Aufstand des Kaders gegen Richemont-Leitung

Luxus-Multi vergoldet Spitze, setzt Crew auf Kurzarbeit, halbiert deren Bonus. Kaderleute laufen Sturm, HR-Chefin vor Aus.

Richemont ist nicht nur an der Schweizer Börse kotiert. Sondern der Luxusgüter-Konzern hält auch einige der herausragendsten Namen, darunter Cartier, IWC, Jaeger-LeCoultre, Montblanc.

Hinter der glänzenden Fassade der Edel-Marken geht’s derzeit stürmisch zu und her. Die Richemont-Topleute liessen sich für das Ende März abgelaufene Geschäftsjahr 2019/20 selbst wie Preziosen behandeln.

Für die 6 obersten operativen Köpfe schoss die Gesamtentschädigung, sprich Löhne und Boni, um über ein Drittel nach oben: von 30 Millionen auf 41 Millionen.

Jeder der Spitzenmanager erhielt mehr, im Fall des Chefs von Van Cleef & Arpels, der bekannten Schmuckmarke aus Frankreich, ist es gar eine Verdoppelung im Vergleich zur Vorperiode.

Umgekehrt bluten die Richemont-Normalos. Ihnen wurden die leistungsabhängigen Entschädigungen um bis zu 50 Prozent gekürzt, wie ein Insider sagt und das Branchenmedium Businessmontres.com kürzlich berichtete.

Zu weit weg? Johann Rupert (Wikipedia)

Dies, obwohl nur Feburar und März, also die zwei Schlussmonate des Richemont-Jahrs, ins Wasser fielen. Bis Januar waren die Umsätze auf Kurs.

Oben plus ein Drittel, unten und in der Mitte eine Halbierung der Boni: Das sorgt für Aufregung in der globalen Schmuck-Gruppe mit 37’000 Mitarbeitern, von denen über 8’000 in der Schweiz arbeiten.

Es kommt noch einseitiger. Um rasch zu sparen, hat die Richemont-Führung für alle Schweizer Mitarbeiter Kurzarbeit von 50 Prozent beschlossen.

Für April und Mai stockte Richemont das Salär von 80 Prozent vom Staat durch eigene Zuschüsse auf 100 Prozent auf. Auf Anfang Juni wurde der Support gestoppt, nun müssen die Leute mit 80 Prozent auskommen.

Luft nach oben: Richemont-Aktie (rot), Swatch (blau). Quelle: Swissquote

Viele der Betroffenen würden trotz der von der Konzernleitung verfügten Zwangs-Kurzarbeit mehr arbeiten, meint der Gesprächspartner, der anonym bleiben wollte.

„Das Geschäft läuft teilweise wieder sehr gut, da packt jeder geforderte Mitarbeiter an, Kurzarbeit hin oder her“, meint er.

Oben Sahnetorte, unten Kohlegrube: Die Botschaft aus dem Innern der noblen Richemont-Gruppe, deren Aktie an der Börse gleich wie jene der Swatch-Gruppe hinterherhinkt, ist nun ganz nach oben gelangt, wie es scheint.

Jedenfalls meldeten das oben erwähnte Medium Businessmontres.com sowie ein Blog namens Miss Tweed am Freitag, dass die oberste HR-Frau entmachtet worden sei.

Auch sie profitierte von den riesigen Bezügen an der Spitze der Richemont. Für 2019/20 erhielt sie 3 Millionen Franken, im Jahr davor waren es „erst“ 1,9 Millionen.

Hinter der Absetzung – die Personalchefin soll sich laut Berichten krank gemeldet haben – stünde Johann Rupert, der Präsident und starke Mann der Richemont-Gruppe.

Rupert geniesse in der Belegschaft und im Kader trotz der Unruhe weiter einen guten Ruf. „Doch er frisst den Franzosen-Managern, welche sich die Gruppe unter den Nagel gerissen haben, aus der Hand“, sagt die Quelle.

Jetzt versucht Rupert offenbar, die Zügel an sich zu reissen. Mit der Beurlaubung der HR-Chefin will Mister Richemont wohl ein Zeichen setzen. Dass er am Ende durchgreift, wenns nötig ist.

Oder nicht mehr anders geht.

Für viele innerhalb der Richemont-Gruppe war das Eingreifen höchste Zeit. Ob es bei der einen Entmachtung bleibt oder weitere Köpfe rollen, bleibt abzuwarten.

Aus dem Hause Richemont tönt es zu den hohen Boni ganz oben so:

„The figures contained in this year’s annual report are related to past performance and include significant non-cash elements, such as options or shares that may potentially never be exercised; the Board’s variable compensation has been reduced by more than 25%.“

Kommentare

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  1. Eine gerechte Entlohnung scheitewrt oftmals an der Dummheit der maßgeblichen Personen.

  2. Die hässliche Fratze des Kaptitalismus…

    Richemont meldete maximale Kurzarbeit an – in manchen Bereichen bis 90%. Die dadurch entstehenden Kosten und die explodierte Staatsverschuldung werden unsere Kinder noch lange zu tragen haben – nicht das französische Kader welches im Zweifelsfalle mit dem goldenen Fallschirm abspringt.
    Man konnte lesen, dass Richemont 2,4 Milliarden flüssige Mittel besitzt!
    Wenn man als Normalmensch Sozialhilfe braucht gilt: Wenn Eigenkapital vorhanden ist- gibt’s keine Hilfe.

    Um die 2,4 Milliarden Cashreserve bei Richemont zu schützen wurden sogar die Aufstockung des Salärs der einfachen Mitarbeiter von 80% auf 94 % gestrichen!!

    Auch hier wird – wie schon so oft Gewinn privatisiert und die Risiken dem Staat übertragen.

  3. Wir bei IWC haben Arbeit ohne Ende und dürfen nicht arbeiten von Richemont aus, wo wird da an das einzelne Unternehmen gedacht. Die Mitarbeiter geben alles und die oberen ziehen alles an sich. Gegeben wir nicht, wie soll so ein Zusammenhalt in einer Firma enstehen.

  4. Richemont und die Nobel Läden :
    Ist doch bullshit und von wegen.
    Ohne geprügelte Fuzzi – Krampfer
    Lieget schief der Super-Dampfer!

    Die einstmals horrenden Margen
    Sind Passate, ja am Verarschen.
    Mit Corona bleibt die Ware liegen:
    Uhren, Uhren : Nur verschieben .

    Hongkong ist schon lange dicht;
    auch in China gar nix mehr sticht.
    Die Rupert-Firma hat ausgetobt;
    Nicht mehr, als ein sinkendes Boot.

    ORF

  5. Das kann man dem „Normalo“ – und zu denen zähle ich mich als KMU Unternehmer auch – nicht mehr erklären. Nicht überrascht sein, wenn der Nachbar plötzlich politisch links wählt.

  6. Diesem Johann Rupert soll auch die einstmals hervorragende schweizerische Hirslanden-Gruppe gehören. Für diese hatte er bei der Übernahme viel zu viel bezahlt. Er wollte daraus eine einträgliche, der Luxus Hotellerie ähnliche, Spital-Kette aufbauen, wo sich internationale Jet-Set Patienten zu Höchstpreisen behandeln lassen würden, mit „Swiss Quality“ Garantie.

    Die Rechnung ging bislang aber nicht auf. Die Kosten liefen davon. In der Schweiz alles viel zu teuer!
    Maharadjas und Ölscheichs kamen nicht und nun wird an allen Ecken und Enden gespart. Angeblich auch beim Personal. Dies spürt nun der Normalpatient!

  7. „Oben Sahnetorte, unten Kohlengrube“ – da haben Sie, Herr Hässig, den Nagel wieder mal voll auf den Kopf getroffen. Die Herren sitzen einfach zu nahe an der Quelle. Abzapfen – easy. Ist zwar auch bei anderen CH-Firmen so. In der Luxusindustrie ist das aber doppelt schlimm, denn für die hat die Durststrecke erst begonnen. Was draussen ist, ist raus. Das kommt so schnell nicht wieder.

  8. Aha! Diese geldgierige Gesocks in den Teppichetagen kopiert also in der Industrie die Bänklär-Mannie von der Abzocke ganz oben und den Brosamen im Bau? – Pfui!

  9. In französischen Firmen wird autoritär und elitär geführt, was dazu führt, dass das Top Management nichts moralisch Fragwürdiges an der Praxis erkennen kann, seine eigenen royalen Entschädigungen durch Kürzungen der Bezüge an der Basis zu sichern. Den allermeisten französischen Managern geht demokratisches Denken völlig ab; sie fühlen sich als etwas Besseres, auch wenn sie sich in der Kommunikation nach Innen als liberal geben.

    • Darum drängt doch das HR, meist eine Sie, in die Geschäftsleitung. Dies ist der Grund: GL! Und eine Quotenfrau ist erst noch gut fürs Firmenimage. Das freut die Sommarugas der Classe politique.

    • Es wird unter vorgehaltener Hand über eine Abgangsentschädigung von 10Mio. für die Dame gesprochen…

  10. Die Konzerne lernen es nie und nimmer mehr. Die beste Umverteilung findet auf der arbeitenden Lohnebene statt. Stärkt Kaufkraft, füttert die Vorsorge, aber schmälert den „shareholder value“. Was wollen die Konzerne, tiefere Renditen oder Klassenkampf?

    • Du kapierst es auch nicht, hä? – Es geht nicht um „Shärholder Väliu“ sondern darum, sich als „Topmänägerli“ die Taschen zu füllen!

  11. „… such as options or shares that may potentially never be exercised…“
    Da wird dann wohl auf wundersame Weise einfach nachträglich für die Optionen der Strike-Price „den marktverhältnissen entsprechend angepasst“. Wäre ja nichts Neues.

  12. Ausbeuterladen erster Güte, was kann die HR-Tante dafür, dass sie die Boni richtig berechnet, heisst gemäss Weisung der obersten Abzocker, sie bekam ja auch ihr Schweigegeld. Jetzt spielt sich der Südafrikaner als grosser Säuberer auf und entfernt das schwächste Glied der Abräumergilde.

  13. Oben (viel), untern (viel) weniger. Gut für die Arbeitsmoral.
    Das heisst in Zukunft arbeiten die Normalos nach Dienstplan. Ja keine Extraleistung bringen

  14. Some pigs are more equal than others – sollte in den Geschäftsbericht dieser Firma als Jahressologan erscheinen und als Epilog den evergreen von ABBA : the winner takes it all – passt in unsere Raubrittermanagementgesellschaft.