Francisco Fernandez geriet in Strafverfahren

Avaloq-Chef übernahm Ferrari-Abstellhalle von befreundetem Pleitier zum Schnäppchenpreis. Zuger Justiz will einstellen.

Francisco Fernandez hat’s vom Immigrantensohn zum ETH-Ingenieur und Software-König gebracht. In diesen Wochen soll seine Banken-Avaloq zum Milliardenpreis verkauft werden.

Nun ist der hundertfache Millionär und Avaloq-Präsident in ein Strafverfahren geraten. Zugs Justiz ermittelte gegen Fernandez und einen befreundeten Geschäftspartner sowie weitere Personen.

Der Vorwurf lautet Misswirtschaft und ungetreue Geschäftsbesorgung. Fernandez soll vom Partner eine Abstellhalle für Nobel-Karrossen mit Extra-Bereitstellungs-Service zum Freundschaftspreis erhalten haben.

Fernandez zahlte im 2019 rund eine halbe Million für die Einrichtung. Die Halle für Ferraris und Porsches war zuvor mit gegen 2 Millionen zum eindrücklichen Vorzeigestück umgebaut worden – mit dem Geld von Drittinvestoren und der Arbeit von Handwerkern.

Überwintern mit Service: Pit Lane, neu Safecap (IP)

Kaum hatte Fernandez den grossen Raum (respektive die Innenausstattung) seines Bekannten erworben und in seine eigene Firma Safecap gelegt, deponierte der Freund die Bücher seiner Firma namens Pit Lane beim Konkursrichter.

Die Safecap behielt die Adresse der Pit Lane in Cham ZG. Bei ihr macht auch Monisha Kaltenborn mit, Ex-Chefin des Hinwiler Formel-1-Rennstalls Sauber.

Die Geldgeber, Mitaktionäre und Handwerker des Pit Lane-Chefs, die alle offene Rechnungen hatten, schauten in die Röhre. Sie reichten letzten Sommer Strafanzeige gegen den Unternehmer ein, der gross geworden war mit dem Verkauf von Ferraris und weiteren Sportwagen.

Vor anderthalb Monaten wurde Avaloq-Spitzenmann Fernandez von den Zuger Behörden stundenlang verhört. Er war im schnittigen McLaren und mit eigenem Verteidiger zum Termin bei den Strafermittlern erschienen.

Im Boliden zum Verhör (IP)

Diese haben vor wenigen Tagen den Parteien mitgeteilt, dass sie ihre Untersuchungen gegen Avaloq-Gründer Fernandez einstellen würden. Wie immer gilt die Unschuldsvermutung.

Laut Fernandez sei der Fall damit erledigt, liess der Unternehmer gestern über eine Sprecherin des Software-Unternehmens ausrichten.

Ob die „Einstellungsverfügung“ der Zuger Staatsanwaltschaft gilt, hängt vom Entscheid der Oberstaatsanwaltschaft ab. Diese muss noch darüber entscheiden.

Ein Sprecher der Zuger Ermittlungsbehörde sagte gestern per Mail: „Ich kann Ihnen bestätigen, dass im Umfeld der Firma Pit Lane eine Strafuntersuchung hängig ist. Weitere Informationen sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.“

Insgesamt hatten drei Geschädigte Strafanzeigen gegen den Besitzer der Pit Lane eingereicht. Einer der Anzeigeerstatter schrieb in seiner Anzeige von „anderen Beteiligten“, darunter Francisco Fernandez.

Beim Anzeigeerstatter handelt es sich um einen Geschäftsmann, der ebenfalls Aktien an der Pit Lane hielt.

So sah Fernandez‘ Halle vor dem Millionen-Umbau aus (IP)

Zudem gab er dem Geschäftsführer und Hauptbeschuldigten der Pit Lane Darlehen über Hunderttausende von Franken für den Umbau des für Jahre fix gemieteten Raums in eine Edel-Abstellhalle – die nun vom Avaloq-Herrscher beziehungsweise dessen Firma Safecap genutzt wird.

Dem Gläubiger droht ein Totalausfall. Am Telefon sagte er gestern, dass er die Einstellungsverfügung im Fall von Francisco Fernandez anfechten würde.

„Ich werde Beweisanträge stellen und mich als Auskunftsperson zur Verfügung stellen“, meinte er.

Das Verfahren sei somit noch nicht abgeschlossen, auch nicht in jenem Teil, welchen den Avaloq-Gründer betreffe, so der Anzeigeerstatter.

„Über nun gestellte Beweisanträge wird die Staatsanwaltschaft entscheiden müssen. Erachtet sie sie als relevant, werden die Anträge gutgeheissen und dann auch umgesetzt, mithin das Verfahren noch nicht zur Einstellung gebracht.“

Es könne aber auch anders ausgehen. „Erachtet die Staatsanwaltschaft die Anträge als unerheblich oder nicht tauglich, so lehnt sie die Anträge ab.“

„Theoretisch – ich habe es aber in 20 Jahren Praxis vielleicht ein oder zwei Mal erlebt – kann die Staatsanwaltschaft auch selbst noch Untersuchungshandlungen vornehmen, die nicht beantragt wurden, weil sie auf neue Ideen gekommen ist.“

Fernandez und der Pit-Lane-Geschäftsführer, der sich auf Anfrage nicht zum Verfahren äussern wollte, kennen sich seit Jahren. Beim Bekannten handelt es sich um einen in der Ferrari-Szene verankerten Händler.

Als bei Fernandez zwei Modelle des italienischen Sportherstellers abhanden kamen, soll im der Pit-Lane-Mann geholfen haben. Die Zürich Versicherung hatte sich anfänglich geweigert, den Schaden zu übernehmen.

Kommentare

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  1. Also sind Sie nun hier, Francisco, und begehren Einlass. Was haben Sie in Ihrem Leben für andere getan? Haben Sie Bedürftigen geholfen? Waisen, Witwen, Armen und Hilflosen?
    Lügen Sie mich nicht an, Francisco!
    „Nein nicht wirklich.“
    Was haben Sie denn mit dem vielen Geld gemacht, Francisco?
    „Eh, äh, ich habe sehr teure Autos gesammelt, um mein Ego zu befriedigen und anderen zu imponieren.“
    Dritte Stahltüre rechts, dort wo es durch den Türspalt raucht.
    Der Nächste, wer ist der Nächste?
    Ebner, Martín…

  2. Man hört erstaunlich wenig zum Avaloq-Verkauf. Wo sind denn die Interessenten geblieben, die Warburg Pincus diesen Problemfall abnehmen sollen?

    • vielleicht „opfert“ sich ja noch das neue „deutsche vorzeigeobjekt“, die apotheker-bank…
      die kolportierten 500 millionen, die sie für ihre neue edv zu zahlen haben, können ja auf den „kaufpreis“ angerechnet werden… 🙂

  3. Ein großer Vorteil des Alters liegt darin, dass man nicht länger die Dinge begehrt, die man sich früher aus Geldmangel nicht leisten konnte.

    Sir Charles Chaplin
    * 16. April 1889 † 25. Dezember 1977

  4. Wie schwach ist dieser Fernandez, dass er die Handwerker, die seine Garage aufgemotzt haben, nicht entschädigt. Allenfalls kann man einen Teil seines Wagenparks konfiszieren und verwerten.

    • Ja, so ist. Ich kenne ihn seit Anfang…er hat sich zum Primitivling entwickelt. Wie soviel in der Finanzbranche.

  5. Mischt Herr Fernandez nicht auch noch bei CROWDHOUSE mit?

    Arme Liegenschaften-
    Mitbesitzer. Wieso soll man zu einem kreativen und riskanten Geschäftsmodell auch noch solche Geschäftsleute unterstützen.
    Gier kennt halt Grenzen.

  6. Dran bleiben Herr Hässig, da war/ist laut HR-Auszug auch ein Head of Marketing der Bank Julius B. beteiligt gewesen…. der hat ja auch im Autobusiness begonnen, bzw. Ferraris verkauft….

  7. Warum eine Staatsanwaltschaft so ein Verfahren einstellen will, wirft auch Fragen auf. Es steht zu befürchten, dass die Beweisanträge als unerheblich abgelehnt werden, aber man kann den Fall ja weiterziehen.

    • Weiterziehen? Und beim Bundesgericht bearbeitet dann Martin Laubers Nachfolger den Fall?

      Ja, die Schweiz ist zu einer Republik verkommen. Die mit diesen gelben, länglichen, gekrümmten Früchten. Der Name der Frucht kommt mir nicht gerade in den Sinn …

  8. Wenn der Fall tatsächlich so ist wie geschildert, dann wäre eine Strafeinstellungsverfügung falsch, denn hier läge klar etwas vor. Die Avaloq selbst hat auch mehr als genug Probleme.

  9. Fernandez‘ Avaloq will an die Börse, Hopp!
    blitzschnell, ohne Staatsanwalt mit Stopp.

    In Zug muss man wieder mal fein abwägen ;
    ob man dem Fernandez am Stuhl will sägen?

    Vielleicht gelingt es dem Ferrari-Blender,
    nein, alle Anderen sind die Pleite-Schänder!

    ORF

    • Zug stopft jedem Plauderi Steuergeld in den Hintern auf Kosten der Steuerzahler. Hoffe, dass die Blase bald platzt.

  10. Das mit den Handwerker und offene Rechnungen ist „echt Big Shit“. Vielleicht hilft ein paulianisches Verfahren (s. Paulianische Anfechtung) um die Geldströme der letzten 5 Jahre zu verfolgen und Klarheit bezüglich Geschäftsbesorgung zu bekommen. Da wurden bestimmt Vermögenswerte „irgendwie kreativ verschoben“.
    NB: aber Achtung die Ex-SAUBER-Dame weiss wie man Mehrfach-Verträge handhabt – jedenfalls mit Rennfahrern … (s. Case: Giedo van der Garde vs. SAUBER F1)

    • Ja, die Monisha Kaltenborn (-ierte) ist mit allen Wässerchen gewaschen! Eine extrem vertrauenswürdige Person. 4 Fahrerverträge für nur gerade 2 Cockpits! Chapeau!

  11. Wieder ein Fall mehr, der ganz sicher aufgrund Arbeitsverweigerung, verjähren wird.
    Die Opfer einmal mehr die kleinsten und schwächsten in der Nahrungs Kette (Handwerker mit Einkommensverlusten).
    Feiner Filz in unserer Schweiz –

  12. Ich empfinde die grenzenlose Selbstüberschätzung von PR-Menschen immer wieder von neuem herzig. „Sie dürfen nichts sagen, wissen Sie, sonst wird mein Schef phöse phöse“. Wie im Kindergarten.

  13. Bestimmt wird beim Verkauf der Avaloq auch wieder getrickst. Ebitda liegt gerade mal bei 97 Millionen Franken. 20-faches Ebitda wäre völlig überrissen. Wachstum hat sich verlangsamt, ich halte nicht mal das 10-fache Ebitda für angemessen, also
    einen Preis von unter 970 Mio CHF. Aber wie oben gut beschrieben – Fernandez war schon immer ein „Wheeler Dealer“, besserer Reifen/Gebrauchtwagenhändler, der Geschäfte mit bankrotten ex-Ferrari Händlern macht, Versicherungssoftware etc.

  14. FF und die Avaloq-Sprecherin hatten gestern wohl den nur allzu wahren Spruch „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ in Erinnerung, als sie meinten, die Erwähnung von FF sei problematisch…

  15. fernandez ist ein showmam. ein begnadeter verkäufer. darum ist seine müllhalde avaloq auch so erfolgreich. nur schein. kein sein. alles blablabla