Heisses Urteil in ASE-Krimi nennt Lachappelle

Als Täter im Grossbetrug steht zwar der Ex-Chef der Basler KB am Pranger. Doch der Raiffeisen-Boss spielte eine zentrale Rolle.

Das Finanzdepartement verurteilte soeben Hans Rudolf Matter zu einer Busse von 50’000 Franken wegen „Verletzung der Meldepflicht“. Es geht um den ASE-Betrug mit 170 Millionen Schaden.

Damit ist die Schuldzuteilung, auch wenn noch nicht rechtskräftig, offiziell. Matter verurteilt, Fall erledigt. Wirklich?

Matter ist im Pensionsalter, seine Karriere ist längst zu Ende. Hingegen ist sein Stellvertreter von damals weiter aktiv. Guy Lachappelle heisst er, der Präsident der Raiffeisen, der Nr. 3 der Schweiz.

Lachappelle war nicht nur ab Frühling 2011 Vize der Basler Kantonalbank (BK), über deren Konti der ASE-Betrug gelaufen war. Sondern er leitete auch seit Herbst 2010 das ganze Kreditgeschäft.

In dieser Rolle hatte Lachappelle auch die Verantwortung für die Kredite der BKB Zürich, die den externen Vermögensverwalter ASE betreut hatte.

Laut Urteil aus Bern hatte Lachappelle „die bankweite Oberverantwortung für Kreditgeschäfte in der BKB“. Lachappelle konnte laut Finanzdepartement aber Zürich „nicht direkt Vorgaben“ machen.

Herr der Lage? (SRF)

Das hätte Lachappelles Chef, BKB-CEO Hans Rudolf Matter, tun müssen. Matter liess Zürich unter dem unkonventionellen Hans Ringger unbehelligt.

Jedoch trug er Lachappelle auf, die Kredite rund um ASE „eng zu überwachen“. Lachappelle wiederum versprach seinem Chef, am Fall ASE „dran“ zu bleiben; er, Lachappelle, würde ihn, Matter, „auf dem Laufenden“ halten.

Im Frühling 2012 explodierte der Skandal. Die BKB wählte als Strategie Flucht nach vorn und reichte Strafanzeige gegen die ASE-Verantwortlichen ein. Später entschädigte die Bank Kunden.

Interessant wird das Urteil des Finanzdepartements im Teil, im dem es um die Schwere des Verschuldens geht. Da taucht Lachappelle an entscheidenden Stellen auf.

Zunächst finden die „Richter“, dass Matters Verschulden „in objektiver Hinsicht insgesamt schwer“ wiege. Er verletzte die Vorschrift, eine Geldwäsche-Verdachtsmeldung zu erstatten.

Was das „subjektive Tatverschulden“ angeht, kommt Matter besser weg. Es sei für ihn „einfacher“ gewesen, „die Sache laufen zu lassen“; dies „entgegen der Empfehlung seines Stellvertreters“.

Also Lachappelle. Der hat laut Urteil somit Matter gesagt, er solle eine Geldwäscherei-Meldung absetzen.

„Verdachtsmomente ausgeräumt“: Lachappelle (EFD)

Nun aber kommts. „Der Beschuldigte (also Matter, AdR) folgte der Empfehlung seines Stellvertreters (Lachappelle, AdR), der sich auf den Standpunkt stellte, die Verdachtsmomente betreffend die ASE seien ausgeräumt, trotz offenkundiger Ungereimtheiten.“

Matter habe damit eine „Meldepflichtverletzung in Kauf“ genommen, diese aber „nicht direkt“ gewollt.

Was steht hier genau? Es steht, dass Lachappelle als Vize der BKB im entscheidenden Zeitpunkt, als die ASE-Konten immer mehr zu reden gaben und intern unter die Lupe genommen wurden, die „Verdachtsmomente“ gegen die ASE als erledigt betrachtet hatte.

Und dies, so das Urteil, „trotz offenkundiger Ungereimtheiten“.

Lachappelle, der nach dem Ausscheiden von Matter CEO der BKB wurde und von dieser Position aus im Herbst 2018 auf den VR-Thron der Raiffeisen sprang, befand somit, dass mit ASE nun alles Ok sei.

Etwas später verloren Anleger, darunter viele kleine, rund 170 Millionen Franken, und die ASE-Strippenzieher erhielten hohe Gefängnisstrafen.

Für den Tages-Anzeiger ist Guy Lachappelle reingewaschen. „Raiffeisen-Chef Lachappelle unschuldig“ steht heute in einem Zwischentitel, und darunter:

„Das ASE-Geschäft lief innerhalb der BKB zum grossen Teil über Hans Ringger, den früheren Leiter der Zürcher Private-Banking-Filiale. Ringger und Matter versuchten einen Teil der Schuld an die damaligen Kreditchefs abzuschieben.“

„Bis Ende September 2010 war das Urs Genhart, danach Guy Lachappelle. Das ist brisant, denn Lachappelle wurde später Matters Nachfolger und ist heute Präsident der Raiffeisen.“

„Das EFD entlastet nun aber Lachappelle, denn dieser habe Ringger gegenüber keine Weisungsbefugnisse gehabt.“

„Lachappelle schrieb darum Matter am 28. Oktober 2010 eine E-Mail, in der er ihn bat, die Probleme mit ASE mit Ringger zu besprechen. Lachappelle habe somit richtig gehandelt und Matter sei in der Verantwortung, so das EFD.“

Kommentare

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  1. Selbstverständlich hat Guy Lachappelle niemals von Nichts gewusst. Nur Matter….. deshalb hat ja auch Lachappelle persönlich ASE in Frick besucht im 2011 und Ultimaten gesetzt, weil er von nichts gewusst hat…. wäre doch logischerweise auch Matters Job gewesen, aber Lachappelle hat ihn gemacht… spannend. Und noch spannender ist, dass das ‚Credit Office‘ regelmässig getagt hat, jahrelang und alle Fakten auf dem Tisch hatte. Nun raten Sie einmal, wer das ‚Credit Office‘ war??? 2 Personen, Matter und…. ja… Lachappelle, welche alle Kreditprobleme diskutiert haben. Das wurde protokolliert im Verfahren gegen ASE. Und nun will einer der Beiden nichts mehr von allem gewusst haben. Ein Kreditausschuss bestehend aus 2 !!! Personen einer grossen Kantonalbank…. spannend.

  2. Die Herren der Lage arbeiten weiter bei Raiffeisen und bei Berest & GTk (wenn auch innoffiziell…. Assets sind ja auch verschwunden in Singapur und Bangkok) , keiner hat irgendetwas gewusst,,, alle sind unschuldig… obwohl alle am Treffen BKB und ASE anwesend waren und die Kulanzfrist der BKB von Guy Lachappelle ausgerufen bis Ende 2011 im Bilde waren… heute hat man alles vergessen,,, wie dement kann man denn sein als EX ASE VRP,., BKB Manager…..

  3. Der ASE KRIMI ist ja gar nicht wirklich ein Krimi. Es ist die Geschichte von sträflich nachlässigen Bankern, die nun den pensionierten und insbesondere den mittlerweile verstorbenen Kollegen bei BKB die Schuld geben. Das ist kein Krimi, das ist nur noch erbärmlich. Herr Ringger war bei der entscheidenden Besprechung bei ASE Frick gar nicht dabei, Herr Matter kann sich an nichts mehr erinnern vor Gericht, Herr Lachappelle in seinem sportlichen Alter und Position schiesst auf alle…. wie weit kann eine Person noch gehen….. erbärmlich,,,

  4. Treffen BKB Lachappelle mit ASE in Frick Herbst 2011. Lachappelle Zitat: Mir (Lachappelle und ASE Managers, 2 ASE Managers by the way present at this meeting) luege uns jetzt tief in d Auge und sie (ASE, 2 Managers) verspräche mir, dass bis Aendi Johr alli Sollbeständ bereinigt sind…. falls nit, kündet BKB d Gschäftsbeziehig oder verlangt halt eifach 250 CHF Spese uf jedem Konto. Isch das ok so??? Damit war die Sitzung beendet. Ende Jahr 2011 wurden dann 250 CHF Spesen belastet auf allen Konten. Beiden ASE Managern bewusst, bekannt, besprochen, beiden, nicht nur dem Geschäftsführer……. Emails, alles bei den Akten. Wer davon nichts gewusst haben will, ist ein Schelm….
    Dass Guy Lachappele dem damals todkranken und mittlerweile verstorbenen Urs Genhart die Schuld gibt an seinem Versagen spricht Bände…

  5. Der Tagi einmal mehr als neoliberales Medium, das dann, wenn es um bestimmte Themen geht, auf einmal ganz staatstragend und konzerntragend daherkommt.

    Und Hofberichterstattung anstatt Journalismus liefert.

    Raiffeisen ist wohl ein wichtiger Werbe-Auftraggeber für den Tagi.

  6. meines wissens war herr genhart schwer krank und war nicht mehr voll im amt….zudem scheint mir, dass die daten etwas durcheinander gekommen sind.

    so waren doch die ersten hinweise anfangs 2009 im k-tip. wie später festgestellt wurde fehlten kreditlimiten für sämtliche ASE kunden. ob herr lachappelle nun kredichef oder stellvertreter war…er war sicher bis ins detail informiert.

    das matter als CEO an die kasse kommt scheint offensichtlich…aber was ist mit dem inspektorat, Complience etc….

    es scheint etwas billig, nach einem so enormen schaden dem rentner matter den schwarzen peter zu geben und weiter gehts für alle anderen (mit)beteiligten.

    • Danke für diesen professionellen Beitrag. Es ist allerdings billig, Matter haftbar zu machen und den Schwarzen Peter zu geben. Typisch Helvetisch, the easy way to solve problems. Compliance, und hallo, das Inspektorat bleibt überall unangetastet,,, der Chef Inspektorat ein Heiliger…. Chef Rechtsdienst auch… alle noch im Amt und enjoying….. Matter das Opfer vom Lachappelle…. the clean Guy…. supported by Inspectorate Chief F. H. and Legal Compliance M. R. , they did theîr job perfect in the past,,,, only Matter did wrong…. make your mind up….

    • selbstverständlich war Herr Lachappelle bis ins Detail informiert und noch mehr als das…. ansonsten hätte er ja seinen Job nicht richtig gemacht…. aber Hauptsache die anderen sind schuld….

  7. Auch Lachapelle wird eines Tages noch fallen, weil er fachlich zu wenig sattelfest ist, sich bei Raiffeisen aber einen CEO gesucht hat, dem er laufend reinredet und damit in der Verantwortung auch für operative und nicht nur für strategische bzw. Oberleitungsfehler – dem eigentlichen Verantwortungsbereich des VR – steht.

  8. Bei der „legendären“ Zürcher BKB Filiale im Stockerhof (unter Ringger, Graber, Longo & Co.) kamen nicht nur ASE sondern auch noch andere BKB Kunden zu Schaden.

    Doch auch dies wird mit Hilfe der Homburger „Star“-Anwälte (Romerio, Bazzani, Ferrari) bestritten und auf die Basler Justiz verwiesen. Hinzu kommt, dass alle „Zürcher“ Kunden Verträge mit Gerichtsstand Basel unterschreiben mussten. Ein Schelm der Böses denkt….

    • das ist so…weiss ich aus erster quelle

      FINMA, BKB, Homburger…decken sich gegenseitig…
      seit 10 jahren…

      das Versagen ist ja gigantisch…

    • Wo findet man Banker ohne Dreck am Stecken, die sind alle verseucht vom thiamschen Collardi Virus.

  9. Dass der TA Guy Lachapelle mit Samthandschuhen anfasst, ist irgendwie auch klar.
    Bei den der zweiten der grossen Transaktionen rund um die BaZ (2002 Jean Frey AG Ringier weggeschnappt, 2010 Direktübernahme durch T. Tettamanti) war H.R. Matter ganz vorne mit dabei.
    Böse Zungen behaupten, dass die Flottenumstellung der Hello AG 2010/2011 auf A320 nur möglich wurde, weil der „geheimnisvolle“ Investor aus Herrliberg, der angeblich bereits vor dem Tettamanti-Deal einen Anteil an der BaZ hielt (noch bösere Zungen behaupten sogar, Tettamanti sei in dieser Sache nur sein Strohmann gewesen), Geld einschoss. Und als dann die Idee der Zerschlagung der BaZ scheiterte, ging die BaZ weiter an Moritz Suter, der -welch Wunder- Eigentümer/Gründer der Hello war. (Die Hello bezog sogar noch Räumlichkeiten in BaZ-Gebäuden!) Als dann Suter Ende 2011 seine Anteile an der BaZ an die Tochter eben dieses Mannes aus Herrliberg verkauft hatte, ging der Hello „plötzlich“ die Liquidität aus, kurz nachdem der Hello-Finanzchef zur BaZ (sic!) gewechselt hatte.
    Die BKB war von dieser Entwicklung völlig überrascht und hat dem Vernehmen nach einiges an Geld verloren, da ein (dem Vernehmen nach substantieller) Teil der Finanzierungsbedürfnisse der Hello bei der BKB lief.
    Anwalt auf allen diesen Transaktionen: Martin Wagner, der übrigens bei Swissfirst gross wurde. Mitten drin: Guy Lachapelle und H.R. Matter.
    Matter wird jetzt zum „Bauernopfer“ weil er definitiv nicht mehr haltbar ist und Lachapelle bleibt unantastbar. Und der BaZ-Profiteur und ex-Wagner-Weggefährte Thomas Matter (seit 2010 SVP-Mitglied) „erbte“ 2014 den NR-Sitz von Ch. Blocher.
    Es wäre übrigens mal ein IP-Special wert, die aktuellen Tätigkeitsgebiete aller ASE-Akteure (vor allem das ZH-Office inkl. Investment Advisory) zuammenzutragen. Von „Karriereknick“ ist da oftmals kaum etwas zu sehen…

  10. Also da wird wieder einer geschont und der AHV-Rentner symbolisch gebüsst. Und der linke Tagi wäscht auch weiss. Was für eine himmeltraurige Pharse. Rechtsverdreherei bis zum Abwinken.

  11. Alles nur schlecht reden ist keine Kunst, im Gegenteil. Hier liegt ein rechtsgültiges Urteil vor. Was soll der Kreditchef mit externen Vermögensverwaltern zu tun haben? Diese laufen unter anderer Führung logischerweise!

    • wenn die kunden des externen vermögensverwalters kreditlimiten für margin geschäfte brauchen auch nicht?

      wenn man keine ahnung hat…..

    • Fred Feuer – sie sind ja mega falsch. Wo FX – da Kreditoffice.

      und Lachaoelle hat/hatte von FX etwa gleich viel Ahnung wie sie..

    • Selber Schuld wer auf externe Vermögensverwalter setzt als Kunde. Lieber direkt bei der Bank Kunde werden.

  12. Das EFD kann Lachapelle gar nicht mitverantwortlich machen, da Lachapelle CEO einer systemrelevanten Bank ist, und damit faktisch Immunität geniesst.

    Das war in der Schweiz schon immer so, und wird es wohl auch noch lange bleiben.

  13. Voila… Free Lachappelle!!!

    Lachappelle schrieb darum Matter am 28. Oktober 2010 eine E-Mail, in der er ihn bat, die Probleme mit ASE mit Ringger zu besprechen. Lachappelle habe somit richtig gehandelt und Matter sei in der Verantwortung, so das EFD

    • Bravo, 2010…. aber 2011 hatte er Meeting mit ASE in Frick,,,, und dann war alles gut… wunderbar….. Stratege Lachappelle,,,, aber nicht ganz fertig gedacht….