„Bilanz“ schätzt VZ-Chef Reinhart auf 2,5 Mrd.

Aufsteiger in der Reichsten-Ausgabe sind Nicht-Banker: Tech-Bürki, Import-Export-Cisullo, Software-Fernandez.

Wer heute im Banking reich werden will, braucht keine Sparer und Kreditnehmer. Sondern einen starken Computer und gute Beziehungen.

Das zeigt die Bilanz-Jahresausgabe der 300 Reichsten in der Schweiz, die heute aufliegt. Während in der Kategorie „Banker“ SVP-Nationalrat Thomas Matter (150-200 Mio.) am meisten Glamour verströmt, sind die „Dienstleister“ die wahren Sieger.

Zuoberst Matthias Reinhart. Der Chef des VZ Vermögenszentrums ist nach Schätzung des Wirtschaftsmagazins 2 bis 2,5 Milliarden (!) reich.

Das ist ein unglaublicher Aufstieg. Reinhart begann vor 27 Jahren zusammen mit seinem verstorbenen Partner Max Bolanz als Kleinstfirma. Angebot: Wir beraten in Finanzfragen – unabhängig.

Daraus wurde ein Imperium. 14 Jahre nach dem Start, im 2007, ging Reinhart an die Börse. Nun zählt er zu den Milliardären im Land.

Vom Mini-Starter zum 2,5 Milliarden-Mann (Bilanz)

War bei Reinhart die Unabhängigkeit entscheidend, ist es beim zweiten grossen Aufsteiger in der Finanz-Industrie die Technologie.

Marc Bürki startete 1996, also nur 3 Jahre nach Reinhart. Bereits 2000 ging Bürki mit seiner Onlinebank Swissquote an die Börse – just als der grosse Tech-Crash begann.

Wie konnten Bürki, sein Partner Paolo Buzzi und ihr Baby Swissquote trotzdem durchstarten? Wie schafften es die beiden Unternehmer, heute von der Bilanz auf 250 bis 300 Millionen Vermögen geschätzt zu werden?

Indem sie auf Eigenaufbau und Ingenieurskunst setzten. Bürki ist Techniker, kein Banker. Er baute einen grossen Computer, der allen günstige Börsen-Deals ermöglichte.

Nun erweitert er seinen Firmensitz in Gland VD, neu können dort über 1’500 Leute arbeiten.

Techies sind die Winner-Banker (Bilanz)

Der rasende Aufstieg birgt Gefahren. Das Swissquote-System gab in letzter Zeit bei starker Belastung immer wieder den Geist auf.

Am Reichtum Bürkis ändert das nichts – auch wenn dieser nicht auf dem Bankkonto aufleuchtet, sondern in der eigenen Firma schlummert.

Der Dritte, der nicht mit Banking, sondern mit Services rund ums Banking nach oben gekommen ist, heisst Francisco Fernandez.

Der Gründer und Noch-Präsident der Zürcher Computerfirma bringt laut Bilanz gigantische 700 bis 800 Millionen auf die Waage.

Fernandez, Liebhaber von Ferraris und McLarens, wurde vom kleinen Programmierer, der einst in Martin Ebners BZ Bank startete, zum Multi-Multi-Millionär.

Sein Durchbruch war der einstige Software-Auftrag der Nationalbank. Mit diesem „Ritterschlag“ eroberte Fernandez mit seiner Avaloq-Banken-Software den ganzen Schweizer Finanzplatz.

Die später erfolgte Ausweitung aufs Insourcing verlief harzig. Doch mit dem kürzlich erfolgten 2-Milliarden-Verkauf der Avaloq nach Japan ist Fernandez fast in der Milliardärs-Liga angelangt.

Schliesslich noch einer, der mit – und nicht im – Banking vermögend geworden ist.

Und zwar, indem er sich bei der CS und der UBS weit oben ins rechte Licht zu rücken wusste und schliesslich den Jackpot knackte, was ihn jetzt in die Kategorie der 200- bis 250fachen Millionäre hievt.

Die Rede ist von Claudio Cisullo. Der einstige Hardware-Verkäufer, quasi der Pizzakurier der Computerbranche, erhielt vor 7 Jahren von der UBS den weltweiten Einkauf zugesprochen – Chef Sergio Ermotti sei Dank.

Damit konnte Cisullos Chain-IQ richtig loslegen. Die UBS ihrerseits rechnete sich den Deal schön.

Sie überliess Cisullo das ganze Auftragsvolumen zum Nulltarif, wollte aber von Synergieen profitieren. Am Ende musste die Bank einen Teil des Einkaufs wieder in die eigene Hand nehmen.

Für Cisullo kein Problem. Mit dem UBS-Auftrag als Basis eroberte seine Chain-IQ weitere Aufträge, darunter solche der CS und der Implenia – wo ein anderer guter Bekannter sitzt: Hans-Ulrich Meister, einst Credit Suisse.

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Kommentare

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  1. Liebe umtriebige Journalisten, die ihr jährlich Ranglisten erstellt:

    Interessanter als Ranglisten nach Vermögen wäre zu wissen wie denn der Reichtum erwirtschaftet wurde:
    – Durch ein innovatives Geschäftsmodell
    – Durch ein innovatives Produkt und dessen Vermarktung
    – Durch ein start-up besonderer Art
    – Durch spezifisches Know-how
    Dahinter stehen Leistung, Risikofreudigkeit und Durchhaltewillen. Ich bewundere diese Menschen und mag ihnen den Reichtum von Herzen gönnen. Wir brauchen mehr von ihnen!

    Dagegen gibt es auch Reichtum entstanden durch:
    – Illegale Geschäftsmodelle
    – Geldwäscherei
    – Insiderdeals
    – Glücksspiele und Spekulation
    – Diebstahl am Volksvermögen
    – Erbschaft
    Auch diese „Reichen“ erscheinen wertfrei in den Ranglisten und nicht selten im oberen Teil.

    Unter Einbezug solcher Kriterien würde sich die Werteskala wohl etwas verschieben und die Glorifizierung des Reichtums per se nicht mehr einen wertneutralen Stellenwert haben.

  2. Gut gemacht. Wäre aber noch schöner, wenn die Performance bei der VZ Vermögensverwaltung mit der Wertsteigerung des Vermögens mithalten könnte.

  3. Haben Sie es schon gewusst? Bei Swissquote können Sie ein Konto unter dem Namen irgend einer bekannten oder unbekannten, resp. nicht existierenden, Person errichten.

    Die Identität des neuen Konteninhabers wird ganz locker – oder zuweilen gar nicht – überprüft. Funktioniert auch als Durchlaufkonto für irgendwelche Geschäfte, sobald einmal einige Börsenkäufe abgewickelt sind.
    Alles läuft über Internet. Compliance scheint ein Fremdwort zu sein.

    Versuchen Sie es einmal. Sie werden staunen!

    Bürki mit seiner Swissquote ist ein wichtiger Steuerzahler und Arbeitgeber an der Waadtländer Côte.
    Auf die Finger schaut ihm offensichtlich niemand, denn man will ihn nicht ärgern mit dem Risiko, dass dieser Goldfasan plötzlich davon fliegt.

    • … wo heute andere Firmen kleine Pumpfläschchen mit Corona-Desinfektionsmittel stehen haben, stehen bei VZ Fläschchen mit Haargel für die Jung-Berater. Grauhaarig sind die nur die
      Kunden, die von den Gegelten eingeseift werden ….

    • @Sozialdetetiv
      Selten so einen Blödsinn gelesen. Sind Sie ein (schlechter) Kunde der VZ oder einfach neidisch auf das wirklich gute Businessmodell der VZ? Habe bis heute kein Gel dort gefunden…

  4. Bitte nach sog. „Reichen“ differenzieren. Jemand der z.B. durch Insiderwissen sog. „reich“ wird ist anders zu beurteilen als jener, der durch eine Geschäftsidee und Leistung im Realbereich (im Gegensatz zum virtuellen Bereich) reich geworden ist.

    Mit „Insiderwissen“ meine ich, wenn z.B. ein Inhaber einer Privatbank im Wissen um die bevorstehende Fusion und damit verbundene höhere Aktienbewertung seiner Bank Aktienpakete seiner Bank am Markt im Vorfeld der Fusion und in Kenntnis des Übernahmepreises im grossen Stil zurückkauft, um Sie dann mit einem erklecklichen Gewinn dem Fusionspartner anzudienen. Dabei geht es um Millionengewinne im zweistelligen Bereich. Dahinter steckt Insiderwissen, jedoch keine direkt real wertschöpfende Tätigkeit.

    Einige PK-Portfolio-Manager könnten hier als whistle-blower aussagen. Tun sie aber nicht, da sie Teil dieses System waren (und sind).

    Sei noch daran erinnert, dass sog. front running als Insiderdelikt einen Straftatbestand darstellt. Da die Beweisführung schwierig ist (die „Profis“ schaffen die Beweise weg, indem sie den Deal über Drittkonti im Ausland abwickeln und so anonymisiert bleiben) werden diese Verfahren mangels Beweisen oft eingestellt. Daher die geringe Anzahl an gerichtlich verfolgten Insidertatbeständen infolge weggeschafter oder vertuschter Beweise.

    Hier noch einige Links in die Materie:

    https://www.handelszeitung.ch/unternehmen/bankenfusion-kurssprung-sei-nicht-voraussehbar-gewesen

    https://www.fuw.ch/article/insiderdelikte-komplexe-verfahren-kaputte-reputationen/

    https://www.20min.ch/story/insider-verfahren-gegen-andy-rihs-eingestellt-766641638132

    http://www.news.ch/Untersuchung+gegen+Rauh+eingestellt/275827/detail.htm

  5. Ich glaube die einzigen die noch nicht verstanden haben, dass sie nicht mehr die Elite darstellen, sind die Banker.

    Es ist die Zeit der neuen Elite und die heisst Tech! Der Zyklus geht weiter, nach Industrie, Ölindustrie, Hochfinanz.

  6. „…der allen günstige Börsen-Deals ermöglichte.“ Herr Hässig – kennen Sie die Gebühren dieser Abzocker? Und der Support (=0)!

  7. Der frischgebackene Milliardär wird wohl wie alle seine Kollegen:innen der Superreichen sich im sozialen Wohnungsbau betätigen, damit die einkommensschwachen Schichten der Schweiz zu einer schönen bezahlbare Wohnung kommen. Sicherlich wird es sich auch in der Obdachlosenhilfe betätigen und die Gassenküchen unterstützen. So gesehen, hat es Vorteile, wenn es sehr viele Milliardäre:innen in der Schweiz gibt.
    Gunther Kropp, Basel

  8. Schon wieder das Sensations-Ranking. Vermutlich noch die einzige Existenzberechtigung der Bilanz. Schade. Sind solche Rankings wichtig für Transparenz? Interessanter wäre, wenn man die Kader- und Cheflöhne der Top-Beamten in der Schweiz durchleuchten würden. In solchen Positionen wird erfahrungsgemäss um 17 Uhr ausgestempelt. Bezahlt werden diese Positionen von den Steuerzahlern. In der Privatwirtschaft brennen die Lichter aber bis tief in die Nacht. Ob man jetzt die Teppich-Etagen mag oder nicht. Firmen wie das VZ wurden zumindest auf eigenes Risiko gegründet. Unternehmertum ist ein Wert. Auch sollte man nicht vergessen: Zehn Prozent der Steuerpflichtigen sind für 90 Prozent des Vermögenssteuerertrages verantwortlich.

    • „In solchen Positionen wird erfahrungsgemäss um 17 Uhr ausgestempelt.“ Sind diese Parasiten und Schmarotzer am Volkskörper der Zwangssteuerzahler mit Lohnausweis den überhaupt anwesen? Wenn ja, glaube ich kaum, dass die bis 17 Uhr den Sessel wärmen! Ausserdem müssen die ja schauen, dass sie in den Gängen und Treppen und Liften aneinander vorbeikommen!

  9. congrats an alle die mit arbeit, intelligenz und auch etwas glueck das erreicht haben. die organisierte umbuchung
    bei der ubs für chain iq gehört für
    mich aber in ein anders gebiet.

  10. ich mag es jedem dieser Menschen gönnen, wenn sie durch eine gute idee und viel disziplin ihre absichten so monitarisieren konnten.

    vergessen wir aber bitte nicht diejenigen, die auch eine super idee hatten, ihr herzblut hineinsteckten, ihr vermögen investierten und dann aus irgendwelchen gründen scheiterten und dann mit einem berg von schulden zurückbleiben. corona zeigt uns zurzeit schön, dass der erfolgreiche nicht deshalb erfolgreich ist der idee halber, sondern wegen des timings.

  11. Einige gravierende technische Probleme mit Swissquote seit mehreren Wochen. Einen Börsenauftrag neu erfassen, braucht neuerdings mehrere Anläufe. Unzuverlässig und ärgerlich für viele Kunden.

    CEO Marc Bürki mit einem Faible für teure Architektur, sollte endlich sein Augenmerk richten auf seine unzureichende technische Infrastruktur.

    Der geplante 15-stöckige Prestigebau ist bloss „nice to have“.

  12. Matter mit 150-200 Mio :)))) lächerlich, dann hätte er seit dem Frühjahr an der Börse keinen Franken verdient. Die Zahlen sind kreuzfalsch aber die BILANZ ist ja kein ernsthaftes Wirtschaftsmagazin mehr, sondern eher ein Wirtschafts-Glamour-Magazin….Habe auch eine Frau darin gefunden, die auf 400 Mio geschätzt wird und die ich kenne. Lääächerlich, die Frau ist in Wahrheit über 1 Mrd schwer, protzt aber nirgends und macht kein Tamtam darum.

  13. Zum Glück gibt es noch reiche Leute in der Schweiz. Die zahlen den grössten Teil der Bundessteuer! – die einige Politiker, die Reiche verachten, grosszügig ausgeben. – Gratulation an die Personen die innovativ sind und Firmenwert geschaffen haben.

    • @veritas & @wahrheitsfremd
      Nun, Thomas Matter ist immerhin Unternehmer und hat mit Risiko, Schweiss und schlaflosen Nächten eigene Firmen aufgebaut. Sie beide sind wohl eher Angestellte und deshalb voller Neid.

  14. Swissquote ist die erbärmlichste Online-Bank die ich kenne. Jedesmal wenn es interessant wäre zu handeln, klemmt die Plattform!! Ich speche nicht von Liquiditätsengpass am Markt, sondern davon dass man sich nicht einloggen kann oder Aufträge erteilen kann. So werde ich als Broker reich, bravo. UBS mag ein Saftladen oder Selbstbedienungsladen sein, aber in diesem Bereich sind sie um LICHTJAHRE voraus!! Swissquote ist bloss „Retailkunden-Abzocke“.

    • So wird der Broker nicht reich – er verliert Aufträge, wenn die Plattform nicht funktioniert. Und irgendwann verliert er auch Kunden.