Bündner Hirsch Fanconi: Auch bei EFG auf Glatteis

Der KB-Präsident ist in Wirbel um mögliche Verluste bei Ruvercap geraten. Auch als Kapitän der EFG hat er Interessenkonflikte.

Peter Fanconi ist ein cooler Typ. Seine Kollegen nennen ihn nur „Pete“, Englisch für Peter. Selber spricht der Banker mit ruhiger, sonorer Stimme. Nichts kann den Mann aus der Ruhe bringen.

Denkt man. Nun aber ist Fanconi durch Interessenkonflikte herausgefordert. Seine Bündner Kantonalbank, bei der Fanconi Präsident des Bankrats ist, musste ein Mitglied per sofort auf die Strasse setzen.

Der geschasste Bankrat war bei einer der grossen Partnerfirmen von Ruvercap engagiert.

Bei Ruvercap handelt es sich um ein Private Debt-Vehikel, das in Schieflage geraten ist. Den Investoren drohen hohe Verluste, die Justiz ist am Abklären.

Fanconi steht im Visier, weil er mehrere Hüte trägt und dabei notgedrungen Interessenkonflikte provoziert.

Neben seinem Präsidium bei der Graubünden KB sitzt er auch auf den obersten Stühlen bei der EFG Privatbank und einer Finanzgesellschaft namens Blue Orchard.

Um diese geht es her. Fanconi hatte Blue Orchard gross gemacht, und zwar insbesondere mit Micro-Krediten.

Call me Pete (GKB)

Gemeint sind Gelder für die Ärmsten der Welt. Die Fonds von Blue Orchard gelten als Pioniere mit solchen Investments, die bei vielen „Gut“-Investoren gefragt sind.

Nun stellt sich heraus, dass sowohl die Bündner KB, bei der Fanconi Präsident ist, als auch die EFG Bank, bei der Fanconi ebenfalls das Zepter im VR schwingt, Kundengelder in Fonds der Blue Orchard investiert hat.

Dass die Bündner KB in Blue Orchard-Fonds investiert hat, wurde bereits kürzlich bekannt. Neu ist, dass dies auch bei der EFG der Fall ist.

Dort wollte eine Sprecherin eine Anfrage nicht kommentieren. Man nehme nicht Stellung dazu.

Fanconi wurde mit Blue Orchard ein reicher Geschäftsmann. Er verkaufte die Gesellschaft an Schroders, eine bekannte Bank.

Auch nach dem Verkauf blieb Fanconi auf dem Stuhl des Präsidenten der Blue Orchard sitzen. Deren Micro-Kredit-Fonds könnten in der aktuellen Krise stark an Wert verlieren.

Aus Fanconis Umfeld heisst es, die Blue Orchard-Fonds seien auch in den letzten Monaten weitgehend stabil geblieben.

Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

  1. +0,58% Performance USD seit Jahresanfang in diesem Micro-Finance Fonds? Wohl ein Witz, oder?
    In gewissen Ländern sind bereits fast alle Micro-Loans ausgefallen.
    Wenn die wirklich zu diesem NAV Anteile zurücknehmen: Jeder der die Chance nicht nutzt ist völlig verblödet.

  2. „La Liberté Financière en 7 Étapes“ – Comment doubler votre revenu en 3 mois et quitter votre patron en 1 an, ou moins!

    Freigebiger wird betrogen,
    Geizhafter ausgesogen,
    Verständiger irregeleitet,
    Vernünftiger leer geweitet,
    der Harte wird umgangen,
    der Gimpel wird gefangen.
    Beherrsche diese Lüge,
    Betrogener betrüge!

    Johann Wolfgang von Goethe
    * 28. August 1749 † 22. März 1832

  3. Micro Finance ist kein risky Business, das nun ’stark an Wert verlieren‘ dürfte, wenn das Risiko-Management richtig gemacht wird. Blue Orchard gehört da sicherlich zu den gut organisierten Funds. Da braucht man sich keine Sorgen machen. Der Kommentar, dass man damit überdurchschnittlich verdient, ist schlicht falsch. Bei anderen Micro Finance Funds ist der Ertrag deutlich höher, vlt aber auch die Risiken.
    Und wie schon ein paar kommentiert haben, natürlich ist es unglücklich, dass ‚Pete‘ mehrere Hüte aufhat. Davon einen Interessekonflikt abzuleiten, wäre jedoch deutlich irreführend. Blue Orchard wurde ja, wie LH selber schreibt, an Schroders verkauft.
    Das ‚Glatteis‘ dürfte rasch geschmolzen sein, in diesem Fund hat es soweit bekannt, kein Verdacht auf unlauteres Geschäftsgebahren und sollte daher nicht in den gleichen Topf wie der hässliche Ru-Case geworfen werden.

  4. Diese “Bonus” Artikel wirken oft irgendwie wie nicht fertig geschrieben. Ein paar Halbfakten, ein paar Vermutungen – und da endet der Artikel auch schon. Ist vielleicht besser wenn man gar nicht zur feder greift wenn man nicht wirklich was zu sagen hat

  5. Immer wieder dasselbe Muster, Bankenchef hält nebenbei eigene Firmen, lenkt Bank- und Kundengelder in die Vehikel, bläht die Bewertung auf und verkauft dann die Vehikel an Schroders etc. Graue Form von knallhartem Kalkül. Noch schlimmer natürlich was Ruvercap gemacht hat, Kundengelder in Schrottfabriken geleitet, um muttmasslich riesige Kickbacks rauszuziehen.

  6. Wir Bündner fabrizieren viel Schrott. Jedes Jahr müssen Unterländer
    deshalb 270 Mio aus dem Finanzausgleich NFA ins GR abliefern.

  7. Einmal Blue, immer Blue?

    Das Micro-Kredit-Business passt wunderbar in die Depots der Graubündner Kantonalbank: Man tut Gutes für die Armen und hofft dabei noch überdurchschnittlich zu verdienen. Typisch blauäugig.

    Fehlanzeige, wer dabei fürstlich verdient ist der Pete und die Kommissionen erheischende Blue Orchard. Alles Kantonalbank!

    Hier gilt: je mehr Hüte der Chef trägt desto gefährlicher er lebt.

  8. Diese Konstellation mag auf den ersten Blick unglücklich wirken, ist aber grundsätzlich nichts schlimmes. Die Anlageentscheidungen werde mit Sicherheit nicht im Bankrat beschlossen, sondern durch Produktspezialisten entschieden. Diesen „Interessenskonflikt“ finden Sie wahrscheinlich bei jedem Finanzinstitut!!!

    • Wer sitzt denn in diesen ominösen Anlagerat?

      (wer sind die „Produktspezialisten“, die „zufällig“ ein Investment auswählen, in das ihr oberster Chef verstrickt ist?)

  9. Die armen Bündner haben inzwischen ein echtes Image-Problem:

    Zuerst der Engadiner Bau-Skandal im 2018, dann der Bündner Strassenbau-Skandal im 2019, schliesslich der Bündner-Kantonsgericht-Skandal anfangs 2020 und nun auch noch ein aufkommender Bünder-Kantonalbank-Skandal.

    Da ist man – in Anlehnung an Shakespeare – geneigt, zu sagen: „Something is rotten in the state of Grison!

    • No Wonder.
      Die Regierung setzt sich aus drei Mitgliedern der künftigen Mittepartei (2 CVPler, 1 Widmer-Schlumpfer), einem Sozi und einem Liberalen zusammen. Zwei Räte sind Rechtsanwälte.

  10. „Kaufen Sie das PDF-Dokument mit dem Dreiteiler „Don Pierin: Wahre Geschichte“ für 10 Franken.“
    Zehn Stutz und der Kanton Graubünden – Hauptaktionär der GKB (357 000 Aktien 47,6%) – hätte sich viel Ärger erspart.

    • Darf ich korrigieren, der Hauptaktionär Kanton GR hält 84.5% und somit 633’750 Aktien. Gemäss ihrer Aussage wäre die GKB keine Staatsbank mehr. Bitte nicht Falschinformationen verbreiten

  11. Bei der Personalien Fanconi ist höchste Sorgfalt geboten. Er trägt ganz klar zu viele Hüte und ist nicht unabhängig genug, um eine Kantonalbank oder die EFG zu präsidieren. Hätte der Mann auch nur ein Minimum an Sensitivität gegenüber Interessenkonflikten, so wäre er nicht neben der Büdner KB auch noch Präsident der EFG geworden. Zwei Banken zu präsidieren, sinnvoll? – Sicher nicht!
    Seine Vita war schon in den frühen 2000er Jahren alles andere als fragwürdig. Damals schied er schon nach zwei Jahren, ohne seine Mission erfüllt zu haben, bei PwC als Geschäftsentwickler aus.
    Auch Harcourt hatte er nicht genug gut auf die Finanzkrise 2008/09 vorbereitet und musste die Firma kurzerhand an Vontobel verscherbeln.

    • @Harald Fischer

      Harry, fahr Er doch mal den Wagen vor! Schreiben scheint weniger Seine Stärke zu sein.

      Er schreibt: „Seine Vita war schon in den frühen 2000er Jahren alles andere als fragwürdig.“

      Sein Geschreibsel ist jedenfalls sehr fragwürdig. Beziehungsweise alles andere als gut.