Paradeplatz-Galerist landet vor Richter

Laut Medien muss sich neben Dolder-Besitzer Schwarzenbach und dessen Anwalt auch Gmurzynska-Partner verteidigen.

Im Fall Eidgenössische Zollverwaltung gegen Urs Schwarzenbach kommt es laut Tages-Anzeiger zum Highnoon. In 2 Wochen entscheidet das Bezirksgericht Zürich über Schmuggel-Vorwürfe.

Die Dimension ist riesig. Schwarzenbach soll zusammen mit Helfern Kunst über 100 Millionen am Zoll vorbei ins Land geschafft und so 11 Millionen Zoll eingespart haben, so die Verwaltung.

Neben Schwarzenbach und seinem Anwalt und Berater Ulrich Kohli, der auch Krimis schreibt, steht ein Dritter in diesem Thriller vor den Gerichtsschranken.

Der blieb bislang am wenigsten beachtet in dieser Geschichte von Geld und Kunst. Es handelt sich um Mathias Rastorfer, Partner der berühmten und umstrittenen Kunstgalerie Gmurzynska, mit Zentrale direkt am Paradeplatz.

Herrscher der Szene (Twitter)

Gmurzynska gilt führend bei russischen Kunstwerken, Geschäftsführer Rastorfer ist die treibende Kraft, zusammen mit Krystyna Gmurzynska.

Diese ist die Tochter von Antonina Gmurzynska, einer polnischen Immigrantin, welche die Galerie vor 55 Jahren in Köln gegründet hatte.

Mathias Rastorfer gilt als grosse Figur im Galeriemarkt. Er geriet schon einmal ins Visier des Tages-Anzeigers, als er der Art Basel nichts von der Busse der Zollverwaltung im Schmuggel-Fall Schwarzenbach sagte.

Damals schrieb die Zeitung, dass Rastorfer prominent am „Verhaltenskodex“ der Kunsthändler mitgearbeitet habe. Mit diesem will sich die Branche eigene Standards setzen.

Beste Lage, umstrittene Praxis (Gmurzynska)

Mit Blick auf den Prozess in zwei Wochen sagte ein Sprecher der Galerie Gmurzynska gegenüber der Zeitung: „Wir sind froh, dass wir nach acht Jahren Verfahren nun endlich vor Gericht unsere Sicht der Dinge aufzeigen können.“

Als Verteidiger hat die Galerie Lorenz Erni, den bekannten Strafanwalt, der auch Pierin Vincenz zur Seite steht.

Die Coolness der Galerie kontrastiert mit einer langen Geschichte von Skandalen und Fragwürdigkeiten. Auf Wikipedia finden sich unter „Controversies“ vier davon:

„1993 smuggling of Nikolai Khardzhiev collection; Edelman v Gmurzynska insurance dispute; 2013 Hotel Dolder VAT evasion and gallery raid by Swiss Customs; 2018 hiring of Benjamin Genocchio“.

Bei letzterem handelt es sich um den Chef des New Yorker Gmurzynska-Ablegers, der mit Sexual Harassment-Fällen zu reden gegeben hatte.

In Köln, dem Ursprungsort der Galerie, sorgte das dortige Museum Ludwig kürzlich mit einer Pressemitteilung für Aufregung in der Kunstszene. Man habe in der eigenen Sammlung „Fälschungen“ entlarvt.

Das Ludwig-Museum ist gross geworden mit russischen Avantgarde-Künstlern. Der verstorbene Peter Ludwig, ein Schokoladeunternehmer, der das Museum mit seiner Frau gegründet hatte, hatte einst bei Gmurzynska eingekauft.

Rund 400 der 600 Avantgarde-Werken, mit denen sich das Museum seinen Namen gemacht hatte, stammten von der Galerie.

Das Museum wollte nun wissen, ob unter 100 Gemälden Fälschungen dabei wären. Bei 49 Gemälden liegt das Resultat der durchgeführten Kunst-Prüfungen vor.

„Bei 22 Werken wird angenommen, dass sie nicht authentisch sind, bei 27 geht das Museum davon aus, dass es sich um Originale handelt“, meldete koeln.de im September. Also knapp die Hälfte wären gefälscht.

Das Thema erhielt eine eigene Ausstellung, die noch bis Januar unter dem Titel „Russische Avantgarde im Museum Ludwig – Original und Fälschung“ zu sehen ist.

Die Galerie Gmurzynska versuchte, genau dies zu verhindern. Sie zog gegen das Ludwig Museum vor Gericht, wo sie verlangte, im voraus über die Ergebnisse der Untersuchung informiert zu werden.

In zweiter Instanz lehnten die Richter das Anliegen ab, worauf der Weg für das Museum, die Aufsehen erregende Pressemitteilung und die Ausstellung frei war.

Ein Sprecher von Gmurzynska meinte auf Anfrage, dass sich die Galerie am Wort „Fälschungen“ störe.

Es handle sich „bei den vom Museum untersuchten Werken, die in den 70iger und 80iger Jahren erworben wurden, nicht um ‚Fälschungen’“, davon würde selbst das Museum Ludwig nicht mehr sprechen

Dort sei die Rede von einem „Zwischenstand“ und von „veränderten Zuschreibungen“, so der Sprecher. Und weiter:

„Aufgrund der Intransparenz und mangelnden Kooperation des Museums hatte die Galerie eine Klage angestrengt mit dem Ziel, den in der Wissenschaft üblichen Diskurs anhand und über die Untersuchungsergebnisse beziehungsweise Methodiken zu erreichen“

„Nur darum ging es bei der Klage, die in der ersten Instanz auch erfolgreich war.“

„Nun werden ‚Zwischenergebnisse‘ präsentiert, deren Entstehung von Experten nicht nachvollzogen werden kann, ohne die führenden Experten der Russischen Avantgarde in die ‚Untersuchungen‘ einzubinden und ohne bis heute die Technischen Analysen vorzulegen.“

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Kommentare

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  1. Tja der Kunsthandel… Die Galerie machte schon mal von sich reden. Der Galeristensohn hat einen Freund in Küsnacht ermordet.

    • @Allemann: Trifft nicht ganz zu! Diese Galierie befindet sich direkt am Paradeplatz. Die andere auf der anderen Seite der Nationalbank!

  2. Wer gegen die überbordenden Preise des Kunsthandels ist, der muss nur dafür sorgen, dass den Notenbanken und Banken das Monopol der beliebig vermehrbaren Kreditwährungen/ Falschgelderzeugung (Giralgeldschöpfung) entrissen wird.

    Dann werden sämtliche Kunstwerke nicht mehr zur Wertaufbewahrung oder Spekulation gekauft, und sofort zu tieferen Preisen gehandelt.

    In erster Linie wird in diese Kunstwerke investiert, weil die beliebig vermehrbaren Falschgeld-Währungen wie Dollar, Euro, Schweizer Franken, Yen und Co.. als Wertaufbewahrungsmittel völlig untauglich, und immer wertloser sind. Die betrügerischen Währungen der Notenbanker und Banker werden immer mehr zu totalem Schrott, deshalb flüchten immer mehr Leute in Sachwerte zur Wertspeicherung. Die Inflationsraten sind in Wahrheit viel höher. Nur wollen das die Banker und Politiker vertuschen damit es in der Bevölkerung keinen Aufschrei gibt. Die Berechnungen der Inflationsraten werden deshalb gefälscht.
    Politiker und Banker wollen nicht zugeben, dass der Zug langsam Fahrt in Richtung Hyperinflation aufnimmt!!!!!!
    Wenn der Zug erst mal abgefahren ist kann er kaum noch gestoppt werden und die hochverschuldeten Regierungen sind gar nicht daran interessiert diesen noch zu stoppen, denn mit der Entwertung der Währungen, werden auch die betrügerischen Schuldenberge entwertet. Das gleiche geschieht natürlich mit den Bankkontoguthaben des “Bürgerdumms“, sie werden sozusagen unsichtbar enteignet, die “Kohle“ auf dem Bankkonto ist nichts mehr wert, ebenso die Renten der Alten, sowie die Einzahlungen der Jungen in die AHV etc.
    Sie leben in einem System mit Verarschung pur!!
    Mit physischem Gold und Silber kann jeder dieser Verarschung und den Betrügereien der Regierungen und Banker ausweichen.

  3. Wann endlich wird dem Kohli das Anwaltspatent entzogen? Bei verschienenen Banken auf dem Platz Zürich ist er zudem sattsam bekannt als versierter Spezialist in allerhand Geldwäschereifragen.

    Sein Geschäftsmodell :
    Müssen Sie sich für ungerechtfertigte (Geldwäscherei-)Vorwürfe auf Ihrem (Schweizer) Bankkonto rechtfertigen? Ist Ihr legitimes Geschäft durch (Schweizer) Banken bedroht? Wird behauptete, dass Sie oder Ihr Unternehmen ein (Reputations-) Risiko für die Bank darstellt? Müssen Sie vergangene Transaktionen plötzlich nach- und/oder erneut dokumentieren? Ist Ihr Geschäft von Kontoschliessungen betroffen? Wurde Ihr (Schweizer) Bankkonto ungerechtfertigt bei der Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) gemeldet worden? Sind Sie aufgrund von Transaktionen auf Ihrem Konto oder dem Konto Ihres Unternehmens gar strafrechtlich verfolgt worden? Kohli Urbach Rechtsanwälte AG sind die Spezialisten, die Sie unterstützen und Ihnen helfen, sich rechtmässig im (Schweizer) Finanzmarkt zu bewegen. Wir haben das Know-how, um Ihre Bankgeschäfte richtig zu strukturieren. Wir sind 24/7 für Sie da.

    https://kohli-urbach.ch/de/news

  4. Mir sagte ein Fachmann vor Jahren speziell US Museen würden Besuche von fachkundigen Experten nicht so gerne sehen, weil vollgestopft mit Fälschungen. Anscheinend sind die Europäer nicht besser. Der Sammler Ludwig hat viel Geld verdient in dem er zweifelhafte Werke namhaften Museen als Leihgabe aufdrängte, dann anschliessend mit nettem Gewinn verkaufte – entweder an das Museum selbst oder einen Sammler (hing im Museum, muss also echt/wertvoll sein)

  5. „vo de Ryche lehrt me spaare“. Steuern sind immer noch der beste Anlagewert. Die legalen Umgehungsmöglichkeiten sind ja noch immer da. Gerade bei Kunst: es ist nicht kunst etwas zu schaffen, sondern das Resultat zu verkaufen. Mal sehen, was dieser Markt sonst noch zu bieten hat: Finma: „Vorstufe zur Geldwäscherei“. Spannend, was da noch alles kommen kann?

    • Jä super, woher willst ausgerechnet Du das wissen?

      Das ist der Scheiss an IP: lauter vom Leben frustrierte Kommentierer (meist Böcke, sorry für den Ausdruck)aus Bereichen, wo sie nichts davon verstehen.

      Ausnahmen: wenn man mal wieder die SNB oder ein Thema diskutiert, das etwsa enegr mit dem eigentlichen „Parade“ zu tun hat.

    • @ Honi soit…

      Solange alles (Staaten, “Gutmenschen-Politiker/-.innen“, Justiz, Polizei, Zoll, Richter, und Gerichte) mit Falschgeld finanziert wird, brauchen wir uns über Geldwäscherei gar nicht zu unterhalten, denn es handelt sich tatsächlich um FALSCHGELDWÄSCHEREI, und damit finanzieren sich sämtliche Staaten selbst. Der Betrug fängt schon bei all diesen Staaten an, die nur auf der Grundlage von Unterdrückung, Erpressung, “Falschgeld-Finanziereri“, (mittels unendlichen Schuldenbergen) und Betrug aufgebaut sind. Es sind veraltete Relikte mit Gewaltmonopol aus vergangenen “Herrschaftszeiten des Hochadels“, mit denen die Menschen bis heute eingeschüchtert werden.

    • Nein, gibt es nicht. Zumindest nicht, wenn man so tief in der Sch…se steckt wie die Jungs hier.

    • Doch, die gibt es. Sind aber nicht gerne in den Medien wie VL (Erni übrigens scheut die Medien, da bewundere ich ihn, dass er der Versuchung widersteht).

    • @ Archimedes

      …..Gibt es ausser den jetzigen Bundesräten/-.innen und Parlamentarier/-.innen keine anderen Politiker?

      Gibt es ausser den jetzigen Bundesanwälten und Staatsanwälten keine anderen, die sich zum Beispiel mal mit dem betrügerischen, kriminellen Finanzsystem und seinen Betreibern auseinander setzen?

  6. Die Kunstszene, eine der letzten Zufluchtsorte für die Reichenszene in Zürich und Global. Hier wird viel Geld verdient, diskret, meistens korrekt. Man ist unter sich, muss sich nich den Niederungen von Gier, Neid, Missgunst auseinander setzen. Dabei ist die Kunstszene in diesen Spheren ein ziemlicher Augiasstall gespickt mit der Creme de la Creme der Schweizer A und B – Liga. Wobei ich hier Christoph Blocher explizit ausschliesse. Das hat er nicht nötig.

  7. Spannend, habe mich immer gewundert, dass diese Galerie, in der nie ein Besucher vor Ort ist, überlebt. Da kam mir immer der Gedanke von Geldwäsche. Und jetzt das mit Urs Schwarzenbach.

    Ist das der neueste Skandal in der Schweiz – ein Kunstskandal? In unserem Land tummeln sich offenbar besonders viele Trickser, wenn auch elegante.

  8. Auch im Kunstmarkt wird gedealt und beschissen, das sich die Balken biegen. Da ist die Adresse der Galerie ja sehr gut gewählt, so kann man sich bei den Dealern in den Banken die einschlägigen Ratschläge zu Fuss abholen.

  9. „Meine Abneigung gegen den Kunsthandel hat seinen Ursprung auch im professionellen Expertentum.“

    Wolfgang Beltracchi (* 4. Februar 1951 als Wolfgang Fischer in Höxter) ist ein deutscher Maler und ehemaliger Kunstfälscher.[1] Er wurde am 27. Oktober 2011 in einem der größten Kunstfälscherprozesse seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt.[2] Ermittler gehen von einem Betrugsgewinn zwischen 20 und 50 Millionen Euro aus.

    • Ich will dem Betruge seinen Rang nicht nehmen. Das hieße die Welt schlecht verstehen. Ich weiß, daß er sehr oft nützliche Dienste geleistet hat und daß er die meisten Stände der Menschen nährt und erhält.

      Essays 3, 1

      Michel Eyquem de Montaigne
      französischer Humanist
      * 28.02.1533, † 13.09.1592

  10. Was im Kunstgeschäft abläuft macht sogar ruchloseste Investmentbanker zu Chorknaben. Was die Gesetzgeber abhält durchzugreifen ist seit Jahrzehnten nicht zu verstehen. Echt nicht echt, hunderte von Millionen für Pinselstriche unter dem Deckmantel Kultur und Kulturerbe – Ich lach mit tot.

    • @Sparschwein

      Wieviele Milliarden Steuerfalschgelder werden sinnlos in UNESCO-Welterbe-“Sterbe“-“Projekte“ verlocht?

  11. Jetzt zitiert Lukas schon Wikipedia – ein No-go bereits für jeden Gymi-Schüler. Die Latte für Betreiber von (Schund-)Blogs scheint einiges tiefer zu liegen.