Aargau-KB: Grün mit Shirts „Made in Bangladesch“

Staatsbank kleidet Crew zur Lancierung von Green-Hypos in Shirts aus Armenhaus. Als sie’s merkt, schneidet sie Zettel raus.

Die Aargauische Kantonalbank will die grüne Welle fürs Geschäft nutzen. Kürzlich lancierten die Mittelländer eine Offensive mit sogenannten Green Bonds und Green Hypos.

Als Special Effect kleidete die Staatsbank ihre Angestellten an der Front in grüne T-Shirts. Damit wollte sie auf ihre neuen, nachhaltigen, umweltschonenden und fairen Produkte hinweisen.

Die Shirts selbst passen aber nicht so recht zum grünen Anstrich. Sie stammen aus Bangladesch, einem der ärmsten Länder Asiens, mit Millionen von Menschen, die sich zu Hungerlöhnen verdingen.

Darunter Kinder, die für kaum einen Dollar im Tag unter brutalen Bedingungen Textilien fertigen. Mit nachhaltig und menschenachtend haben Bangladesch-Shirts wenig am Hut.

Als die zuständigen Chefs der Aargau-KB ihren Faux-pas realisierten, griffen sie zur Schere. Kurzerhand schnitten sie die Herkunft-Zettelis am hinteren Kragenrand der Leibchen heraus.

Weg war das „Made in Bangladesch“. Doch der Schaden war da schon angerichtet.

Den Kantonalbank-Verantwortlichen scheint der Vorfall peinlich zu sein, so jedenfalls wirken die langen Erklärungen, die gestern per Email eintrudelten.

Wir sind Grün – mit einem Touch Bangladesch (AKB)

Man habe die Shirts „bei einem uns bestens bekannten, langjährigen Lieferanten aus dem Kanton Aargau bestellt und uns rückversichern lassen, dass die T-Shirts aus Europa kommen“, schreibt die Medienstelle der AKB.

Mit dem Lieferanten bestehe eine „Vereinbarung bezüglich der Einhaltung der AKB Richtlinien zur Nachhaltigkeit für Lieferanten und Partner“, und diese würden “ökologische und soziale Aspekte bei der Auftragsausführung“ vorschreiben.

Die Bank habe sogar eine „Bestätigung“ erhalten, dass alles nach den gemachten Vorgaben erfolge.

Bis dann Bangladesch da war.

„Die Tatsache, dass die T-Shirts ‚Made in Bangladesch‘ sind, haben wir erst bei der Auslieferung festgestellt. Wir haben umgehend mit unserem Lieferanten das Gespräch gesucht und die Hintergründe abgeklärt.“

Und: „Wir vertrauen ihm und seinen Zulieferanten, dass bei der Herstellung der T-Shirts die entsprechenden Standards eingehalten werden.“

Wirklich? Warum dann schnitten die Aargauer die Zettel heraus, als sie die überraschende Herkunft erkannten?

Sie hätten die Shirts entweder mit Made in Bangladesch nutzen können, da alle Anforderungen ja offiziell erfüllt sind.

Oder wenn das nicht glaubwürdig wäre, dann hätten sie sie einfach nicht verwenden können. Darauf die Sprecherin der AKB:

„Weil wir wissen, dass T-Shirts aus Asien einen schlechten Ruf geniessen, haben wir die Herauslösung der Etiketten gefordert, was im Nachhinein betrachtet zu Diskussionen führen kann.“

„Wir werden uns künftig im Rahmen unserer Verantwortung noch stärker um die Transparenz im Herstellungsprozess kümmern.“

Asche auf unser Haupt also. Aber für dieses Mal will man es gut sein lassen – alles Andere würde Mutter Erde ja auch nicht auf die Beine helfen.

„Die AKB hat sich entschieden, die bereits produzierten und gelieferten T-Shirts trotzdem einzusetzen und keine Nachbestellung zu machen, die wiederum Rohstoffe für die Herstellung benötigt hätte“, so die Bank-Sprecherin.

So weit, so klar. Nur: Nicht allein die grünen Bangladesch-Leibchen der AKB-Banker geben zu reden.

Für die Green-Offensive aus dem Mittelland verlost das Staatsinstitut nämlich auch E-Bikes.

Wer einen Green-Bond bei der AKB zeichnet oder eine Green-Hypo bei der KB abschliesst, der kann ein solches Gefährt gewinnen.

Made in Switzerland? Germany? Italy?

Etwas weiter entfernt. Die E-Bikes kommen aus China, jedenfalls der Rahmen und die einzelnen Teile.

Einzig die Endmontage erfolgt in der Schweiz. Dazu die AKB-Sprecherin:

„Auch bei der Beschaffung der E-Bikes haben wir eine regionale Organisation berücksichtigt, die sich selbst dazu verpflichtet und danach strebt, nur mit Partnern und Zulieferern zu arbeiten, die sich an die BSCI-Vorgaben (Business Social Compliance Initiative) halten.“

„Die Endmontage der Bikes wird bei einer sozialen Institution im Aargau durchgeführt, die erwerbslosen und psychisch beeinträchtigten Menschen die Integration in den Arbeitsmarkt ermöglicht.“

„Es findet sich kein Schweizer Dienstleister, der ohne Zusatzbestandteile aus dem Ausland E-Bikes produzieren kann.“

Grün geht die Welt in die Zukunft – zumindest mit Worten.

Kommentare

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  1. Tja, zumindest muß alles grün daherkommen.

    Das reicht.

    Außer, es kommt raus, weil jemand nachhakt und drüber schreibt.

    Leider in der Schweiz wie auch außerhalb der Schweiz Einzelfall.

  2. „Weil wir wissen, dass T-Shirts aus Asien einen schlechten Ruf geniessen, haben wir die Herauslösung der Etiketten gefordert, was im Nachhinein betrachtet zu Diskussionen führen kann.“
    Im Nachhinein? Für jedermann mit halbwegs klarem Verstand war das im Voraus klar.

  3. Sind das Probleme welche lesenswert sind…?
    InsideParadeplatz ist bald schlimmer als 20min. Ich habe viele Markenpolos&Shirts im Schrank welche mehrere Hundert Franken kosten, soviel ich weiss ist keines davon made in Switzerland ausser meine Uhren…

  4. Jaja, aber beim (versuchten) Wechseln vom alten zu neuen Tausendernötli ist man pingeliger. Da geht beim Hauptsitz in Aarau gar nichts! Eine überflüssige Bank.

  5. Typisch, geiz ist geil auch bei der AKB

    Dabei gibt es auch in Europa, Qualität und gute Arbeitsbedingungen. Kostet vielleicht ein wenig mehr…. https://www.trigema.de

    die Firma Trigema von der Familie Grupp setzt auf Arbeitsplätze in Europa mit guten Bedingungen und nur Produkte bester Qualität.

    • Selbst Kauf-Hemden werden nicht mehr in der Schweiz hergestellt.

      Es spricht nichts generell gegen Freihandel oder Produktion von einfachen Arbeitsschritten oder einfachen Produkten im Ausland.

      Allerdings hat es auch Nachteile, wenn im Land nicht mehr produziert wird und die heimische Wirtschaft nichtmal einfachste Produkte wie Atemschutzmasken produzieren kann.

      Atemschutzmasken kann man – wenn man an die Gefährlichkeit von Corona glauben sollte – durchaus auch selbst „herstell“ innert 1 Minute oder etwas länger:
      http://kleidungsstil.ch/covid-schutzmaske-selbst-erstellen-ohne-zu-naehen/

      Überdies ist es stoßend, wenn – wie im vorliegenden Falle offenbar – grün und heimisch (schweizerisch) als Marketing-Etikett mißbraucht wird.

  6. Bashing ggü. der GL der Aargauischen Kantonalbank ist doch etwas unfair.

    Schliesslich arbeiten die GL-Mitglieder mit einer politisch gewollten Lohndeckelung.

    Dass GL-Widmer und Co. da noch Wissen haben sollten mit grüner Nachhaltigkeit und Ethik, ist zuviel des (Salär-)Guten.

  7. Wo grün drauf steht, ist selten grün drin.

    Einmal mehr ein klarer Beweis dafür, dass sich ein Unternehmen einen grünen Anstrich zu geben versucht, das Ganze aber nur ein Lippenbekenntnis ist.

    Liebe AKB, dieser Schuss geht hinten raus. Werden Massnahmen folgen? Nein, sicher nicht. Lieber Aussitzen und Gras darüber wachsen lassen. Also so wie immer.

  8. Alles nur Marketing Bla Bla einer grossen Bank mit vermeintlich top Marketing Abteilung. Peinlich.

    Aber vielleicht ist der Lieferant der T-Shirts auch der Zollabwicklung und Ursprungsdeklaration nicht mächtig.

    Schlussendlich ist grüner Anstrich meist sogenannter Selbstbetrug. Nur haben das auch die Grünen noch nicht begriffen.

  9. Das ist eben die Heuchelei dieser Welt und daran wird sich auch nichts ändern ! Alle sind jetzt plötzlich Grün, weil es Mode ist !Dabei produzieren sie in Bangladesch unter ärmlichsten Bedingungen ! Von einer Aargauer KB würde ich Schweizer T-Shirts erwarten aber das ist wohl zuviel verlangt !

    • Was die AKB hat noch Leute an der Front?
      Die BEKB setzt auf Automaten, lässt die Kunden für sich arbeiten und verlangt Geld dafür. Werbung lässt sich so per Knopfdruck bei der SIX (in Indien?) bestellen.

    • Lesen Sie doch die „WOZ“, die ewige gleiche sozialistische Langweiligkeit!

  10. Grün kann man nicht gleichsetzen mit gesunder Umwelt oder umweltschonend. Grün ist auch nicht unbedingt nachhaltig. Grün kann auch menschenverachtend sein. Vieles das grün ist, ist giftig, ja sogar sehr giftig.Selbst in der Politik ist „Grün“ je länger je mehr bloss ein Feigenblatt für „Rot“.Grün wird instrumentalisiert. Heuchelei, wohin man schaut.Die Bezeichnung Green Bonds und Green Hypos ist also eh widersinnig und nicht zweckdienlich. Die Bank-Marketingleute sollten wieder mal mehr den Verstand benutzen und solches hinterfragen, dann käme weniger Mist raus.

  11. Peinlich ist es nicht zur Herkunft zu stehen.
    Auch in diesen Ländern kann fair produziert werden.
    Es sollte jedem klar sein, dass in der Schweiz oder Europa nicht mehr viel produziert werden kann.
    Wir können in der Schweiz nicht einmal Masken produzieren.
    In den Anfangsjahren eines Schweizer Uhrenherstellers wurde die Herkunft aus der Schweiz in den USA auch verheimlicht. Die Schweiz war damals noch ein Billiglohnland .

  12. Der klassische Etikettenschwindel also. Warum nicht einfach dazu stehen, dass man die Shirts aus Kostengründen in Asien produzieren lässt? Ebenso wie die Batterien für die E-Bikes, die Solarpanels und Windräder. Es sind ja gerade die Grünen und ihre Lifestyle-Anhänger, die ständig behaupten, Solarstrom und E-Mobilität würden immer günstiger.

    Es geht letztlich um Globalisierung. Die Frage heisst: Wollen wir den Entwicklungs- und Schwellenländern weiterhin Schweizer Chemie-/Pharmaprodukte, Maschinen etc. verkaufen und Touristen aus Asien empfangen? Das funktioniert nur, wenn wir aus diesen Ländern Güter importieren.

    Für die Bedingungen, unter denen produziert wird, sind diese Länder allein verantwortlich – und keinesfalls Konzerne mit CH-Sitz. Die sog. Konzernverantwortungsinitiative ist Neokolonialismus und muss allein schon deshalb abgelehnt werden.

  13. Wollte mal nachfragen: wie gehts dem AKB GL-Mitglied aus dem Baselland kommend?

    Er wollte ja mit der Familie wesentlich mehr Zeit verbringen und ist dazumal aus der GL der Basellandschaftlichen Kantonalbank ausgeschieden.

    Tja, nun ein Mehrfaches an Zeitaufwand für den Arbeitsweg. Das lässt sich bei der AKB wohl bestens kompensieren. Solche Fehler wie mit den Öko-Shirts sei zu verzeihen.

  14. Schönes Praxisbeispiel für die Konzernverantwortungsinitiative. Also lieber Gegner dieser Initiative: Zeigt uns doch mal hier auf, wo und wie genau diese Initiative zu dem „wirtschaftlichen Niedergang“ (nach Stöhlker) führen würde (wobei dieser eine allfällige Mehrheit von Volk und Ständen grad auch noch als „geisteskrank“ bezeichnete https://bit.ly/2BTwYPm).

  15. Bin gespannt was dann los ist, wenn all die „lokalen Klimaimperative“ befolgt werden und wir nach Jahren erkennen müssen, dass sich nichts verbessert, ja vieles sogar verschlechtert hat, nur weil alle Anstrengungen durch die demografische Entwicklung anderswo, vollends zunichte gemacht wurden…

  16. Willentlich naiv und dumm gehört traditionell zusammen.

    Scheint wohl bei der AKB stark ausgeprägt zu sein. Und die Kunden? Happy Green-Velo. Trägheit der Kunden ist ein profitables Geschäftsmodell.

  17. Grüne Welle
    Aargauischen Kantonalbank:
    Unsere Marketingabteilung sucht Verantwortliche für die Lancierung grüner Produkte:
    Anforderungen: Grün hinter den Ohren.
    „Unerfahren, unberührt, dumm, naiv, unreif, unwissend, unaufgeklärt unkundig.“

  18. Das passt herrlich zu der Führung der Bank. Sind nicht die meisten Leiter der Banken nicht ganz dicht und schauen nur für den Umsatz und eigenen Bonus.

  19. Die würden sich in der Aargauer Pampa besser auf ihr traditionelles Geschäft (Konti, Kreditkarten, Hypotheken) konzentrieren, ohne diesen grünen Firlefanz. Schlimmer als der Fehleinkauf, ist aber eindeutig die Etiketten Aktion. Wer konnte nur auf die bescheuerte Idee kommen und die Etiketten entfernen lassen?!?! Als nächstes richten sie dann sicher noch ihre Fonds ökologisch aus. Zur Einführung erhalten die Mitarbeitenden die zum T-Shirt passenden Hosen, oder wahlweise ein paar weisse Socken.

  20. Die Etiketten-Schneider.

    Unglaubliche Blasphemie und wieder mal typisch Kantonalbank. Auf der grünen Welle reitend, gleichzeitig das ärmste Land der Welt ausbeutend. Pfui Teufel!

    Und zu guter letzt die Herkunftsetiketten abschneiden.

    „Hallo! Sie sind falsch verbunden!“

  21. Das Problem ist halt bloss, dass bei einem Boykott von Produkten dieser Länder, im vorliegenden Fall Bangladesch, die ArbeiterInnen in den Fabriken erst recht leiden. Ohne Aufträge verlieren sie ihre Jobs und stehen noch schlechter da. Aber die wohlmeinenden Menschen in den reichen Ländern fühlen sich besser, weil sie damit natürlich nichts zu tun haben.

  22. Grün ist jetzt halt so ein mödeli, ich gehe von jetzt an auch immer zu BP tanken, die haben auch ein grünes Logo. Somit fahre ich grün.

  23. Wunderbares Paradebeispiel für Greenwashing und den ganzen Nachhaltigkeitsblödsinn. Wenn ich mal fremdgehen würde, würde ich die AKB-Pressesprecherin sofort engagieren, damit wir wenigstens etwas zum Lachen haben.

  24. Wer leicht rot wird, sollte beim Lügen Grün tragen.

    Yves Saint Laurent
    * 1. August 1936 † 1. Juni 2008

  25. Schlecht gedacht Herr Hässig. In diesen Ländern sind die Stellen in der Kleiderfabrik gute Stellen. Was währe denn die Alternative? Hungern oder Reis pflücken?

  26. Das ist eben das Problem mit den Anhängern der Klima-Greta. Grosse Töne spucken – aber wenn es ums Geld geht, gleich den billigsten Anbieter mit Ware aus Ländern berücksichtigen, die mit unseren Umweltstandards nichts am Hut haben. Weshalb ist die Produktion (insbesondere die Ausrüstung von Textilien inkl. Färben und Drucken) denn in Bangladesch so billig? Genau: die Abwässer fliessen direkt in den nächsten Bach.

  27. Hat die Marketingabteilung wie so oft „price first“ entschieden und wollte alles andere gar nicht hören! Und wenn sie gefragt und gefordert hätten wäre das Shirt 5-mal teurer geworden.
    Ja woher sonst hätte es denn so billige Ware gegeben? Wenn alle Menschen ihre aus Asien gefertigten Kleider ablegen würden, wäre die mehr als die Hälfte nackt.