Abschied vom Messer – ein börsenwirksamer Fortschritt

HIFU basiert auf Ultraschall und ist so revolutionär wie Computer-Tomograf oder Ballonkatheter. Zwei Aktien sind im Fokus.

Als Student verbrachte ich freie Stunden in der Bibliothek des Kantonsspitals Zürich. In einem Buch über die Physiologie des operativen Eingriffs lernte ich, dass der eigentliche Eingriff – wie zum Beispiel die Entfernung der Gallenblase oder des Blinddarms – gar keine Sache ist.

Die Gefahr liegt oft mehr im Öffnen des Körpersund im Schaffen eines Zugangs bis zur Operationsstelle: Das ist eine Verletzung mit Gefahr von Blutverlust und Infektion. Dazu kommt noch das Narkoserisiko.

Vor zwanzig Jahren führte Intuitive Surgical (ISRG) den Operationsroboter ein, der komplexe Eingriffe durch bleistiftenge Körperöffnungen durchführen kann. Das Gerät war sehr teuer. Wegen obiger Lektüre sah ich das Potential sofort, obschon Fachwelt und Börse zweifelten. Ich investierte soviel ich konnte, der Aktienwert hat sich verhundertfacht.

Inzwischen macht eine neue Technik den operativen Zugang und das Messer oft ganz überflüssig: HIFU, der hochintensive focussierte Ultraschall. Seit Jahrzehnten funktionieren Nierensteinzertrümmerer mit Ultraschall.

Diese Technik wurde miniaturisiert. Ultraschallwellen werden wie mit einem Brennglas focussiert durch die intakte Körperoberfläche geschickt und konzentrieren sich an einem Punkt im Körperinneren, wo das lokale Gewebe verkocht wird.

Die Technik ist millimetergenau, gesteuert wird mit Ultraschallbildgebung. Weil die Haut nicht eröffnet wird entfällt Sterilität, Asepsis, Desinfektion, Wundversorgung, oft auch Operationssaal und sogar Narkose, was alles Kosten spart.

Zwei französische Firmen sind führend: Das Gerät Focal One von EDAP kann lokalisierte Prostatacarcinome eliminieren. Die Erfolge sind gleich wie bei der Operation, aber weitgehend ohne die gefürchteten Komplikationen wie Impotenz und Urininkontinenz.

Die Technik ist weltweit zugelassen und eingeführt, so auch in Zürich. Am 1. Januar 2021 erfolgt Versicherungsvergütung auch in den USA und die Verkäufe ziehen an.

Die Konkurrenz ist technisch und preislich im Hintertreffen. Die Firma weitet die Anwendung jetzt auf Endometriose und Lebermetastasen aus. Einnahmen entstehen durch Verkauf der Geräte, durch Unterhalt und Verbrauchsmaterial.

Wegen enormer Entwicklungskosten war die Firma bisher nur knapp profitabel. Das ändert jetzt, und einer Vervielfachung des Aktienkurses steht nichts mehr im Weg. Ein Buyout ist unwahrscheinlich, weil die Patente mit dem staatlichen Labor LabTAU in Lyon entwickelt wurden.

Ein Spinoff von EDAP ist Theraclion, welche das gleiche Prinzip für die Behandlung von gutartigen Schilddrüsen- und Brusttumoren einsetzt. Entfernung eines Schilddrüsenknotens mit HIFU kostet 65 Prozent weniger als die Operation.

Ein neuer Milliardenmarkt ist die Behandlung von Krampfadern ohne Stripping, Operation oder Injektion. Die Technik wird zur Zeit in 12 Universitätskliniken eingeführt und anschliessend generell verkauft.

Die Lernkurve ist minim, da die Diagnostik der Venenerkrankungen schon jetzt mit Ultraschall erfolgt. Das Interesse der Fachwelt ist enorm. Konkurrenz gibt es bisher nicht.

Die HIFU-Technik ist ein Quantensprung, wie der Ballonkatheter oder die Computertomographie. Die Finanzwelt hat das bisher nicht realisiert, weil sie nur auf aktuelle Profitabilität und Charts schaut, ohne Prinzip und Potential zu begreifen.

EDAP ist an der Börse mit rund 120 Millionen US-Dollar bewertet, Theraclion mit nur 20 Millionen Euro. Die Aktien kosten so wenig – EDAP 4, Theraclion 1,2 – dass man sie als Optionen auf einen später erst entstehenden Aktienwert ansehen kann. Natürlich habe ich soviel gekauft, wie ich kann.

Kommentare

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  1. Guten Tag Herr Fierz

    Danke für Ihren guten Beitrag. Verstehe die vielen negativen Beiträge nicht. Ja, die Zukunft wird die Wahrheit zeigen. Edap TMS ist an der Schwelle zur Profitabilität und hat Hightech im Köcher.
    Die Marktkapitalisierung ist wirklich tief.
    Genau wegen solchen Artikeln lese bin ich auf IP anzutrefen!

  2. …könnte das nicht ein Versuch der manipulation sein? Indem Dr.Firz, doch aufs falsche Pferd gesetzt hat und nun möchte dass viele „cholegaile“ Käufer dies mit machen, damit der Kurs in die höhe schnellt und Dr. Firz dann kurzfristig auf kosten der dummen seinen Gewinn realisieren kann.

  3. Sehr geehrter Herr Dr. Fierz
    vielen Dank für Ihren interessanten Artikel.
    Möglicherweise liegt es tatsächlich daran, dass die Börsengurus die Innovation nicht verstehen oder sich fragen, ob es nicht neue Probleme gibt, wenn krankes Gewebe, ohne es zu entfernen, einfach „verkocht“ wird?
    Der Börsenwert hat auch wenig mit Innovation zu tun, sondern wie erfolgreich eine Firma geführt wird. Wenn es eine funktionierende Sache ist, kommt am Schluss eine andere grössere Firma und bringt ein besseres Produkt, ohne Rücksicht auf Patente?

    • @maxer, es gibt diese technik bereits, andere anbieter die seit 15 jahren etabliert auf dem med.markt sind und mehr als 10 jahre an der börse. es geht hier nicht darum die „innovation“ zu verstehen, es geht um – wie sie bereits beschreiben, wer führt wie…
      zur patentfrage, wer hat hier wen kopiert?? wäre dann wohl die frage.

  4. Ein erfahrener Kenner der Buchmacherei wird als Verleger nicht erst darauf warten,
    dass ihm von schreibseligen, allezeit fertigen Schriftstellern ihre eigene Ware zum Verkauf angeboten wird;
    er sinnt sich als Direktor einer Fabrik die Materie sowohl als die Facon aus,
    welche mutmaßlich die größte Nachfrage oder allenfalls auch nur die schnellste Abnahme haben wird.

    Immanuel Kant
    * 22. April 1724 † 12. Februar 1804

    _

    https://de.wikipedia.org/wiki/Selektive_Wahrnehmung

  5. Das war die Werbung. Zurück zum Programm.

    Klingt schon vielversprechend. Jedoch kann man aus historischen Gewinnen (anderer) nicht auf zukünftige Gewinne schliessen. Es wäre auch nicht das erste Mal, dass etwas vielversprechendes im Sande verläuft, obwohl es viele Vorteile hat. Im Gegenteil, passiert dauernd.

    Es gibt eine Spritze ohne Nadel. Als die vor 20 Jahren eingeführt wurde dachte ich dass alles, ausser Blut abnehmen, in Zukunft schmerzlos sein wird. Möglich ist es. Kauft aber keiner (weil der Schmerz nicht beim Arzt liegt, der aber die Kaufentscheidung der Spritzen trifft). Photovoltaikzellen gibt es seit den 60ern, seit den 80ern sind sie am Markt für jeden zu kaufen, 30 Jahre dauerte es, bis ein paar davon verkauft wurden (weil Politiker Öl und Kohle billig gemacht haben, so das Photovoltaik den Nachteil des hohen Preises hat). Die besten Enegrgiespeicher kommen nicht auf den Markt (weil Produktionskapazitäten für schlechte Lithium-Speicher aufgebaut wurden, die man nicht abschreiben will). Elektrische Autos gab es schon zu Beginn der Automobilität (die Schäden durch Verbennung treffen aber nicht unmittelbar die Hersteller also benutzten sie diese, damals billigere, Methode). Nur weil es gut ist, nur weil es Vorteile hat, heisst also nicht, dass es auch wirtschaftlich ein Erfolg wird. Könnte schon, denn das Operationsrisiko ist dadurch geringer, das ist ein Vortel für die Ärzte (weniger Haftungsrisiken, weniger Tote in der Statistik) und die entscheiden über den Einsatz.

  6. Es ist unseriös, unehrenhaft und eine Frechheit, solch billige Werbung als „redaktionellen Beitrag“ unter die Leute zu bringen.

  7. Den Artikel findet man nun auch auf dem Blog von Lukas Fierz mit Literaturangaben. Diese sind erstens spärlich und zweitens qualitativ fragwürdig (Beobachtungsstudien). Für Medizinalprodukte braucht es in Europa (Schweiz) nur das CE Label, aber keine klinischen Studien. Dass die Amerikaner zusätzliche Informationen wollen ist positiv.

    • Wie gesagt hat die FDA die Methode aufgrund von in den USA reproduzierten Studien zugelassen. Man darf einem Medizinfoprossor zumuten, die Fachliteratur selber zusammenzusuchen, soweit er sie nicht kennt.

  8. Und was ist mit dem cyberknife aus der USA? Wird in der Schweiz schon an drei Kliniken angewendet! (Bern, Lausanne und Zürich).

    • Cyberknife funktioniert mit Röntgenstrahlen, ist für bösartige und inoperable Tumoren die erste Wahl hat aber mehr Nebenwirkungen.

  9. Bei Zeitpunkt dieses Kommentars +43.19% am heutigen Tag. Genau heute erscheint zudem Strong Buy eines einzigen Analysten bei FactSet. Alles Zufall? Eun Schelm wer sich dabei Böses denkt.

  10. Lieber Herr Fierz

    Was bezwecken Sie mit diesem Artikel?

    Wenn die Aktien tatsächlich so toll sind sollten Sie schweigen und Monat für Monat zukaufen.
    Wenn Sie hier eine Aktien mit einer Börsenkapitalisierung von nur 120 Mio USD bzw 20 Mio EUR über allen Klee loben setzen Sie sich dem Verdacht aus ein Pump’n’Dump-Sceme zu betreiben…

    PS: Theraclion ist heute Morgen 16% im plus…

  11. Sehr interessant, danke.
    Auf Seeking Alpha ist gerade eine Analyse der Aktie, leider kostenpflichtig.
    Der optisch niedrige Aktienpreis vermindert allerdings nicht das Risiko.

  12. Äusserst kompetente und fundamentale Analyse, er hat vor 40 Jahren etwas darüber gelesen. Man führe sich die historischen Kurse zu Gemüte. Soll da etwas gepusht werden? Bitte allfällige Interessenskonflikte offenlegen Herr Fierz.

    • Ich lege ja offen, dass ich soviel investiert habe, wie ich vermag. Und geleichzeitig nenne ich die Gründe. Ist alles transparent.

  13. „Die Aktien kosten so wenig – EDAP 4, Theraclion 1,2 – dass man sie als Optionen auf einen später erst entstehenden Aktienwert ansehen kann.“ – Lieber Lukas Fierz, der absolute Preis einer Aktie sagt über ihren Wert herzlich wenig aus, vielmehr muss er u.a. in Relation zur Anzahl ausgegebener (bzw. auszugebender) Aktien gesetzt werden: Ein Unternehmenswert geteilt durch eine kleine Anzahl Aktien gibt einen hohen Preis (siehe z.B. Lindt&Sprüngli), geteilt durch eine grosse Anzahl Aktien einen tiefen Preis pro Aktie (vgl. L&S mit Mondelez). Das ist eigentlich Allgemeinwissen…

    • Hallo Realist: Ich hab die Börsenkapitalisierung ja angegeben, kann jeder selber die Rechnung machen: 20 Millionen Börsenbewertung für eine Theraclion, die daran sind, einen Milliardenmarkt zu eröffnen ist wirklich lächerlich.

  14. Lieber Lukas
    Bleib medizinisch bei den Fakten. Wo sind die kontrollierten Studien, die zeigen, dass diese neuen Methoden überlegen sind?
    Aber deine grossen Gewinne seien dir gegönnt. Heinz

    • Danke für die Frage: Man kann jede Aussage des Beitrags belegen, aber das würde den Rahmen von Insideparadeplatz sprengen. Nur soviel: Um die FDA-Zulassung für Focal One bei Prostatacarcinom zu erhalten genügten die mehrfachen kontrollierten Studien aus Europa nicht, sie mussten in den USA wiederholt werden und das Ergebnis war gleich: Die Wirkung auf den Krebs ist gleich wie bei Operation, die Nebenwirkungen massiv reduziert. Für Endometriose und Krampfadern sind die ersten Versuche überzeugend, Grossversuche laufen. Ich werde den Artikel in den nächsten Tagen mit vollständigen Literaturangaben auf meinen Blog stellen.

    • Mitte 90iger-Jahre: Service-Club-Ausflug ins Paul Scherrer Institut; Uns wurde voller Stolz ein Photovoltaik-Experiment gezeigt (durch die Kraft von Sonnenergie geschmolzener Sand zu Glas). Auf demselben Rundgang wurde uns (in einer anderen Ecke des PSI) eine Protonenkanone gezeigt. Und erwähnt, dass sie mit dieser ‚Kanone‘, auch um nebenbei Einnahmen zu generieren, hoffnungslose Krebspatienten behandeln. Deren Karzinome lagen meist nahe der Wirbelsäule, mit entsprechend hohem Operationsrisiko. Mit dieser ‚Kanone‘ könne man aber diese Tumore „zentimetergenau“ und erfolgreich zertrümmern. Dies bereits vor etwa 25 Jahren – in der Schweiz. Ein Vorgeschmack von (damals schon) wahrgewordener ‚Science-Fiction.

    • Hallo Hopplaschorsch, die Protonenkanone war eine Sensation, weil sie erstmals Energie lokal tief im Gewebe freisetzen konnte, ohne die Körperoberfläche zu belasten. Das wurde anfangs auch als Argument benutzt um den Bau dieses Protonenbeschleunigers für Dutzende von Millionen durchzusetzen. Aber diese Geräte sind zu teuer für normale Anwendungen. HIFU setzt ebenfalls Energie lokalisiert in der Tiefe frei. Die Geräte kosten ab einige Hunderttausend Franken, sind so für viele Institute tragbar.

  15. Kontrolliert euren Appetit, ihr Lieben,
    und ihr habt die menschliche Natur erobert.

    Charles John Huffam Dickens, (als Pseudonym auch Boz; * 7. Februar 1812 in Landport bei Portsmouth, England; † 9. Juni 1870 auf seinem Landsitz Gads Hill Place in Higham bei Rochester, England) war ein englischer Schriftsteller.

    https://de.erbe-med.com/de-de/produkte/

    • Lieber Torpedo, ich habe genug und muss mich nicht bereichern. Aber Lukas Hässig hat mich schon dreimal angefragt, ob ich nicht wieder mal was für Insideparadeplatz schreiben wolle. Zweimal ist mir nichts eingefallen und beim dritten Mal hab ich gedacht, ich könnte ja was über die Schnittstelle Finanz-Medizin schreiben, d.h. die Finanzwelt darüber informieren, dass in der Medizin eine Revolution abläuft die sie bisher übersehen hat. Theraclion ist übrigens heute 10 Prozent gestiegen un d in einem Jahr werden wir sehen, ob ich recht hatte.

  16. Hofft da einer mit einem Bericht auf IP grosse Kasse machen zu können?
    Versuchen kann man es ja, aber er zeigt deutlich wie Politiker, oder ex. Politiker charakterlich ausgestattet sind um sich persönliche Vorteile zu verschaffen.

    • @ Lieber Dr. Lukas Fierz

      Wenn die Aktie um 10% ansteigt, dann hat der Bericht ja bereits Wirkung gezeigt. Mit nur wenigen Worten, Computertastatur “Buebätrickli“ und engem “Markt“ erzielt man rasch “Gewinne“. Erstaunlich leicht, Gratulation.
      Gerne erwarten wir Ihre nächsten Berichte.