Rotary 1: Hotspot der Uni-Chefärzte

Im Zürcher Ableger des Serviceclubs tummeln sich auffällig viele Vertreter vom Unispital. Dort brodelt’s wegen Herzskandal.

Der Rotary 1 mit wöchentlichem Treffpunkt im Widder, mitten in Zürich, ist bekannt dafür, dass es um eines nicht geht: das gesellige Beisammensein.

Vielmehr herrscht Beziehungspflege. Was Rang und Namen hat, soll im mächtigsten Schweizer Ableger des weltweiten Serviceclubs dabei sein.

Umgekehrt fliegt raus, wer abstürzt. Illustres Beispiel fürs Hire-and-Fire im Rotary 1 war Philippe Bruggisser. Geliebt als Airgroup-König, vom Hof gejagt als Swissair-Zertrümmerer.

20 Jahre später ist der Rotary 1 zum Tummelplatz von Staatskapitänen geworden. Besonders ins Auge stechen die unzähligen Vertreter des Universitätsspitals und der Universität.

Das hat vor dem Hintergrund des sich zuspitzenden Skandals an der Herzklinik des Unispitals Brisanz. Dort kämpft der beurlaubte Chef mithilfe von Farner, einer mächtigen PR-Agentur, um Ruf und Geld.

Farbe bekennen muss Spital-CEO Gregor Zünd. Der sitzt ebenso im Rotary 1 wie Gustav von Schulthess, ein lange Zeit höchstrangiger Unispital-Direktor, nebenbei Zunftmeister bei der einflussreichen Meisen.

Von Schulthess stellte sich in der NZZ in einem Gastbeitrag früh vor die bedrängten Herzärzte, indem er einerseits dem Whistleblower unlautere Motive unterstellte und andererseits Strukturen statt Menschen kritisierte.

Effektiv geht es beim Herzskandal aber um die Frage, ob Patientenleben aus Geld-Interessen gefährdet wurden.

Weitere hohe Ärzte und Universitäts-Kader machen den Rotary 1 zum Hotspot der Götter in Weiss. Mitglieder sind:

Daniel Fink, Gynäkologie; Lars French, Dermatologie; Christoph Hock, Psychiatrie; Tullio Sulser, Urologie; Walter Weder, Thoraxchirurgie, der zum privaten Bethanien gewechselt hat.

Gynökologe Fink verliess das Unispital, nachdem die NZZ am Sonntag aufgedeckt hatte, dass der Arzt gleichzeitig mehrere Eingriffe vorgenommen hatte – formell präsent in diversen Ops-Sälen.

Fink bestreitet die Vorwürfe.

Ebenfalls beim Rotary 1 dabei sind Hans Gut vom Careum und Felix Gutzwiller, Ex-Ständerat und früherer Spitzenmediziner aus Zürich.

Flankiert werden die vielen Mediziner im wichtigsten Ableger des Serviceclubs durch hohe Vertreter von der eng mit dem Unispital verzahnten Universität Zürich.

Allen voran vom langjährigen Rektor Michael Hengartner, seinem Pendant von der ETH Lino Guzzella, dem zuvor bei der ETH gescheiterten Ernst Hafen, dem bekannten Professoren Georg Kohler.

Zu einem wahren Macht-Netzwerk gehören die Medien, die Finanzleute und die Anwälte.

Banker: Sie sind ebenfalls prominent vertreten, mit Zeno Staub von der Vontobel, Urs Rohner von der CS, Rolf Dörig von der Swisslife, Walter Kielholz von der Swiss Re.

Einen Platz auf sicher hat – für einige überraschend – Philipp Hildebrand, Ex SNB, heute Blackrock.

Von der NZZ sitzen Chefredaktor Eric Gujer, Ex-Chef Hugo Bütler und Spiritus rector Martin Meyer im Rotary 1.

Von der TX Gruppe, die den Tages-Anzeiger und die SonntagsZeitung herausgibt, ist es Präsident und Verleger Pietro Supino.

Die Anwaltsschar wird angeführt von Peter Forstmoster von NKF, jene der Kommunikationsberater von Urs Lauffer.

Die vierte Gewalt, die Spin doctors, die Kreditgeber, die Anwälte: Alle sitzen am wöchentlichen Rotary-Mittagstisch zusammen mit den hohen Chefs des Unispitals und deren formellen Vorgesetzten der Hochschulen.

Swiss Machtpolitik vom Feinsten.

Kommentare

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  1. Ich befürchte etwas, dass die sich gegenseitig ins Gilet reden. Und das Schnöden erst beginnt, wenn die Sitzung vorbei ist. Aber irgendwo sollen sie sich doch treffen. Es gibt ja auch noch die einschlägigen Zünfte und weitere ’noble‘ Gesellschaften. Sowie die Golfclubs von Zumikon und Schönenberg. Aber die Stäbe der FAKs (4, 2 und Alpenkorps) und deren Divisionen sind ihnen abhanden gekommen. Ebenso der Grasshopper Club. Zentrale Frage: Wo treffen diese Leute jene, die ihnen nicht nach dem Munde reden ? Es gab Leute aus dem Establishment, die Wege suchten und fanden. Bundesrat Fritz Honegger, beispielsweise, war bekennender Fan des FCZ. Fällt heute auch aus Abschied und Traktanden. Mit dem dortigen Chaoten-‚Fan‘-Pack.

  2. Guten Tag
    Gerne möchte ich meinen Standpunkt, was Rotary anbelangt gerne aus einer anderen Sichtweise darlegen.
    Als Expat gehöre ich seit einigen Jahren einem RC in Mexiko an. Ich würde mal behaupten, dass wir sehr durchschnittliche Mitglieder sind und die Menschen und deren Bedürfnisse in unserer Region (District 4185) unglaublich unterstützen. Auch unterstützen wir unsere Mitglieder oder Besucher anderer, internationaler RC in fast allen Belangen.

    Da ich zurzeit in der Schweiz verweile und hier eine neue Basis aufbauen möchte, wollte ich mir hier einem Klub anschliessen, um in zweiter Instanz natürlich auch an interessante Kontakte zu kommen für meinen Wiedereinstieg.
    Die RC, welche ich in der Schweiz und im Raum Zürich besucht habe, unterscheiden sich sehr von meinem Heim-RC. Ich hatte hier das Gefühl vermittelt bekommen, dass ich nicht auf der gleichen Höhe von ihnen bin, vielleicht zu wenig «Elite», ich lasse das mal so stehen. Auf alle Fälle bin ich froh, dass ich meinen RC weiterhin unterstützen und an allen Meetings per Zoom teilnehmen darf. Ich fühle mich mit ihnen verbunden und unterstützt.

    Vielleicht haben wir dort einfach eine andere Mentalität durch die Probleme, die wir bewältigen müssen, welche durch die Armut der Leute bestehen. Wir wollen helfen und haben diese Möglichkeit durch unseren Klub und wir machen uns sogar die Hände schmutzig in unseren Einsätzen. Wenn die Bedürftigen im Glücklich sind, sind wir es auch und es gibt dan sogar Tränen.
    Hier gibt es keine Probleme, oder nur beschränkt, da kann man sich auf anderes konzentrieren 😉.

    Beste Grüsse und weiterhin viel Erfolg.
    Emanuel Kramer

    • Könntesein, dass in CH RCs eher mittelmässige (nach internationalen Massstäben) Mitglieder sitzen, dafür aber mit einem Ego der Extraklasse?

    • Könnte es sein, dass in den CH RCs eher (nach internationalen Massstäben gemessen) ziemlich mitelmässige Leute sitzen, dies aber mit einem Ego der Extraklasse kompensieren?

  3. Mit dem Schaden den Bruggisser angerichtet hat, hätte er mindestens 10 Jahre Kiste verdient !
    Eine Putzfrau verliert beim kleinsten Fehler ihre Stelle.

  4. Rotary: Filz mit Nadelstreifen

    https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14019756.html

    Das Zeichen glänzt neben den Eingängen gediegener Hotels und an den Türen besserer Restaurants, mal in Bronze, mal in Emaille, ein zierliches Zahnrad auf blauem Grund mit der Gravur „Rotary International“. Bestimmt ist es für Gäste, die eine winzige Kopie davon im Knopfloch tragen oder doch dazu berechtigt wären.

    Zu festvereinbarter Stunde treffen sie sich allwöchentlich zumeist in Clubzimmern oder anderen Separees – vorwiegend ältere Bürger, die wie Herren aussehen und es auch sein wollen: Rotarier.

    Deutsche Rotarier, deren Überzeugung von der eigenen Exzellenz jeglicher Selbstironie meist im Wege steht, legen großen Wert darauf, die wöchentliche Gruppenmahlzeit lediglich als Rahmen zu uneigennütziger Weiterbildung gelten zu lassen. Das sah der Rotarier George Bernard Shaw denn doch mit angemessenem Sarkasmus. Er stellte und beantwortete die Sinnfrage knapp: „Where is Rotary going to? – Rotary is going to lunch.“

  5. Ui da ja jemand das Mitgliederverzeichnis des Rotary Clubs gelesen. Sauregurkenzeit. Und alle empören sich über Networking. Wohl die, die halt draussen bleiben müssen oder wollen.

  6. Klubs und Freimaurer :

    Orte und Vereinigungen wo geistige und psychische Habenichts, gefälligst aussen vorn, weder etwas zu melden noch zu motzen haben.

    Die dortigen Dimensionen und Auserwählten messen sich mit nicht geringerem als Gott (eher des Teufels!) in ihren Eingebungen. Herrschen-Mammon-Tod.

  7. @ Swiss Crossair Für berufstätige Frauen gibt es als Gegenstück zum Rotary Club den Zonta Club. Ableger finden Sie in fast jeder grösseren Stadt der Schweiz.
    Zonta International ist ein internationaler Service Club berufstätiger Frauen in verantwortungsvollen Positionen, die sich dafür einsetzen, die Lebenssituation von Frauen in rechtlicher, politischer, wirtschaftlicher, beruflicher und gesundheitlicher Hinsicht zu verbessern

  8. und die Arbeit erbringen zehntausende von Sklaven welche diesen Service-Klub-Angehörigen (SKA) jeden Tag den Buckel machen.

    Wir leben in einem Staat der Völlerei, der Zockerei und der Ganoven (VZG)

    Geschützte Werkstätten für Milliardäre und Zunftmeister

  9. Darf man als Frau eigentlich nicht in den Rotary-Zoo-Club? PS könnten Sie auch einmal einen Artikel bringen zu den Einstiegsbedingungen des Zumikon Golf-and-Country-Clubs? Auch dort reicht ja Geld allein nicht.

    • @ Swiss Crossair Für berufstätige Frauen gibt es als Gegenstück zum Rotary Club den Zonta Club. Ableger finden Sie in fast jeder grösseren Stadt der Schweiz.
      Zonta International ist ein internationaler Service Club berufstätiger Frauen in verantwortungsvollen Positionen, die sich dafür einsetzen, die Lebenssituation von Frauen in rechtlicher, politischer, wirtschaftlicher, beruflicher und gesundheitlicher Hinsicht zu verbessern

    • hallo peperoni, wieso kennt niemand diesen Club? Ich will lieber in den Rotary. Danke LG

  10. E mporkömmlinge
    L ösungs-Verhinderer
    I nsider – profitieure
    T aschen-Tür-Öffner
    E manzpations-Günstlinge

    Gleich:

    Rotary Services

  11. Die Schweiz braucht wieder einen schillerischen Wilhelm Tell, der sich diesen gesslerischen Treiben im Widder, das Land und Leute ausnimmt, widersetzt!

    • dank Wilhelm Tell und unserem Schweizer Nationalnarrativ, auf das wir sehr stolz sind (denn es basiert auf einer historischen Begebenheit und zeigt unsere mentale Stärke – heutzutage sehr gut illustriert durch Roger Federer) konnte Schiller performen und zum besten Dichter Deutschlands neben Goethe werden :-))

    • Haben wir den – in Form von lh – etwa nicht? Wobei ich mir manchmal nicht so ganz sicher bin, ob da präzis mit der Armbrust oder zeitgemäss mit Streubomben auf den Apfel draufgehalten wird!

  12. Jedes Volk muss regiert werden und dies gilt nicht nur für autoritäre Staaten, sondern auch für repräsentative wie auch reine Demokratien. Nur haben wir bei Demokratien Rechtsstaatlichkeit, mehr Transparenz und eine freie Meinung. Ist diese Verbundenheit von der Macht-Elite und Funktions-Elite, wie sie der Artikel schildert, für unser Land gut oder schlecht?
    Nun, wir sind ein Land, wo jeder Angehörige von beiden Eliten jeder jeden kennt. Folgerichtig ist Gefahr von Filz sehr real. Dies will aber nicht bedeuten, dass solche Clubs mit potenten Leuten aus der Macht- und der Funktions-Elite ein Schaden für unser Land ist. Wenn wir ein gutes Zusammenspiel der beiden Elite-Segmente möchten, brauchen wir ausgesprochen gute Gesetze und Menschen mit sehr guter Bildung und Kultur. Es ist klar, dass Angehörige der Eliten immer ein besseres Einkommen haben als wir einfachen Leute. Was wir gegenwärtig nicht optimal haben, die Politik der Schweiz gegenüber der EU zeigt es deutlich. Die meisten Kommentatoren in den sozialen Medien sind derart einer Anti-EU-Gehirnwäsche unterzogen worden, dass wir gar nicht mehr fähig sind unsere grundlegenden Interessen zu erkennen. Wir sind ein Kleinstaat und wir brauchen Schutz vor der bösen Welt und dies können wir nicht erreichen, indem wir gegenüber all unseren Nachbarn die Moral mit Füssen treten und meinen wir können mit dem Banner des Roten Kreuzes all unsere Drecks-Geschäfte betreiben. Leider ist dies die Meinung der Mehrheit der im Artikel erwähnten Clubs. Führt dann auch zur Minderung der Qualität. Wer geht dann noch ins Universitätsspital Zürich und nicht lieber in die Mayo-Klinik oder das Texas Medical Centre.

    • Aber es ist trotzdem auch für Vreni und Urs gut zu wissen wer mit wem und wo zusammen sitzt. Vielleicht geht dem Einen oder Andern dann doch ein Licht auf.

  13. ein wahres Horrorkabinett:

    Daniel Fink, Gynäkologie; Lars French, Dermatologie; Christoph Hock, Psychiatrie; Tulio Sulser, Urologie; Walter Weder, Thoraxchirurgie, der zum privaten Bethanien gewechselt hat.

  14. … und was wollen Sie uns mit diesem Artikel sagen?
    … und wieso gehört dieser Artikel in dem Insideparadeplatz?

    • Könnte evtl sein, dass gewisse Herren bis dato noch nicht eingeladen wurden 🙂

  15. Und wer’s bei Rotary (war FRÜHER EINMAL die 1. Garde) nicht schafft, findet gnädig bei Lion’s (2. Garde) und Kiwani’s (3. Garde) Unterschlupf… Aber generell: Die hohe Zeit der Serviceclubs ist definitiv vorbei!

    • Als Zyniker bezeichnen wir Menschen, die laut sagen, was wir denken.

      Pierre Daninos
      * 26. Mai 1913 † 7. Januar 2005

    • Haben wir in der Schweiz denn nicht mehr Versammlungsfreiheit? Soll doch jeder in einem Verein sein dürfen wenn es ihm gefällt. Altherren-Stammtische inklusive.

  16. Wow, welche Sensationsnachricht! Gibt es so etwas wirklich? Ein richtiger Skandal. Die treffen sich zum wöchentlichen Mittagessen. Das sollte verboten werden.

  17. Ich frage mich ob die Scheiz genau wegen solch fraternisierender Netzwerke erfolgreich ist – oder gerade deshalb in Zukunft nicht mehr sein wird.

  18. Wir haben notwendige Wünsche, notwendige Leidenschaften, notwendige Gesetze, um sie zu unterdrücken; und während wir uns auf unserm Ameisenhaufen um einen Strohhalm zanken, geht das Universum seinen Gang nach ewigen und unwandelbaren Gesetzen, denen auch das Atom, was wir Erde nennen, unterworfen ist.

    Voltaire (1694 – 1778), eigentlich François-Marie Arouet, französischer Philosoph der Aufklärung, Historiker und Geschichts-Schriftsteller

    Quelle: Voltaire, Philosophisches Wörterbuch (Dictionnaire philosophique portatif), 1764. Über das Gute und das Böse in der physischen und in der moralischen Welt (›Bien‹ (Vom Guten))