Halbes Dutzend neue Vorfälle am Herzzentrum

1 Patient starb, 1 überlebte knapp, mehrere weitere, die zu bisher bekannten hinzukommen. Spital-Präsident Waser im Bild, schweigt.

Die Spitze des wichtigsten Gesundheitsversorgers des Landes ist mit ihrem vermeintlichen Befreiungsschlag gescheitert. Die Entlassung von 2 Herz-Chirurgen am Zürcher Unispital löst das wahre Problem nicht.

Dieses liegt in der anhaltenden Patientengefährdung. Seit dem Bericht der beauftragten Kanzlei, die eine Reihe kritischer Herz-Operationen geprüft hatte, ist ein halbes Dutzend weiterer Fälle passiert.

Diese fallen in die Zeit von April und Mai, sind also nicht Teil der alten Untersuchung. Der Chirurg, der den Skandal ins Rollen gebracht hatte, meldete die neuen Komplikationen laufend.

Unter den Adressaten war auch Spitalrats-Präsident Martin Waser. Waser, ein Sozialdemokrat und Ex-Exekutivpolitiker der Stadt Zürich, ist somit seit Wochen im Bild über die neuen Fälle.

Trotzdem unternahm Waser lange nichts. Vielmehr spielte er die Affäre herunter. In einem ersten grossen Interview nach der Offenlegung des Berichts der Kanzlei Walder Wyss sagte Waser der NZZ:

„Für uns ist jetzt wichtig, ruhig zu bleiben und sorgfältig zu analysieren, welche Schritte wir einleiten müssen.“

Teflon-Präsident (USZ)

Nur nichts überstürzten. Der Zeitpunkt des Interviews ist brisant. Das Gespräch erschien am 28. Mai, als Waser längst wusste, dass es mehrere neue Fälle neben jenen im Bericht gibt.

Waser aber sprach von „Einzelfällen“, und er sah keinen Grund, rasch einzugreifen. Vielmehr sprach er von „Kulturwandel“ und „etwas Niederschwelligeres“ für Whistleblower-Anzeigen.

Akute Notlage im Herzzentrum des Unispitals, doch Spitalrats-Präsident Waser sieht das Problem im Administrativen.

Gestern meldete die NZZ am Sonntag in einem Bericht über den Whistleblower, einen Leitenden Herz-Chirurgen des Zürcher Unispitals, dass es zusätzliche Vorkommnisse gebe, die noch nicht im Bericht der Rechtskanzlei stünden.

Es sei bisher „nur ein Teil der als Beispiele gemeldeten Fälle geprüft worden“, schrieb die Zeitung mit Bezug auf den Hinweisgeber, der erstmals an die Öffentlichkeit ging, allerdings ohne Namen.

„Wenn in der Medizin Hinweise auf Fehler eingehen, muss sofort gehandelt werden“, gab ihn die NZZ am Sonntag wieder. „Man kann doch das Patientenwohl nicht monatelang weiter gefährden.“

Martin Waser liess Fragen von gestern unbeantwortet. Insbesondere reagierte Waser nicht auf folgende Ausführung in einem Email an ihn:

„Offenbar gab es im Frühling neue Vorfälle, die nicht im Walder Wyss-Bericht drin sind. Trotzdem griffen Sie nicht ein, obwohl Sie davon wussten, heisst es. Warum nicht?“

Waser und sein wichtigster Mann im Fall, Unispital-CEO Gregor Zünd, haben sich vor Wochenfrist sowohl von Herzchirurgie-Chef Francesco Maisano als auch dem Leitenden Arzt und Melder der Vorfälle getrennt.

Maisano sieht sich als Opfer einer Medienkampagne. Er erzielte privat einen Millionengewinn mit Herz-Implantaten, bei denen es zu schweren Komplikationen gekommen war. Seine Beteiligung am Implantant-Unternehmen hielt Maisano geheim.

Dass auch der Leitende Arzt gehen müsse, hänge mit dem zerrütteten Verhältnis zusammen, meinten Waser und Zünd. Die Trennung sei nötig, damit Ruhe in der Herz-Chirurgie eintrete.

Das oberste Spital-Duo sieht somit nicht die Patientengefährdung als Grund für die Trennung von Klinikdirektor Maisano, sondern das Arbeitsklima.

Die neuen Vorfälle, über die Präsident Waser ständig ins Bild gesetzt worden war, sind erst Anfang Juni offiziell angepackt worden. Damals beschloss die Spital-Spitze eine 2. Untersuchung.

Waser hat sich in seiner Karriere als Teflon-Figur entpuppt. Im Skandal um das Zürcher Abfuhrwesen landete ein teurer BMW und ein Piaggio bei Waser. Dieser war Vorsteher des Abfuhramts.

Kürzlich wurden zwei Ex-Kaderleute des Amts verurteilt. Im Bericht der NZZ zum Urteil tauchte auch Martin Waser prominent auf.

Kommentare

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  1. In der Schweiz „courant normal“: selbst zurecht Whistleblowers werden zuerst schikaniert, dann fertig gemacht und schlussendlich noch gefeuert und ihr Ruf kapputt. WER will in einem solchen System noch auf eklatante Missstaende aufmerksam machen?

  2. Dass der „Whistleblower“ vielleicht gar kein „Whistleblower“ ist, sondern möglicherweise ein Querulant der rücksichtslos Eigeninteressen verfolgt, und möglicherweise auch ein gescheiterter Herzchirurg der selbständig keine Patienten mehr behandeln darf und an Konkurrenzunternehmen beteiligt sein soll, sollte man auch mal dringend durchleuchten. Dies wurde in einem Artikel in der Tagespresse mal so postuliert, keine Ahnung ob es zutrifft, aber wenn ja, würde die Sache ganz anders aussehen. Jedenfalls schadet sein Verhalten seinem Arbeitgeber massivst. In keinem anderen Betrieb würde man so etwas tolerieren.

  3. Herr Hässig, schreiben Sie lieber über die Finanzbranche. Dort haben Sie viel Wissen und Erfahrung. Im Gesundheitswesen haben andere mehr Talent als Sie.

  4. Waser scheint mir überfordert. Schönwettermensch. Hofft auf ewiges Hoch = abhocjen und abkassieren.
    Pech – für alle(!) – wenn’s regnet.
    Das verrät auch das Zitat mit „ruhig bleiben, sorgfältig analysieren, Schritte einleiten müssen“ = beliebte, von Berater eingeflüsterte Floskel für „keine Ahnung, was wir tun sollen. „Schei**e“, Arbeit, Ärger“ – plus: Zeitgewinn, immer verbunden mit der Hoffnung, der Regen möge sich verziehen.
    Tut er aber meistens nicht. Nicht in der Politik und Wirtschaft. Zu viele Aktöre. Die lassen es pissen. So ein Pech.
    Man beachte auch „müssen“ – LOL! Und „einleiten“, nicht etwa, „tun wir jetzt“.
    2 thumbs down.

  5. Tut mir leid Herr Hässig, aber Ihre „Medizin-Berichterstattung“ finde ich peinlich. Eine lose Aufzählung an vermeintlichen Problemen, gepaart mit einem reisserischen Titel.
    Natürlich sterben an einem grossen medizinischen Zentrum (egal welches) ständig Menschen. Vermutlich sogar mehr als anderswo. Daraus gleich ein Problem abzuleiten oder Pfusch zu vermuten, ist schlicht unseriös. Das der „whistleblower“ offenkundig eine spezielle Gestalt ist, scheint mittlerweile auch klar.

  6. Waser – ein typischer Vertreter des FVfaAK (Förder-Verein für abverreckte Akademiker-Karrieren (ehemals SP Schweiz) – eine Schande, was diese miesen Kreaturen mit dem Mitgliederausweis der SP Schweiz veranstalten!

  7. Und erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.

    Spital-Präsident Waser dachte, mit der Entsorgung des „Störenfrieds“ sei der Fall ein für alle Mal erledigt und die Sache für die Medien gegessen.

    Gut lässt sich der entlassene „Whistleblower“, ein leitender Herz-Chirurg des USZ, nicht unterkriegen und berichtet über weitere kritische Fälle, bei denen Waser in Kenntnis war, darüber jedoch lieber schwieg. Nur noch beschämend!

  8. Was mich stört, ist die Entlassung des Whistleblowers, offensichtlich auch ein leitender Herzchirurg. Begründung von Waser/Zünd: Wegen des zerrütteten Klimas an der Herzklinik mit einer pro- und contra-Fraktion. Wenn der Whistleblower recht hatte, dann muss man halt dessen contra-Fraktion entlassen, selbst wenn das mehrere Ärzte sein sollten. Die Herren Waser und Zünd sind um diesen Skandal nicht zu beneiden. Aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, wie es jetzt danach aussieht.

  9. Das Ganze wird keine Früchte tragen und ist dermassen beschämend! Martin Waser sollte das Feld räumen! Weder beim Sozial-noch beim Tiefbaudepartement und jetzt auch wieder am Unispital hat das mit seinem Führungsstil funktioniert! Nur Ruhe bewahren, abwarten und Tee trinken, funktioniert vielleicht als Lehrer an einer Schule, bestimmt nicht im Business wo Erwachsene Menschen einen professionellen Führungsstil benötigen! Was muss den noch alles schief gehen?!

  10. Der Bund braucht in Sachen Notrecht-Begründung dringend mehr Tote, damit die “Corona-Totenliste“ für die Statistik optisch verbessert werden kann.

    • nur optisch oder auch kalkulatorisch? :-)) was die Italiener im März für eine Hysterie angezettelt hatten, weil sie ihr Gesundheitssystem nicht im Griff haben, ist marketingtechnisch eigentlich sehr beeindruckend (auch wenn es nicht mal Absicht war). Leider hat keine Regierung ausser der schwedischen gesagt, dass Corona eine Grippe ist und es daher keinen Grund zur Panik gibt. Nehmen Sie doch einfach Echinaforce, wenn Sie so Angst haben. Ich persönlich freue mich auf nächstes Jahr, wenn Covid 19 nur noch als enervierender (sprich blöder) Medien- und Politikerhype in Erinnerung bleiben wird. Aber dank der Masken durfte sich jetzt jeder mal einmal im Leben als Chirurg fühlen.

  11. Ja, Zünd und Waser sind Probleme und als „Löser“ überfordert.
    Schade, dass kein USZ-Insider Klartext spricht.
    Für die Oeffentlichkeit (oder nur für unsere Neugier?) wäre es wichtig, auch Naeheres über den letztlich dennoch gefeuerten Whistleblower zu erfahren.
    Im Herzzentrum sind die Schlimmsten weg.
    Im nächsten Schritt die Spitalleitung und deren Aufsicht hinterfragen und allenfalls ohne Rücksicht auf Parteizugehörigkeit oder frühere „Verdienste“ ausmisten.
    Und v.a. auf Petientenebene gute Arbeit abliefern.

  12. Es war ja klar, dass man nun den „Nestbeschmutzer“ loswerden will. Damit setzt man ein Zeichen an all die möglichen weiteren Whistleblower und kann künftige Fälle einfacher unter den Teppich kehren. Man will die Probleme nicht lösen, man „managt“ sie halt einfach. Es ist nun an den Patienten, sich an einer anderen Klinik behandeln zu lassen, dann ändert sich vielleicht etwas.

  13. Dieser Waser, bekannt als Wegschauer, wenn’s brenzlig wird, muss sofort abtreten, die SoziStadtpräsi. hat sicherlich ein Jöbli als Flüchtlingsbetreuer, da kann er dann wieder wegschauen.

  14. Diese Spital würde ich eher meiden und persönlich in die Gesundheits-Prävention investieren.

    Nebenbei sind genau solche Fälle zu erwarten, wenn gesunde Menschen zwangsgeimpft werden (@ Corona-Wahn).

    Ganz gut, wird dieses Thema jetzt offen diskutiert.

  15. Was ist das nur für ein verdammter Filz in einem stätischen Spital? Weshalb reagiert der Bund und Kanton nicht? Haben wir es nur noch mit Korruption, Sesselkleberei und blinde Kuh zu tun? Waser und Zünd gehören beide weg und Rickli dazu.

    • Ricki ist völlig überfordert. Seit der von ihr verordneten Maske leidet sie unter akutem Sauerstoffmangel.

  16. In Deutschland mussten die Bestatter während der „Hauptsaison“ der Corona-Krise Kurzarbeit „leisten“. – Die Spitäler „produzierten“ (wegen Fokus der Kapazitäten auf Corona) nicht genügend Tote, die wegen missratenen Eingriffen, danach auftretenden Komplikationen oder Spitalbakterien über den Jordan gegangen sind bzw. wären…

    • Maisano hat offensichtlich Patienten mit Mitralklappenproblemen mit einem noch nicht zugelassenen Medizinprodukt im Rahmen einer klinischen Erprobung versorgt (Cardioband), obwohl diese Patienten eben so gut oder besser operativ hätten versorgt werden können. Im Rahmen des Patientenaufklärungsgespräches wird der Patient denn auf die minimal invasiven Vorteile der neuen Methode hingewiesen (keine Thorakotomie) und so überzeugt. Dass die Implantation des Cardioband sehr komplex (Verschraubung am Mitral Annulus) und mit erheblichen Komplikationen verbunden sein kann ist bereits bekannt, zusätzlich ist die Implantation sehr zeitaufwändig und die genaue Verschraubung (Abstand von Schraube zu Schraube) kaum zu leisten. Das Verfahren setzt sich nach anfänglichem Enthusiasmus deshalb auch nicht durch (gut für die Patienten, schlecht für die Industrie und die Anwender). Was hat das mit Maisano und der Klinikleitung zu tun? Maisano wollte seinen Ruhm und seinen Geldbeutel mehren und die Klinikleitung wollte durch den Ruhm in der Presse Patienten an die Klinik locken. Standard Prozedur in der gesamten Klinikszene in der westlichen Welt. Wie schon berichtet: durch die Verschiebung der elektiven Eingriffe durch die Covid Problematik ist die Krankenhausspezifische Mortalität in Deutschland erheblich zurückggangen, das war der deutschen Presse nur einen Nebenartikel wert, sollte aber jedem potentiellen Patienten zu denken geben. Prävention hilft in der Regel, das Leben zu verlängern, ist aber nicht gut für das Geschäft der Mediziner. Willkommen in der Realität.

  17. Walser der „Rohner“ des Uni-Spitals. Synonym für weisse Weste – hier weisser Kittel.
    Ein weiteres abschreckendes Beispiel, dass ausrangierte Politiker in der Wirtschaft nichts zu suchen haben.

  18. Das Personal eines Fluges ist vertraglich verpflichtet, jede Auffälligkeit zu melden – egal ob langjähriger Kapitän oder Stewardess.

    Dies ist auch in einigen Spitälern der Fall.

    Dass dies am USZ nicht der Fall ist, hängt mit der Kultur ua in der IT zusammen.

  19. Tja, das ist so bei den ach so sozialen Parteimitgliedern: hat man erst mal den Schritt in die Pfründe-Etage getan, kann man doch schalten und walten wie man will.
    Ob Frau Stocker dabei whistleblowende Schweizerinnen des Jahres rausschmeisst, um ihren Ruf zu schützen, ob anti-kapitalistische Ex-BRs nach Ihrer Demission gleich zu einem der kapitalistischsten Betonverbauer der CH wechseln oder Stadträte sich einen Deut um OP-Tote kümmern, allen gemein ist die solidarische Haltung: wir zocken gemeinsam in gleich skrupelloser Art ab!