CS: Spy-Zentrale am Paradeplatz

Heute muss Iqbal Khan im Spionage-Thriller bei Staatsanwältin antraben. Topleute in Bank wissen um Beschattungs-Truppe.

Tiefenhöfe nennt sich eine Zürcher Mini-Gasse, die am einen Ende direkt in die Bahnhofstrasse und am anderen Ende an den Paradeplatz führt.

Im Haus mit der Nummer 10 logiert die Credit Suisse. Hier arbeiten jene Leute, welche für die Grossbank spionieren und überwachen.

Die Spy-Zentrale der Credit Suisse.

So unscheinbar der Eingang mit den CS-Schildern wirkt, so wirkungsvoll hat sich die Grossbank hier einen eigenen Kommandobunker eingerichtet.

Mit teurer Infrastruktur, von Sicherheitsschlössern über spezielle Zugangscodes bis zu fensterlosem Verhörzimmer und Überwachungskameras.

Number 10: Big Secrets (IP)

Es ist das einzige Gebäude der CS, das nie geräumt und nie verschoben wurde; zu viel hat die Bank in ihr Spionage-Headquarter investiert.

Im 3. Stock logiert jene Truppe, welche Personenüberwachungen koordiniert. Von hier aus lenkten die CS-Sicherheitsleute die Beschattungen von Mitarbeitern, Managern und weiteren.

Die Operation gegen Personalchef Peter Goerke im Februar 2019, der Einsatz gegen Iqbal Khan im September vor einem Jahr – sie sind die Spitze des Eisbergs.

Einzig weil diese Beschattungen gegen oberste Chefs im Unterschied zu den vielen anderen gegen weniger zentrale Figuren aufgeflogen sind, wurde die Zürcher Traditionsbank zur Credit Spy.

Heute sagt Iqbal Khan vor der Zürcher Ermittlerin aus. Der inzwischen bei der UBS weit oben angelangte Manager muss zu seiner Strafanzeige vor Jahresfrist Red und Antwort stehen.

Auch die Frau von Khan muss heute in Uster in der dortigen Staatsanwaltschaft aussagen, und zwar in einem separaten Gespräch.

Bisher wurden die beiden immer nur zusammen befragt – was laut Experten ein unverständlicher Faux-pas der Behörden sei.

Die Beschatter der CS im 3. Stock in der Tiefenhöfe 10 rapportierten an Pierre-Olivier Bouée, bis vor einem Jahr Chef für alles Operationelle der Bank.

Bouée musste nach dem Skandal gehen, er kämpft heute gegen die CS um einen Teil seines zurückgelassenen Geldes.

Beschatter: Stock 3. Aushorcher: Stock 5 (IP)

Im 5. Stock haust eine weitere geheime Truppe, jene des eigentlichen „Meisterspions“. Er gehört zur Truppe rund um CS-Chefjurist Romeo Cerutti.

Der hohe Geheimdienstler und seine Mannen werten in ihren Büros und auf ihren Computern alle Emails und verdächtigen elektronischen Spuren aus.

Sie sind die NSA der Credit Suisse.

Bei Spitzenjurist Cerutti landen die heiklen Fälle. Der Anwalt, der sämtliche Geheimnisse der CS kennt, ist der Wissensträger vom Paradeplatz.

Cerutti geht stets mit der Zeit. Der General Counsel hat selber bis vor wenigen Wochen mit der App namens Threema kommuniziert.

Threema war das Mittel, mit dem sich Bouée und sein Sicherheitschef in der Operation Khan abgesprochen hatten.

Selbst CS-Präsident Urs Rohner, der mit Cerutti eng verbandelt ist und sich mit diesem abstimmt, nutzte Threema bis Ende 2019.

Die CS sagt: „Weder Urs Rohner noch Romeo Cerutti haben Threema geschäftlich genutzt.“ Cerutti habe Threema auch privat seit Jahren nicht verwendet.

Die Bankenaufsicht Finma geht all dem auf den Grund. Sie will wissen, warum oberste CS-Manager, darunter Ex-Chef Tidjane Thiam – dieser nutzte mit Vorliebe WhatsApp – sich über Wichtiges auf ihren Privat-Handys absprachen.

Das sogenannte Enforcement-Verfahren der Finma droht die CS als Spionage-Firma zu entlarven. Die Untersuchungsbeauftragte der Aufsicht könnte im Haus an der Tiefenhöfe 10 auf neue Dirty Secrets stossen.

Kommentare

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  1. Dieses Verhörzimmer ist real. Es dient auch dazu, kritische Mitarbeier zu „neutralisieren“. Wenn man einen Business Area Head kritisiert wegen Sexismus, Bandenwesen, Einschüchterung, Korruption und Bereicherung wird man dorthin eingeladen.
    Dort wird einem dann klargemacht, es sei gesünder, zu schweigen.
    Denn so etwas gibt es nicht auf der Credit Suisse.

  2. Es wird Zeit den obligatorischen Drogentest mittels Haarproben beim Kader einzuführen.
    Wer Menschen führt, sollte auch verpfichtet sein dies ohne Rauschmittel machen zu können, ansonsten gefährdet er andere wie im Strassenverkehr.

  3. Spy-übel könnte einem werden; diese Bank mit fensterlosen Verhörzimmern. Das riecht nach Ostblockerinnerungen. Ein Arbeitgeber der seine eigenen Mitarbeiter überwacht und in gefangenen Räumen verhört. Ist das überhaupt gesetzlich erlaubt?
    Sie trauen sich nicht mal mehr selbst über den Weg, überwachen sich gegenseitig wie in einem kalten Krieg.
    Am Kundenschalter wird den Leuten vorgegaukelt Geld beruhe auf Vertrauen,
    ..und im Hinterräumchen dann die eigenen Mitarbeiter plagen.

  4. Bei CS ist jedes Compliance Kollege ein möglicher Spion. Niemand will mit diesen Leute Kontakt aufnehmen, sie gehören einfach zu einer anderen Welt.

  5. Früher nannte sich das Spionage-Headquarter am genau gleichen Standort Sicherheitsdienst. Es ging darum, die Mitarbeitenden in der Schalterhalle vor Überfällen zu schützen, den gesicherten und kontrollierten Zutritt zu allen Bankgebäuden mit Badge etc. etc. Das Rechenzentrum im Uetlihof war immer doppelt und dreifach geschützt. Vielleicht nennt sich der Sicherheitsdienst heute Security Service, aber dessen Mitarbeitende waren natürlich dafür prädestiniert, die Überwachung von Khan und Goerke an die Hand zu nehmen. Von der Existenz dieses Service haben aber bestimmt sowohl Khan als auch Goerke gewusst. Und vor ihrer eigenen Beschattung hätten sie selber keine Skrupel gehabt, andere Mitarbeitende beschatten zu lassen. Man muss also keine Tränen vergiessen. Es geht um die üblichen Machtkämpfe unter hoch bezahlten Manager, die einem irgendwann anwidern.

  6. paradeplatz 10 ist doch nur die spitze. in dieser bank läuft die bespitzelung egal welcher MA über private kontakte und gefälligkeiten. eine avp (sekretärin bei mdr) kann durchaus die gesamte Belegschaft über jahre für private ziele manipulieren und lenken.
    schreiben Sie mich an, Herr Hässig, und Sie haben eine neue story.

  7. Hoffe die Behörden werfen einen Blick auf dieses System aus Überwachung und Spionage. Vermutlich sind in diesen Büros einige Abgänge von Managern geplant worden indem man nach belastendem Material sucht um sie dann unter Druck zu setzen damit sie das „Richtige“ tun. Für die Ermittler wird das wie Weihnachten…

  8. Das heisst wohl, nach der Singstunde von Herrn Khan, gibt es eine staatsanwaltschaftlich-polizeiliche Durchsuchung der Credit Suisse-Zentrale am Paradeplatz?
    Gunther Kropp, Basel

  9. Da wird den involvierten Personen viel zu viel Gewicht gegeben. Das Verfahren um Iqbal Khan wird eingestellt werden. Die Verwendung von nicht nachvollziehbaren Kommunikationsmitteln wird von der FINMA gerügt werden. That’s it.

    • @Etwas zu viel John le Carré
      Das sehe ich genauso. Jedoch könnte man vermuten, dass die FINMA, unter dem Deckmantel des Enforcement-Verfahrens, diesen Fall jetzt so genau unter die Lupe nimmt, damit sie daraus ihre Lehren ziehen kann und sich gleichzeitig auf den neusten Stand bringen kann.
      Das ist doch die Masche von EY, KPMG und Baker Mckenzie. So bilden sie auf Kosten der Banken ihre Juniors aus.

  10. Ist einfach ein Skandal – wie die CS ihre Mitarbeiter NSAmässig überwacht und ich will gar nicht wissen, wo und was sie noch überall mitlesen. Es geht hier nicht um IK – es geht um jeden einzelnen.

    Schämt euch, denn auch eure Mitarbeiter haben innerhalb der CS Wände eine gewisse Privatsphäre, die ihnen zusteht. Macht doch noch über jeden Arbeitsplatz eine Kamera, dann habt ihr alles unter Kontrolle – ist das der Sinn und Zweck eines Arbeitgebers??

    Was in der Schweiz in der Zwischenzeit alles gemacht werden darf, eine reine Katastrophe!

    • Innerhalb und Ausserhalb der Wände der CS haben die Mitarbeiter der CS keine Privatsphäre.

      Sind selber dumm und selber verantwortlich für eine derartige Bank zu arbeiten. Es gibt genügend Alternativen.

    • Eine gemischte Task Force wird für jede Angelegenheit “formell” gegründet.
      Hauptkontrolleure sind Compliance- Sicherheit- und Rechtsdienst Angestellten.
      Frontverantwortichlen gehören nie dazu.
      E-Mail, Noten, Konten und Kollegen werden intensiv durchgesucht.
      Resultat bleibt normalerweise für immer geheim, Konsequenzen sind ein Witz.
      (Siehe Bermuda Desaster und Ivanishivili Betrug). CS trägt immer eine weisse Weste !

    • In der Allianz wird gar nicht erst untersucht. MA Hinweise ignoriert man. Schnallst du es nicht, wirst du entlassen. Interne, blinde E-Mail Adresse kann schon mal vorkommen. Compliance muss das Allianz DNA haben (Gehorsam, Obrigkeitsdenken) und die Wirtschaftsprüfer wollen auch im nächsten Jahr den lukrativen Job bekommen … Private Rechnungen der GL, könnte schon mal vorkommen … Die Firma ist pure Macht und halt doch keine Bank.

  11. Die horrenden Gehälter in den obersten Etagen führen nur dazu, dass gierige Kraken herangezüchtet werden die immer mehr wollen. Kein Wunder, muss eine Bank zu Überwachungsmethoden greifen, erbt sie doch nur, was sie gesät, wenn die Kraken erwachsen geworden. Loyalität gegenüber einem Unternehmen wie einem Mitarbeiter verlangt mehr und lässt sich nicht mit Geld kaufen. Das sollten sich die Banken vielleicht einmal überlegen. Ein einziges Armutszeugnis.

  12. Tja, Compliance bedeutet auch ein bisschen auspionieren…wenn man beweisen will, dass von etwas nichts wüsste, dann macht “ spionieren“, schauen dass die MA compliant sind, doch sinn!
    Das Problem hier ist die Frage: wieso gerade Khan? Was versteckt dahinter…das ist in interesse auch von Ubs und das Finanazplatz eigentlich…
    Nach dem Umbruch von digitale sind wir alle, überall auspioniert…auch kleine Firmen machen das, sogar Private…dann ist diese Geschichte, meiner Meinung nach, Bedeutungslos….entweder ist für alle verboten, oder für alle zulässig…wer kontrolliert dann? Ein Spion?

    • Hauptverantwortlich dafür ist der VRP. Eigentlich unverständlich dass die Aktionäre das immer wieder schlucken. Der Aktienkurs kennt nur eine Richtung – südwärts.