager. Der alte American Dream, bei dem jeder Bürger es weit nach oben schaffen könne, sei zerbrochen, meint Friedman in seinem Artikel auf Project Syndicate.

Friedman, der mit unglaublich schlechter Leistung unglaublich schnell unglaublich reich geworden ist, richtet Forderungen an … die Politik.

„Nonetheless, an American Dream 2.0 is still possible, and it will be up to those now contending for the White House to offer a blueprint for making it a reality“, beginnt er seinen Aufsatz.

Nicht verzagen, Alexander fragen.

Ein Hohn. Friedman setzt mit seiner Sonntags-Predigt der GAM-Tragödie die Krone auf. Er ist der Dritte eines Trios, das sich vergolden liess – auf dem Buckel einer Firma, die nun den Bach runterzugehen droht.

Wo hats noch ein paar Milliönchen? (Solo, Simag)

Die beiden anderen Ex-Bosse sind Hans de Gier, ein Holländer, und David Solo, ein Amerikaner. Wie die zwei Weber aus Anderesens Märchen priesen sie Phantasien an für Dutzende von Millionen.

Zuerst verkauften sie der Julius Bär die GAM und 4 weitere Banken, die damals der UBS gehörten. Beim Multi waren Solo und de Gier gross geworden.

Kapitäne von Bord, Kahn am Kippen (Swissquote)

Bei Bär ging für sie die Post erst richtig ab. Bei der Privatbank sackte das Duo von 2005 bis 2009 Boni à gogo ein.

Als sie genug hatten, lösten Solo und de Gier die GAM wieder heraus aus der Bär und lotsten die Finanzfirma Richtung Börse, die privaten Taschen vollgestopft mit GAM-Papieren.

Diese brachten ein paar Jahre später einen Geldsegen der Extraklasse. Obendrauf gab es wie gewohnt jährliche Entschädigungen vom Feinsten. Am Ende sprangen dann beide Kapitäne rechtzeitig von Bord: Solo 2014, de Gier 2017.

Name mit Versprechen (Gier, GAM)

Die prallvollen Tüten von de Gier und Solo kontrastierten mit der zurückgelassenen GAM. Sie kippte.

Die sagenhafte Geschichte der GAM und ihren Glücksrittern zeigt sich im Kursverkauf. Eine GAM-Aktie kostete vor 4 Jahren noch mehr als 20 Franken. Heute liegt der Kurs noch etwas über 2.50.

Kommentare

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  1. Self Marketing, das ist die einzige Disziplin, welche die Bankenabkassierer perfekt beherrschen. Ansonsten wird nur heisse Luft produziert.

  2. American Dreamer, Alexander Friedman, ein weiteres Beispiel der Unverfrorenheit eines US Profiteurs im Gesetz!

  3. Gier wie auch Solo waren Ziehsöhne von Ospel; sie haben alles von letzterem gelernt und übernommen. Beide habe ich noch kurz in der neuen UBS kennen gelernt als abgehobene, arrogante Investment Banker. Sie haben sich seither nicht verändert und lediglich überall verbrannte Erde hinterlassen indem sie sich masslos bereichert haben, dies zum Schaden der Gesellschaften und Mitarbeiter die sie führen und nicht ausnehmen sollten.

  4. Eines lässt der Bericht aus: Seit geraumer Zeit versuchte man(n) sich noch die Taschen zusätzlich zu füllen. In der Not frisst der Teufel bekannterweise ja Fliegen – entsprechend versuchte man(n) die Firma wieder in einer Bank zu integrieren. Dass die Preisvorstellungen entsprechend wieder einmal weit von der Realität entfernt waren, versteht sich von selbst. So sprangen alle „potentiellen“ Käufer der Reihe nach wieder ab und suchten das Weite – Die letzte Rettungsboje erlosch erst vor wenigen Wochen. Somit das Märchen „Weihnachtsuppe des Desasters“ auf höchster Ebene fein angerichtet und bittere Realität. Wie lautete doch ein bekannter Werbespruch? „Geiz ist Geil!“. Hier wird dieser wieder einmal auf dem Rücken von Mitarbeitern ausgetragen, welche weder Millionen abkassierten oder immer noch kassieren, noch sich entsprechend einfach auf die faule Haut legen können. Arbeitslos in dieser Zeit zu werden ist ein Sch….gefühl!

  5. Ich hatte die Gelegenheit Alexander Friedman‘s Wirken und Handeln schon bei der UBS von nah zu verfolgen. Unglaubliche Arroganz und unsägliche Inkompetenz, ins Amt gehoben durch noch unfähigere Verantwortliche über ihm. Dass Friedman es überhaupt noch wagt, sich zu seinem Werk der Zerstörung zu äussern, spricht Bände darüber, wie weit er sich von der Realität entfernt hat. Der Schweizer Finanzplatz fällt immer wieder auf Blender und Glücksritter rein, die das Blaue vom Himmel versprechen um abzukassieren. Sein Weggefährte Mark Häfele bei der UBS glänzt durch schlechte Anlageperformance, hohe Management Fees und eine grosse Klappe. Der Schweizer Finanzplatz muss noch weiter fallen, bevor wieder Leute mit Anstand und Verantwortungsgefühl wieder ans Ruder kommen. Dann sind die UBS GMDs rasch weg vom Fenster.

  6. Herr Friedmann, falsche Diagnose! Ihre Kaste, die nichts zur Wertschöpfung beiträgt, ist das Problem. Skrupellose Ausnutzung der Informationsasymmetrie im Finanzbereich. Sie predigen Wasser, trinken jedoch Wein.

  7. Grüezi Herr Hässig. Im Titel benutzen Sie den Term „spickt“. Bitte erklären Sie den Lesern die Bedeutung dieses Ausdrucks, damit alle Leser Ihren Gedankengang nachvollziehen können. Vielen Dank.

  8. GAM.
    UBS.
    CS.
    Alles Krisenfirmen, die nichts herstellen.
    Und faktisch wertlos sind.
    Trotz teilweise (noch) Gewinnen.
    Den Rest besorgen die Negativzinsen.

    • Was für ein käse, die firmen haben immer noch wert. So uninformierte kommentare….
      Ein dienstleister stellt nichts her, da gebe ich ihnen recht. Wenn sie denen nicht trauen rate ich ihnen zur wir bank zu wechseln oder in zug ein neues token startup zu bauen

  9. Ein Klasse-Beispiel der Neuzeit. Die Fondindustrie auf dem Finanzplatz Schweiz bietet wieder und wieder grauenhafte Zustände, wie sie nur im Swiss Banking überhaupt möglich sind. Die fehlende Finanzmarkt-Aufsicht im Fond-Business lockt Hasardeure, Kriminelle und ganze Seilschaften von Übeltätern an, welche im Karpfenteich abkassieren und delinquieren. Das Fondgeschäft, x-mal grösser als der Wert aller kotierten CH-Aktien, verheisst allen Teilnehmern ungeahnte Ertrags-Anreicherung, wenig reguliert und kaum kontrolliert. In diesem Sumpf tummeln sich landab, landauf Finanz-Hyänen deren zweifelhafte Herkunft schon die Alarmglocken läuten müssten! Die Fond-Zunft drückt deshalb beide Augen zu wenn AnlegerInnen und Mitarbeiter zu Schaden kommen. Billige Statements, immer wieder auch von den beiden Grossbanken, sind das Papier nicht wert auf dem sie stehen. GAM ist nur ein Beispiel von vielen. „Es lässt sich nirgends besser zocken als mit Fonds“.

  10. The American Dream? Durch harte Arbeit zum Millionär werden und es zu etwas bringen egal woher man kommt und was man gelernt hat, das war mal der American Dream. Heute ist dieser American Dream verkommen zum Abkassieren für schlechte Leistung, Belohnung fürs Scheitern und grosse Boni nachdem die Firma an die Wand gefahren wurde. Die Leute werden bezahlt, weil sie „die Besten“ sind und nicht weil sie was leisten. Ist wie Adel. Das ist man von Geburt her und wird es nicht durch Leistung. Das ist das genaue Gegenteil vom American Dream.