Virenbefall

Ist Corona-Panik gar nicht der Grund für fallende Kurse, sondern nur Ausrede für Investoren, die kalte Füsse haben?

Die meisten Kurse sind zuletzt gefallen – weshalb, darüber lässt sich trefflich philosophieren. Die am häufigsten gehörte Begründung sind die Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus.

Doch gäbe es lediglich Verkaufsgründe, liessen sich die Wertpapiere wegen Käufermangel gar nicht erst verkaufen. Man müsste den Käufern unterstellen, dass sie nicht informiert sind – was ob der medialen Meldungsflut ziemlich unwahrscheinlich ist. Wo also liegt das Problem?

In der letzten Woche hat das „Strategen“-Team seine Marktprognose zurückgenommen, weil es stärkere Schwankungen erwartet, also Kursausschläge auch nach unten.

Ist das Virus also weniger Grund als vielmehr willkommener Anlass, um die zuvor aus umsatzträchtigem Eigennutz und Opportunismus hochgehaltenen Prognosen auf unverfängliche Weise zu revidieren?

Immerhin: Nicht das Virus verkauft, sondern in Panik geratene Menschen und die auf fallende Kurse prozyklisch reagierenden Algorithmen.

Die Anzeichen für ein nahes Markt-Top waren schon im Dezember da. Im „Standpunkt“ vom 17. Dezember habe ich darüber gesprochen und diesen Fakt am 23. Januar nochmals in Erinnerung gerufen.

Dass die Marktverhältnisse gesättigt sind und der Trend seine Resilienz Stück für Stück verliert, war damals schon erkennbar. Nur hatte das eben keine unmittelbaren Folgen.

Jetzt nach unten (invest.ch)

An langsame Entwicklungen gewöhnt man sich, und nach einiger Zeit werden sie als normal wahrgenommen. Kurzfristige Sofort-Ereignisse ziehen dagegen stets die volle Aufmerksamkeit auf sich (vergleiche: Klimawandel vs. Buschfeuer). Dementsprechend werden auch die Ressourcen alloziert.

Bei Trends ist dieses Verhalten insofern problematisch, als deren Entwicklung nicht linear, sondern zirkulär verläuft. Anders gesagt: Irgendwann führt ein Trigger-Ereignis dazu, dass der Kipppunkt überschritten wird.

Je länger es dauert, desto geringfügiger darf dieses Ereignis sein. So gravierend das Auftreten des Corona-Virus auch ist: Die Börsen selbst befällt das Virus nicht.

Aber für jene Investoren (und Analysten), die die Marktlage verkannt und sich in dessen Perspektive verschätzt haben, ist es nun eben der Trigger, die Dinge zu überdenken. Die nachfolgenden Handlungen werden dabei ebenso von der jüngeren Vergangenheit geprägt wie jene vor dem Top.

Nun fallen die Kurse. Das ist bei der grösstenteils durch eine Aufmerksamkeits-Ökonomie gesteuerten Masse im Moment das Wichtigste.

Mit Blick auf die kommenden Wochen und Monate haben wir darauf hingewiesen, dass die Schwankungen zunehmen und die Schwankungsbänder dabei breiter würden. Im Moment ist nicht zu erkennen, dass diese Einschätzung einer Revision bedarf.

Wichtig ist dabei, dass einerseits das aktuelle Marktverhalten genau die früheren Erwartungen widerspiegelt. Andererseits zeigt dieses Marktverhalten aber auch keine schwankungsuntypischen Muster.

Der Markt bleibt also wahrscheinlich auch in naher Zukunft in einem Schwankungsband – wie das auch vor der Massenpräsenz des Corona-Virus schon seit etlichen Wochen der Fall gewesen ist.

Kommentare

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  1. Fallende Kurse – wie bitte? Als GLP-Fan investiere ich grün. Alle meine Titel im Green-Portfolio sind grün. Ich habe neben Aktien auch schöne Hebelzertifikate. Mit Tesla habe ich heute nach 14’000 % Gewinn einen weiteren Verkauf getätigt, welcher sich gewaschen hat. Ich bin zwar schon pensioniert, hätte aber mit solchen Beträgen ab 20 nie mehr arbeiten müssen und mit jedes Jahr einen Tesla kaufen können.

  2. Und all das Geld und all das Gut
    gewährt zwar viele Sachen;
    Gesundheit, Schlaf und guten Mut
    kann´s aber doch nicht machen.

    Matthias Claudius
    * 15. August 1740 † 21. Januar 1815

  3. Ziemlich guter Artikel. Aber: Selber denken! Auch wenn wir Fehler machen. Mit der Zeit werden wir klüger. Es lohnt sich.

    Mein Depot besteht nur aus Aktien guter Unternehmen, schweizerische, europäische, US-amerikanische und chinesische. Viel Hin und Her ist nicht nötig. Dieses Depot machte im Jahr 2019 26% Profit. Im Januar 2020 gab es nochmals 5.8%, inbegriffen ist ein Rücksetzer in der letzten Januarwoche von 1.66%. Dieser Rücksetzer wurde diese Woche bereits kompensiert.

    Wir lesen in der Zeitung, dass wegen des Corona-Virus die chinesische Wirtschaft leide und die Kurse fallen würden. Tatsächlich machten gerade jetzt die chinesischen Tech-Aktien einen Kurssprung nach oben. So geht es immer: Wichtigtuer erzählen Geschichtlein, um sich damit wichtig zu machen. Gerne auch verbunden mit Crash-Warnungen, denn Sensationsmeldungen bringen Klicks. Dabei liegt nichts näher als dass es nach einem fulminanten Kursanstieg auch einmal einen Kursrückgang geben muss. Denn ein solcher Anstieg ist eine grosse Verlockung, Gewinne zu realisieren. Es ist wie mit dem Atem: nur einatmen geht nicht.

    Hinzu kommt in dieser Zeit – und das ist zentral – dass unendlich Geld geschaffen wird. Natürlich löst das eine Inflation aus. Weil das Geld aber nicht zu uns Konsumenten kommt, sondern im Banken- und Finanzsystem bleibt, gibt es keine Inflation auf Lebensmitteln und Kleidern etc., sondern bei Aktien und Immobilien etc. Das erklärt den Börsenboom und auch, dass es noch einige Zeit so weitergeht.

    Natürlich kommt irgendwann irgendein Crash. Das war schon immer so. Aber bis dahin sollte man investiert sein – und aufpassen. Wenn der Crash kommt, sollte man aussteigen, auch wenn es dann einen Verlust von 5% gibt. Die bis dann gemachten Gewinne werden das leicht verschmerzen lassen. Verluste nicht aussitzen: wer bei Ausbruch der Finanzkrise investiert war und es aussass, kam erst letzten Frühsommer wieder in die Schwarzen Zahlen – zwölf verlorene Jahre.

  4. Aus Bachheimer.com:

    „Eine Theorie zu Wuhan ist, das Wuhan die erste vollflächig mit 5G ausgerüstete Stadt in China war und daher erhebliche Vorschädigungen zur Ausbreitung der „Grippe“ führten.“

    Weiss da jemand mehr?

    • Ergänzend ebenfalls von Bachheimer:

      11:22 | Leser-Kommentar „5G und Wuhan“
      Ich möchte auf den Leserhinweis mit Wuhan und 5G den folgenden Artikel zufügen. Ich halte den Zusammenhang für hochwarscheinlich, denn auch Dr. Edinger und weitere gute Aufklärer ( u.a. Manfred Spitzer) warnen schon lange vor den massiven Gefahren des Mobilfunk. Von 5G mal ganz zu schweigen. http://german.xinhuanet.com/2018-02/06/c_136951993_5.htm

    • Aus Schwachheimer.com

      Zürich ist in der Schweiz am besten mit 5G ausgerüstet. Essen die dort auch Fledermäuse?

      Weiss da jemand mehr?

  5. Fallende Aktienkurse sind ein Segen. Buy low – sell high. Ihr Autor hat diese Binsenwahrheit offensichtlich nicht begriffen.

    • Peter Lynch meint auch, dass Anleger mehr Geld damit verlieren, sich auf einen Crash vorzubereiten, als überhaupt Geld im Crash verbrennt wird.

  6. Nach einer seit bald elf Jahren anhaltenden Hausse ist es nach meinem bescheidenem Dafürhalten angebracht „to take some money off the table“ (also Gewinne zu realisieren und danach Cash zu halten). Dies ungeachtet aktueller Ereignisse jeglicher Art.

    • Es ist möglich Geld, und zwar beträchtliche Summen, an der Börse zu verdienen.

      Aber nicht durch Käufe und Verkäufe, die man aufs Geratewohl startet.

      Die mächtigen Gewinne gehen dem intelligenten, sorgfältigen und geduldigen Investor zu.

      Kaufen Sie, wenn die Aktienpreise tief sind, und geben Sie die Papiere nicht aus der Hand.

      Eine große Schar von Menschen scheint diesen einfachen Grundsatz nicht zu erfassen.

      Sie fürchten sich vor Gelegenheitskäufen.

      Sie kaufen erst, wenn sie meinen jedes Risiko vermieden zu haben.

      Meistens kaufen sie zu spät.

      J. Paul Getty
      * 15. Dezember 1892 † 6. Juni 1976

    • @ tenbagger: Es steht ihnen frei bei einem möglichen Crash voll investiert zu sein.
      Ich für meinen Teil habe und werde suxessiv Buchgewinne zu realisierten Gewinnen bringen bei einer derart lang andauernden Hausse und sehr exessiv hohen Bewertungen. Nach einem Crash von 30, 40 oder gar 50% werde ich gerne wieder kaufen.

  7. … ist aufgebauscht. Natürlich hat China energisch darauf reagiert. Ob das nötig war?! Es ist eine US-Seite die die Entwicklung dokumentiert. Die Heatmap:
    https://gisanddata.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6
    Und diese sagt, dass seit dem Wochenende die Anzahl geheilter Patienten die Anzahl toter überschritten hat. Das Virus wohl noch einige Zeit „relativ“ wenige infizieren wird aber dann wohl abebbt.
    Die Anzahl Grippeerkrankter in der Schweiz ist mittlerweile in der gleichen Dimension wir die weltweit erkrankten am Coronavirus.
    https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/ausbrueche-epidemien-pandemien/aktuelle-ausbrueche-epidemien/saisonale-grippe—lagebericht-schweiz.html
    Daraus sollte sich jeder seinen Reim basteln.
    Zu Panik an der Börse gibt es triftigere Gründe.

  8. IP ist doch ein Blog von Kapitalisten, der von Kapitalisten gelesen wird. Also, als kleine mentale Auffrischung: fallende Aktienkurse stellen eine riesige Kaufgelegenheit dar.

    • Unwissenheit ist eine Form von Naivität. Ich kenne Taxifahrer, die diesen Blogg regelmässig lesen und nicht nur mit Banker im Auto darüber reden. Ein wahrer Hintergrund-Bericht von der Front und von Menschen, die dadurch nicht den Job verlieren. Wo gibt es das sonst noch?