Ernst&Young: Knäckebrot-CEO?

Stefan Rösch macht wohl Rennen – Hölzern, sympathisch: Gegenprogramm zu flamboyantem Vorgänger – Dürftige Auswahl.

Marcel Stalders Antritts-Event bleibt unvergesslich. Vor versammelter EY-Belegschaft riss der frisch gekürte Schweiz-CEO die Anwesenden im Zürcher Hallenstadion von den Sitzen.

Drei Jahre später liegt Stalders EY in Trümmern; er selbst musste den Posten räumen. Nun versucht die Nummer 2 unter den Big Four, wie die grossen Beratungs- und Revisionsfirmen heissen, einen Neustart.

Mit einem Partner, der unterschiedlicher kaum sein könnte. Sein Name: Stefan Rösch. Seine Bekanntheit: nahezu null. Seine Begabung: nicht die Rhetorik.

Rösch leitet das sogenannte Transaktionsteam der Schweizer EY, die im Zürcher Prime Tower ihre Zentrale hat. Dort, beim Helfen für Firmendeals, mache er einen soliden Job, sagen Weggefährten.

Wenn es aber um den Auftritt auf der grossen Bühne geht, dann sei Rösch keine Leuchte. Dafür fehle ihm das Sendungsbewusstsein.

Markante Brille: Rösch (LinkedIn)

Rösch ist definitiv kein Showman. Kein zweiter Stalder. Das war wohl so gewollt. Doch musste es gleich ein um 180 Grad Anderer sein?

Nach dem Glamour- der Knäckebrot-CEO?

Die Antwort liegt im Angebot. Dieses war dünn. Magerkost.

Keiner der „Grossen“ unter den rund 100 Schweizer EY-Partnern stieg in den Ring, um nach dem Fall bei den Umsatz-Zahlen und nach einer externen Untersuchung rund um Belästigungsvorwürfe operativer Chef der EY im Alpenland zu werden.

Niemand, der einen Namen zu verlieren hat, zeigte Lust auf den Sprung nach oben. Also blieben Kandidaten aus der zweiten und dritten Reihe.

Neben Rösch waren das vor allem eine Frau und ein „Aufständischer“. Die Frau, sie heisst Robin Errico, Leiterin Risiko und bereits Teil der Geschäftsleitung.

Als sie noch Revisorin war, hatte sie einen Dämpfer mit dem wichtigen Mandat für ABB weltweit erlitten. Dieses ging unter ihrer Führung verloren.

Nicht allein ihr Fehler: Das Rotieren solcher Mandate gehört in der Branche zum Geschäft. Doch als Frontfrau war sie danach bei EY Schweiz nicht mehr zu sehen, dafür mit zentralen Aufgaben wie eben dem Risiko.

Dann der „Aufständische“: Gemeint ist Andreas Bodenmann, der zur Überraschung vieler von Ex-Chef Marcel Stalder das wichtige Digitalisierungs-Projekt erhalten hatte.

Machte Druck auf Stalder&Buddies: Bodenmann (LinkedIn)

Bodenmann kam damit nicht richtig auf Touren, sagt ein Ex-Partner. Möglicherweise sah er seine Karriere bei EY gefährdet.

Jedenfalls packte Mr. Digital letzten Herbst die Chance beim Schopf, als die Turbulenzen um CEO Stalder und seine Weggefährten ausbrach.

Bodenmann galt laut mehreren Auskunftspersonen als jener Partner, der am meisten Druck ausübte mit dem Ziel, CEO Stalder zu entmachten. Damit manövrierte er sich laut den Insidern intern ins Abseits.

Nun wird er offenbar übergangen.

Das bereits dünne Kandidatenfeld wurde zum Rinnsal. Es blieb am Ende der erwähnte Stefan Rösch.

Zusammen mit Leuten von Andersen, die im Zuge der Enron-Affäre untergegangen war, machte Rösch seinen Karriereweg bei Ernst&Young.

Nun muss Rösch, falls er denn tatsächlich gewählt wird, was laut einer Quelle in diesen Tagen passieren soll, die EY Schweiz wieder auf Touren bringen.

Das Beratungs- und Revisions-Unternehmen leidet unter dem Abgang hochkarätiger Kräfte. Vor allem Spitzenpartner aus dem wichtigen Bereich Audit, die zu Newcomerin Deloitte gewechselt hatten, bereiten der EY Sorgen.

Dort ist einer hervorzuheben. Es ist Alessandro Miolo, der den Bereich bei Deloitte seit Anfang 2018 leitet und nun die EY-Konkurrentin im Audit insbesondere bei grossen Banken ins Spiel bringen will.

Heizt Ex-Firma ein: Miolo (Deloitte)

Die Chancen stehen nicht schlecht. Die Raiffeisen-Gruppe als Nummer 3 des Finanzplatzes wählt per übernächstem Jahr eine neue Revisorin. Die PwC gibt ab.

Im Rennen stehen die KPMG, welche bei der CS ausscheidet (und wo PwC übernimmt) und … Deloitte.

Aussen vor bleibt die EY Schweiz. EY kann das Mandat bei der UBS behalten, deshalb war die CS für sie kein Thema. Bei der Raiffeisen stieg die Firma nicht in die Hosen; aufgrund zahlreicher Mandate in der Ära von Pierin Vincenz sah sie wenig Chancen auf einen Zuschlag.

Kommentare

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  1. Und der Mäse schleicht immer noch am Maagplatz umher, wann entledigt man sich endlich dieser Altlast? Viele potentielle Kunden schrecken davor zurück, mit EY zu Geschäften aufgrund dessen.

    • Aber, aber: Wer macht dann die Posts auf Kununu?
      Tipp an Stefan: Einmal mit dem Besen durch und lieber ein paar Leute der „Old Guard“ mehr als weniger raus werfen. Eine Big4 läuft quasi von selbst, ausser an der Spitze hockt ein Vollidiot.

  2. Knäckebrot ist doch gesund und aufs Wesentliche fokussiert.

    IP ist aber schlecht informiert. Miolo und DT sind doch bei Raiffeisen bereits in der ersten Runde gescheitert?

  3. Typisch für eine kaputte Firmenkultur: Derjenige, der sich wehrt und auf die Probleme hinweist wird kaltgestellt und geschnitten. 🤮
    Während zB der „Whistleblowerinnen-Jäger“, ein Totalversager, immer noch im Amt ist! 🤮🤮
    Und der Lapdance-Partner hat gemäss LinkedIn auch schon wieder eine neue Stelle gefunden! 🤮🤮🤮

    • Diese Art von Manager fehlt fast komplett, in zu vielen Unternehmen, insbesondere Banken. Staubtrocken, dafür top seriös. Nur das ist nachhaltig.

      All dieser shiny shiny firlefanz und dieser Power Performance Pipapo ist es eben nicht, wie figura zeigt.

      E&Y scheint damit auf gutem Wege; gut so!

  4. Wichtig ist, dass der Stalder endlich seine Sachen packt. Er geistert nämlich immer noch herum.
    Zum Rest: Es kann nur besser werden. Mehr sage ich dazu nicht.