Vontobels Salami-Umbau

Familienbank entlässt seit Monaten Personal, stellt gleichzeitig neue Leute ein, alles ohne Sozialplan. Ein solcher sei nicht nötig.

Die Zürcher Vontobel gleicht einer Baustelle. Bis Ende 2019 gab es drei Bereiche. Dann wurde einer, das Trading, aufgelöst, die zwei übrigen wurden in „Kompetenzzentren“ zerlegt.

Alles für den Kunden, flötete die Vontobel-Spitze. Wir gehen voraus in der Bankenindustrie beim Auflösen von Interessenkonflikten.

Statt gleichzeitig Firmen zu helfen, ihre Aktien an den Anleger zu bringen, will New Vontobel nur noch für die Investoren da sein. Die sollen maximal profitieren von der Anlageexpertise der Bank.

Was auf der Marketing-Bühne gut klingt, führt hinter den Kulissen zu einer Abwrackaktion. In den letzten Wochen und Monaten haben mehrere bekannte und teils langjährige Führungsleute das Haus Vontobel verlassen.

Aus eigenem Antrieb oder gezwungenermassen. Ihnen folgten Unterstellte, die nicht mehr erwünscht respektive gebraucht waren.

Der Abbau erfolgt als Dauerwelle. Kein Big-Bang, dafür Salami-mässig. Scheibchen um Scheibchen wird abgeschnitten.

Glanz nach aussen, Hire&Fire im Innern (IP)

Das hat – aus Sicht der Führung – einen entscheidenden Vorteil. Einen Sozialplan für die Entlassungen und den Abbau von Stellen brauche es nicht, wie die Bank auf Anfrage ausführt.

„Die Notwendigkeit für Sozialpläne gibt es nicht, weil die Veränderungen die Voraussetzungen hierfür nicht erfüllen“, sagt ein Sprecher der Bank auf Anfrage.

Er verweist auf Mitarbeiterbestände – in der Schweiz und weltweit –, die netto keinen Abbau zeigten. Global beschäftigte die Privatbank Mitte 2020 knapp 2’000 Leute, das waren leicht mehr als per Ende 2019.

Auch in der Schweiz gab es keinen Abbau, dort arbeiten weiterhin rund 1’600, also der Hauptharst des gesamten Personals.

„Die Zahlen zeigen, dass die Zahl der Mitarbeitenden sowohl international wie auch in der Schweiz relativ stabil ist“, führt der Sprecher aus.

Dann aber sagt er: „Ungeachtet dessen ist es richtig, dass es zu Personalwechseln, unter anderem auch im Zuge veränderter Anforderungen kommt, und auch Synergien, die sich aus der neuen Arbeitsweise ergeben, genutzt werden, um die Möglichkeit zu haben, in anderen Bereichen zu investieren.“

Abgänge gebe es aber nicht nur wegen Kündigungen durch die Bank. „Hinzu kommt, dass uns auch Mitarbeitende verlassen, um sich ausserhalb von Vontobel neu zu orientieren.“

Sicher ist: Die Vontobel ist in einem grossen Umbruch. Für die Crew im Maschinenraum und das mittlere Kader bedeutet das Unsicherheit.

Zwischen Bär und Swissquote (Swissquote)

Umgekehrt herrscht zuoberst im Management wohlige Zufriedenheit. Es kam auch dort zu Wechseln, die entscheidenden Leute für den operativen Erfolg blieben aber ungefährdet.

Georg Schubiger, Chef des weiterhin dümpelnden Private Bankings, darf dank seiner Loyalität zu CEO Zeno Staub weitermachen.

Axel Schwarzer, Star des boomenden Asset Managements, steht vor seiner Pensionierung. Bis dahin hat ihm keiner viel zu sagen.

Bei den übrigen Mitgliedern der Geschäftsleitung handelt es sich entweder um alte Weggefährten von Zeno Staub oder um Leute, die in anderen Banken kaum ganz nach oben gelangt wären.

So herrscht in der Bank Vontobel Ruhe – zumindest nach aussen. Das Brodeln im Personal wird als Nebengeräusch abgetan.

Insider machen Kasse (Six)

Einzig die gehäuften Verkäufe der eigenen Aktien durch Mitglieder der obersten Führung deuten darauf hin, dass die Kapitäne der Sache nicht ganz trauen.

„Insider“ verkauften jedenfalls seit Anfang Jahr in 11 Deals Vontobel-Titel, diesen steht ein einziger Kauf gegenüber.

Die Volumen waren nicht klein, die Verkäufe türmen sich auf 9 Millionen. Aber auch der Kauf lag mit 3 Millionen Franken nicht im Peanuts-Bereich.

Kommentare

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  1. Ich fand die Bank mal gut, weshalb ich mich bei denen bewarb. Was mich dann antraf, war allerdings wenig berauschend:
    – lange Wartezeiten (die haben eine halbe Ewigkeit gebraucht, um eine Antwort zu liefern)
    – Gespräch mit Hinz & Kunz (4.5 Stunden Gespräche mit „Managern“ und „Möchtegern-Managern“)
    – viel blabla…wenig Konkretes:
    – Studer: was sind denn ihre Visionen? da kam aber so was von nix
    – Camendzind: Mr. Aggressiv…keine Ahnung wieviel Testesteron der intus hatte

    Fazit: viel Hyperaktivismus und künstliche Dynamik, wenig konkretes (eine typische CH-Bank halt).

    Übrigens: ich hatte die Stellenzusage erhalten und mich dann – nicht zuletzt aufgrund obiger Kenntnisse – dagegen entschieden. Da bin ich aber so was von froh 😉

    Aja: Die „liebe“ HR-Lady Isa hat mich dazumal ziemlich fertig versucht zu machen. „Was fällt Ihnen ein…das kann man doch nicht machen“. Hööö…wie bitte? was macht ihr denn bei der Vontobel…

  2. Wenn die Mitarbeitenden die Anforderungen nicht erfüllen, hätte man sie schon lange auf Weiterbildungen schicken können. Alle paar Wochen eine Reorg, teure Leute einstellen, die nichts bringen. Vontobel is gelähmt und nicht mehr geführt.

  3. Sorry Leute, dass macht die Swiss Life seit Jahren im Stillen. Da werden langjährige Mitarbeiter und ü50 (vorzugsweise Schweizer) mit einem Lächeln auf die Strasse gestellt.

  4. Also alle, die entlassen wurden, bitte hier einen Daumen hoch geben.
    Sind es mehr als 30, kann man gemeinsam anklagen, sofern man sich via Dr. Hässig zusammenrauft 😉😜

  5. «Einen Sozialplan für die Entlassungen und den Abbau von Stellen brauche es nicht, wie die Bank auf Anfrage ausführt.»

    Wozu der kritische Unterton? Mitarbeiter sind Werkzeuge. Braucht man sie, werden sie eingestellt, braucht man sie nicht, werden sie entlassen. Machen Sie einen Sozialplan für den verrosteten Hammer, der es nicht mehr tut?

    Man muss doch mal realistisch bleiben.

    • Sie sind so ein Ignorant. Genau wegen so „beinharten“ Leuten wie Ihnen werden Bankangestellte in der CH im internationalen Vergleich immer noch lachhaft schlecht behandelt punkto Abgangsmodalitäten. Machen Sie schleunigst die Augen auf und schauen Sie über den Tellerrand/ins Ausland.

  6. „Der Abbau erfolgt als Dauerwelle“
    Kein Wunder beim Coiffeur von Herr Staub….
    Vielleicht wird auch er mal rasiert….

  7. Der von Vontobel erwähnte unveränderte Gesamtbestand an Mitarbeitenden ist nicht relevant bei der Beantwortung der Frage, ob es einen Sozialplan braucht oder nicht. Relevant sind einzig und allein OR 335d bzw. 335i:

    „Als Massenentlassung gelten Kündigungen, die der Arbeitgeber innert 30 Tagen in einem Betrieb aus Gründen ausspricht, die in keinem Zusammenhang mit der Person des Arbeitnehmers stehen, und von denen betroffen werden:

    1.) …
    2.) …
    3.) mindestens 30 Arbeitnehmer in Betrieben, die in der Regel mindestens 300 Arbeitnehmer beschäftigen.“

    sowie

    „Der Arbeitgeber muss mit den Arbeitnehmern Verhandlungen mit dem Ziel führen, einen Sozialplan aufzustellen, wenn er:

    a.) üblicherweise mindestens 250 Arbeitnehmer beschäftigt; und
    b.) beabsichtigt, innert 30 Tagen mindestens 30 Arbeitnehmern aus Gründen zu kündigen, die in keinem Zusammenhang mit ihrer Person stehen.

    Zeitlich verteilte Kündigungen, die auf dem gleichen betrieblichen Entscheid beruhen, werden zusammengezählt.“

    Wenn also die über verchiedene Monate hinweg als Folge einer bestimmten Reorganisation ausgesprochenen Kündigungen insgesamt die Zahl 30 überschreiten, muss Vontobel einen Sozialplan aushandeln – ohne wenn und aber.

    Der Bankpersonalverband kann die Mitarbeiter unterstützen, wenn das Management sich seiner gesetzlichen Verantwortung entziehen will.

    Im Weiteren sind alle bisher ausgesprochenen Kündigungen rechtunwirksam, wenn kein Sozialplan ausgehandelt wird.

    • Selbstverständlich kann man dies nachweisen, wenn jeder, der aufgrund der Reorganisation entlassen wurde, sich beim Bankpersonalverband meldet. Jede Entlassung muss ja begründet werden, und wenn die Qualifikation bisher nicht schlecht war, kann man einem MA nicht plötzlich wegen ungenügender Leistung kündigen.

      Vontobel wäre nicht die erste Firma, der man nachgewisen hat, dass sie einen Sozialplan aufstellen muss.

      Nur: es braucht halt Mitarbeitende, die sich engagieren und etwas unternehmen und die nicht – aus Unwissen oder persönlicher Trägheit – alles mit sich machen lassen.

      Das Leben is hart: wer sich nicht wehrt, ist eben Opfer!

  8. Für alle Anleger ist die Neue Helvetische Bank sehr interessant. Extrem tiefe Kosten für Transaktionen und nicht verschuldet.

    Wer sich eine Bank sucht, sollte diese mal in Betracht ziehen.

  9. Traurig. Beschämend. Verwerflich.

    VONTOBEL entlässt seit Anfang 2020 jeden Monat Dutzende Mitarbeitende, z.T. langjährige inkl. solche mit guten Qualifikationen und Personen, die weit über 50 Jahre alt sind. Gerade soviel, um unter dem Radarschirm der Behörden zu bleiben (zur Vermeidung von Sozialplänen).

    Für eine renommierte Privatbank ist dies ein ausgesprochen trauriges Verhalten und eine Schande für die Herren Scheidt und Staub. Denn diese treten den Geschäftskodex der eigenen Bank mit Füssen. Darin steht wortwörtlich:

    „Kundinnen […] Aktionäre, Mitarbeitende, […] und die Öffentlichkeit: Zwischen Ihnen und uns besteht ein Vertrauensverhältnis. Vontobel ist ein Partner auf den Sie sich verlassen können. DAS VERPFLICHTET UND, ETHISCH,, INTEGER UND VERANTWORTUNGSVOLL ZU HANDELN.“

    • Das steht bei allen grösseren Firmen im Hochglanzprospekt und auf der Homepage. Nur je grösser die Firma um so weniger halten sie sich daran. Das ist Fakt.
      Egal ob es um Mitarbeiter oder Kunden geht, die sind ja entweder wenn es gut geht Mittel zum Zweck, Kunden stören einfach meistens und werden oft zu letzt genannt.

  10. Herr Hässig, bitte machen Sie sich doch zuerst mit dem Begriff „Insiderhandel“ vertraut, bevor Sie so tun, als hätte die Vontobel Führung Insiderhandel betrieben…

    • Wer spricht denn überhaupt von Insiderhandel?
      Bitte lesen Sie sich doch zuerst den Artikel, bevor Sie so tun, als hätte Herr Hässig der Vontobel-Riege Insiderhandel vorgeworfen…

  11. Bei Vontobel gibt es sicherlich auch Punkte, welche nicht optimal laufen.

    Vontobel ist aber 10 x besser als die beiden Grossbanken CS und UBS.

  12. Es ist gibt eindeutig immer mehr Hinweise, dass es im gesamten internationalen Bankstersystem immer mehr knistert und brodelt.
    Es ist nur noch eine Zeitfrage wann wieder der erste Zombie vor der Kippe steht. Dann werden die Notenbanken-Brüder im Bankenkartell wieder ihre Kreditschleusen massiv öffnen und noch mehr von ihren beliebig vermehrbaren Kredit-Währungen frei setzen. Diese Betrügerei wird dazu führen, dass die wertlosen Kredit-Währungen (Dollar, Euro, Schweizer Franken, Yen und anderer Schrott) immer mehr entwertet werden, und die Kaufkraft Richtung null sinken wird, dort wo sie hingehört.
    Für die Rentner (die Bezüger), wie auch für die Einzahler(die Jüngeren) von
    Altersvorsorge-Guthaben ist das ein schlimmes Alarmzeichen, denn sämtliche Einzahlungen/Guthaben werden ebenso Richtung null entwertet. Die Altersvorsorge der Bevölkerungsmassen ist mit diesem Betrugs.-/ Kreditschneeball-Finanzsystem niemals gewährleistet. Ein weiterer Beweis, dass die Politik im Bundeshaus mit blinden Totalversagern bestückt ist.

  13. Zenos Privat-Coiffeur braucht hin und wieder auch mal Cash, um einen neuen Föhn zu kaufen. Darum erstaunen die «Insider»-Deals in keiner Weise.

  14. Der Notenstein-Wurm hat sich eingefressen:
    Ist Vontobel gar einer Leiche aufgesessen?

    Jetzt folgen die Bauernopfer um Bauernopfer,
    das heisst, überall werkeln Löcherstopfer!

    Viele haben ihren Job bereits hingeschmissen;
    nach Jahren im Team fühlen sie sich beschissen!

    Vontobel zieht einst flatternde Fahnen ein:
    Dabei pinkelt das Haus gar vielen ans Bein!

    Es herrscht auf allen Etagen die Unsicherheit,
    und die Gerüchte in der Stadt machen sich breit.

    ORF

  15. Interessenkonflickte auflösen?
    Compliance würde in 5 Jahren verdreifacht, alle Verantwortung an andere, geschrumpft Stellen delegiert (hierzu hat man ja auch einen Friz alla CS-Rohner neu in der GL) und schon gibt es keine Interessenkonflickte mehr… Wenn’s knallt, werden hier bei VT nur die unteren Ränge durch die ausführenden HR-Bella’s genötigt.
    Nie steht ein Oberer-Idiot für seine Unfähigkeit gerade, die halten schön zusammen und beschleimen sich den halben Tag mit Networking, während im Maschinenraum schlicht die Zeit hierzu fehlt, da man Produktiv sein sollte.

  16. Man hat wohl erkannt, dass die Arbeitslosenkasse und die Sozialhilfe noch genügend Kohle hat für altgediente Bankangestellte die gefeuert werden, dami Niedriglöhner den Grossmanagern eine gute Boni bringen?
    Gunther Kropp, Basel

    • @Buezer
      Bleiben Sie sachlich und machen Sie keine Schleichwerbung für ein Produkt eines Basler Grosskonzerns. Vielleicht sollten Sie bevor Sie schreiben einen langen Waldspaziergang sich gönnen, wird Ihnen bestimmt helfen sachlich zu argumentieren.

  17. Die neueste Breitseite gegen Vontobel vom chronisch Haessigen bringt nichts neues an den Tag. Dass das weitsichtige Management die Weichen jetzt stellt, ist zu begruessen, werden doch weitere Banken, gezwungenermassen dies spaeter nachvollziehen muessen. Das Bankgewerbe in der Schweiz war aufgeblasen, man hat gut verdient und mochte die voraussehbaren Rueckschlaege nicht sehen. Vontobel wird dann diese Retuschen hinter sich haben und weiter prosperieren zum Wohle der Kunden,

  18. Der Artikel beschreibt die Zustände auf den Punkt genau. Leider sind zuviele Günstlinge und Ja-Sager im Management auf allen Stufen, bis runter zu Deskheads. Ja nicht Wiedersprechen, sonst ist man weg. Bewegen schon garnicht. Von Arbeiten ganz zu schweigen. Klar läuft da nichts im PB. Zum grossen Teil sind das heute entweder langjährige Weggefährten von Zeno und neu auch unzählige erfolglose Ex-UBS&CS Banker, die niemals in der 1.Liga spielen werden. Schade, eine Bank mit der grösse, sollte man im Griff haben. Wie sollen dann die Grossbanken erfolgreich sein? Fazit: Bankenplatz Schweiz wird weiterhin schnell an Bedeutung verlieren! Schade einfach nur.

  19. Jeder Kunde und Vermögensverwalter spürt die Unruhe bei Vontobel; solange bei sämtlichen Banken Löhne von 200000 brutto bis 300000 brutto nicht um 25 % bzw. Ab 300000 nicht um 30 % reduziert werden, wird die Unruhe bleiben, da 95 % der Frontleute nie Kunden holen mussten, was auch im Naturel des kleinbürgerlichen Schweizers steckt, sind diese Lohnkürzungen unausweichlich. Abgesehen, depots mit Strukies und hoch eingepreisten Produkten mit einer mässigen Performance anzuspitzen, kann auch ein vorgelagerter MA vom back Office oder eine Assistentin mit einem Salär von 80000 chf vollziehen.

  20. Der Beitrag wird den Vontobel Leuten aber wieder gar nicht passen. Die werden heute wieder fluchen und Hässig auf den Mond schicken wollen.

    • Danken wir dem lieben Gott dass es IP gibt, somit wissen viele MA die lediglich abhängigeren und fast nichts leisten, dass wenigstens einer ihnen auf die Finger klopft, die Finma schau nur zu.