Vontobel scheitert im Private Banking – erneut

Kauf von Notenstein brachte null Schub: Neugeld und Umsatz stagnieren, Marge ist tief. Vorzeige-Deal wird zum 700 Mio-Flop.

Die Zürcher Vontobel glänzt im Quervergleich mit hohem Aktienkurs, guten Gewinnen, viel Ertrag pro Kopf.

Doch ihr grosses Ziel, endlich ein starkes Private Banking auf die Beine zu stellen: Das zu erreichen will der Familienbank nicht gelingen.

Die heutigen Zahlen fördern dies zutage. Von Januar bis Juni, als die Märkte zunächst kollabierten und dann durch die Decke gingen, hat Vontobel im Geschäft mit den Reichen enttäuscht.

Statt mehr Kundenassets per 30. Juni 2020 sind es weniger als per 31. Dezember 2019.

Grund: Die Corona-Krise habe die Kundenbesuche erschwert, was sich „auch im Netto-Neugeldwachstum“ niedergeschlagen habe, so die Bank.

„Insgesamt lag das Netto-Neugeld im Wealth Management bei CHF 0.3 Milliarden und blieb damit mit 1 Prozent annualisiert unter dem selbst gesteckten Zielband.“

Spitzenreiter Vontobel – trotz Private Banking-Schwäche (Swissquote)

Die Worte sind für notorisch rosarote Eigen-Mitteilungen vielsagend. Die Enttäuschung über das Neugeld-Rinnsal dringt durch.

Was tun? Zunächst gibts Durchhalteparolen aus der Zentrale an der Zürcher Gotthardstrasse.

„Wenngleich die andauernde Pandemie auf absehbare Zeit den direkten Kundenkontakt und damit auch die Investitionsbereitschaft im Wealth Management negativ beeinflussen wird, sieht Vontobel Wachstumsmöglichkeiten auch im Geschäft mit sehr vermögenden Kunden, den sogenannten UHNWI, sowie mit Schweizer mittelständischen Unternehmensinhaberinnen und -inhabern.“

Sprich: Weiter im Takt mit reichen Privaten und vermögenden Unternehmers, auch wenn das nicht sehr originell ist. Fast alle Privatbanken stürzen sich auf diese Klientel.

Das Thema für die Vontobel ist, dass die Bank ihr Geld weiterhin hauptsächlich mit ihrem Investment-Können verdient.

Sie ist gut im Assetmanagement, also dem Geschäft mit den Profis und den Fonds, sie verfügt über eine leistungsstarke Informatik, sie gibt Produkte heraus, mit der sie im Geschäft mit Partnerbanken hohe Gewinne erzielt.

Aber ausgerechnet dort, wo die Führung unter CEO Zeno Staub in den letzten Jahren ihre Ambitionen hatte, nämlich im Aufbau eines grossen Private Bankings, will und will die Vontobel nicht auf Touren kommen.

Besonders schmerzhaft ist, dass sich der Kauf der Notenstein Privatbank für rund 700 Millionen, im Sommer 2018 mit viel Tamtam getätigt, beginnt zu verflüchtigen.

Heute zeigt sich ab, dass die Grossinvestition niemals den erhofften Sprung nach vorn im hartumkämpften Inland Private Banking gebracht hat.

Die Worte im Pressecommunique sprechen dafür Bände. „Wachstumsmotor Asset Management mit sehr guter Ertragsqualität“ lautet die Überschrift zur Paradedisziplin.

Demgegenüber offen heisst es zum Private Banking: „Wealth Management weitet Ertragskraft aus“.

Es folgen Hinweise auf digitale Initiativen wie „Volt“, von denen man weiss, dass sie bisher nicht auf Touren gekommen sind.

Schliesslich schreibt Vontobel zu ihrem Geschäft mit den vermögenden Privatkunden: „Weiterhin positiv entwickelte sich die Ertragskraft im Wealth Management-Geschäft.“

Um dann im Detail enttäuschende Zahlen zu nennen: „So stieg der Betriebsertrag gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2 Prozent auf CHF 215.5 Millionen (CHF 210.8 Millionen).“

Zwei Prozent mehr Ertrag; das liegt im im kaum messbaren Bereich.

Sodann heisst es: „Trotz des wettbewerbsintensiven Umfelds hat Vontobel die Bruttomarge im Wealth Management auf gutem Niveau gehalten. Sie belief sich auf 75 (74) Basispunkte.“

Auch da: Enttäuschung pur. Eine Marge unter 90 Basispunkten ist im Quervergleich mit anderen Privatbanken unbefriedigend.

Kein Wunder, greift Vontobel in ihrer Berichterstattung zu Plattitüden. „In diesen positiven Ertragszahlen spiegeln sich die konsequente Kundenorientierung sowie das kompetenzgetriebene Produktangebot.“

Die nackte Wahrheit lautet anders: 700 Millionen für eine Notenstein Bank, die nicht das Geld wert war. Das missratene Investment lastet auf dem Erfolgsinstitut.

Kommentare

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  1. Vontobel sollte sich besser auf ihre Stärken besinnen und wenn das nicht das Private Banking ist, dann halt Asset Management. Letzteres ist weitaus skalierbarer und vor allem weit weniger risikoreich und Compliance spielt eine kleinere Rolle. Das Modell der Privatbanken ist ja eh mehr als fraglich. Für kleinere Kunden viel zu teuer und die Vermögenden sind bei spezialisierten Externen Vermögensverwaltern zu tieferen Kosten und höheren Erträgen weit besser bedient.

  2. Hauptsache die unfähige GL bekommt jährlich 6-10% mehr Kohle, während die restlichen 99% der Belegschaft die jährlich stille 1% Enteignung nicht merkt… Zumindest erst nach 20 Jahren, oder wenn sie pensioniert werden.
    Scheint ein weltweites Wirtschafts Modell zu sein, wo 1% Bankster die 1% Gängster (mit 80% des weltweit zusammengeklauten Vermögens, inkl. Bestechung) beschützen, während die restl. 99% (!) sich täglich irgendwo gegenseitig bekämpfen müssen, um am nächten Tag exakt so viel Münzen zu erhalten, dass es bis am selben Abend für die laufenden Rechnungen genügt.
    Wake up, before it’s to late-

    • Ich würde einfach aufpassen, wenn der Sakko-Blender am Horizont auftaucht, wenn er die Assets Euch wegnimmt. Seine Masche ist bekannt und diese hat es bis zur Perfektion entwickelt. Es tut mir leid Euch dies zu berichten, aber leider ist er kein Teamplayer, sondern ein Dampfschiff, welcher jeder brutal wegräumt, wenn seine Schwächen offenbart werden! Ich bin sonst so nicht, aber hier müssen alle Alarmglocken läuten! Happy days, but watch out your back, when he appears

    • Dem danger Zone bezüglich Sacko Blender kann man nur zustimmen; der Ex CEO von Notenstein, Hr Künzi, fiel auf den Sacko Blender ein, das Resultat war ein Asset Abfluss von mehreren 100 Mio ChF; watch out, be aware; der Sacko Blender könnte wieder in den Startblöcken bereits zum nächsten Sprung ansetzen.

  3. Lieber Herr Hässig
    Sie haben den Deal leider nicht wirklich verstanden: Es ging nur offensichtlich um das Private Banking. Vontobel hat Raiffeisen (genauer: dem dann schon strauchelnden CEO) den Mühlstein abgenommen – und kann dafür weiterhin beim Assetmanagement abkassieren. Jetzt rechnen sie bitte nochmal nach, ob Vontobel wirklich so einen schlechten Deal gemacht hat…

  4. warum den Banken 90bps zahlen??? wenn man es geschickt macht, geht es mit 20-30bps, als ganz reicher sogar mit 8bps….! nur noch die DUMMEN zahlen solche horrenden Fees…!!! diese „FAT CAT Banks“ werden noch massiv abnehmen muessen

  5. Der hässliche Vogel interessiert mich nicht. Ist mit goldenem Löffel im Ar… geboren worden, brauch(te) nie zu arbeiten, um zu überleben.
    Er mag dafür besser intrigieren, das ist auch ganz wichtig, in seiner Oberliga.

  6. Bereits weit über 30 Jobs abgebaut, gesetz. obligate Kosten für Sozialplan umgangen (HR Tante und Legal-Fritz reagieren nicht auf gesetz. Anforderungen), Gesetzgeber und Seco schauen weg und trinken Halbtags Prosecco … Da müsste eigentlich noch eine magere Gewinnsteigerung drinnen liegen, oder?

  7. Das Private Banking hat eine sehr starke Marge gezeigt und nicht billiges Neugeld gesammelt. Das freut die Aktionäre

  8. Ein Zürcher ExeSearcher hat mir mal erklärt warum die PB auf Platz so unglaublich langsam vorankommen: Egal wer am CEO-Ruder sitze, gewünscht sind weniger Leute (RM) mit frischen Dealideen (Prospects), als vielmehr gestandene Namen oder Teams sur place. Kurz, more of the same – halt etwas teurer. Daher das seit Jahren wenig taugliche „RM bringt New Net Money“-Modell im Private Banking.

  9. „Zwei Prozent mehr Ertrag; das liegt im kaum messbaren Bereich.“ ???

    Naja. Ist wohl alles eine Frage der Sichtweise.

    Wenn das dann etwa 5 Millionen sind, dann übernehme ich sehr gerne diesen „kaum messbaren Bereich“. Falls meine Kontoangaben benötigt werden, dann gebe ich die sofort durch.

    • Beispiel eines Kommentars, die ‚iP‘ nicht aufschalten sollte. Veritas soll doch bitte einige Gründe für seine argumentationslose Behauptung anführen.

  10. Let’s face the brutal facts: Der Fisch beginnt immer am Kopf zu stinken. Georg Schubiger und Jean-Pierre Stillhart sind wahrlich keine Leuchten, geschweige denn Leuchtgestalten. Daher ist Treten an Ort angesagt – seit Jahren.

    Solange diese beiden am Ruder sind, kommt das Private Banking der Vontobel nicht vom Fleck. Ich bin gespannt, wie lange es geht, bis es dem Zeno endlich dämmert. Bei anderen Schlüsselpersonen hat er längst kurzen Prozess gemacht.

    Wer nicht handelt, wird behandelt.

    • Das kann ich Nur bestätigen… Treten nach unten und schleimen nach oben.
      Abschaun-Choleriker, diese zwei Gestalten.

  11. Wachstum kommt halt nicht einfach aus dem Nichts. Und schon garnicht, wenn Georg glaubt, dass er sein Wachstumsproblem mit der Anstellung von ausgedienten UBS Quoten-Frauen lösen kann. Das Problem liegt viel tiefer und auf mehreren Stufen. Vontobel hat zuviele Klein- und Kleinst-Manager, welche höchstens in der 3. Liga auf der Ersatzbank sitzen. Wenn einer meint er könne beim Kunden mit 20 Jahren Betriebszugehörigkeit punkten, dann hat er das Prinzip der Branche nicht verstanden. Veränderung = Weiterentwicklung. Bei Vontobel gilt mehr das Motto „Treten an Ort“ und schön dem Zeno & Georg gefallen. Dr. Hans V. würde sich im Grab umdrehen.

    • Die Besten CH Banker verdienen leider und längst ihren Sold im Ausland. Bringt doch diese wieder in die Heimat und ersetzt diese Dinosaurier.

    • … Meinen Sie die eloquent Dame von VSWA, African und LATAM-Desk?

    • Weiterentwickeln ist immer gut. Wachstum um jeden Preis jedoch nicht. Dr.V. würde sich nicht im Grabe umdrehen, er wusste, dass Langsamkeit bedeutend besser ist als schnelles Geld. Hatte einige Gespräche mit ihm persönlich. Das Private-Banking ist stark umkämpft, das Asset Mgt boomt, und das weil gute Ideen umgesetzt werden. Ist im PB immer schwieriger als im Insti-Geschäft. Hört mal auf zu meckern, schaut mal über die Grenzen, es ist nirgends besser als hier in der CH. Wir müssen jedoch aufpassen, dass wir nicht überheblich werden, nicht nur im Banking auch im Tourismus.

  12. Wenn Sie einen Schweizer Bankier aus dem Fenster springen sehen, springen Sie hinterher. Es gibt bestimmt etwas zu verdienen.

    Voltaire

    (1694 – 1778), eigentlich François-Marie Arouet, französischer Philosoph der Aufklärung, Historiker und Geschichts-Schriftsteller