Genfer Heritage serviert Private-Banking-Chef ab

Francois Oesch musste Platz räumen für starken Mann der Privatbank, Johannes Barth. Schnappt Job selbst, will wachsen.

Auf LinkedIn lächelt Francois Oesch, als ob nichts passiert wäre. Auch beim Job scheint alles in bester Ordnung: Head of Private Banking & Investments, Banque Heritage.

Das ist Oesch nicht. Schon seit Dezember 2019 nicht mehr. Damals wurde der Spitzenmann der Genfer Privatbank Knall auf Fall auf die Strasse gestellt.

Von Johannes Barth. Barth stammt aus Basel aus einer alten Handelsfamilie. Er versuchte einst, mit der kleinen Sallfort-Bank auf Touren zu kommen.

Dabei zeigte Barth kein glückliches Händchen. Er engagierte Leute wie Mike Baur, Ex-Clariden-Spitzenmann, und einen Kadermann der Basler KB, der von Zürich aus mitten im ASE-Skandal dabei war.

Banker Oesch aus glücklichen Zeiten (LinkedIn)

Schliesslich musste sich Barth eingestehen, dass er es mit seiner Sallfort nie auf einen grünen Zweig bringen würde. Was tun? Kräfte bündeln.

Barth verkaufte seine Mini-Sallfort der Genfer Heritage Privatbank. Nicht gegen Geld, sondern gegen Aktien. Barth wurde 25-Prozent-Minderheitsbesitzer der Heritage.

Das war vor einem Jahr. Seither ist Barth der starke Mann. Das kriegte nun der Private-Banking-Leiter der Heritage zu spüren. Oesch, Good-bye.

„Wir sahen die Welt nicht mehr gleich“, meinte Barth gestern am Telefon. „Es trafen Vorstellungen aus dem alten Private Banking, wie sie Oesch hat, auf meine, die nichts mehr damit am Hut haben.“

Nun hat Barth die Führung des Private Bankings gleich selbst in die Hand genommen. Barth ist damit in einer Doppelrolle: Vize-CEO der Heritage Bank und Chef deren wichtigster Sparte.

Barth im Schuss (SRF)

Die Heritage mit Sitz in Genf und Ablegern in den grossen Finanzzentren des Landes beschäftigt in der Schweiz rund 120 Leute. Diese verwalten gegen 5 Milliarden Kundenvermögen.

In Uruguay kommt eine Retailbank mit 100 Beschäftigten dazu. Zusammen bilden die beiden Banken die Heritage-Gruppe, die der Finma untersteht.

Heritage-Mann Barth will wachsen. Ziel sei ein Ausbau auf 200 Mitarbeiter in der Schweiz und eine Kundenbasis von 8 Milliarden verwalteten Vermögen.

Das sei möglich, wenn man nicht wie die Grossen der Branche sind von Compliance und Vorschriften der Behörden das Geschäft vermiesen lasse.

„Wir dürfen nicht zu einer UBS werden“, meint Barth. „Der Grossbanken-Ansatz mit immer mehr Überwachung und Standardisierung ist Gift für uns.“

Kommentare

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  1. Wo ein Mike Baur drin ist, da wird nicht in die Hände gespuckt sondern mit viel Showeffekt einfach „abgebaurt“ …
    Mitarbeiter sind das Kapital einer jeder Firma (Leu und Tschü!)

    • Mir wird noch immer ganz schwindlig, wenn ich an die grandiose Sitting-Performance, mit mindestens 2 RM Assis und 1 High Potential (w / adrett / inhaltsleer), am Tisch im ehrwürdigen Leuhaus an der BHFStrasse zurück denke. Alle da und der Kafi schon geordert. Mit majestätischen 12min. ‚Retard‘ trifft dann seine Exzellenz und Intelligenz des geforderten Wealth Mgmt MB in der im typischen Bankerlook-gehaltenen, mittleren Begegnungshalle ein. Ein Assi steht auf, die andern applaudieren (innerlich) und ganz züri-dynamisch geht es direkt in die Vorstellungsrunde. Ehrenhaftes Nicken für Alle am Tisch. Und so weiter. Ah ja, das Thema, welche sportlichen Kniffe braucht es um U/HNWIs zu knacken? Nach gut 25min., Sie ahnen es, war der Gesprächstermin vorbei. Toll, Meister Baur wusste schon laaaange wie das geht. Macht er ja auch schon jeden Tag. RF hat er auch mal gesehen. Sofort Nicken die Soldaten am Tisch. Die High Potential hat sich übrigens schon lang verabschiedet. Kurze Verabschiedung – ohne im Kontakt bleiben Phrase. (Damals noch bei CL etwa 13.30)

  2. Herr Hässig, können Sie mir erklären, was es mit den „grossen Finanzzentren“ der Schweiz auf sich hat?

    Hat diese völlig unbekannte und unbedeutende Genfer Bank etwa eine Niederlassung in Zürich?