EY an Crew: Schwingt Fähnchen für Raiffeisen

Beraterin kämpft um Revisionsmandat der Genossenschafts-Bank: „Fan“-Empfang für Delegation. Antworten für alle Pflicht.

Ernst&Young will unbedingt das frei werdende Revisionsmandat der Raiffeisen ergattern. Dieses ist zu haben, nachdem die jahrelange Revisorin PwC bei der CS zum Handkuss gekommen ist.

Um zu reüssieren, kennt die neue EY-Führung wenig Scham. Sie hat ihrem Personal ein Email geschickt mit der Bitte, einer Delegation der 3. Kraft im helvetischen Finanzmarkt einen besonderen Empfang zu bescheren.

Dieser fand letzten Freitag statt. Die Raiffeisen-Verwaltungsräte und -Geschäftsleiter würden zur EY nach Zürich kommen „für die mündliche Präsentation unseres Vorschlags“, so im Mail.

Das Mandat sei „key for the future of the firm and we are all very excited about this opportunity“. Nun würde man den Raiffeisen-Leuten gerne zeigen, dass man mehr als Zahlen zu bieten habe.

„Now we want to demonstrate to Raiffeisen that we are not only able to do this audit, but that we are also passionate to win this mandate“, heisst es im Aufruf an die vielen EY-Mitarbeiter.

Juppiee-juppidai (Baoquangnam)

Man brauche „mindestens 100 Angestellte“, damit man der Raiffeisen die gewünschte Aufwartung machen könne. Grosse Vorbereitung brauche es dafür nicht, meinen die EY-Chefs

„The only task is to stand in the lobby or on the stairs, to hold a flag or a welcome sign and when the Raiffeisen delegation passes by, to greet them warmly in German, French, Italian or Romansh“.

Englisch nicht. Raiffeisen halt.

Sie brauchen nur ein Fähnchen: EYs Raiffeisen-Empfang (IP)

Das Aufgebot galt für Freitag kurz um 4 Uhr am Nachmittag. Um halb fünf sei man schon wieder „entlassen“.

Der neuen Führung der Beraterin, die nach einer Boomzeit in der Beratung nun wieder in der klassischen Revision wachsen möchte, war ein möglichst zahlreiches Erscheinen offenbar sehr wichtig.

Geht auch Shirt? (Urs O. Keller)

In eindringlichen Worten wurden die EY-Berater ermuntert mitzumachen. „Let us take this opportunity and win this big mandate as ‚One EY’“, steht im Mail an die Crew. Deren Mitglieder waren verpflichtet zu antworten – egal ob mit Ja oder Nein.

„Please confirm accept or decline the invite (…)“, steht zuletzt. Für viele dürfte klar gewesen sein, dass man dabei sein sollte. Wer will schon schuld sein, wenn’s nicht klappen würde mit dem Raiffeisen-Mandat?

Kommentare

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  1. Eine Revisionsstelle ist ein Organ und ein verlängerter Arm der Finma.
    Was sagt eigentlich die RAB und die Finma zu diesem Vorgang?

  2. Die besten Geschichten schrieb schon immer das Leben!

    Einfach nur peinlich dieser Chaos-Laden. Sollen doch die Leute von Deloitte gleich mitnehmen. Die Organisation ist dort ebenfalls chaotisch. Korrekte Revisionen – wenn sie den nach chaotischer Terminfindung auch mal stattfinden – verkommen zum Ausbildungsanlass durch den Auftraggeber.

    Leute frisch ab Presse mit viel Ahnung von Nichts und mangelnden Sprachkenntnissen („Komme in Holland, sagen mich Jonny, denn meine Name niemand kann sprechen“). Jeder KV-Abgänger mit Ausbildung in der Buchhaltung hat mehr Ahnung von Rechnungslegung und Projekt-/Auftragskalkulationen….

    Hauptsache fette Honorarrechnungen schreiben.

  3. Warum wird das erst jetzt publik? Schade, hätte gerne auch mitgeholfen und sogar ein paar Hells Angels Kumpel mitgenommen!

  4. Als Delegierter der Raiffeisen würde ich auf dem Absatz kehrt machen. Sucht man bei EY evtl. auch noch ein paar A…kriecher denen es nirgends zu dunkel ist ? Wie wäre es mit sauberer Leistung ? Das würde Eindruck machen !

  5. Somit können die Raiffeisengenossenschafter nun die überteuerte Miete beim Primetower zahlen für EY. Hoffentlich finden sich genügend Mitarbeitende, welche noch anständiges Deutsch können für die Berichterstattung und Revision. Billig-Franzosen werden hier sicher nicht zum Handkuss kommen.

  6. Und sicher ist die EY absolut unabhängig, wenn sie dann das Mandat ergattern kann.
    (wer jemals behauptet, es würde unabhängige Revisoren geben, irrt sich: wer vom Auftraggeber Geld erhält, ist immer abhängig!)

  7. Typische Kultur bei den sogenannten Big Four aber auch bei anderen Beraterunternehmen.
    Die Angestellten werden mit diversen Kompensationstaktiken „ermutigt“, auf Akquisitionstour zu gehen. In dem man z.B. ehemalige Angestellte fast im inquisitions Ton auffordert, den Namen des neuen Arbeitgebers preis zu geben..verlässt man das Unternehmen, wird man gebeten, dem Alumniklub beizutreten…eine Art Fischernetz für zukünftige Mandaten…jedes Mittel, das potentiell zu neuen Mandaten führen könnte ist recht…die “Aktionäre”, die Partners, sind für die Akquisitionen, das Netzwerken zuständig und sagen wo es lang geht. Wer sich der Kultur oder Denkweise der Partners nicht “unterstellt”, wird schnell zur Persona non grata. Diese Kultur ist nichts Neues. Globale Unternehmen wollen, dass ihre Mitarbeiter mitspielen. Individualismus ist nicht erwünscht-passt nicht zur Kultur. Das gibt es nicht nur bei angelsächsischen Unternehmen.

    • Raiffeisen war das vllt. mal.

      Solange Mätzler-Geheimlohnbuchungen weiter verschleiert werden ist da nix schweizerisch.

  8. Dieses Verhalten und Vorgehen von EY zeigt eine Unternehmenskultur, die man nur noch als peinlich und vollkommen umprofessionell bezeichnen kann. Kriecherisch und opportunistisch. Es lässt sehr viele Rückschlüsse bez. der Werte und Annahmen ihrer Kultur zu. Einfach nur peinlich. Und IP – bleiben Sie dran.

    • Ich hätte mich als Mitarbeiter wegen der Kindergarten-Methoden geschämt.

      Effektive Anbiederung wird subtiler eingesetzt.

  9. EY, das Fähnchen im Wind. Sollte EY das Mandat gewinnen, wird sie wohl auch allem zunicken, was ihnen an kreativen Zahlenmaterial präsentiert wird. Die Leute von EY scheinen die Rolle der unabhängigen gesetzlichen Revisionsstelle nicht begriffen zu haben. Tragisch für unseren Finanzplatz.

    • Es ist auch nicht Ziel unabhängig zu sein, es geht leicht verdientes Geld und um Beschäfigung für die HSG Komiker!