Kickbacks an General-Agent, Swiss Life schaut weg

Berner Verkaufsleiter überweist jährlich rund 10’000 Fr. an seinen Generalagenten. Als er dies meldet, wird ihm fristlos gekündigt.

Die oberste Führung der Swiss Life Schweiz hat letzten Herbst erfahren, dass es regelmässige Kickback-Zahlungen eines Verkaufsleiters an seinen Chef, den Generalagenten von Bern-West, gegeben hatte.

Statt diesen Zahlungen rigoros auf den Grund zu gehen, hat der Chef des Aussendienstes der Swiss Life Schweiz, Thomas Brunner, den Verkaufsleiter fristlos vor die Tür gesetzt.

Brunner, Mitglied der höchsten Führung der Swiss Life Schweiz, und der direkte Vorgesetzte des Gekündigten, ein Berner Generalagent namens Carlo Comuzzi, kennen sich seit Jahren. Brunner war lange der direkte Vorgesetzte von Comuzzi.

Volle Härte gegen Subalternen: Bigboss Swiss Life (LinkedIn)

Ein Swiss Life-Sprecher bestätigt, dass es zu einem Vorfall in der Generalagentur Bern-West gekommen ist. Er sieht die Schuld ausschliesslich beim Verkaufsleiter.

„Die Vorwürfe betreffend Vorfälle auf der Generalagentur Swiss Life Bern-West sind uns bekannt. Als uns diese zur Kenntnis gebracht wurden, haben die zuständigen Fachstellen umgehend eine interne, umfassende Überprüfung eingeleitet und die notwendigen Sachverhaltsabklärungen vorgenommen.“

Der Sprecher fährt fort: „Diese Abklärungen haben keine Hinweise auf die von Ihnen erwähnten Barzahlungen ergeben. Jedoch sind in der erwähnten Generalagentur andere einzelfallbezogene Unregelmässigkeiten aufgetreten, welche umgehend Disziplinarmassnahmen nach sich gezogen haben.“

Und schliesslich hält der Sprecher der Swiss Life Schweiz fest:

„Die Abklärungen haben weiter ergeben, dass ein Verkaufsleiter mehrfach und in schwerwiegender Weise gegen den Arbeitsvertrag und interne Vorschriften verstossen hat, was wir mit einer fristlosen Kündigung dieser Person sanktionieren mussten.“

Keine Zahlungen, und sowieso sei alles die ausschliessliche Schuld des Verkaufsleiters, eines subalternen Kadermanns der Swiss Life-Generalagentur von Bern-West.

Stimmt das? Die fristolose Kündigung erfolgte letzte Woche – genau zum Zeitpunkt, als Fragen zum Vorfall per Mail an den Sprecher der Swiss Life Schweiz gingen.

Reiner Zufall, meinte dieser, angesprochen aufs Timing.

In den Fragen war keine Rede von „Barzahlungen“, von denen der Sprecher in seiner Antwort schreibt. Es ging nur um das Wort „Zahlungen“.

Diese Zahlungen, welche der Sprecher vom Tisch wischen wollte, indem er sie zu „Barzahlungen“ machte, sind brisant. Es handelt sich um Überweisungen des Verkaufsleiters an dessen Chef, den Generalagenten der Swiss Life.

Nicht eine, nicht zwei. Sondern unzählige. Von Herbst 2017 bis Frühling 2019 überwies der Kadermann seinem direkten Vorgesetzten jedes Jahr in mehreren Teilzahlungen rund 10’000 Franken pro Jahr.

Laut einem Insider ging es darum, Umsätze mit Kunden der Swiss Life Bern-West auf die Mitarbeiter so zu verteilen, dass der Generalagent seinen Bonus maximieren kann.

Der Generalagent teilt frische Geschäfte mit Kunden, die er an Land gezogen hat, formell seinem Verkaufsleiter zu. Dieser zahlt dann einen Teil des erhaltenen Bonus zurück an seinen Chef.

Das wäre nicht nur ein internes Problem. Der Verkaufsleiter würde auf die Prämien, die ihm gar nicht zustehen, Steuern zahlen. Umgekehrt entfielen die Steuern für seinen Chef.

So die Version des Insiders. Die Swiss Life-Führung will davon nichts wissen. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass der Kadermann „in schwerwiegender Weise“ gegen interne Auflagen verstossen habe und deshalb fristlos vor die Tür gesetzt worden sei.

Das Problem der offiziellen Version ist, dass die Swiss Life keine richtige Untersuchung durchgeführt hat.

Der Verkaufsleiter meldete die Vorkommnisse letzten Herbst von sich aus in der Zentrale der Swiss Life Schweiz.

Er tat dies bei Marcel Bättig, dem zuständigen Compliance-Chef der Swiss Life Schweiz. Bättig setzte darauf seinen Chef, Aussendienst-Leiter Thomas Brunner, ins Bild.

Die von der Swiss Life behauptete rigorose Untersuchung führte dazu, dass Brunner den subalternen Verkaufsleiter Anfang Dezember ultimativ nach Zürich beorderte.

Dieser wollte nicht ohne seinen Anwalt aufkreuzen. Er liess sich krankschreiben. Nun landete er vor der Tür.

In der Generalagentur Bern-West ist es in den letzten Jahren laut Insidern zu hoher Fluktuation gekommen. Viele gute Leute seien gegangen, heisst es.

Der Generalagent Carlo Comuzzi lässt sich monatlich hohe Spesen gutschreiben. Unter „Autospesen“ sind über 4’000 Franken für Oktober verbucht.

Hinzu kommt noch ein „Leasing Geschäftsauto“ für weitere 4’000 Franken in jenem Monat letzten Herbst. Das Total für sogenannte „Organisationsaufwendungen“ belief sich im letzten Oktober auf fast 16’000 Franken.

Kommentare

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  1. Hier werden viele Halbwahrheiten als Facts verkauft und zeitliche Abläufe falsch dargestellt. Ich bin etwas enttäuscht über die redaktionelle Freiheit, welche hier zur Anwendung kommt. Ich bin Kunde der SwissLife, kenne beide Herren und sage nur kurz und knapp… ich hätte diesen Verkaufsleiter bereits vor geraumer Zeit auf die Strasse gestellt. Seine Gier und Geltungssucht kennt kaum Grenzen.

    • Ein SwissLife Kunde: Oben heisst es aber, der Verkaufsleiter habe diese Geldverschiebungen gemeldet. Ausserdem hat offensichtlich der Generalagent bei den Spesen happig zugegriffen. Er scheint also gierig zu sein. Wen meinen Sie nun wenn Sie sagen, seine Geltungssucht und Gier kenne kaum Grenzen ? Ich kenne beide Herren nicht, aber da scheint eine Unklarheit zu bestehen.

  2. Wer nichts wird, wird Wirt
    Ist ihm dies nicht gelungen, macht er mit Versicherungen

    Mein Gott, die Leute haben die Nasen voll, mit ihren überrissenen Versicherungsprämien solche Kickbacks und Provisionen von Versicherungshengsten und Brokern zu bezahlen! Dieser Abriss muss gestoppt werden, das ist ein Selbstbedienungsladen geworden für Personal, das bei den Banken nicht zu gebrauchen ist!!!

    • Ja natürlich, nur ging diese an den falschen 🤔 nämlich an den, der den Fall aufgedeckt hat! Carlo Comuzzi arbeitet immer noch!!!

  3. Der Generalagent, Herr Comuzzi, besuchte eben jeden Kunden in Bern West 3mal persönlich. 1. Um ihm für die Versicherungszusage zu danken, 2. Um ihm für die Vertragsunterzeichnung zu danken, 3. Um ihm für die erste Rechnungsbegleichung zu danken. Das ergibt Autokilometer en masse, selbst in Bern West ! Da kann die Swiss Life froh sein, dass es bei 4000.- Autospesen/Monat bleibt, geradezu bescheiden. Und klar, dass bei so einem Einsatz nicht mehr jeder Mitarbeiter mitkommt, deshalb die hohe Fluktuation in Bern West, Herr Comuzzi hat zuviel verlangt, die Leute sind an seinem leuchtenden Beispiel zerbrochen …

  4. 😎🤔😎🤔😎🤔😎🤔😎🤔

    Die Firma nennt sich SwissLife:
    Übersetzt, die in Taschen greift.
    Hunderten von Mietern kündigt,
    Und diese förmlich entmündigt!

    Im Immo-Boom senkrecht fixt;
    Und Mieter in die Wüste schickt.
    Auf ihren Fahnen weht Gewinn;
    An Ethik fehlt es in ihrem Sinn!

    Vor lauter Grössewahn erkrankt,
    Findet Swisslife kaum den Rank! 😳
    Wurde zu einer eigentlichen Krake:
    Tut so fromm mit ihrem Gequake!

    So kommt es wie es kommen muss,
    Der Kern ist faul und hohl die Nuss.
    Swisslife stolpert, sie wird obsolet:
    Was dann mal in den Annalen steht!

    ORF

  5. Schön bin ich mit meinem KMU nicht Kunde bei diesem „Unternehmen“. Und schade, dass einmal mehr die falsche Person an die Luft gesetzt wird.

    • Auch dort wo der observador mit seinem KMU Kunde ist, wird es sicher nicht besser sein! Heute wird doch überall nur noch gezockt!

  6. Habe leider als Ex-Angestellter der Tochterfirma (Swisslife Select) die genau gleich schlechten Erfahrungen gemacht. Ich durfte auch wegen Verstoss gegen interne Richtlinien nach mehr als 10 Jahre Zugehörigkeit die Segel streichen.

  7. Da wird dick angerichtet, und wer kontrolliert die Spesen? Muss je begründet sein? bei 60Rp.pro Km währen das 6500Km der fährt ja nur Auto und wann arbeitet der!

  8. die swiss life die dauernd ü50 entlässt? die swiss life mit dem manor debakel? die swiss life die outsourcing betreibt um kosten zu senken und dabei am ende viel mehr bezahlen muss? die swiss life mit dem debakel um leibundgut und seiner betrogenen ehefrau? die firma die laufend den umwandlungssatz senken will? die firma die die mietzinse (livit) erhöht?glaub die liste ist endlos über diese firma und nur noch ein schatten der rentenanstalt!

  9. Die Spesen-/Autospesengeschichte birgt mehr Brisanz als die Hin- und Herschieberei von „Kickbacks“.

    Die Story um Barzahlung an den GA dürfte die Steuerbehörde interessieren.

    Die Story zu möglicherweise überhöhte Spesen geht zu Lasten von Aktionären und das sind u.a. viele PKS etc. Was wiederum die Aufsichtsbehörden auf den Plan rufen müsste. Die Herren Bättig & Co. stehen in einem schiefen Licht!

  10. „Bättig (Compliance) setzte darauf seinen Chef, Aussendienst-Leiter Thomas Brunner, ins Bild“

    Der Aussendienst-Leiter ist auch oberster Compliance-Chef?

    Da scheint noch mehr nicht zu stimmen bei der Swiss-Life

  11. Brisantes Gehabe in der CH-Pampa und „hervorragendes“ Missmanagement aus der Zürcher Life-Zentrale. Wer hockt da im VR und streicht Tantiemen für null Leistung ein.

  12. Sonderbar / Wunderbar /

    Was hier vorgeht ist schlichtweg unverantwortlich. Die Swisslife (ehemals Rentenanstalt) täte gut daran, diese Geldverschiebungen an einen Vorgesetzten zu durchleuchten.

    Es stinkt zum Himmel, wenn der „Whistelblower“ eine fristlose Kündigung erfährt weil eine Eiterbeule aufgestochen wurde. Das Duo
    Brunner : Comuzzi bzw. Comuzzi : Brunner ist möglicherweise auch in anderen, ähnlich gelagerten Fällen, unterwegs.

    Die Rentenanstalt-Compliance muss sofort aktiv werden. SwissLife ist nicht irgend ein Versicherungsladen sondern börsenkotiertes Grossunternehmen in der Schweiz.

    Falls hier nicht nahtlos Klarheit geschaffen wird, werde ich sämtliche Policen bei der SwissLife kündigen. Basta Brunner und Basta Comuzzi.

    • Was alles schon früher diesbezüglich in der Teppichetage dieser Firma vorgefallen ist? Zum Beispiel Chlapowski, Zobl, LTS? Leute, welche die gleiche Wellenlänge haben, sind immer noch oder wieder bei der Swiss Life aktiv. Klar, heute ist dank der Börse der gute Ruf schnell wieder aufgebaut, aber ruiniert ist er immer noch schneller.

    • Die Frage ist: WTF passiert mit Ihren Versicherungsprämien?

      Diejenigen, die dachten, mit den Prämien würden vorwiegend die Schäden von Leuten beglichen, die Pech hatten, werden nun eines besseren belehrt: der Hauptteil der Prämien geht an die Verkaufsleute, die interne Administration und das Management. Das bisschen, das übrigbleibt, wird für Schäden und die Dividenden der Aktionäre ausgegeben.

    • Vielleicht einen Bentley? Oder Rolls? Versicherungshengste stehen zwar eher auf dicke Sportwagen wie Ferrari oder Lamborghini. Die Regel, dass man als Dienstleister nicht grössere Autos fahren sollte als die Kunden gilt wahrscheinlich heute nicht mehr?

      Ich bin es mir leid, mit viel zu teurer Prämien diese Auswüchse (50’000 SFr Autospesen p.a., Repräsentationsspesen wohl noch mehr, Prämien und Retros in sechs- bis siebenstelliger Höhe) finanzieren zu müssen und wenn man die Versicherung dann einmal braucht, zahlt sie nicht.

      Finma, bitte einschreiten!

      Der Gelackmeierte (Versicherungskunde)